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Powerkraut Sauerkraut: Was das deutsche Superfood drauf hat

Kommentar schreiben Aktualisiert am 29. April 2016

Hier ist definitiv kein Kraut gewachsen: Das typisch deutsche Sauerkraut ist zurzeit auf dem Vormarsch. Und das zurecht. Früher noch als Arme-Leute-Essen abgestempelt kommen immer mehr positive gesundheitliche Fakten auf den Tisch. Wer regelmäßig Sauerkraut verzehrt tut seiner Verdauung und seinem Immunsystem, etwas Gutes und kann sogar gegen Krebs vorbeugen – ein wahres Superfood eben. 

Das Sauerkraut hat wahrlich einen langen Weg hinter sich. Bereits Seefahrer und Entdecker machten sich mit etlichen Fässern Sauerkraut an Bord auf ihre Touren um den Globus und auch die alten Römer kannten und aßen das Kraut. In den neueren Zeiten war Sauerkraut als Arme-Leute-Essen für die ärmlichen Bewohner auf dem Land verpönt und noch etwas später war es lediglich die Beilag für deftige Würste und Fleischgerichte. Doch heute hat das Kraut mehr Facetten denn je: Sterneköche kreieren immer neue Gerichte mit dem gegorenen Kohl.

Sauerkraut ist keine eigene Gemüsesorte, es wird aus Weißkohl hergestellt. Der Kohl ist ein klassisches Wintergemüse und wurde durch Fermentation haltbar gemacht. Wer Sauerkraut selbst herstellen möchte, muss einen Kohlkopf klein schneiden oder hobeln und in ein gut verschließbares Gefäß füllen. Das Kraut wird abwechselnd mit Salz geschichtet und angedrückt. Ist der Behälter zu etwa vier Fünfteln voll, stampft man den Kohl solange, bis Zellflüssigkeit austritt und das Gemüse bedeckt ist. Nun wird der Inhalt mit einem Stein beschwert und luftdicht verschlossen – vier bis sechs Wochen später ist die Gärung abgeschlossen und das Sauerkraut ist fertig.

Sauerkraut: Vitamin C schützte vor Skorbut

Zur Zeit der Seefahrer erkrankten häufig Besatzungsmitglieder an Skorbut. Dabei verändert sich das Körpergewebe, die Zähne fallen aus, das Zahnfleisch blutet und im schlimmsten Fall kann das zum Tod führen. Heute weiß man, bei Skorbut handelt es sich um eine Vitamin C-Mangelerscheinung. Aßen die Matrosen regelmäßig Sauerkraut, blieben die Beschwerden aus. Seit dieser Erkenntnis stachen die Entdecker und Weltreisenden selten ohne Fässer voller Kraut in See.

Kein Wunder, denn Sauerkraut ist ein guter Nährstoff-Lieferant. Ob nun Kraut aus dem eigenen Keller oder doch aus dem Supermarkt: Es gibt viele Gründe, weshalb das Kraut regelmäßig auf unsere Teller sollte. Es enthält die Vitamine A, B, E, K und vor allem C. Außerdem kommt in Sauerkraut Folsäure, Calcium, Kalium, MagnesiumEisen, Jod und Zink vor. Damit handelt es sich um eine wahre Vitaminbombe und vor allem in der kalten Jahreszeit um die Vitamin C-Quelle schlechthin.

Eine Besonderheit: Sauerkraut enthält Vitamin B12. Der Körper verwendet diesen Stoff bei der Blutbildung und dem Aufbau von Zellkernen. Normalerweise kommt dieses B-Vitamin nur in tierischen Produkten wie Eiern, Milch oder Fleisch vor. Sauerkraut ist das einzige Gemüse, das Vitamin B12 als Stoffwechselprodukt der Bakterien enthält.

