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Wenn Rauchen krank macht: Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung

1 Kommentar Dienstag, 24. November 2015

Husten mit schleimigem Auswurf, Atemnot und Herz-Kreislauf-Beschwerden: Das sind die Symptome einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung – auch COPD (chronic obstructive pulmonary disease) genannt. Weltweit leiden etwa 64 Millionen Menschen unter der Krankheit. Vor allem Raucher sind betroffen. Wird COPD frühzeitig diagnostiziert, kann die Schädigung des Lungengewebes aufgehalten werden. Lesen Sie im folgenden Artikel, was bei der Krankheit in der Lunge passiert und welche Warnzeichen auf COPD hinweisen.

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung wird häufig als „Raucherhusten“ oder „Raucherlunge“ bezeichnet. Etwa 14 Prozent der erwachsenen Bevölkerung leiden unter der Erkrankung der Atemwege. COPD ist weltweit die vierthäufigste Todesursache und die Zahlen steigen weiter. Bei 80 bis 90 Prozent der Patienten ist Rauchen die Ursache. Die Bezeichnung COPD umfasst meist zwei Krankheitsbilder: die chronische Bronchitis und gegebenenfalls ein Lungenemphysem.

Chronische Bronchitis und Lungenemphysem

Nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt eine chronische Bronchitis vor, wenn in zwei aufeinanderfolgenden Jahre jeweils mindestens drei Monate Husten und Auswurf vorkommen. Durch eingeatmete Schadstoffe, wie Zigarettenrauch oder Feinstaub, entzünden sich die Atemwege. Um das Lungengewebe vor der Infektion zu schützen wird vermehrt Schleim abgesondert, der Fremdkörper aus den Atemwegen in Richtung Rachenraum befördert. Die Oberfläche der Atemwege ist mit Flimmerhärchen überzogen, die diesen Prozess unterstützen. Durch die Schadstoffe verlieren diese Härchen ihre Funktion und können die Lunge nicht mehr von Schleim und Fremdkörpern befreien. Die einzige Möglichkeit diese los zu werden ist das Abhusten.

Sind die Flimmerhärchen über einen längeren Zeitraum nicht funktionsfähig werden sie nach und nach durch ein festeres Plattenepithel ersetzt. Dadurch verdickt sich das Lungengewebe. Die Wand der feinen Lungenbläschen, an denen der Gasaustausch stattfindet, wird zunehmend dünner und sie fallen letztendlich in sich zusammen. Dadurch wird die gesamte Oberfläche der Lunge stark verkleinert und die Funktion quasi gedrosselt. Die Lunge ist nicht mehr fein unterteilt sondern ähnelt eher einem aufgeblähten Ballon. Das nennt man Lungenemphysem.

Symptome der COPD

Da sich die Krankheit nur sehr langsam entwickelt, wird sie häufig erst entdeckt wenn das Lungengewebe schon irreparabel geschädigt ist. Zu den Symptomen gehören Atemnot, erst nur unter Belastung, später auch im Ruhezustand und Husten mit Auswurf. Der Husten wird mit der Zeit immer schlimmer. Vor allem morgens nach dem Aufstehen wird Schleim abgehustet. Das Sekret ist gräulich verfärbt. Das Atmen fällt zunehmend schwer und geräuschvoll.

Mit der Zeit wird der Auswurf immer zäher und umso schwerer fällt das Abhusten. Im weiteren Verlauf kann es zu Herz-Kreislauf-Beschwerden kommen. Im späteren Stadium kann man einem COPD-Patienten seine Krankheit ansehen. Durch die aufgeblähte Lunge weitet sich der Thorax. Der gesamte Brustbereich sieht aus wie ein Fass (Fassthorax). Durch die geringere Funktion der Lunge kommt es außerdem zu einer Vergrößerung des rechten Herzens, dem sogenannten Cor pulmonale. Darauf folgen Wassereinlagerungen in Bauch und Beinen, lebensbedrohliche Komplikationen bis hin zum Versagen der Atemmuskulatur oder dem Herzen.

Raucherhusten sollte deshalb unbedingt ernst genommen und untersucht werden. Je früher die COPD festgestellt wird, desto besser stehen die Chancen auf ein Erhalten des Lungengewebes und seiner Funktion.

Weitere Ursachen

Zwar sind das Rauchen und auch das Passiv-Rauchen die häufigsten Ursache einer COPD, doch die Krankheit kann auch anders entstehen. Bei einigen Patienten sorgt ein genetisch bedingter Defekt für einen Mangel eines Bluteiweiß. Dieses Bluteiweiß inaktiviert Enzyme, die bei Entzündungsprozessen Gewebe abbauen. Fehlt das Eiweiß, können die Enzyme unbegrenzt Lungengewebe schädigen. Es kommt zu einer Verengung der Bronchien und im weiteren Verlauf zu einer chronisch obstrukiven Lungenerkrankung.

