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Hämochromatose: Wenn zu viel Eisen dem Körper schadet

Kommentar schreiben Donnerstag, 23. Juli 2015

Eisen ist wichtig für den Körper und unterstützt lebenswichtige Prozesse. So weit so gut. Doch zu viel Eisen schadet dem Organismus. Bei der Eisenspeicherkrankheit, der Hämochromatose, nimmt der Körper zu viel Eisen auf und lagert es in den Organen ab. Die Folge: Es kann zu schweren Leber-, Bauchspeicheldrüsen-, Herz- und Gewebeschäden kommen. Die Krankheit bleibt oft lange unentdeckt.

Sie ist eine der häufigsten vererbbaren Stoffwechselkrankheiten und doch in der breiten Bevölkerung eher unbekannt: Die Hämochromatose. Etwa jeder achte bis zehnte Nordeuropäer trägt die entsprechende Anlage auf Chromosom Nummer sechs. Die Eisenspeicherkrankheit wird autosomal rezessiv vererbt. Das bedeutet, nur wer die Anlage von beiden Eltern geerbt hat, hat ein Risiko an der Erkrankung zu leiden. Wer einen Gendefekt trägt, erkrankt nicht, kann diesen allerdings an seine Kinder vererben. Etwa eine viertel Million Menschen in Deutschland haben den Gendefekt von beiden Elternteilen geerbt, bei etwa 20 bis 50 Prozent davon bricht die Krankheit im Verlauf des Lebens aus, so die Deutsche Hämochromatose Vereinigung.

Hämochromatose: Zu viel Eisen führt zu Schäden

Eigentlich ist Eisen ein wichtiger Bestandteil unseres Körpers. Ein gesunder Mensch trägt drei bis fünf Gramm Eisen in seinem Körper. Vor allem bei der Blutbildung, aber auch bei anderen Prozessen im Körper spielt das Spurenelement eine wichtige Rolle. Es wird aus der aufgenommenen Nahrung absorbiert und gespeichert. Täglich wird nur die benötigte Menge von etwa einem Gramm „aufgefüllt“, der Rest wird ausgeschieden.

Bei der Hämochromatose ist das anders. Durch die genetische Veränderung ist die Rückkopplung zwischen Dünndarm und Leber gestört. Der Darm nimmt ungebremst Eisen aus der Nahrung auf und „überflutet“ die Leber und andere Körperstrukturen. Durch das kontinuierliche zu viel an Eisen, stellen sich bei den Betroffenen mit der Zeit unspezifische Symptome ein.

Unspezifische Symptome erschweren Diagnose der Eisenspeicherkrankheit

Vor allem Männer ab dem vierten Lebensjahrzehnt sind betroffen. Bei Frauen setzen dies Symptome erst in der Menopause ein, da über die Menstruation regelmäßig Eisen ausgeschieden wird. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Ausgeprägte Müdigkeit
  • Depressive Stimmung
  • Leichte Reizbarkeit
  • Unregelmäßige Pigmentierung der Haut (bronzefarbene oder bräunliche Flecken)
  • Haarausfall im Kopf-, Achsel- und Intimbereich
  • Nachlassende Libido
  • Potenzprobleme
  • Unregelmäßige Menstruation
  • Gelenkschmerzen (vor allem in den Fingergelenken)
  • Bauchschmerzen und Krämpfe im Oberbauch
  • Unregelmäßiger Herzschlag
  • Kurzatmigkeit

Da die Symptome auf viele Krankheiten zu treffen, wird die Hämochromatose häufig nicht sofort erkannt. Die Gelenkschmerzen deuten auf eine rheumatische Erkrankung hin, die psychischen Symptome, sowie Bauchschmerzen und Krämpfe lassen ein Alkoholproblem vermuten. Erst eine Blutuntersuchung auf mit Hauptaugenmerk auf die Transferrinsättigung (Transporteisweiß) und die Konzentration des Ferritins (eine Eisenspeicherform) geben Aufschluss.

