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Anpassungsstörung - Symptome erkennen und dem seelischen Tief wieder entkommen

Kommentar schreiben Dienstag, 21. August 2018

Ein belastendes Ereignis kann einen aus der Bahn werfen – und zwar so, dass der Alltag nicht mehr bewältigt werden kann. Psychiater sprechen von einer Anpassungsstörung, wenn ein Lebensereignis zu einer Veränderung des Gemütszustandes oder einer Störung des Sozialverhaltens führt. Erfahren Sie hier, wie Sie die Symptome erkennen und dem seelischen Tief wieder entkommen können.

Im Verlauf des Lebens ist jeder Mensch vielen verschiedenen belastenden und negativen Erlebnissen ausgesetzt. Egal ob ein neuer Job, eine Trennung, der Tod eines Angehörigen oder eines Freundes, oder auch eigentlich positive Erlebnisse wie die Geburt eines Kindes erfordern eine Anpassung an eine neue Situation. Manchmal kann genau diese Anpassung nicht erfolgen und die Lebenssituation droht einen zu überfordern. Ärzte sprechen dann von einer Anpassungsstörung.

Normalerweise können Menschen adäquat mit negativen Erlebnissen umgehen. Zwar schwingen mit einem solchen Ereignis immer Emotionen wie Ärger, Stress, Wut oder Trauer mit – es handelt sich aber um normale Reaktionen. Der Unterschied zwischen einer normalen emotionalen Reaktion und einer Anpassungsstörung ist ein schmaler Grat. Wer trauert oder in der Arbeit stark belastenden Situationen ausgesetzt ist, kann trotzdem angemessen auf positive Ereignisse reagieren, nicht alle Lebensbereiche leiden unter den negativen Gefühlen. Erst wenn die Reaktion auf ein einschneidendes Ereignis auch andere Lebensbereiche beeinflusst und den Alltag unmöglich macht, sollte therapeutische Hilfe in Betracht gezogen werden.

Ursachen für eine Anpassungsstörung

Welche Situation eine Anpassungsstörung auslösen kann ist von Person zu Person sehr verschieden. Die Subjektive Wahrnehmung einer negativen Situation beeinflusst die Psyche enorm. Während die Einen eher selbstbewusst mit schlechten Erfahrungen umgehen entwickeln eher ängstliche Menschen auch bei geringeren Stressoren bereits Symptome einer Anpassungsstörung. Verschiedene Faktoren können die Entstehung begünstigen. Dazu gehören:

  • Art, Dauer und Intensität der Belastung,
  • die subjektive Wahrnehmung der Situation; manchmal ist der Auslöser einer Anpassungsstörung nur ein kleiner Rückschlag am Ende einer Kette aus negativen Erlebnissen,
  • die psychische Widerstandsfähigkeit der Betroffenen, die Sensibilität,
  • die Struktur des sozialen Umfeldes und des Rückhalts.

Prinzipiell sind ängstliche und emotional instabile Personen häufiger von Anpassungsstörungen betroffen – Frauen häufiger als Männer. Auch bei Neugeborenen, Kindern und Jugendlichen kann es zu der Störung kommen. Eine Geburt ist nicht nur für die Mutter, sondern auch für das Kind belastend.

Symptome einer Anpassungsstörung erkennen

Die Beschwerden setzen in der Regel innerhalb von vier bis sechs Wochen nach einem einschneidenden Erlebnis ein. Die Hauptsymptome sind

  • Ängste,
  • Sorgen,
  • depressive Verstimmung,
  • Verzweiflung,
  • emotionale Instabilität und Verwirrtheit,
  • Traurigkeit,
  • soziale Isolation,
  • Überforderung und
  • Verbitterung.

Neben den psychischen Beschwerden kann sich eine Anpassungsstörung auch durch somatische Beschwerden äußern. Häufig kommt es in Zusammenhang mit psychischen Leiden zu Konzentrationsstörungen, Verdauungsbeschwerden und Bauchschmerzen sowie zu Kopfschmerzen.

Da sich die Anpassungsstörung sehr verschieden äußert und in ihrer Intensität von Patient zu Patienten unterschiedlich ausfällt, ist es nicht immer leicht die Symptome richtig zu deuten. In vielen Fällen ist das auslösende Ereignis für Außenstehende auch nicht als schwerwiegender Einschnitt in die Gefühlswelt zu erkennen, sodass die Symptome nicht richtig eingeschätzt werden.

Die Symptome halten meist nicht länger als ein halbes Jahr an. Sollten nach diesem Zeitraum immer noch psychische Beschwerden auftreten, kann es sich um eine Posttraumatische Belastungsstörung handeln.

