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Wie wirkt sich Stress auf den Körper aus?

Kommentar schreiben Mittwoch, 24. Februar 2016

Nie Zeit haben? Immer in Eile sein? In der heutigen schnelllebigen Gesellschaft, die von wirtschaftlichem Wohlstand und sozialem Statusdenken dominiert wird, scheint unser Körper nicht zur Ruhe kommen zu können und uns ständig auf Hochtouren laufen zu lassen. Für viele Menschen beginnt damit der Weg in die Stresskrankheit. Stress – Was ist das eigentlich? Wie reagiert unser Körper auf Stress? Und warum ist permanenter Stress für unsere Gesundheit so schädlich?

Stress – Was ist das?

Stress als krankmachender Risikofaktor kann mit zahlreichen anderen Risikofaktoren, wie unter anderem Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, erhöhter Blutzucker, Bewegungsmangel und Rauchen in Beziehung gebracht werden. Tatsächlich lassen sich Zusammenhänge anhand des folgenden Beispiels erklären: Ein ständig, gehetzter, angespannter Geschäftsmann wird sich mit einiger Wahrscheinlichkeit ungesund ernähren und möglicherweise auch rauchen. Sein Lebensstil wird mit permanenter Spannung und ohne Entspannung geführt. Viele dieser Verhaltensweisen sind in der heutigen Gesellschaft durchaus alltäglich und der gesundheitlichen Gefährdung muss man sich bewusst werden.

Unter dem Begriff „Stress“ – vom Lateinischen „stringere“ = anspannen – wird eine natürliche Reaktion des Körpers auf Druck, Spannung und Veränderung bzw. neuartige Situation verstanden; Stress ist eine Antwort auf alle Reize, die das persönliche Gleichgewicht des Körpers stören. Stress ist demnach eigentlich ein ganz normaler Zustand, denn Spannung, Anspannung, Engagement gehören zu unserem Leben und ohne sie wären große Leistungen undenkbar, ebenfalls wie starke Gefühle. Sind diese dann nämlich vorüber, folgt meist eine wohltuende Entspannung. Ein passendes Beispiel hierfür wäre das Lernen für eine wichtige Prüfung: das Empfinden von Leistungsdruck und den Ängsten zu versagen, das Erfahren von Lernstress und die wohltuende Entspannung danach, wenn die wichtige Prüfung endlich gemeistert und erfolgreich bestanden ist.

Diese Art kurz- und mittelfristiger Belastung wird auch Eustress bezeichnet und ist ungefährlich. Die Wiederholung derartiger Situationen kann sogar als Trainingseffekt die Widerstandskraft gegenüber psychischen Belastungen erhöhen. Bedenklich wird es erst dann, wenn die Anspannung nicht abklingt, wenn Misserfolge registriert werden, negative Gefühle vorherrschen und man sich keine Erholungspausen gönnt. Man spricht dann von permanent vorhandenem Stress, der auch als Disstress bezeichnet wird und die Gesundheit gefährden kann. Durch chronische Spannungszustände werden zum Beispiel Sauerstoffmangelerscheinungen in den Geweben, vor allem im Gehirn, begünstigt.

Stresssignale

Folgende Stresssignale lassen sich anhand des Beispiels „das Bevorstehen einer Prüfung“ objektiv registrieren: Die Atmung wird schneller, der Pulsschlag ist beschleunigt, der Blutdruck ist erhöht, die Schweißsekretion wird stärker. Im Urin lässt sich eine erhöhte Ausschüttung des sogenannten Fluchthormons Noradrenalin und des Angriffshormons Adrenalin nachweisen.

Bemerkbar macht sich der Stress durch eine Reihe mittelbarer Erscheinungen, worunter rasche Ermüdbarkeit, Erschöpfungszustände, Angstzustände, Depressionen und Neurosen die wichtigsten und auffälligsten sind. Diese Erscheinungen weisen deutlich darauf hin, dass eine Störung des Gleichgewichts zwischen Körper und Psyche vorliegt und gesundheitliche Schäden eintreten können, wenn die Stresseinwirkung von Dauer bleibt.

