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Erkältung mit Folgen? Die Nasenspray-Sucht

Kommentar schreiben Freitag, 18. März 2016

Einen Spritzer links, einen Spritzer rechts und schon ist die Nase wieder frei. Gerade in der Heuschnupfen- oder der Erkältungssaison greifen viele Menschen zum Nasenspray. Es lindert schnell die Beschwerden und ist in den Apotheken frei verkäuflich. Doch das Heilmittel kann zu einer körperlichen Abhängigkeit führen: Die Nase gewöhnt sich an die tägliche Dosis und kann mit der Zeit Schaden nehmen. Wir erklären, wie es zu einer Nasenspray-Sucht kommt, welche Folgen auftreten können und wie man den Teufelskreis am besten durchbricht. 

Allergiker kennen das Problem: Kaum das Haus verlassen, schon ist die Nase zu. Der ständige Druck auf den Nebenhöhlen ist unangenehm und kann bei körperlicher Arbeit oder Sport sehr hinderlich sein. Abhilfe ist schnell geschaffen: In der Apotheke gibt es rezeptfreie Nasensprays, die die Schleimhäute zum Abschwellen bringen.

Die Schleimhäute in der Nase dienen der Immunabwehr. Sie erwärmen nicht nur die Luft und befreien sie vom gröbsten Schmutz, mithilfe eines Sekrets spülen sie auch Erreger aus dem Organismus. Das merken wir spätestens dann, wenn die Nase verstopft ist. Ist das freie Atmen gestört, kann ein abschwellendes Nasenspray angewendet werden. Etwa die Wirkstoffe Xylometazolin oder Oxymetazolin der Wirkstoffgruppe der Sympathomimetika verringern die Durchblutung der Schleimhäute, sodass die Schwellung zurückgeht. Dabei ahmen die Stoffe die Wirkung des Hormons Noradrenalin nach, das in Gefahrensituationen von unserem vegetativen Nervensystem ausgeschüttet wird – im Falle einer Flucht oder Gefahrensituation, können wir tief durchatmen und mehr Sauerstoff aufnehmen.

Nasenspray-Sucht: Gewöhnung an den Wirkstoff

Wird das Präparat mehrmals täglich und länger als eine Woche angewendet, gewöhnt sich der Körper daran. Die Folge: Sobald die Wirkung des Sprays nachlässt, schwellen die Schleimhäute noch stärker an als vorher. Mediziner sprechen dann von einem Rebound-Effekt. Der Betroffene spürt, dass sich die Nase wieder schließt und verwendet unter Umständen erneut das Spray. Dabei behandelt er damit nur die Schwellung, die ohne das Nasenspray gar nicht aufgetreten wäre – ein Teufelskreis entsteht.

Mit einer psychischen Sucht hat die Nasenspray-Abhängigkeit nichts zu tun. Das Belohnungssystem im Gehirn ist außen vor und auch bei einem „Entzug“ kommt es nicht zu den typischen Nebenwirkungen wie Zittern, Kreislaufproblemen oder Schweißausbrüchen. Es handelt sich lediglich um eine physische Abhängigkeit – ohne Spray bleibt die Nase permanent verstopft. Das kann nicht nur unangenehm sein, sondern auch Erstickungsängste auslösen.

Folgen von Nasenspray-Missbrauch

Durch die steige Anwendung des wirkstoffhaltigen Präparats trocknen die Schleimhäute nach und nach aus. Das kann zu häufigem Nasenbluten und gegebenenfalls damit verbundenen Schmerzen kommen. Die Schleimhäute sind rissig und porös. Außerdem verliert die Schleimhaut nach und nach ihre abwehrende Wirkung. Durch die ständige Befeuchtung von außen, wird kein Sekret mehr gebildet, das Keime nach außen transportiert. So gelangen Viren, Bakterien und Pilze leichter in den Organismus.

Durch die erhöhte Anfälligkeit für Erreger, kann es im schlimmsten Fall zu der sogenannten „Stinknase“ kommen. Das beschreibt den Zustand, wenn die Nasenschleimhaut über einen langen Zeitraum hinweg geschädigt wird und sich Keime ansiedeln und vermehren. Die Nasenschleimhaut beginnt sich zu zersetzen und das Gewebe stirbt langsam ab. Es bilden sich Verkrustungen, die sogenannten Borken. Der Vorgang ist mit einem beißenden Geruch verbunden, von dem der Name des Symptoms rührt. Das sich zersetzende Gewebe riecht aaßähnlich. Der Betroffene riecht das nicht – der Geruchssinn wird mit geschädigt. Doch die Mitmenschen nehmen den Geruch wahr, die Folgen sind meist soziale Isolation und Rückzug.