Symptome bei Kindern und Jugendlichen

Bei Heranwachsenden kann sich eine Anpassungsstörung anders äußern als bei Erwachsenen. Bei Säuglingen kann es direkt nach der Geburt zu gestörtem Verhalten kommen, denn die Geburt ist nicht nur für die Mutter eine belastende Veränderung. Bei Neugeborenen äußert sich eine Anpassungsstörung durch permanentes Schreien und durch Probleme beim Füttern. Sie Trinken nicht richtig und haben folglich Probleme bei der Gewichtszunahme. In diesem Fall sollten sich Eltern auf jeden Fall professionelle Hilfe suchen und sich von einem Kinderarzt oder der Hebamme beraten lassen.

Bei Kindern und Jugendlichen sind es häufig Probleme in der Schule, die zu einer Anpassungsstörung führen. Doch auch ein Umzug, die Scheidung der Eltern oder Streit mit den Freunden kann die Symptome verursachen. Bei Kindern ist Daumenlutschen und Bettnässen ein mögliches Symptom – beziehungsweise der Rückfall in ein solches Verhalten. Jugendliche reagieren anders auf psychische Beschwerden: Bei ihnen schlägt eine Anpassungsstörung häufig in dissoziales Verhalten um. Sie werden missgelaunt, ziehen sich sozial zurück oder verfallen in kriminelle Verhaltensmuster.

Klassifikation: Diese Anpassungsstörungen gibt es

Je nachdem, welches Symptom vorherrschend auftritt wird zwischen verschiedenen Subtypen klassifiziert:

  • Kurze depressive Reaktion
  • Längere depressive Reaktion, bis zu 24 Monate
  • Angst gemischt mit depressiver Reaktion
  • Vorwiegende Beeinträchtigung anderer Emotionen
  • Vorwiegende Störung des Sozialverhaltens
  • Gemischte Störung von Gefühlen und Sozialverhalten
  • Sonstige vorwiegende Symptome

Diagnose erfolgt durch den Psychiater

Wenn Sie die aufgeführten Symptome bei sich oder einer nahestehenden Person feststellen, ist zunächst der Hausarzt der richtige Ansprechpartner. Er kann in einem ersten Diagnosegespräch einschätzen, ob es sich um eine therapiebedürftige Anpassungsstörung handelt oder um eine normale Reaktion. Er wird den Patienten gegebenenfalls an einen Facharzt für Psychiatrie oder Psychotherapie verweisen. Vor allem Fragen nach der derzeitigen Lebenssituation sollen eine Anpassungsstörung gegenüber einer Depression oder einer Posttraumatischen Belastungsstörung abgrenzen.

Bei einer Anpassungsstörung kann der Betroffene in der Regel genau sagen, welches Ereignis die negativen Emotionen verursacht hat. Bei einer Depression liegt hingegen eine allgemeine Traurigkeit und Bedrücktheit vor, die der Patient nicht klar definieren kann. Auf Grundlage des ersten Gesprächs kann der behandelnde Facharzt einen Therapieansatz erarbeiten.

Behandlung einer Anpassungsstörung: Therapie und Psychoanalyse

Je nach Schwere der Anpassungsstörung kommen verschiedene Ansätze zum Einsatz. Vielen Patienten hilft bereits eine gesteigerte Unterstützung des sozialen Umfeldes bei der Bewältigung der Krise. Wer bei Familie und Freunden einen starken Rückhalt erfährt und über die Beschwerden und das Lebensereignis sprechen kann, schafft es häufig so den Teufelskreis zu durchbrechen.

Eine Gesprächstherapie oder eine kognitive Verhaltenstherapie können dem Betroffenen ebenso aus dem emotionalen Tief zu helfen und sich der neuen Lebenssituation zu stellen. Dabei erlernt der Betroffene neue Strategien, um mit Problemen umzugehen und belastende Situationen angemessen zu interpretieren.

Bei einem starken Leidensdruck können Medikamente zum Einsatz kommen. Doch das ist eher die Ausnahme. Verschiedene Schlafmittel oder Tranquilizer helfen dem Patienten, doch es besteht eine Suchtgefahr und die Mittel werden nur über einen kurzen Zeitraum eingesetzt. Das leichte Antidepressivum Johanniskraut und Präparate mit diesem Inhaltsstoff können Menschen mit einer Anpassungsstörung helfen.

Lisa Vogel
Autor: Lisa Vogel

Von Juli 2014 bis März 2018 arbeitete Lisa Vogel als Werkstudentin in der Redaktion bei apomio.de und unterstützt das Team nun als freie Autorin. Sie hat ein Studium im Fach Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften und Medizin an der Hochschule Ansbach mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen. Hier erlangte sie sowohl journalistische als auch medizinische Kenntnisse. Derzeit vertieft sie ihre medialen Kenntnisse im Master Studium Multimediale Information und Kommunikation.

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