Auch Luftverschmutzung und Feinstaubbelastung am Arbeitsplatz können die Entzündung der Atemwege fördern und zu einer COPD führen.

Typen der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung

Nach dem Erscheinungsbild unterscheiden Experten zwei Arten der COPD. Den „pink puffer“ (rosa Keucher) und den „blue bloater“ (blauer Huster). Beim pink Puffer steht das Lungenemphysem im Vordergrund. Durch die eingeschränkte Funktion kommt es vermehrt zu Atemnot. Bereits leichte Belastungen wie Treppen steigen wird zur Herausforderung. Die Atemhilfsmuskulatur wird extrem beansprucht, wodurch sehr viel Energie verbraucht wird. Der typische pink Puffer-Patient ist daher untergewichtig.

Beim blue Bloater steht die Bronchitis im Vordergrund. Durch die mangelnde Sauerstoffversorgung im Körper kommt es zu blauen Lippen und Nägeln (Zyanose). Er leidet unter starkem Husten, die Atemnot ist eher gering.

Verschlechterung der Symptome: Exazerbation

Kommt es bei einem COPD-Kranken zu einem bakteriellen oder viralen Infekt, kann das die Symptome der Atemwegserkrankung über die Maße verschlimmern. Dieser Zustand dauert bis zu 24 Stunden an und wird Exazerbation genannt. Die Patienten leiden dann vermehrt unter Atemnot, Husten, Auswurf, Brustenge, Wassereinlagerungen und sogar Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma.

In der kalten Jahreszeit sollten sich COPD-Kranke deshalb gegen die Grippe impfen lassen. Auch eine gute Hygiene kann Keime und somit Infektionen fern halten und den Zustand so nicht verschlechtern.

Behandlung der COPD

Der wichtigste Schritt für eine Behandlung der COPD ist der sofortige Rauchstopp. Raucht ein COPD-Patient weiter, ist eine Verbesserung seines Zustandes kaum möglich. Bereits wenige Stunden nach der letzten Zigarette kann sich das Lungengewebe etwas regenerieren. Husten und Auswurf werden deutlich weniger. Patienten die mit dem Rauchen aufgehört haben weisen eine geringere Sterblichkeitsrate auf.

Neben dem Rauchstopp kann ein COPD-Patient in Schulungen auf seine Situation einstellen und lernen mit der Erkrankung zu leben. Dort lernen Patienten richtig Atmen bei akuter Atemnot. Durch regelmäßiges Inhalieren sorgt für eine Verbesserung der Symptome. Spezielle Krankengymnastik kann die Atemmuskulatur stärken und so den Symptomen entgegen wirken.

Gegen die Symptome einer COPD verschreibt der Pulmologe verschiedene Medikamente. Diese behandeln allerdings nicht die Ursache der Beschwerden. In gravierenden Krankheitsfällen kann eine Operation Linderung verschaffen, teilweise ist der Patient auf ein Spenderorgan angewiesen.

Mit gesunder Lunge vorbeugen

Die beste Möglichkeit sich vor der COPD zu schützen ist das Nicht-Rauchen. Eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung stärken nicht nur den gesamten Körper sondern tun auch der Lunge gut. Ab dem 45. Lebensjahr ist es ratsam die Lungenfunktion regelmäßig beim Pulmologen untersuchen zu lassen, damit für den Fall einer Krankheit diese schnell erkannt werden kann.

Sehen Sie auch folgendes Interview zum Thema COPD mit Dr. Christoph Petermann.

Lisa Vogel
Autor: Lisa Vogel

Von Juli 2014 bis März 2018 arbeitete Lisa Vogel als Werkstudentin in der Redaktion bei apomio.de und unterstützt das Team nun als freie Autorin. Sie hat ein Studium im Fach Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften und Medizin an der Hochschule Ansbach mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen. Hier erlangte sie sowohl journalistische als auch medizinische Kenntnisse. Derzeit vertieft sie ihre medialen Kenntnisse im Master Studium Multimediale Information und Kommunikation.

1 Kommentare

Annabell – Mittwoch, 04. Oktober 2017
Als Betroffene habe ich schon viel über COPD gelesen und nichts was oben geschrieben steht ist mir neu.Doch der Bericht ist überraschend übersichtlich und prägnant und kann so auch an Menschen weitergegeben werden die sich interessieren ohne gleich mit zu viel Information überfordert zu werden.

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