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Eichel- und Vorhautentzündung (Balanitis und Posthitis): Ursachen, Symptome, Behandlung

Kommentar schreiben Mittwoch, 10. Januar 2018
Von einer Balanitis spricht man, wenn ein entzündlicher Prozess an der Eichel des männlichen Glieds vorliegt, welcher in den meisten Fällen auch die Vorhaut betrifft – die Bezeichnung hierfür ist dann die Balanoposthitis. Welche Ursachen gibt es für Eichel- und Vorhautentzündungen? Welche Symptome äußern sich? Und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Mehr dazu im folgenden Beitrag.

Was ist eine Balanitis? Was ist eine Balanoposthitis?

Eine Balanitis ist die Entzündung an der Eichel. Bei einer Balanaoposthitis handelt es sich um Entzündungen im Bereich der Eichel (medizinisch Glans penis bezeichnet) und des Präputiums (auch Vorhaut genannt) infektiöser oder nicht-infektiöser Genese. Eine Entzündung ohne Präputium-Beteiligung liegt nur selten vor. Im klinischen Sprachgebrauch wird in der Regel immer von einer Balanitis gesprochen, unabhängig davon, ob das Präputium entzündet ist oder nicht.

Ursachen für Entzündungen im männlichen Genitalbereich

Im Kindesalter wird eine Balanitis durch eine bestehende primäre oder sekundäre Phimose begünstigt. Im Erwachsenenalter kann unter anderem die mangelnde Intimhygiene für die Entstehung einer Entzündung an der Eichel auslösend sein: Durch unregelmäßiges Zurückziehen der Vorhaut und Säubern der Eichel können unter der Vorhaut abgeschilferte Epithelzellen und Talg akkumulieren und sekundär zu begünstigten Infektionen mit Bakterien, Viren und Hefepilzen führen. Die Mischung aus Talgablagerungen und Hautschüppchen werden als „Smegma“ bezeichnet. Der häufigste Erreger einer Balanitis candidomycetika ist der Hefepilz Candida albicans, der sich bei etwa 15 Prozent der Männer auf der Eichel nachweisen lässt. Nur ein geringer Teil davon entwickelt jedoch eine Eichelentzündung. Nicht beschnittene Männer sind häufiger von einer Balanitis durch Pilze betroffen als beschnittene Männer. In den meisten Fällen wird der Pilz durch Sexualkontakt übertragen. Es ist zu empfehlen, sofern die Vorhaut reponierbar ist, diese regelmäßig zurück zu ziehen und die Eichel zu säubern. Weitere Ursachen für eine Balanitis können sein:
  • zu intensive Intimpflege von Eichel und Vorhaut: Reizende Waschlotionen oder übertriebene Intimpflege führen dazu, dass Reizungen an der Eichel und dadurch entzündliche Prozesse entstehen
  • allergische Reaktionen auf Waschmittel, Lotionen oder Kondome können das Krankheitsbild hervorrufen
  • Hautpilze, die häufig durch Geschlechtsverkehr übertragen werden
  • bestimmte Viren, beispielsweise das Herpesvirus oder Papillomaviren (HPV); insbesondere bei Beteiligung von Papilmaloviren kann eine Eichelentzündung langwierig und hartnäckig verlaufen
  • Gonokokken oder Treponema pallidum (Erreger der Syphilis)
  • Hauterkrankungen, wie die Schuppenflechte
  • Morbus Reiter
  • Diabetes mellitus; man vermutet, dass der zuckerhaltige Urin ein Auslöser ist
Als Risikofaktoren für eine Balanitis werden außerdem chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, wie zum Beispiel Morbus Chron und Colitis ulcerosa angesehen. Darüber hinaus kann auch schweres Übergewicht Risikofaktor einer Eichelentzündung sein.

Symptome einer Eichelentzündung

Das Hauptsymptom einer Balanitis ist die gerötete und entzündete Eichel, welche mehr oder weniger schmerzhaft empfunden wird. Auch sind bei Betroffenen Ausschläge und unklare Veränderungen an der Eichel zu beobachten. Ein weiteres häufiges Symptom ist Juckreiz. Bei einer Balanitis sind nur die oberen Hautschichten betroffen und nicht die tiefen Schwellkörper der Eichel. Zu erwähnen ist, dass eine Rötung der Eichel zahlreiche Ursachen haben kann und nicht zwangsläufig eine Balanitis dahinter steckt. Aus diesem Grund ist zu empfehlen, bei Veränderungen der Eichel grundsätzlich den Arzt zu konsultieren und es abklären zu lassen. Weitere Symptome können sich äußern, die im Folgenden aufgelistet werden:
  • Brennen
  • Schwellung und Überwärmung der Eichel und des Präputiums
  • Ausfluss aus dem Penis, der verschiedenfarbig und übelriechend sein kann und häufig von eitriger Konsistenz ist
  • erschwertes und schmerzhaftes Zurückziehen der Vorhaut
  • Miktionsprobleme: Schwierigkeiten und Schmerzen beim Wasserlassen; schlimmstenfalls gestörte Kontrolle des Urinstrahls
  • manchmal: zeitweise Impotenz
Die Eichelentzündung bleibt in der Regel nur im Bereich der Eichel und des Präputiums begrenzt und breitet sich nicht weiter aus. Auch sind Krankheitszeichen wie Fieber, Unwohlsein, Erbrechen für dieses Krankheitsbild untypisch. Warnzeichen für einen komplizierten Verlauf einer Balanitis können unter anderem sein:
  • Zeichen einer Blutvergiftung
  • ein schlecht kontrollierter Diabetes mellitus
  • Blockaden beim Wasserlassen
  • Unfähigkeit die Vorhaut überhaupt zurück zu ziehen