Folgende Verhaltensweisen begünstigen das Risiko von Stress und Stressschäden:

  • ständiges Grübeln
  • nicht abschalten können
  • Überkorrektheit, Drang zum Perfektionismus
  • das Bedürfnis, alles zu kontrollieren
  • schnelles Resignieren, zu leicht aufgeben
  • anderen Menschen immer alles recht machen zu wollen
  • alles in sich „hinein fressen“, sprich Gefühle nicht äußern können
  • übersteigertes Leistungsstreben
  • Betäubungs- und Genussmittelmissbrauch

Warnsignale des Körpers richtig deuten

Die Assoziationen wie „das Herz rast wie verrückt“, „der Magen brennt wie Feuer“ oder „der Schweiß fließt in Strömen“ kennt nahezu jeder. Wichtig ist es, dass Warnsignale des Körpers rechtzeitig erkannt werden und richtig gedeutet werden.

Die ersten Stresssymptome sind

  • Unruhe
  • Konzentrationsschwäche
  • Müdigkeit

Deutliche Warnzeichen sind

  • Schlafstörungen
  • Leistungsabfall
  • Erschöpfungs- und Angstzustände

Krankheitszeichen wie

  • Magenbeschwerden, Sodbrennen
  • Herz-Kreislauf-Störungen

deuten darauf hin, dass die Belastungsgrenze überschritten ist. Wer auf seinen Körper hört, wird das Maß seiner individuellen Stressbelastung kennen und Überbelastungen in Zukunft besser vermeiden können.

Dauerstress und die negativen Auswirkungen auf das Gehirn

Dauerstress kann nicht nur negative Auswirkungen auf Magen und Herz haben, sondern auch auf das Gehirn schlagen. Denn Erkenntnisse von Forschern zeigen, dass sich das Gehirn unter sozialem Druck verändert und es schrumpfen lässt. Die bei Dauerstress entstehenden Stresshormone verändern jenen Teil des Gehirns, welcher für die Gedächtnisleistung zuständig ist. Die Folge: eine negative Auswirkung auf die Entscheidungsfähigkeit, das Gedächtnis sowie die Kontrolle von impulsivem Verhalten. Das Gehirn könne weniger lernen und sich erinnern, sei dafür aber anfälliger für Angst und Depressionen. Die Anfälligkeit für Angst und Depressionen ist durch das Stresshormon Cortisol bedingt, denn dieses erhöht die Größe und Aktivität eines Gehirnteils, der Amygdala, wodurch negative Gefühle, Furcht, Angst oder Agressionen verstärkt werden.

Veränderungen im Gehirn durch Dauerstress können erhebliche Auswirkungen haben, wie sich Menschen in der Gesellschaft verhalten und welchen Umgang sie gegenüber anderen haben. Auch die Fähigkeit zu lernen und Entscheidungen zu treffen werden durch Veränderungen im Gehirn beeinflusst.

Stressgefährdung und die Strategien zur Stressbewältigung

Jeder erlebt, verarbeitet und bewältigt Stress auf ganz individuelle Weise. Die Art und Weise hängt ganz entscheidend vom Persönlichkeitstyp ab. Hinsichtlich der Stressgefährdung lassen sich fünf Persönlichkeitstypen unterscheiden:

  1. Der Lebenskünstler

Der Lebenskünstler ist in der Gesellschaft angenehm und verbreitet gute Stimmung, er lacht sehr oft und wirkt auf andere häufig ein wenig oberflächlich. Im Alltag nimmt er alles leicht und steckt Probleme und Konflikte schnell weg und ist ohne übertriebenen Ehrgeiz im Beruf tätig. Der Lebenskünstler hat das geringste Risiko durch Stresseinwirkung krank zu werden.

  1. Der ruhige Typ

Der ruhige Typ ist auf sich bezogen und lebt angepasst und eher unscheinbar und unauffällig in der Gemeinschaft. Stresseinwirkungen scheinen ihm aus Sicht von Außenstehenden nichts auszumachen, dabei frisst er den Ärger, die Frustrationen und Konflikte in sich hinein. Und obwohl er sich häufig ungerecht behandelt fühlt, setzt er sich nicht zur Wehr. Das Stressrisiko des ruhigen Typs ist sehr hoch! Folgen können sein: neurotische Störungen wie stressbedingte Erkrankungen des Verdauungssystems wie Magengeschwüre, Colitis ulcerosa und andere.

