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Schwindel und Tinnitus: Morbus Menière erkennen

Kommentar schreiben Mittwoch, 06. Juni 2018

Plötzlich auftretender Schwindel, ein Rauschen im Ohr und unbändige Übelkeit: Die Symptome der Menière-Krankheit werfen jeden aus der Bahn. Ohne Vorwarnung und ohne erkennbaren Auslöser können die Beschwerden einsetzen und für mehrere Stunden andauern. Mit Medikamenten kann nur bedingt gegen die Erkrankung vorgegangen werden. Lesen Sie im folgenden Beitrag mehr über Morbus Menière.  Bereits im 19. Jahrhundert – genauer gesagt im Jahr 1861 – beschrieb ein französischer Mediziner namens Prosper Menière das Krankheitsbild: Patienten beklagten plötzlich einsetzende Schwindelattacken, einen Tinnitus oder Hörverlust auf einem Ohr und Übelkeit bis hin zum Erbrechen. 1938 fanden Wissenschaftler dann die Ursache für die Probleme: Durch bislang immer noch ungeklärte Ursachen staut sich die Lymphflüssigkeit in den Gehörwindungen des Innenohrs und bringt so das Gleichgewicht und den Hörsinn gehörig durcheinander. Der sogenannte Endolymphatischer Hydrops ist der Anstoß für die Beschwerden. Durch die vermehrte Flüssigkeit in den feinen Gehörgängen können die Häutchen (Membranen) einreißen, sodass sich die Flüssigkeit im Inneren der Gehörgänge mit der Flüssigkeit aus der Umgebung vermischt. Durch eine unterschiedliche Zusammensetzung beider Flüssigkeiten gerät das gesamte System durcheinander.

Morbus Menière: Das sind die Symptome

Zu den Krankheitsanzeichen bei Morbus Menière gehört das sogenannte klassische Trias. Es kommt zu

  • Drehschwindel,
  • Hörminderung und
  • Tinnitus

 

Anfallsartig tritt starker Schwindel auf. Das geht so weit, dass sich Betroffene unter Umständen nicht mehr auf den Beinen halten können und stürzen. Mit dem Schwindel geht eine Übelkeit, oftmals mit Erbrechen einher. Patienten klagen zudem über eine Hörminderung, meist einseitig. Während des Schwindelanfalls kann es zu einem verzerrten Hören kommen. Tiefe Töne können nicht mehr gut wahrgenommen werden. Außerdem können auf der betroffenen Seite Ohrgeräusche oder ein Tinnitus auftreten. Ein Begleitsymptom der Menière-Krankheit ist ein Nystagmus. Dabei handelt es sich um eine unkontrollierte Drehbewegung der Augen. Der Patient ist nicht mehr in der Lage einen bestimmten Punkt zu fokussieren, was die Übelkeit und den Schwindel weiter verstärkt. Neben den klassischen Symptomen können Begleiterscheinungen wie Schweißausbrüche, eine veränderte Herzfrequenz (Tachykardie) und starke Verunsicherung bis hin zu Ängsten und Panik auftreten.

Risikofaktoren für Schwindelattacke, Tinnitus und Hörminderung

Morbus Menière betrifft etwa 50 von 100.000 Personen. Die erste Krankheitsattacke kommt typischerweise zwischen dem 30. Und dem 60. Lebensjahr vor. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Da die Beschwerden familiär gehäuft auftreten, vermuten Ärzte einen genetischen Einfluss. Es kann sein, dass etwa die erblich bedingte Form der Gehörgänge das Leiden begünstigt. Ein ungesunder Lebenswandel und vor allem Stress gelten zudem als auslösende Faktoren. Welche Trigger genau die Schübe verursachen ist allerdings bis heute noch nicht klar. Die Häufigkeit der Attacken ist von Patient zu Patient verschieden. Einige Betroffene leiden ein bis zweimal pro Monat an einem Anfall, andere erleben mehrere Monate oder gar jahrelang keine Symptome bevor es wieder losgeht. In sehr seltenen Fällen kommt es häufiger als einmal pro Monat zu den Beschwerden.

