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Medizinisches Cannabis: So wirken die Hanf-Medikamente

Kommentar schreiben Dienstag, 25. Februar 2020

Die einen halten sie für eine gefährliche Droge, die anderen für ein medizinisches Allheilmittel: Die Cannabispflanze polarisiert – so viel ist klar. Seit einiger Zeit werden die Stimmen lauter, die für eine Legalisierung eintreten. Man dürfe den Leuten den medizinischen Nutzen nicht vorenthalten, so lauten die Argumente. Doch was ist dran an den Mythen rund um Cannabis? Wie wirken Cannabis-Medikamente, bei welchen Krankheiten helfen sie und was ist überhaupt legal?

Inhaltsverzeichnis:

1. Cannabinoide: Die Wirkstoffe im Cannabis

Zunächst ein paar Grundlagen: In der Hanfpflanze sind eine Reihe von verschiedenen Wirkstoffen enthalten – die sogenannten Cannabinoide. Die wichtigsten sind dabei THC und CBD, aber es gibt noch viele weitere. Insgesamt beinhaltet die Cannabispflanze über hundert von diesen Substanzen.

Die Cannabinoide docken im Körper an bestimmten Rezeptoren an. Diese kleinen Zellteile werden durch die Cannabinoide aktiviert und lösen dann verschiedene körperliche Effekte aus. Zum Beispiel ergeben sich Wirkungen auf den Schlaf, die Schmerzempfindungen, die Emotionen oder das Hungergefühl.

Übrigens: In den 1980-Jahren entdeckte man, dass der Körper sogar selbst Cannabinoide herstellt. Diese körpereigenen Cannabinoide bilden mit den Rezeptoren zusammen das sogenannte „endocannabinoide System“.

2. THC – der berauschende Stoff

Der bisher bekannteste Cannabis-Wirkstoff ist wohl das THC. Dieser Stoff ist dafür verantwortlich, das berühmte „High“-Gefühl zu verursachen. Aus diesem Grund gilt THC in Deutschland als Betäubungsmittel und der Besitz ist (bis auf einige Ausnahmen) verboten.

Jedoch hat THC noch weitere Effekte, die zum Teil auch medizinisch eingesetzt werden. Zum Beispiel soll es schmerzstillend, entzündungshemmend und appetitanregend wirken.

3. CBD – der beruhigende Stoff

Seit einiger Zeit immer beliebter wird ein anderer Cannabis-Wirkstoff: Cannabidol (CBD). Im Gegensatz zum THC verursacht CBD keinen Rausch. Es ist daher legal, reines CBD zu besitzen oder zu konsumieren.

CBD wird vor allem eine beruhigende, angstlösende und schlaffördernde Wirkung nachgesagt, es soll aber auch gegen Krämpfe, Entzündungen und Übelkeit helfen.1

4. Welche Nebenwirkungen können eintreten?

Cannabis kann aber auch eine Reihe von unerwünschten Effekten auslösen. Zum Beispiel kann es zu Angstzuständen kommen, Kopfschmerzen, Schwindel und Müdigkeit sind ebenfalls mögliche unangenehme Begleiterscheinungen.

Bei längerfristiger Einnahme in größeren Mengen können zudem das Gedächtnis und die Lernfähigkeit leiden und man kann psychisch davon abhängig werden. Außerdem sind Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten möglich, also dass diese zum Beispiel durch Cannabis verstärkt werden.2

Allerdings: Diese Effekte gelten für Cannabis, das sowohl CBD als auch THC enthält. Für Cannabis mit reinem CBD fehlen zwar noch Langzeitstudien, aber bislang gilt es als harmlos und gut verträglich.3 Bei sehr hoher Dosis kann allenfalls Schläfrigkeit, Mundtrockenheit und Durchfall eintreten.

 

5. Welche Medikamente aus Cannabis gibt es?

Einen Joint rauchen als Medizin? Nein, das wird wahrscheinlich kein Arzt verschreiben. Medizinisches Cannabis wird meistens in Form von Tropfen, Spray oder Kapseln eingenommen. Seit 2017 kann man sich zudem Cannabis-Blüten auf Rezept holen. Diese werden aber üblicherweise durch einen Verdampfer inhaliert oder als Tee getrunken.

In Deutschland werden folgende Cannabis-Medikamente eingesetzt4:

  • Sativex®: ein Mundspray mit CBD und THC
  • Canemes®: Kapseln mit künstlich hergestelltem THC
  • Dronabinol: reines THC, das in der Apotheke zu Tropfen oder Kapseln verarbeitet wird
  • Medizinische Cannabisblüten

Hinweis: Produkte mit THC sind für den Freizeitgebrauch illegal, die Verwendung als Medikament ist eine Ausnahme. Reines CBD ist aber erlaubt, weil es nicht als Suchtmittel gilt. Bei Cannabis-Blüten kommt es auf den THC-Gehalt an: Wenn dieser unter 0,2 % Prozent liegt, sind die Blüten in Deutschland legal.

6. Bei welchen Krankheiten kann Cannabis helfen?

Ob und wie wirksam Cannabis als Medikament ist, das ist nicht ganz unumstritten. Befürworter weisen auf zahlreiche vielversprechende Erfahrungen hin. Kritiker betonen, dass die meisten Wirkungen noch nicht wissenschaftlich erwiesen sind.5

Fakt ist: Bei einigen Krankheiten wird Cannabis bereits regelmäßig als Medikament eingesetzt – vor allem dann, wenn andere Mittel nicht helfen.

 

Bei diesen Beschwerden ist die Wirkung relativ gut belegt:6

  • chronische Nervenschmerzen
  • Übelkeit in Folge von Chemotherapie
  • Spastiken aufgrund einer Multiplen Sklerose
  • bestimmte Formen von Epilepsie (Dravet- und Lennox-Gastaut-Syndrom)

7. Fazit: Vielversprechend, aber noch nicht gut erforscht

Alles in allem hat Cannabis sicherlich viel Potenzial als Medikament und es zeigten sich bereits vielversprechende Ergebnisse. Allerdings sind die Wirkungen noch nicht sehr gut erforscht. Der Grund dafür liegt auch darin, dass die Pflanze lange Zeit einen so schlechten Ruf hatte und überhaupt keine Forschungen stattfanden. Mehr hochwertige Studien wären also wünschenswert, um den Nutzen der Hanfpflanze in Zukunft voll auszuschöpfen.

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Autor: Gastautor

Wir bedanken uns beim Autor für den tollen Beitrag über medizinisches Cannabis. Sie sind Experte auf ihrem Gebiet und würden gerne als Gastautor einen Beitrag für die Leser von apomio schreiben? Klasse! Das sagen wir nicht nur so, sondern das Teilen von Expertenwissen in unserem Gesundheitsblog ist auch unser Leitgedanke für alle apomio Nutzer. Die regelmäßige Veröffentlichung interessanter Beiträge rund um das Thema Gesundheit ist für unsere Leser ein wichtiger Baustein.

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