  1. Der Stresssüchtige

Der Stresssüchtige sucht Anerkennung nur durch Leistung. Er flüchtet dazu nahezu in den Dauerstress, hält sich für unersetzbar und fühlt sich stets gefordert. Er kann sich nicht entspannen, ist kaum genussfähig, relativ gefühlsarm und hat es meist schwer, zwischenmenschliche Beziehungen bzw. Partnerschaften zu führen bzw. zu pflegen. Der Stresssüchtige kann als typischer Kandidat für einen Herzinfarkt im vierten oder fünften Lebensjahrzehnt angesehen werden.

  1. Der Emotionale

Die Stimmung des Emotionalen schwankt und das fast immer unkontrolliert zwischen überschäumender Lebensfreude und tiefer Betrübnis. Seine Charaktereigenschaften: mal hartnäckig und aggressiv, mal weich und überaus sensibel, cholerisch, von sich selbst überzeugt und andere beherrschen wollend. Die stressbedingten Risiken des Emotionalen sind erhöhter Blutdruck und die Neigung zu Fettstoffwechselstörungen, die auch in einen Herzinfarkt münden können.

  1. Der Leidende

Der Leidende ist übersensibel, ängstlich, immer angepasst und hat kein Selbstbewusstsein. Sein Dasein wird entweder von Selbstzweifeln geplagt oder von Vorwürfen von anderen ungerecht behandelt zu werden. Bereits kleine Konflikte können den Leidenden aus der Bahn werfen. Bei diesem Persönlichkeitstyp führt eine Stressbelastung zu starken vegetativen Störungen, zu Neurosen oder Depressionen. Zudem besteht die Gefahr psychiatrischer Erkrankungen.

Die oben dargestellte Typisierung ist keineswegs so exakt, dass sie auf jeden einzelnen Menschen komplett zutrifft. Es lässt sich zum Beispiel feststellen, dass man womöglich ein Mischtyp aus zwei oder drei der oben gegebenen Beschreibungen repräsentiert. Zur Bewältigung von Stress steht am Anfang die Analyse des Persönlichkeitstyps, um so individuelle Risiken besser vorherzusehen und manche Stressbelastungen aus dem Weg zu räumen.

Tipps, um auf einen Entspannungsweg zu gelangen, sind im Folgenden aufgelistet:

  • nach anstrengender, hektischer Arbeit am Schreibtisch ist ein sportlicher Ausgleich zu empfehlen
  • ein Gespräch mit Freunden
  • gemeinsame Freizeit mit der Familie, in der Entspannung und Kraft für den Alltag geschöpft wird
  • ein gutes Buch
  • gute Musik
  • ein gesundes Selbstbewusstsein (es stärkt die seelische Gesundheit)

Fazit: Gelegentlicher Stress ist positiv, wohingegen Dauerstress uns krank macht und sich negativ auf unser körperliches und psychisches Wohlergehen auswirkt. Damit der Körper nicht dauerhaft in Alarmbereitschaft ist, wird geraten frühzeitig auf die Bremse zu drücken. Denn: Hervorgerufene körperliche Schäden, die durch Dauerstress verursacht worden sind, lassen sich nicht wieder rückgängig machen.

J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Judith Ehresmann ist als gelernte Operationstechnische und Chirurgischtechnische Assistentin in einem Krankenhaus beschäftigt. Das Schreiben hat sich immer mehr als Gegengewicht zu ihrem Vollzeitberuf im Gesundheitswesen entwickelt. Vor allem auch als Ausdruck ihres medizinischen Interesses, mit dem Wunsch, dieses auf ihre Mitmenschen zu übertragen. Frau Ehresmann schreibt unter anderem für den Thieme Verlag und ist seit November 2014 auch als Autorin für apomio.de tätig.

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