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Nährstoffe gegen Depressionen – hilft das „richtige Essen“ aus dem Stimmungstief?

1 Kommentar Mittwoch, 22. März 2017
Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme bis hin zu tiefster Niedergeschlagenheit und Lebensmüdigkeit – das sind die typischen Symptome einer Depression. Wer von dieser schweren Erkrankung betroffen ist, dem wird im schlimmsten Fall das Leben buchstäblich unerträglich. In Deutschland leiden schätzungsweise drei Millionen Menschen zwischen 18 und 65 Jahren an einer Depression – Tendenz steigend. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass sich die Depression bis zum Jahr 2020 zur weltweit zweithäufigsten Volkskrankheit entwickeln wird. Sehr häufig wird eine Depression mit Medikamenten (Antidepressiva) behandelt, oft mit guten Erfolgen. Dass auch die Ernährung bei Vorbeugung und Behandlung dieser psychischen Erkrankung eine nicht unwesentliche Rolle spielen soll, ist vielen neu. In der Wissenschaft wird dieser Aspekt jedoch zunehmend beachtet. Bei jeder Depression liegt eine Stoffwechselstörung im Gehirn vor. Bedenkt man, dass sehr viele in der Nahrung enthaltene Nährstoffe den Stoffwechsel beeinflussen, lässt das zumindest den Rückschluss zu, dass die Ernährung auch einen Einfluss auf Depressionen haben müsste. Zugleich häufen sich die Hinweise, dass ein Mangel an bestimmten Nährstoffen Depressionen begünstigen könnte.

Die Forschung läuft auf Hochtouren

Ganzheitliche medizinische Ansätze liegen im Trend. So scheint die Idee, dass auch psychische Erkrankungen wie Depressionen durch Ernährung beeinflusst werden können, inzwischen nicht mehr abwegig. Der neue internationale Forschungszweig „Nutritional Psychology“ (deutsch etwa „Nährstoffpsychologie“) untersucht seit einigen Jahren, wie die Ernährung die seelische Gesundheit beeinflusst. Damit erforscht sie genau das Gegenteil zur bereits bekannten Ernährungspsychologie, bei der es um die Einflüsse der Psyche auf Ernährungsgewohnheiten geht. Zwar ist das Thema nicht neu – Vertreter alternativer Heilmethoden empfehlen schon lange bestimmte Nährstoffe oder auch Heilpflanzen gegen Depressionen oder zu deren Vorbeugung. Doch die Schulmedizin hat das Thema lange Zeit nicht wirklich ernst genommen. Erst seitdem sich die Wissenschaft zunehmend für „Nutritional Psychology“ interessiert, wird das anders. Das heißt, dass mit zunehmender Erforschung des Themas psychisch kranken Menschen künftig vielleicht ganz neue Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, die dann vermutlich längst nicht so schwere Nebenwirkungen wie viele Antidepressiva und andere Psychopharmaka (z.B. Gewichtszunahme oder sexuelle Unlust) hätten.