Milchsäurebakterien gären das Kraut

Bei der Fermentation spalten Milchsäurebakterien, die natürlicherweise auf dem Kohl vorkommen, die Kohlenhydrate auf dem Gemüse zu verstoffwechseln. Sie verwandeln den einfachen Zucker in Milch- und Essigsäure. Dadurch wird das Gemüse nicht nur sauer, sondern auch länger haltbar und bekömmlicher. Denn durch die Fermentation sinkt der pH-Wert, das Kraut wird sauer und andere Bakterien oder Pilze können in dem Milieu nicht mehr überleben. Dieser Prozess findet statt, wenn das Kraut luftdicht gelagert wird und die entstehenden Gase dennoch austreten können. Inzwischen gibt es spezielle Sauerkrauttöpfe im Handel.

Kraut als Low Carb Beilage

Neben den Vitaminen und Spurenelementen enthält Sauerkraut vor allem Wasser und kaum Fett oder Zucker. 100 Gramm Sauerkraut enthält daher gerade einmal um die 19 Kalorien (kcal). Trotzdem sättigt das Kraut langanhaltend, da es reich an Ballaststoffen ist, die ihr Volumen im Darm vergrößern und ihn füllen. Außerdem regt Sauerkraut die Darmaktivität an. Aus diesem Grund sollte das Powerkraut bei keiner Diät auf dem Speiseplan fehlen.

Wird das Sauerkraut ungekocht gegessen, gelangen die Milchsäurebakterien in den Magen-Darm-Trakt und können dort als Probiotika wirken. Die Bakterien unterstützen die natürliche Darmflora und nehmen dadurch Einfluss auf unser Immunsystem. Wie genau dieser Prozess funktioniert und welche Bakterien genau aktiv sind müssen Untersuchungen noch zeigen. Damit könnte das Kraut die häufig gesüßten Joghurtprodukte, die einen probiotischen Effekt versprechen, ersetzen – und das zu einem günstigen Preis.

Mit Sauerkraut gegen Krebs?

Die Forschungsergebnisse finnischer Wissenschaftler deuten darauf hin, dass ein regelmäßiger Konsum von Sauerkraut einer Krebserkrankung vorbeugen kann. Bestimmte Inhaltsstoffe, die bei der Gärung entstehen, sollen einen positiven Einfluss auf das Wachstum von Tumoren in Brust und Darm haben. Wenn sich die Ergebnisse festigen, kann das typisch deutsche Superfood ein wichtiger Bestandteil in der Gesundheitsvorsorge und der Ernährung bei einem Krebsleiden werden.

Sauerkraut erfreut sich also zurecht immer größer werdender Beliebtheit. Vor allem die neuen Rezeptideen mit Sauerkrautpizza, -wraps oder Sauerkraut mit Mango und Cranberries bieten dem Gaumen eine willkommene Abwechslung und sind außerdem gut für die Gesundheit. Also: gerne öfter mal zum Powerkraut greifen!

Lesen Sie hier weitere Teile unserer Superfood-Reihe:

Top 10 der Superfoods | Teil 1: Linsen Top 10 der Superfoods | Teil 2: Die Grapefruit Top 10 der Superfoods | Teil 3: Die Acaibeere Top 10 der Superfoods | Teil 5: Der Wirsing Top 10 der Superfoods | Teil 6: Quinoa Top 10 der Superfoods | Teil 7: Heidelbeeren Top 10 der Superfoods | Teil 8: Avocado Top 10 der Superfoods | Teil 9: Mandeln Top 10 der Superfoods | Teil 10: Lupine

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Lisa Vogel
Autor: Lisa Vogel

Von Juli 2014 bis März 2018 arbeitete Lisa Vogel als Werkstudentin in der Redaktion bei apomio.de und unterstützt das Team nun als freie Autorin. Sie hat ein Studium im Fach Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften und Medizin an der Hochschule Ansbach mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen. Hier erlangte sie sowohl journalistische als auch medizinische Kenntnisse. Derzeit vertieft sie ihre medialen Kenntnisse im Master Studium Multimediale Information und Kommunikation.

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