© © kmiragaya - Fotolia.com

Depression: Symptome erkennen

Kommentar schreiben Dienstag, 11. April 2017

Körperlich kranke Patienten leiden häufiger an depressiven Störungen als gesunde Menschen. Durch die ungewohnte Lebenssituation und die emotionale Belastung durch die Krankheit kann die Psyche beeinflusst werden. Erfahren Sie hier mehr über Symptome und Behandlung von depressiven Störungen. Nach einer Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) litten 3,6 Prozent der Allgemeinbevölkerung in den letzten 12 Monaten unter Depressionen. Bei 20 bis 35 Prozent der körperlich kranken Patienten muss mit einer depressiven Störung gerechnet werden, schreiben die Autoren der Dualen Reihe für Innere Medizin. Depressionen zählen zudem zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen im Alter.

Ursachen für eine Depression

Sowohl biologische als auch soziale und psychische Faktoren spielen bei der Entstehung einer Depression eine Rolle. Manche Menschen neigen genetisch eher dazu depressive Störungen zu entwickeln als andere. Diese Personen reagieren durch ihre genetische Veranlagung anders auf belastende oder traumatische Ereignisse. Eine chronische oder akute Erkrankung kann ein solches traumatisches Ereignis sein. Auch ein bestimmtes Lebensereignis wie die Geburt eines Kindes, ein Todesfall in der Familie oder enorme Belastung im Job können zum Entstehen einer Depression beitragen.

Symptome der psychischen Krankheit

Häufig treten körperliche Beschwerden als Anzeichen auf eine Depression auf, ohne dass eine organische Krankheit ein Auslöser dafür ist. Dazu zählen unter anderem:

  • Müdigkeit
  • Erschöpfung
  • Schlafstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Schmerzen in der Brust
  • Übelkeit
  • Gelenkschmerzen
  • Rückenprobleme
  • Verdauungsstörungen

Häufig verstärken sich die Symptome der körperlichen Erkrankung mit denen der Depression wechselseitig. Treten diese Anzeichen über einen längeren Zeitraum auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Mittels gründlicher Anamnese kann er eine genaue Diagnose stellen und abgrenzen, ob es sich um eine Depression handelt.

Symptome bei Männern: Aggressivität, Aktionismus und Alkoholkonsum

Bei Männern äußert sich eine Depression anders als bei Frauen. Sie haben weniger psychische, dafür eher körperliche Symptome. Männer fühlen in einer Depression nicht die klassischen Symptome wie Traurigkeit und Niedergeschlagenheit. Das psychische Leiden äußert sich eher durch gesteigerte Aggressivität, leichte Reizbarkeit, Unsicherheit, Schlafstörungen und gesteigerter Aktionismus (im Beruf, sportlich oder auch sexuell). Viele Männer denken bei diesen Symptomen nicht an eine Depression und gehen deshalb nicht zum Arzt. Eine Selbstbehandlung mit gesteigertem Alkoholkonsum oder Medikamenten kann eine Folge sein. Es können außerdem unspezifische Schmerzen in Rücken, Bauch oder Kopf vorkommen. Da die bisher verwendeten Fragebögen zur Erkennung einer Depression hauptsächlich auf Frauen ausgelegt sind, wird die Erkrankung bei Männern seltener diagnostiziert. Häufig wird die Depression aufgrund der untypischen Symptome als Persönlichkeitsstörung oder als Suchtproblem (Alkohol, Medikamente) fehlgedeutet.

Diagnose einer depressiven Störung

Oftmals gehen Betroffene erst auf Drängen von Angehörigen, Lebenspartnern oder Freunden zum Arzt. Doch sobald die Symptome auftreten, sollte ein Experte aufgesucht werden. Der Hausarzt ist der erste Ansprechpartner. Im besten Fall kennt er den Patienten und kann die derzeitige Stimmung in einem größeren Kontext sehen. Die Überlagerung von körperlichen und psychischen Symptomen erschwert meist die Diagnose, schreiben die Autoren der Dualen Reihe. Die „kognitive Triade“ ist ein typisches Diagnose-Mittel. Hierbei wird geklärt, ob der Patient eine negative Sicht von sich selbst, der Welt und der Zukunft hat. Zwei Fragen können Klarheit verschaffen: „Fühlen Sie sich niedergeschlagen oder hoffnungslos?“ und „Waren Sie in den letzten zwei Wochen durch wenig Interesse oder Freude an Ihrer Tätigkeit beeinträchtigt?“. Lautet die Antwort auf beide Fragen Nein, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Depression vor. Des Weiteren wird abgeklärt, ob der Patient unter gedrückter Stimmung oder vermindertem Antrieb leidet. Ist die Konzentrationsfähigkeit eingeschränkt, das Selbstbewusstsein im Keller und herrscht Appetitlosigkeit, kann es sich um eine depressive Störung handeln. Die gravierendsten Symptome sind Selbstverletzung und Suizid-Gedanken.

