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Erziehungstipps - Wie viel Computer ist in Ordnung?

Kommentar schreiben Mittwoch, 02. November 2016

Im digitalen Zeitalter gehören Fernsehen, Computer sowie Internet zum Leben der heutigen Gesellschaft dazu. Auf der Beliebtheitsskala steht der Computer an zweiter Stelle. Aber wie viel Konsum ist unbedenklich? Und welche Symptome können bei zu viel Computernutzung auftreten? Kann die Auswahl der Computerspiele entscheidend sein?

Computer. Ja oder Nein?!

Es gibt zahlreiche Gegner der kindlichen Computernutzung, die behaupten, dass spielende Kinde schneller dazu neigen, übergewichtig zu werden und Konzentrationsschwächen zeigen, wenn sie zu viel Zeit vor dem Computer verbringen. Darüber hinaus betrachten viele es als kritisch, dass Kinder seelisch nicht mehr gefordert werden und sich die Kinder nach und nach von der Familie sowie den Freunden isolieren und im schlimmsten Fall sogar süchtig werden können. Daher ist es wichtig, dass Eltern ihre Kinder behutsam und verantwortungsvoll an den Umgang mit Computern heran führen, damit der Computerkonsum unbedenklich bleibt.

Chancen von Computerspielen können nämlich sein:

  • Verbesserung der Hand-Augen-Koordination
  • Freude am Tun: Computerspiele bereiten vielen Kindern Freude am Tun
  • Erfolgserlebnisse in der digitalen Welt können das Selbstwertgefühl in der realen Welt stärken
  • Kinder lernen auch in Computerspielen andere Mitspieler zu akzeptieren und zu respektieren
  • Kinder können in Phantasiewelten abtauchen
  • Kognitive Fähigkeiten können je nach Genre des Computerspiels gefördert werden (zum Beispiel: räumliches Orientierungsvermögen, Gedächtnisfähigkeit, Kombinationsfähigkeit)
  • Computerspiele können zur Erholung und zum Wohlbefinden beitragen

Welche Symptome bei zu viel Computernutzung?

Ist Ihr Kind computersüchtig? Es gibt Merkmale einer Abhängigkeitserkrankung, die in Bezug auf das Nutzungsverhalten über einen längeren Zeitraum zutreffen müssen, um von einer Computer-Spielsucht sprechen zu können:

  • Einengung des Verhaltensmusters: Für das Kind stellt das Spielen eines Computerspiels die wichtigste Tätigkeit dar; es ist gedanklich überwiegend in der virtuellen Welt, egal ob es am Essenstisch sitzt oder sich in der Schule aufhält. Das Verlangen zu spielen besteht sogar, wenn das Kind einst viel geschätzte Hobbies nachgehen könnte.
  • Regulation von negativen Gefühlen: Seien es Stress in der Familie, im Freundeskreis oder schlechte Schulnoten – das Kind verdrängt die negativen Gefühle mit der Nutzung von Computerspielen, um Positives zu erleben. Um Positives aufrecht zu erhalten, kann es dazu führen, dass die Dosis dann auch gesteigert wird. Man spricht von Toleranzentwicklung.
  • Entzugserscheinungen: Wenn das Kind nicht spielt, kann es wie bei einem stoffgebundenen Süchtigen zu Entzugserscheinungen kommen; das Kind wird unruhig, schwitzt, zittert, ist aggressiv und wird schnell gereizt
  • Kontrollverlust: Das Kind ist nicht mehr in der Lage, das eigene Spielverhalten kritisch zu hinterfragen. Auch kann es zeitliche Regeln nicht mehr einhalten
  • Rückfall: Ein Spielverbot misslingt
  • Schädliche Konsequenzen: realweltliche Verpflichtungen finden bei dem Kind keine Berücksichtigung mehr und werden immer mehr vernachlässigt. Der Alltag wird als frustrierend empfunden und verliert zunehmend an Reiz. Depressionen können die Folge sein.