Folgen der Sucht nicht heilbar

Die Folgen einer Nasenspray-Sucht sind nicht heilbar. Ist die Nasenschleimhaut erst einmal zerstört, kann sie nicht wieder hergestellt werden. Deshalb ist es wichtig, die Abhängigkeit rechtzeitig zu erkennen und einen Nasenspray-Entzug zu machen. Dieser unterscheidet sich deutlich von einem herkömmlichen Entzug – er kann zu Hause und nahezu ohne Nebenwirkungen durchgeführt werden. Gesundheitliche Folgen durch die Abstinenz sind nicht zu befürchten.

Um von der „Droge“ Nasenspray loszukommen, gibt es verschiedene Ansätze. Wird auf das Präparat verzichtet, schwellen die Schleimhäute zunächst stark an und das Atmen ist erschwert. Damit ausreichend Luft durch die Nase gesogen werden kann, kann zuerst bei einem Nasenloch auf das Spray verzichtet werden. Dadurch schwillt nur hier die Schleimhaut an. Mit der Zeit (meist nach ein bis zwei Tagen) geht hier die Schwellung zurück und die Nase wird frei – ganz ohne Spray.  Anschließend auch beim zweiten Nasenloch verzichten und die Schleimhaut reguliert sich nach etwa einer Woche wieder.

Ersatzpräparate und Kindermittel

Wer diesen kalten Entzug nicht durchhält, kann es mit Ersatzprodukten versuchen. Ziel ist es, die Dosis des Wirkstoffs nach und nach zu senken, sodass die Schleimhäute in der Nase wieder ihre Funktion aufnehmen und regulär arbeiten. Für den Anfang sind Kindernasensprays mit einer niedrigen Wirkstoffdosierung hilfreich, später kann auf ein Meerwassernasenspray ausgewichen werden. Es befeuchtet lediglich die Schleimhäute, führt aber nicht zur Abschwellung. Für Heuschnupfen-Allergiker empfiehlt sich ein Nasenspray mit Histamin. Hierzu kann der behandelnden HNO-Arzt oder Allergologe eine Empfehlung aussprechen.

Eine Inhalation mit Salzwasser kann in der akuten Phase der Entwöhnung etwas Linderung verschaffen und die Atemwege befreien. Dazu einfach Salzwasser in einem Topf erhitzen und den mit einem Handtuch bedeckten Kopf darüber halten. Sollte das nicht funktionieren und die Entwöhnung zu schwer fallen, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Er kann geeignete Mittel verschreiben und weitere Tipps zur Entwöhnung geben.

 

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Erkältung nach der Entwöhnung: Was tun?

Kommt es nach einer erfolgreichen Entwöhnung erneut zu einer Erkältung oder einer Allergie, muss nicht zwangsläufig auf das befreiende Nasenspray verzichtet werden. Vielmehr sollten Betroffene darauf achten, die vorgegebene Anwendungsdauer nicht zu überschreiten, auch wenn im Fläschchen deutlich mehr Wirkstoff enthalten ist als in einer Woche nötig.

Alternativ kann der HNO-Arzt oder ein Apotheker zu anderen Mitteln Auskunft geben, die eine körperliche Abhängigkeit ausschließen. Homöopathische Mittel oder auch niedrig dosierte Präparate für Kinder verschaffen Abhilfe, ohne eine Sucht zu verursachen.

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Lisa Vogel
Autor: Lisa Vogel

Von Juli 2014 bis März 2018 arbeitete Lisa Vogel als Werkstudentin in der Redaktion bei apomio.de und unterstützt das Team nun als freie Autorin. Sie hat ein Studium im Fach Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften und Medizin an der Hochschule Ansbach mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen. Hier erlangte sie sowohl journalistische als auch medizinische Kenntnisse. Derzeit vertieft sie ihre medialen Kenntnisse im Master Studium Multimediale Information und Kommunikation.

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