© © vladstar - Fotolia.com

Shisha rauchen: Verborgene Gefahr?

1 Kommentar Dienstag, 09. August 2016

Erfreuliches Ergebnis: Die Anzahl der Raucher nimmt in den letzten Jahren vor allem in den jungen Bevölkerungsgruppen immer weiter ab. Rauchen gilt derweilen nicht mehr als cool und bekommt nach und nach ein schlechteres Image. Doch dabei wird vergessen, dass das Rauchen von Zigaretten nicht die einzige „Rauch-Quelle“ ist. Viele Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren geben zwar an Nichtraucher zu sein, genehmigen sich aber regelmäßig eine Shisha mit Freunden. Wir erklären, was beim Shisharauchen passiert und wie die Inhaltsstoffe von Tabak, Melasse und Co. auf den Körper wirken. 

Gemütlich mit Freunden im Café sitzen und dabei eine Shisha paffen – das ist vor allem für junge Menschen der Inbegriff von entspannen und gemeinsam chillen. Kein Wunder also, dass die Zahl der Shisha rauchenden Jugendlichen in den vergangenen Jahren zugenommen hat – etwa 40 Prozent aller Jugendlichen geben an, schon einmal an der Shisha gezogen zu haben. Bei Geschmacksrichtungen wie Apfel, Kirsche, Minze oder Vanille, denkt man kaum über die schädliche Wirkung des Dampfes nach.

Denn genau das ist er: schädlich. Hersteller von Wasserpfeife und Tabak verweisen zwar auf eine geringere Belastung des Körpers durch die Funktionsweise der Shishas, doch wissenschaftliche Studien sprechen eine andere Sprache. Bei der Shisha liegt der Tabak in einem Keramiktopf. Darüber wird eine Schicht Alufolie mit Ventilationslöchern gespannt, darauf liegt die entzündete Kohle. Der Tabak wird also nicht direkt angezündet, wie bei der Zigarette, sondern durch die Hitze der Kohle verdampft. Über einen Schlauch zieht der Konsument nun diesen Dampf in ein Wassergefäß und inhaliert ihn anschließend.

Shisha: Wasser kühlt Dampf ab

Durch das Wasser verliert der Dampf an Hitze und wird besser verträglich. Deshalb greifen auch Nichtraucher und Gelegenheitsraucher öfter einmal zur Wasserpfeife. Doch dass das Wasser die Schadstoffe aus dem Dampf filtert ist nicht nachgewiesen. Viel eher verleitet die geringere Temperatur dazu, den Dampf länger und vor allem tiefer in die Lunge einzuatmen.

Und das hat Folgen: Denn Wasserdampf ist keine harmlose Alternative zur gewöhnlichen Zigarette. Der Präsident des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR) Prof. Dr. Dr. Andreas Hensel sagt, dass über den Rauch von Shishas sogar größere Mengen an Schadstoffen wie Kohlenmonoxid, Teer und Blei aufgenommen werden. Außerdem wurden im Dampf der Wasserpfeifen auch die krebserregenden Schadstoffe Arsen, Nickel und Chrom nachgewiesen.

Ursprung des Shisharauchens: Arabische Länder

Ihren Ursprung fand die Shisha in den arabischen Ländern. Dort ist sie mit der Kultur eng verknüpft. Wird Besuch erwartet, so bietet der Gastgeber eine Wasserpfeife an, dazu gibt es oft Tee und kleine Speisen. Vor allem über die Urlaubsorte Marokko, Türkei und Ägypten ist diese Tradition in den vergangenen Jahrzehnten nach Deutschland gekommen. Wir verbinden das Shisharauchen deshalb auch mit Urlaub, Entspannung und Gemeinschaft.

Anderes Rauchverhalten sorgt für hohe Dosis

Viele Berichte in den Medien deuten darauf hin, dass der Rauch einer Shisha so schädlich wie 100 Zigaretten sei. So allgemein ist das nicht festzustellen, da es einen erheblichen Unterschied zwischen dem Konsum der Shisha und der herkömmlichen Zigarette gibt. Eine Shisha wird meist zu besonderen Anlässen und in Gesellschaft konsumiert. Das Rauchen dauert 20 bis 90 Minuten. Eine Zigarette hingegen ist auch einmal schnell zwischendurch angesteckt und gequalmt.

