© p!xel 66 - Fotolia.com

Der Kreisel im Kopf: Schwindelattacken

Kommentar schreiben Mittwoch, 23. September 2015

Wer unter Schwindel leidet, ist kein Einzelfall. Denn rund zehn Prozent der Patienten in Deutschland beklagt sich über Schwindelgefühle beim Hausarzt. Schwindel kann verschiedene Ursachen haben. Im folgenden Artikel erfahren Sie alles über die häufigsten Formen von Schwindel und warum eine genaue Abklärung der Diagnose enorm wichtig ist.

Was ist Schwindel?

Schwindel, dessen medizinischer Fachausdruck Vertigo ist, hat zur Folge, dass die räumliche Orientierung oder das Gleichgewicht gestört ist. Hierbei handelt es sich um eine Scheinbewegung zwischen der Umwelt und dem eigenen Körper: Wer unter Schwindel leidet, hat das Gefühl, dass sich die Umgebung bzw. der eigene Körper dreht oder der Boden schwankt. Man ist unsicher beim Stehen oder Gehen und befürchtet, hinzufallen.

Schwindel ist eine relativ häufige Erscheinung, keine Krankheit, sondern ein Krankheitszeichen. Die Aufspürung der Ursache ist Voraussetzung für eine gezielte Behandlung. Deshalb sollten solche Begleiterscheinungen wie Kopfschmerz, Erbrechen, Gliederschmerzen, Angstgefühl, Schweißausbruch, Ohrensausen oder Taubheitsgefühl, vor allem dann, wenn diese Zustände öfter in Erscheinung treten oder nicht nur vorübergehenden Charakter haben, unbedingt dem Arzt angegeben werden. Auch bei völlig gesunden Menschen können Schwindelerscheinungen auftreten, so zum Beispiel nach dem Fahren im Karussel, im Riesenrad oder im Fahrstuhl, ferner auf Reisen mit Bahn, Schiff oder Flugzeug oder auch nach plötzlichen, schnellen Körperumdrehungen (Tanzen) oder nach plötzlichen, ruckartigem Aufrichten aus ruhender Lage – hierbei wird das Gleichgewichtssystem kurzfristig irritiert.

Bestimmte Krankheiten können allerdings die Funktion des Gleichgewichtssystems nachhaltig beeinträchtigen: Häufig handelt es sich entweder um Erkrankungen im Innenohr, wo das Gleichgewichtsorgan (Vestibularorgan) sitzt, oder um Störungen im Gleichgewichtszentrum im Hirn. Weitere in Frage kommenden ursächliche Krankheiten / Umstände für die Entstehung von Schwindel können sein:

  • Herzkrankheiten
  • zu hoher oder zu niedriger Blutdruck
  • Blutarmut
  • mangelnde Durchblutung des Nervenzentrums
  • Arteriosklerose
  • Hochgradige Stuhlverstopfungen
  • Vergiftungen (Alkohol, Nikotin, Medikamente)
  • als Unfallfolge gewöhnlich bei Gehirnerschütterung
  • Schwangerschaft
  • Wechseljahre
  • Schlaganfall
  • Multiple Sklerose

Die verschiedene Formen des Schwindels

Je nach Ursachen und Beschwerden sind verschiedene Schwindelformen bekannt:

Lagerungsschwindel

Lagerungsschwindel tritt bei Lageveränderungen des Kopfes, zum Beispiel beim Seitwärtsneigen oder nachts beim Umdrehen im Bett, in Erscheinung. Keine andere Schwindelform ist bei Erwachsenen so häufig wie der Lagerungsschwindel. Besonders typisch für den Lagerungsschwindel sind die kurzen, meist nur sekundenlangen Schwindelgefühle. Ursache für den Lagerungsschwindel sind kleine Kristalle im Ohr, welche eine Reizung der Sinneszellen im Innenohr auslösen und dadurch die Schwindelattacken in Vorschein treten. Lagerungsschwindel sind zu hundert Prozent therapierbar: zur Behandlung werden Lagerungsübungen durchgeführt, die die Kristalle aus den Bogengängen befördert; der Betroffene ist schon nach wenigen Tagen beschwerdefrei.