Folgeerkrankung einer Hämochromatose

Bleibt die Eisenspeicherkrankheit unbehandelt kann es zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen kommen. Durch das gespeicherte Eisen kommt es mit der Zeit zu einer Schädigung der Leber, die in einer Leberzirrhose und schlimmstenfalls in einem Leberkarzinom gipfelt.

Durch die Eisenablagerung in der Bauchspeicheldrüse, kann unter anderem die Insulinproduktion beeinträchtigt werden und somit Diabetes mellitus entstehen. Lagert sich vermehrt Eisen im Herzmuskel an, kann es zu einer Rhythmusstörung kommen.

Durch die Eisenablagerung im Gewebe bekommt die Haut einen bronzefarbenen bis bräunlichen Stich. Die Pigmentierung kann unregelmäßig verlaufen.

Auch die Knochen leiden unter der „Eisen-Flut“: Osteoporose tritt häufig im Zusammenhang mit Hämochromatose auf.

Die Folgeerkrankungen können weitgehend verhindert werden, wenn die Diagnose zügig nach dem ersten Auftreten von Symptomen gestellt wird und eine adäquate Therapie eingeleitet wird.

Altmodische Therapie hilft gegen Eisenspeicherkrankheit

Wer an Hämochromatose leidet der muss regelmäßig zum sogenannten Aderlassen antreten. Dabei werden immer 500 Milliliter Blut abgelassen. So wird die Eisenkonzentration im Körper verringert. Im Anfangsstadium der Erkrankung muss der Patient mehrmals die Woche zum Aderlassen, später nur noch einmal im Monat und irgendwann reichen drei bis 12 Arztbesuche pro Jahr – das allerdings ein Leben lang und sehr konsequent. Liegen noch keine Leberschäden vor, kann der Patient zur Blutspende zugelassen werden und so seinen Eisenhaushalt regulieren.

Die Therapie mutet zwar sehr mittelalterlich an, ist allerdings die kostengünstigste Variante und besticht, da sie keinerlei Nebenwirkungen mit sich bringt. Nur wenn aus körperlichen Gründen kein Blut abgezapft werden kann, etwa bei einer Herzschwäche oder einer Blutarmut, wird der Eisenhaushalt mit Medikamenten reguliert.

Auch eine eisenarme Diät mit wenig Fleisch und die Begrenzung der Vitamin C-Aufnahme (Vitamin C fördert die Eisenabsorption im Darm) können die Krankheit und ihre Symptome eindämmen.

Organschädigung: Besserung oder irreversibel?

Die meisten Symptome der Hämochromatose bessern sich, nachdem die Therapie gestartet wurde. Die Pigmentierung der Haut normalisiert sich, nachdem die überfüllten Eisenspeicher abgebaut wurden. Ebenso können auch Leber-, Herz- und Bauchspeicheldrüsenschäden in der Regel verhindert werden. Alleine die Gelenkschmerzen sind irreversibel: Leidet ein Hämochromatose-Patient einmal an ihnen, bleiben sie oft auch ein Leben lang.

Durch die Schmerzen in den Gelenken der Finger, Fußknöchel der Knie und der Hüfte kann die Lebensqualität des Betroffenen enorm eingeschränkt sein. Oft bleibt nur der operative Weg: Die geschädigten Gelenke müssen durch künstliche Gelenke ersetzt werden, damit der Patient wieder beschwerdefrei leben kann.

Lisa Vogel
Autor: Lisa Vogel

Von Juli 2014 bis März 2018 arbeitete Lisa Vogel als Werkstudentin in der Redaktion bei apomio.de und unterstützt das Team nun als freie Autorin. Sie hat ein Studium im Fach Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften und Medizin an der Hochschule Ansbach mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen. Hier erlangte sie sowohl journalistische als auch medizinische Kenntnisse. Derzeit vertieft sie ihre medialen Kenntnisse im Master Studium Multimediale Information und Kommunikation.

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