Auf Grund der längeren Dauer des Shisharauchens wird ein wesentlich höheres Rauchvolumen inhaliert. Dadurch ist auch die Konzentration der Schadstoffe erhöht. Die Giftstoffkonzentration im Organismus nach einer Shisha entspricht etwa der Konzentration von fünf bis zehn Zigaretten.

Shisha: Suchtfaktor Nikotin

Wie auch gewöhnliches Rauchen birgt die Shihsha einen hohen Suchtfaktor. Denn auch hier enthalten die meisten Tabakmischungen den Inhaltsstoff Nikotin, der zu einer körperlichen Abhängigkeit führen kann. Durch die Aufwendige „Zubereitung“ einer Wasserpfeife wird sie allerdings eher weniger zur Nikotinaufnahme genutzt – eine Zigarette liefert den Stoff deutlich schneller.

Gesundheitliche Folgen der Wasserpfeife

Wer regelmäßig an der Shisha nuckelt, muss mit ähnlichen Langzeitschäden wie beim Zigarettenrauchen rechnen. Das Risiko für Krebs in Lunge und Mund-Rachenraum ist erhöht. Auch Herz- Kreislauferkrankungen kommen bei (Shisha-) Rauchern häufiger vor.

Dadurch, dass sich bei einer Wasserpfeife mehrere Personen ein  Mundstück teilen, gibt es eine erhöhte Infektionsgefahr. Hier steckt man sich leicht mit Herpes, Hepatitis oder anderen Infektionen wie Tuberkulose an. Auch ein eigenes Mundstück schützt nicht hundertprozentig vor einer Übertragung von Bakterien und Viren.

Shisha rauchen: Lebensgefahr durch Kohlenmonoxid-Vergiftung

Bei intensivem oder sehr regelmäßigem Konsum von Shisha-Dampf kann es zu einer akuten Vergiftung kommen. Steigt der Kohlenmonoxid-Wert im Blut an, sind lebensgefährliche Zustände die Folge. Es kommt zu Kopfschmerzen, Schwindel, Ohnmachtsanfällen, Krampfanfällen. Grund dafür ist eine Unterversorgung des Organismus mit Sauerstoff.

Das im Rauch enthaltene Kohlenmonoxid bindet im Blut an das Hämoglobin und verdrängt somit den Sauerstoff. Es handelt sich um denselben Effekt wie bei einer Rauchvergiftung in Folge eines Brandes. In den vergangenen Jahren sind immer wieder - vor allem Jugendliche und junge Erwachsene - mit einer solchen Vergiftung in Notaufnahmen gekommen. Liegt dieser Zustand vor, muss der Patient mit reinem Sauerstoff beatmet werden, damit sich die Blutwerte wieder normalisieren.

Shisha-Tabak: Inhaltsstoffe oft unbekannt

Durch fehlende rechtliche Richtlinien unterscheiden sich Inhaltsstoffe und Zusätze der einzelnen Tabak-Anbieter deutlich. Oftmals ist gar nicht klar gekennzeichnet, welche Stoffe enthalten sind und in welcher Konzentration sie vorliegen. In Deutschland ist die Abgabe nur an Erwachsene (18 Jahre und älter) erlaubt. Doch gerade bei den süßlich aromatisierten Geschmacksrichtungen drücken viele Verkäufer oft ein Auge zu.

Dennoch ist die Weitergabe von Tabakwaren an Minderjährige strafbar. Auch Eltern sollten ihren jugendlichen Kindern nicht dabei helfen den Tabak zu beschaffen. Shisharauchen ist ähnlich schädlich wie das Rauchen von Zigaretten und sollte in keiner Weise gefördert werden.

Beiträge die Sie auch interessieren könnten

Lisa Vogel
Autor: Lisa Vogel

Von Juli 2014 bis März 2018 arbeitete Lisa Vogel als Werkstudentin in der Redaktion bei apomio.de und unterstützt das Team nun als freie Autorin. Sie hat ein Studium im Fach Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften und Medizin an der Hochschule Ansbach mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen. Hier erlangte sie sowohl journalistische als auch medizinische Kenntnisse. Derzeit vertieft sie ihre medialen Kenntnisse im Master Studium Multimediale Information und Kommunikation.

1 Kommentare

Peter – Dienstag, 17. April 2018
Shisharauchen ist keinesfalls ungefährlich und wird von vielen Jugendlichen mit Sicherheit unterschätzt, da muss ich dem Artikel zustimmen.

Schreib einen Kommentar

help
help
help

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Zu unseren Datenschutzbestimmungen.