Anfallartiger Drehschwindel

Der anfallartige Drehschwindel wird auch als Attackenschwindel bezeichnet und tritt akut von einem Moment auf den anderen auf und hat eine Dauer von nur Sekunden bis wenigen Minuten. Ein starkes Drehgefühl wird empfunden, welches mit Übelkeit und ausgeprägter Fallneigung verbunden ist. Ursache für diese Schwindelform kann die Meniére-Krankheit sein (Morbus Meniére). Morbus Meniére ist eine Erkrankung des Innenohrs, die meist zwischen dem 40. und 60. Lebensalter auftritt und durch eine erhöhte Bildung der Lymphflüssigkeit im Innenohr (Endolymphe) und folglich einem Lymphstau mit Überdruck im Innenohr zustande kommt.

Anhaltender Drehschwindel

Ein anhaltender Drehschwindel kann über Stunden und Tage andauern und die Folge einer Entzündung des Gleichgewichtsnervs sein. Eine Entzündung des Gleichgewichtsorgans, Neuritis vestibularis, wird durch Herpesviren verursacht. Zur Behandlung in der akuten Phase kann eine Kortisongabe hilfreich sein. Völlige Beschwerdefreiheit erreicht man allerdings erst nach einigen Tagen bis hin zu wenigen Wochen.

Schwindel als seelische Ursache

Schwindel kann nicht nur körperliche, sondern auch seelische Ursachen haben: Die Rede ist dann von psychogenem Schwindel, welcher bedingt sein kann durch Stress, Angst und Konflikte. Als Beispiel hierfür gilt der phobische Schwankschwindel, der vor allem in bestimmten Situationen entsteht: Beim Laufen über eine Brücke, beim Betreten eines leeren Raums, beim Halten einer Rede vor vielen Menschen.

Diagnose

Zur Diagnose kommen verschiedene Tests zum Gleichgewichtsorgan zum Einsatz. Eine Prüfung der Hörfähigkeit wird durchgeführt, da sowohl Hör- als auch Gleichgewichtsorgan den gleichen Nervenstrang nutzen, um die Informationen weiter zu vermitteln. Im Rahmen der Diagnose ist es zudem wichtig, die Schwindelform festzustellen, damit eine nachfolgende Therapie erfolgsbringend sein kann. Dazu ist es nötig, die vorliegenden Symptome und Situationen zu erfassen und diese in den vier charakteristischen Schwindelformen Lagerungsschwindel, Attackendrehschwindel, anhaltender Drehschwindel und Schwankschwindel zuzuordnen.

Eine genaue Abklärung der Diagnose ist enorm wichtig, da es sich beispielsweise auch um Hirntumore, Gehirnhautentzündungen, Schädel-Hirn-Traumata oder auch einen Schlaganfall handeln kann; hierbei ist stets eine Schädigung im Gehirn zu finden, weshalb man von zentralem Schwindel spricht.

Behandlungsmaßnahmen von Schwindelerscheinungen

Neben der Therapie der Grunderkrankung können, abhängig von der Schwindelform, auch Medikamente gegen Schwindel Abhilfe schaffen. Darüber hinaus krankengymnastische Praktiken den Gleichgewichtssinn stärken. Bei Schwindel hängt der Verlauf davon ab, aus welchem Grund dieser in Erscheinung tritt. Sofern es möglich ist, die Ursachen für den Schwindel therapeutisch zu beseitigen, ist die Prognose gut, auch beschwerdefrei bzw. schwindelfrei zu werden!

Beiträge die Sie auch interessieren könnten

J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Die ausgebildete Operations-Technische Assistentin hat nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine Weiterbildung zur Chirurgisch-Technischen Assistentin in der Allgemein- und Visceralchirurgie in Köln absolviert. Inzwischen blickt sie auf eine mehrjährige Erfahrung in der OP-Assistenz in diesem Fachgebiet zurück. Neben ihrer Tätigkeit im OP studiert Frau Ehresmann Humanmedizin in einem Modellstudiengang in Aachen.

Schreib einen Kommentar

help
help
help

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Zu unseren Datenschutzbestimmungen.