Auswahl der Computerspiele und die zeitliche Nutzung

Für viele Eltern ist es schwierig, die Gefahr von Internet und Computerspielen richtig einzuschätzen, da sie selbst ganz anders aufgewachsen sind und Computer nicht zu ihrem kindlichen Alltag gehört haben. Insbesondere für Kinder ist nämlich nicht jedes Computerspiel geeignet. Eltern sollten daher in erster Linie auf die Altersbegrenzung eines Computerspiels achten, damit Gewalt und unheimliche Figuren eines Spiels nicht Albträume bei dem Kind verursachen. Zudem sollten sie den Inhalt des Computerspiels kontrollieren und ob es beispielsweise den Werten entspricht, die in der Familie gelebt werden.

 

Außerdem sollten Eltern aufmerksam bleiben, dass das reale Leben weiter läuft und Schule, Hausaufgaben und der Freundeskreis nicht vernachlässigt werden. Egal wie viele Wochen ein Computerspiel ein Kind vereinnahmt, solange das Umfeld des Kindes weiterhin Berücksichtigung findet, braucht man sich als Elternteile keine Sorgen zu machen.

 

Weiterhin ist es wichtig, dass die Nutzung von Computerspielen von Beginn an festgelegte Regeln geknüpft ist: Eltern sollten mit ihrem Kind zeitliche Vorgaben ausmachen, damit das Kind nicht ohne zeitliche Begrenzung den gesamten Tag vor dem Bildschirm sitzt. Ein sechs- bis achtjähriges Kind sollte nicht länger als 30 Minuten täglich vor dem Computer sitzen, bei einem Zehn- bis Zwölfjährigen ist eine Stunde Spielzeit in Ordnung. Das Kind soll lernen, sich an diese Regeln konsequent zu halten; bei Einhaltung ist eine kleine Belohnung angemessen. Je selbstbewusster das Kind ist und je verstandener es sich fühlt, desto geringer ist das Suchtrisiko bei einer Computernutzung.

 

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bietet Informationen zum Thema Computernutzung und legt aus der Initiative „SCHAU HIN! Was deine Kinder machen“ folgende Altersstaffelung für den Computerkonsum als Empfehlung nahe:

  • bis 7 Jahre: 30 Minuten pro Tag
  • 8 bis 9 Jahre: 45 Minuten pro Tag
  • 10 bis 11 Jahre: 60 Minuten pro Tag
  • 12 bis 13 Jahre: 75 Minuten pro Tag

 

Noch wichtiger als die zeitliche Begrenzung ist die Begleitung: Die Aufgabe der Eltern ist es, dass Kind in dieser Hinsicht zu unterstützen und die Begeisterung des Kindes für ein neues Computerspiel ernst zu nehmen und darüber zu reden und vielleicht sogar ein Mal gemeinsam mit dem Kind ein Level zu spielen. Das Kind wird Gefallen daran finden, etwas gut zu können und es den Eltern bei zu bringen. Außerdem ist es von großer Bedeutung, als Elternteile das Kind nicht vor den Computer zu setzen, um Ruhe und Zeit für sich selbst zu haben. Entscheidender ist nämlich, dass man die Zeit mit dem Kind verbringt und sich mit diesem beschäftigt.

Nicht nur Computer spielen

Im digitalen Zeitalter ist es wichtig, dass Bewegung, gemeinsame Familienzeit und herkömmliches Spielen keinesfalls zu kurz kommen! Damit die Mediennutzung nicht unser gesamtes Leben beherrscht. Denn Dinge, wie reale soziale Kontakte können niemals durch Computerspiele ersetzt werden. Kinder sollten früh genug in dieser Hinsicht erzogen werden und Wertschätzung kennen lernen.

J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Die ausgebildete Operations-Technische Assistentin hat nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine Weiterbildung zur Chirurgisch-Technischen Assistentin in der Allgemein- und Visceralchirurgie in Köln absolviert. Inzwischen blickt sie auf eine mehrjährige Erfahrung in der OP-Assistenz in diesem Fachgebiet zurück. Neben ihrer Tätigkeit im OP studiert Frau Ehresmann Humanmedizin in einem Modellstudiengang in Aachen.

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