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Syphilis: Die einst ausgestorben geglaubte Geschlechtskrankheit ist zurück

Kommentar schreiben Mittwoch, 27. Juli 2016

Sie galt als ausgerottet, verbreitet sich aber in den letzten Jahren zunehmend in Deutschland und ganz Europa: Die Syphilis. Dabei handelt es sich um eine durch meist sexuelle Kontakte übertragbare bakterielle Infektion, die gut behandelbar ist. Unbehandelt, kann es zu schweren Organ- und Hirnschäden und sogar zum Tod kommen. Ein einfacher Bluttest bringt Klarheit – Safer Sex zur Vorbeugung. 

Früher galt die Krankheit als Zeichen eines umtriebigen Lebens und stellte Personen in das gesellschaftliche Abseits. Mit der großen HIV-Welle in den 80er und 90er Jahren und dem damit einhergehenden Bewusstsein für sexuell Übertragbare Infektionen, sank die Zahl deutlich. Doch seit 2010 steigt die Zahl der Infizierten wieder kontinuierlich an – Syphilis ist wieder auf dem Vormarsch. Auch Dating-Apps und Internetportale sollen zur Verbreitung beitragen: Durch den ungezwungenen Kontakt praktizieren weniger junge Menschen Safer Sex und setzen sich dem Risiko einer Ansteckung aus.

Die Syphilis (auch Lues oder Franzosenkrankheit genannt) ist eine bakterielle Infektion. Der Erreger – das Bakterium, „Treponema pallidum“ – wird vor allem bei ungeschützten Sex – also über die Schleimhäute -  übertragen. Auch über den direkten Kontakt zum Blut eines Infizierten kann man sich anstecken. Ebenso wie die Übertragung der Krankheit von einer Schwangeren auf das ungeborene Kind ist dieser Weg allerdings eher selten.

Syphilis Infektion: Verlauf in vier Stadien

Die Erkrankung verläuft meist in vier Stadien. Je nach Patient können die Symptome stark oder weniger stark ausgeprägt sein. Durch unspezifische, sehr milde Symptome kann die Syphilis auch unentdeckt bleiben. Unbehandelt kann die Infektion abheilen, allerdings auch zum Tod des Patienten führen.

Zwischen der Infektion mit den Bakterien und dem Auftreten erster Symptome können zwei bis drei Wochen. In dieser Zeit weiß der Betroffene meist nichts von der Syphilis. Dann bildet sich im ersten Stadium ein hirsekorngroßes Geschwür an der Eintrittsstelle der Bakterien. Bei Männern ist das meist die Eichel, die Vorhaut oder der Anus. Bei Frauen sind die Schamlippen, die Klitoris, der Anus oder der Gebärmutterhals befallen. Da Syphilis auch bei oral Verkehr übertragen wird, kann dieses Geschwür auch im Mund, an den Lippen oder im Rachen vorkommen. Seltener sind Finger oder andere Hautstellen betroffen.

Dieses Knötchen weitet sich meist zu einem münzgroßen Geschwür aus. Es hat einen gut abgrenzbaren und harten Randwall. Schmerzen haben die Betroffenen nicht. Das Geschwür kann eine klare Flüssigkeit absondern. Diese ist hoch infektiös und enthält viele Bakterien.

Stadium 2: Unspezifische Krankheitssymptome lenken ab

Nach vier bis sechs Wochen heilt das Geschwür meist komplett aus. Trotzdem befinden sich die Bakterien weiterhin im Organismus und verbreiten sich langsam über den Blutkreislauf. Die sekundäre Syphilis kann mehrere Monate oder sogar erst Jahre nach den ersten Symptomen auftreten. Die Lymphknoten schwellen an und allgemeine Krankheitssymptome wie Hautausschläge, Fieber, Appetitlosigkeit und Abgeschlagenheit führen zu Unwohlsein des Patienten.

Auch in diesem Stadium ist der Patient sehr ansteckend. Nässende Wunden oder Ausschläge sind hoch infektiös. Zum Teil können weitere Symptome wie Zungen Belag oder Haarausfall hinzukommen. Da es sich um sehr allgemeine Symptome handelt und ein zeitlicher Abstand zu dem ersten Geschwür und der ‚Infektion besteht, werden die Anzeichen oft nicht mit Syphilis in Verbindung gebracht. Deshalb gilt die Krankheit auch als „Chamäleon“ unter den Sexualkrankheiten.