Die Therapie einer Depression

An erster Stelle der Therapie steht die ausreichende Aufklärung des Patienten über die Krankheit, Risiken und Behandlungsmöglichkeiten. Die medizinische Behandlung hat zum Ziel emotionale und physische Stress-Faktoren zu reduzieren. Die Unterstützung durch Familie oder Freunde spielt in der Therapie von Depressionen eine wichtige Rolle. Die Einbeziehung nahestehender Personen kann dem Patienten mehr Widerstandskraft verleihen, so die Experten. Häufig muss der Patient zu körperlicher Aktivität und einem geregelten Tagesablauf motiviert werden. So kann sichergestellt werden, dass die Medikamente zuverlässig eingenommen werden. Bei schweren depressiven Episoden ist die Behandlung durch antidepressive Mittel üblich. „Die Wirksamkeit von Psychotherapie bzw. antidepressiver Pharmakotherapie ist belegt. In vielen Fällen ist eine Kombinationstherapie von Psychotherapie und psychopharmakologischer Medikation angezeigt“, so das Fachbuch.

Männer und Frauen brauchen differenzierte Behandlung

In der Therapie einer Depression brauchen Männer und Frauen unterschiedliche Behandlungsansätze. Während sich Frauen in Gruppengesprächen öffnen können und über ihre Probleme sprechen, fällt dies Männern eher schwer. In vielen Köpfen ist immer noch das stigmatisierte Bild des „starken Mannes“ eingebrannt. Nach dem Motto „bloß keine Schwäche zeigen“ oder „ein Indianer kennt keinen Schmerz“ versuchen sich lange die Beschwerden zu verdrängen und scheuen sich Hilfe zu suchen. Außerdem tun sich Männer in Therapieangeboten schwer, wenn Frauen beteiligt sind. Sie haben Probleme damit sich Schwächen einzugestehen, wenn das schwache Geschlecht anwesend ist. Deshalb gibt es inzwischen spezielle Therapiemöglichkeiten in reinen Männergruppen. Das Klinikum Wahrendorff bei Hannover bietet eine solche Behandlung an.

Suizidgedanken ernst nehmen

Bleibt eine Depression unbehandelt kann es im schlimmsten Fall zum Freitod kommen. Dabei ist die Suizidrate bei Männern dreimal höher als bei Frauen. Denn: Männer suchen später – oder gar nicht – einen Experten auf und suchen Hilfe. Außerdem wählen sie häufiger aggressive Methoden des Selbstmordes. Es ist deshalb wichtig, dass Angehörige offen mit dem Thema Suizid umgehen und diese Gedanken ernst nehmen. Es bringt nichts dem Betroffenen den Freitod ausreden zu wollen – es muss professionelle Hilfe her. Auch wenn es ein unangenehmes Thema ist, sollte es immer wieder einmal angesprochen werden um die aktuelle Gefühlslage beurteilen zu können. Eine Anlaufstelle für Menschen, die an einer Depression leiden ist der Verein Deutsches Bündnis gegen Depressionen. Hier können sich Patienten beraten lassen und in Foren ihre Erfahrungen, Ängste und Hoffnungen austauschen.

Lisa Vogel
Autor: Lisa Vogel

Von Juli 2014 bis März 2018 arbeitete Lisa Vogel als Werkstudentin in der Redaktion bei apomio.de und unterstützt das Team nun als freie Autorin. Sie hat ein Studium im Fach Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften und Medizin an der Hochschule Ansbach mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen. Hier erlangte sie sowohl journalistische als auch medizinische Kenntnisse. Derzeit vertieft sie ihre medialen Kenntnisse im Master Studium Multimediale Information und Kommunikation.

Schreib einen Kommentar

help
help
help

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Zu unseren Datenschutzbestimmungen.

Beiträge die Sie auch interessieren könnten