Diagnose Menière-Krankheit

Tritt eine Attacke mit den oben beschriebenen Symptomen auf, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Schwindel, Übelkeit und Tinnitus können auch andere Ursachen haben, deshalb sollten die Beschwerden auf jeden Fall ärztlich abgeklärt werden. Der richtige Ansprechpartner ist zunächst der Hausarzt. Er kann bei Bedarf an einen Hals-Nasen-Ohrenarzt überweisen. Nach einem gründlichen Gespräch mit dem Betroffenen wird der Arzt einige Tests durchführen. Ein Hörtest gibt Aufschluss über die Funktion des Innenohrs. Mit anderen Tests untersucht der Mediziner den Gleichgewichtssinn des Patienten. Liegt Morbus Menière vor, ist das Gleichgewicht erheblich beeinträchtigt. Mittels einer speziellen Brille – sodass der Patient keinen Punkt anvisieren kann -  kann der Arzt die Augenbewegung analysieren und einen Nystagmus erkennen. Außerdem können eine Blutdruckmessung und ein 24-Stunden-EKG sinnvoll sein, um andere Erkrankungen auszuschließen. Eine Herzrhythmusstörung kann unter Umständen ähnliche Beschwerden hervorrufen wie Morbus Menière. Bei einer umfassenden Diagnosestellung wird zudem Blut abgenommen und mittels bildgebender Verfahren wie einer Kernspintomografie und einer Computertomografie das Innenohr auf Entzündungen, Fisteln oder Tumoren untersucht.

Therapie bei Morbus-Menière: Medikamente helfen nur bedingt

Zunächst geht es bei der Behandlung von Morbus Menière um die Linderung der akuten Symptome während eines Anfalls. Der behandelnde Arzt wird ein Mittel verabreichen, das den Schwindel minimiert. Auch Medikamente gegen Übelkeit und Ohrgeräusche kommen zum Einsatz. Das nächste Ziel der Therapie ist es, die Anzahl der Anfälle zu reduzieren. Ein Mittel mit dem Namen Betahistin kann als Tablette eingenommen dazu beitragen die Zirkulation der Flüssigkeiten im Innenohr zu verbessern und soll so die Häufigkeit der Arttacken mindern. Durch die Erkrankung kann es zu einer Schwerhörigkeit auf der betroffenen Seite kommen. Ist das der Fall, stehen dem Arzt weitere Möglichkeiten zu Verfügung, um die Beschwerden zu besser. ER kann etwa ein Antibiotikum (Gentamicin) direkt in das Innenohr injizieren. Das schädigt die Sinneszellen und kann dadurch den Schwindel unterbinden. Der Hörsinn wir dadurch allerdings ebenso geschädigt, sodass diese Behandlung nur dann zum Einsatz kommt, wenn der Betroffene bereits schwerhörig ist. Ebenso kann in einem späten Stadium und wenn andere Behandlungsmethoden bereits ausprobiert wurden, der Gleichgewichtsnerv durchtrennt werden. Die Methode führt zu einer kompletten Taubheit auf dem betroffenen Ohr und der Schwindel verschwindet.

Selbsthilfegruppen und Tinnitus-Sprechstunden

Je nach Häufigkeit der auftretenden Attacken ist Morbus Menière eine große Belastung für die Betroffenen. Während einer Attacke ist an Arbeit oder Alltag nicht zu denken. Zudem ist die Angst vor der nächsten Krankheitsepisode eine starke psychische Belastung und kann zu Ängsten führen. Eine psychologische Betreuung kann sinnvoll sein, wenn die Angst vor der Krankheit den Alltag und das Denken bestimmt. Spezialisierte Hörzentren und Kliniken bieten Tinnitus-Sprechstunden an. Hier können Betroffene über das lästige und permanente Geräusch im Ohr sprechen und gegebenenfalls eine Therapie in Anspruch nehmen. Vielen Betroffenen von Morbus Menière hilft der Besuch einer Selbsthilfegruppe. Im Austausch mit anderen über die Erkrankung und den Umgang im Alltag können gegebenenfalls neue Strategien erarbeitet werden, um die Ausnahmesituation zu bewältigen. Nähere Informationen bekommen Betroffene und Angehörige bei der Deutschen Tinnitus Liga.

Einschränkungen im täglichen Leben

Ist die Erkrankung Morbus Menière diagnostiziert und bekannt, kann das Folgen für das tägliche Leben haben. Bestimmte Berufe können nicht mehr ausgeübt werden, wenn ständig mit einer Schwindelattacke gerechnet werden muss. Das LKW beziehungsweise Autofahren, die Bedienung von Maschinen oder die Arbeit auf einem Baugerüst sind ungeeignete Tätigkeiten. Eine Berufsunfähigkeit kann auftreten und den Patienten zu einer Umschulung zwingen. Daher sollte – wenn möglich – bereits bei der Berufswahl die Erkrankung berücksichtigt werden.

 

Tinnitus Selbsthilfe

Von Betroffenen für Betroffene

 

 

Lisa Vogel
Autor: Lisa Vogel

Von Juli 2014 bis März 2018 arbeitete Lisa Vogel als Werkstudentin in der Redaktion bei apomio.de und unterstützt das Team nun als freie Autorin. Sie hat ein Studium im Fach Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften und Medizin an der Hochschule Ansbach mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen. Hier erlangte sie sowohl journalistische als auch medizinische Kenntnisse. Derzeit vertieft sie ihre medialen Kenntnisse im Master Studium Multimediale Information und Kommunikation.

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