Zerstörtes Gewebe und Organveränderungen im dritten Stadium

Im dritten Stadium der Syphilis kommt es zu gummiartigen Veränderungen und Knötchenbildung des Gewebes. Auf der Haut, aber auch an Organen und Gefäßen verändert sich das Gebe zu sogenannten Gummen. Platzen diese auf, wird das umliegende Areal unreparierbar zerstört. Das dritte Stadium wird auch spät Syphilis genannt. Es tritt sechs Monate bis 10 Jahre nach der Ansteckung mit dem Bakterium auf.

Diese Gummen (oder auch Gummata) führen zu Narbenbildung auf der Haut und Schädigung der Organe. Liegt eines am Herz oder der Hauptschlagader, kann der Durchbruch lebensgefährlich sein. Der Patient leidet an inneren Blutungen.

Die tertiäre Syphilis ist deutlich weniger ansteckend als die Frühstadien. Hier besteht auch beim Geschlechtsverkehr kaum noch eine Infektionsgefahr.

Stadium vier: die Neurosyphilis

Nach weiterer Verzögerung kann es bei bis zu 40 Prozent der Betroffenen zu neurologischen Veränderungen kommen. Hierbei greifen die Bakterien das Gehirn des Patienten an. Es kann zu Hirnhautentzündungen (Meningitis) und psychischen Veränderungen wie Depressionen oder Demenz kommen. Das Gehirn büßt deutlich an Leistungsfähigkeit ein und degeneriert mit der Zeit. Auch diese Folgen können zum Tode führen.

Behandlung von Syphilis: Penicillin ist wirkungsvoll

Dabei ist die Therapie der Geschlechtserkrankung sehr einfach. Bei den ersten Anzeichen einer Hautveränderung sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. Wird die Syphilis erkannt – egal in welchem Stadium – führt die Gabe von Antibiotika zu einem Abheilen der Erkrankung. Nach einer zwei- bis dreiwöchigen Behandlung mit Penicillin, sterben die Bakterien ab und die Erkrankung geht zurück. Bereits entstandene Organschäden oder mentale Veränderungen können nicht wieder rückgängig gemacht werden. Doch ein Fortschreiten der Erkrankung wird erfolgreich unterbunden.

Eine Einschränkung der Lebenserwartung muss nicht befürchtet werden. Nach der Therapie kann sich der Betroffene zwar erneut mit Syphilis anstecken, denn es gibt keine körperliche Immunisierung, aber auch eine erneute Ansteckung kann behandelt werden. Gegen Penicillin resistente Formen der Syphilis sind bislang nicht bekannt.

Erkrankung melden

Jede Erkrankung an Syphilis muss dem Robert Koch Institut gemeldet werden. Persönliche Daten wie Name oder Adresse des Patienten muss nicht übermittelt werden. Lediglich der vermutete Ansteckungsweg spielt eine Rolle. Auch heute sind vor allem (homosexuelle) Männer betroffen. Doch auch die Anzahl der infizierten Frauen ging in die Höhe. Zur Prävention empfiehlt sich das Verwenden eines Kondoms beim Geschlechtsverkehr mit neuen Bekanntschaften und häufig wechselnden Partnern.

Auf wen das zutrifft, der kann ein bis zweimal im Jahr einen Syphilis-Test machen lassen. Ein einfacher Bluttest kann zeigen, ob eine Erkrankung vorliegt. Je früher die Infektion entdeckt wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit für bleibende Schäden und die Ansteckung weiterer Personen.

Sexualpartner mitbehandeln

Liegt eine Syphilis vor ist es meist ratsam, den Sexualpartner gleich mit zu behandeln. Auch wenn noch keine Symptome auftreten ist eine Ansteckung wahrscheinlich. Liegt das erste Geschwür im Mund- und Rachenraum, kann beispielsweise auch das intensive Küssen zu einer Infektion mit dem Bakterium führen.

Auch frühere Partner müssen über die Syphilis informiert werden und sollten sich testen lassen. Nur so kann eine weitere Verbreitung verhindert werden.

Lisa Vogel
Autor: Lisa Vogel

Von Juli 2014 bis März 2018 arbeitete Lisa Vogel als Werkstudentin in der Redaktion bei apomio.de und unterstützt das Team nun als freie Autorin. Sie hat ein Studium im Fach Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften und Medizin an der Hochschule Ansbach mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen. Hier erlangte sie sowohl journalistische als auch medizinische Kenntnisse. Derzeit vertieft sie ihre medialen Kenntnisse im Master Studium Multimediale Information und Kommunikation.

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