Wie wird eine Balantis diagnostiziert?

In einem ausführlichen Anamnesegespräch wird die Krankengeschichte erhoben. Der Patient wird unter anderem dazu befragt, ob er Veränderungen an der Eichel oder dem Penis bemerkt hat und an Schmerzen oder Juckreiz leidet. Auch wird geklärt, ob Probleme beim Wasserlassen oder Geschlechtsverkehr bestehen und ob weitere Hauterkrankungen oder andere Krankheiten bekannt sind. Im Hinblick auf die Diagnostik ist in der Regel der klinische Befund ausschlaggebend und ausreichend. Sofern die Ätiologie fraglich ist, kann zusätzlich eine Kulturuntersuchung und die Verwendung von Urinstix auf Glukose, insbesondere bei Verdacht auf Candida Infektion, zur Sicherstellung der Diagnose beitragen. Um herauszufinden, ob ein bestimmter Krankheitserreger für die Entstehung der Balanitis verantwortlich ist, ist ein Abstrich der Eichel und der Vorhaut nötig. Bei Verdacht auf Malignom ist eine Biopsie anzuraten.

Nach der Diagnose folgt die Behandlung

Eine zielführende Therapie richtet sich immer nach der Abklärung der Ursache und somit einer gründlichen Diagnosedurchführung. Wenn der Erreger bekannt ist, kann dieser zielführend bekämpft werden. Sind zum Beispiel Pilzinfektionen für eine Eichelentzündung verantwortlich, ist das Auftragen einer Salbe zur Linderung der Beschwerden nötig. In diesem Fall kommen sogenannte Antimykotika, pilzabtötende Wirkstoffe, zum Einsatz. Besteht eine mechanische Reizung sind kortisonhaltige Salben zum Eindämmen des Entzündungsprozesses zu empfehlen. Liegt eine Eichelentzündung aufgrund einer Grunderkrankung wie beispielsweise Diabetes mellitus vor, kann der Therapieansatz in Tablettenform erfolgen. Da tendenziell weniger beschnittene Männer an einer Balanitis erkranken, kann bei - trotz Therapie - immer wiederkehrenden Eichelentzündungen eine Beschneidung (auch Zirkumszision bezeichnet) eine mögliche Behandlungsmethode sein. Eine zusammenfassende Auflistung der möglichen Behandlungsmaßnahmen:
  • Umschläge und Sitzbäder mit Gerbstoffen
  • Entzündungshemmende Salben und Tinkturen
  • Salben zur Bekämpfung einer Pilzinfektion
  • Sekundärprophylaxe durch hygienische Maßnahmen, insbesondere regelmäßiges Zurückziehen der Vorhaut und Säubern der Eichel
  • bei wiederkehrenden Entzündungen: Zirkumzision
Wenn eine Balanitis vorliegt und der Betroffene sexuell aktiv ist, ist es zudem ratsam und gerechtfertigt auch den Sexualpartner zu behandeln. In den allermeisten Fällen ist eine Balanitis erfolgreich zu therapieren. Es gibt Patienten, die allerdings aus Scham nicht den Arzt aufsuchen, sodass sich das Krankheitsbild verschlimmern kann und unbehandelt schlimmstenfalls die Harnwege aufsteigen kann. Mögliche Folgen sind dann ein Harnwegsinfekt, eine Blasen- oder auch Prostataentzündung. Da Harnwegsinfekte bei Männern seltenere als bei Frauen sind müssen diese dann konsequenter behandelt werden.
J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Judith Ehresmann ist als gelernte Operationstechnische und Chirurgischtechnische Assistentin in einem Krankenhaus beschäftigt. Das Schreiben hat sich immer mehr als Gegengewicht zu ihrem Vollzeitberuf im Gesundheitswesen entwickelt. Vor allem auch als Ausdruck ihres medizinischen Interesses, mit dem Wunsch, dieses auf ihre Mitmenschen zu übertragen. Frau Ehresmann schreibt unter anderem für den Thieme Verlag und ist seit November 2014 auch als Autorin für apomio.de tätig.

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