Einige vielversprechende Untersuchungsergebnisse

Zur Verbindung zwischen Essen und seelischem Wohlbefinden wurden weltweit – vor allem in den USA, in Australien und Großbritannien und mittlerweile auch in Deutschland – Forschungspläne erstellt und Forschungseinrichtungen gegründet; groß angelegte Studien wurden und werden durchgeführt. Wissenschaftler sagen aufgrund der neuesten Erkenntnisse voraus, dass weltweit die Zahl psychischer Erkrankungen weiter steigen werde, wenn immer mehr Menschen den typisch westlichen Lebensstil mit fett- und zuckerreicher Ernährung und wenig Bewegung annähmen. Einige bisher vorliegende Ergebnisse deuten z.B. darauf hin, dass Omega-3-Fettsäuren das Risiko einer psychischen Erkrankung senken, dass ausgewogene Ernährung insgesamt nicht nur Herzkrankheiten und Diabetes abwenden, sondern auch zur Vorbeugung psychischer Krankheiten beitragen kann und dass eine mediterrane Ernährung mit reichlich gutem Olivenöl, frischem Fisch und Gemüse das Risiko vermindert, an einer Depression zu erkranken. Ergebnisse weiterer Untersuchungen besagen, dass Dauerstress plus unausgewogene Ernährung die Nährstoffbilanz des Körpers negativ beeinflussen kann: Stressgeplagte, die auch noch schlecht essen, laufen Gefahr, dass die Anzahl von Stresshormonen wie Kortisol und Adrenalin im Körper ansteigt, wodurch wichtige Mineralien vermehrt aus dem Körper „herausgeschwemmt“ werden. Dies wiederum kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und auch für Depressionen erhöhen. In Deutschland läuft derzeit eine EU-geförderte Studie mit tausend Probanden an. Die daran beteiligten Wissenschaftler der Universität Leipzig haben ein ehrgeiziges Ziel: Sie wollen eine wirksame Ernährungsstrategie zur Vorbeugung von Depressionen finden. Dabei gehen sie der Frage nach, ob der Trend zu industriell erzeugter (Fertig-)Nahrung nicht nur die Menschen immer dicker werden lässt, sondern auch dem Körper immer weniger Nährstoffe zuführt – mit direkten Auswirkungen auf die Psyche. Gleichzeitig wird untersucht, welche Auswirkungen eine Ernährungsumstellung und die Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln auf das Depressionsrisiko haben. Bereits durchgeführte Studien weisen schon einmal darauf hin, dass es einen Zusammenhang zwischen Ernährung, Übergewicht und Depression gibt, ohne allerdings zu beweisen, welche Rolle das Ernährungsverhalten dabei spielt. Dies wollen die Leipziger Forscher nun konkret herausarbeiten. Ob eine Ernährungsumstellung nicht nur zur Vorbeugung, sondern auch zur Behandlung von Depression eingesetzt werden kann, wird ebenfalls derzeit erforscht, ist aber noch längst nicht geklärt. Andere Untersuchungen erbrachten Anzeichen dafür, dass auch Nahrungszusätze, z.B. mit Vitaminen oder Mineralstoffen, schwermütigen Menschen Linderung bringen könnten. Ebenfalls spannend sind Befunde, die darauf hinweisen, dass Probiotika, also „gute“ Darmbakterien sowohl die Stimmung als auch die Konzentrationsfähigkeit heben könnten.

Nährstoffe als „Waffen“ gegen Depressionen

Zu den Nährstoffen, die bei Wissenschaftlern als mögliche „natürliche Antidepressiva“ im Fokus stehen, zählen Aminosäuren, bestimmte Vitamine, vor allem Vitamin D und Folsäure, und Mineralstoffe wie z.B. Magnesium. Bei den Aminosäuren werden immer wieder Tryptophan (vor allem in der Kakaobohne und damit auch in Schokolade enthalten), Tyrosin (reichlich vorhanden z.B. in Milch, Fleisch, Eiern, Lachs, Sojabohnen und Mais-Vollkornmehl) und Phenylalanin (besonders viel davon ist in Kürbiskernen, Sojabohnen, Reis und Eiern zu finden). Aus den genannten Nährstoffen bildet der menschliche Körper die wichtigen Gehirn-Botenstoffe wie Serotonin, Noradrenalin und Dopamin, die für den Antrieb, die Konzentration, für guten Schlaf und insgesamt eine balancierte Stimmung verantwortlich sind. Wer also eine ausgewogene Ernährung wählt, in der viele der genannten Stoffe vorkommen, könnte dauerhaft gesünder bleiben – auch seelisch. Allerdings ist die Wissenschaft nach wie vor weit davon entfernt zu glauben, Depressionen könnten mit richtiger Ernährung und Nahrungsergänzungen ebenso wirksam wie mit Antidepressiva und Co. therapiert werden. Dennoch kann es doch zumindest nicht schaden, bei Depressionen eine Ernährungsumstellung auszuprobieren oder bestimmte Stoffe vermehrt zu sich zu nehmen.

Macht Schokolade wirklich glücklich(er)?

Ganz oben auf der Liste der möglicherweise „antidepressiven“ Lebensmittel steht Schokolade mit hohem Kakaoanteil. Denn Kakaobohnen sind besonders reich an Tryptophan, einer essenziellen Aminosäure, die der menschliche Körper nicht selbst produzieren kann und daher mit der Nahrung aufnehmen muss. Sie ist notwendig, um unterschiedliche Eiweißstoffe im Körper aufzubauen und verschiedener Botenstoffe im Gehirn zu aktivieren. Forschungen haben ergeben, dass sich bei eine Tryptophan-armen Ernährung die Symptome einer Depression verstärkten. Allerdings ist der Umkehrschluss, dass große Mengen an Tryptophan Depressionen vermindern können, noch nicht belegt. Beachtet werden muss außerdem, dass zu viel Tryptophan schwerwiegende Gesundheitsstörungen auslösen kann. Also macht Schokolade nicht glücklich? Doch, schon. Denn in der Tat hat Schokolade psychoaktive Eigenschaften, die auf die menschliche Stimmung einwirken. Doch am Tryptophan liegt das wohl nicht, denn um für einen „Happy-Effekt“ ausreichende Mengen davon zu sich zu nehmen, müsste man schon täglich mehrere Kilo Schokolade essen. Es werden vielmehr die vielen Kohlenhydrate für die positive Wirkung verantwortlich gemacht. Und das ist auch nicht schlecht: Neue Forschungen zeigen, dass eine kohlenhydratreiche Ernährung sich positiv auf die Behandlung einer Depression auswirken kann.

Omega-3-Fettsäuren als Antidepressivum?

Schon länger ist bekannt, dass Omega-3-Fettsäuren zur Vorbeugung einiger Erkrankungen, z.B. des Herz-Kreislauf-Systems, beitragen können. Hohe Mengen dieser ungesättigten Fettsäuren finden sich in fetten Fischsorten und in Pflanzenölen wie Soja-, Lein- und Rapsöl. Dass diese Fettsäuren jedoch auch heilend wirken können, darauf weisen Ergebnisse einer seit 1999 laufenden, großen spanischen Studie hin. Mediterrane Kost mit einem hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren soll demzufolge das Depressionsrisiko um 30 Prozent senken. Jedoch ist auch hier weder der endgültige Nachweis erbracht noch eine akzeptable Erklärung für diese Wirkung gefunden.

… und was ist mit Heilpflanzen?

Was den Einsatz von Heilpflanzen, Kräutern und Co. gegen Depressionen angeht, winken viele Mediziner ab. Allenfalls dem Johanniskraut wird eine stimmungsaufhellende und antriebssteigernde Wirkung zugestanden, allerdings auch nur bei leichteren Fällen von Depression. Heilpflanzen- und Kräuterkundige setzen jedoch vielerlei pflanzliche Wirkstoffe gegen Symptome einer Depression ein, vor allem Baldrian, Melisse und Rosmarin gelten als bewährt, zumindest zur Unterstützung einer klassischen schulmedizinischen Therapie und für eine allgemein wohltuende Wirkung. Allerdings sollten depressive Patienten sich immer mit ihrem behandelnden Arzt absprechen, bevor sie Heilpflanzen und -kräuter zusätzlich einnehmen. Denn auch pflanzliche Wirkstoffe können unerwünschte Nebenwirkungen haben oder die Wirkung von Medikamenten ungünstig beeinflussen!
Helga Boschitz
Autor: Helga Boschitz

Helga Boschitz, Jahrgang 1966, ist freie Journalistin und Texterin, lebt in Nürnberg und gehört seit Januar 2016 zum apomio.de-Team. Nach Studium und Ausbildung arbeitete sie seit Anfang der 1990er-Jahre als Magazinredakteurin und Moderatorin in Hörfunk- und Fernsehredaktionen u.a. beim Südwestrundfunk, Hessischen Rundfunk und Westdeutschen Rundfunk. Medizin- und Verbraucherthemen sind ihr aus ihrer Arbeit für das Magazin „Schrot und Korn“ sowie aus verschiedenen Tätigkeiten als Texterin vertraut.

1 Kommentare

Patrice C. – Donnerstag, 09. November 2017
Hallo, Die alten Hawaiianer hatten einen effektiven Weg, um Probleme zu lösen und die Harmonie wiederherzustellen, genannt Ho’oponopono, was bedeutet, „richtigstellen“. Dieses Verfahren ist tausende Jahre alt und wird heute noch praktiziert. Vor noch nicht allzulanger Zeit entwickelte die Hawaiianerin Morrnah Simeona eine moderne Version dieses traditionellen Ho’opnopono Verfahrens. Morrnah Simeona verbreitete dieses psycho-spirituelle 14-Schritte Ho’oponopono-Verfahren auf der ganzen Welt. Sie machte es den Menschen möglich, Ho’oponopono erlernen und anwenden zu können, egal in welcher Gesellschaft man lebt oder welcher Religion man angehört. Ihr 14-Schritte Ho’oponopono ist authentisch und ist in Hawaii, dort wo Ho’oponopono her kommt, anerkannt. Es kann einem in vielen Bereichen des Lebens helfen. Das 14-Schritte Ho’oponopono nach Morrnah Simeona ist eine völlig neue Art der Problem- und Konfliktlösung. Man braucht eine bestimmte Situation oder das eine oder andere Problem nicht zu analysieren, um sich davon befreien zu können oder aus einer unglücklicher Situation. Das Verfahren kann alleine durchgeführt werden. <em>+++Link von der Redaktion entfernt+++</em> Ich kann es sehr empfehlen. Viele Grüsse und Aloha Patrice C.

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