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Wenn trockene Augen zur Krankheit werden!

Kommentar schreiben Freitag, 05. April 2019

Das „trockene Auge“ zählt zu den häufigsten Augenerkrankungen und stellt ein komplexes Krankheitsbild dar. Häufig klagen Betroffene unter anderem über Brennen, Rötungen und Fremdkörpergefühl. Dabei können die Ursachen für trockene Augen sehr unterschiedlich sein. Wie können trockene Augen diagnostiziert werden? Welche Behandlungsmaßnahmen gibt es? Und warum sollten trockene Augen nicht verharmlost werden? Mehr zu dem Thema im folgenden Beitrag.

 

Was sind trockene Auge?

 

Das Trockene Auge, im medizinischen Sprachgebrauch Keratoconjunctivitis sicca genannt, stellt eine multifaktorielle Erkrankung von Tränenfilm und Augenoberfläche dar und kann sowohl als eigenständiges Krankheitsbild in Erscheinung treten als auch die Folge von Oberflächenerkrankungen des Auges sein.  (1)

 

Die Trockenheit der Augen entsteht durch eine Störung des Tränenfilms, sodass die Augen nicht richtig befeuchtet werden können, hervorgerufen durch eine Verminderung der Tränenproduktion oder durch eine veränderte Zusammensetzung des Tränenfilms.  (2)

 

Die Trockenheit der Augen ist ein weltweit weit verbreitetes Leiden und betrifft ungefähr 15 Prozent der Gesamtbevölkerung und tritt in einem Lebensalter zwischen 40 und 50 Jahren auf, wobei eine zunehmende Prävalenz mit steigendem Alter beobachtet werden kann und Frauen häufiger als Männer betroffen sind. (3)

 

Welche Beschwerden treten bei trockenen Augen auf?

 

Hinweise auf eine gestörte Benetzung und somit das subjektive Empfinden trockener Augen können sich als Ausdruck folgender Beschwerden äußern:  (4)

 

  • Brennen
  • Rötung
  • Fremdkörpergefühl
  • Druckgefühl der Augen
  • Lidrandrötung und Lidrandschwellung
  • Lichtempfindlichkeit
  • Empfindlichkeit bei Luftzug
  • Empfindlichkeit im Flugzeug
  • Empfindlichkeit in rauchiger Luft
  • müde Augen
  • Bedürfnis, die Augen am liebsten geschlossen zu halten
  • Bedürfnis, die Augen ständig auswischen zu müssen
  • reversible Sehstörungen / intermittierendes Verschwommensehen
  • Schleimabsonderung / verklebte Lider durch klebriges Sekret insbesondere morgens
  • Unverträglichkeit von Kontaktlinsen
  • Unverträglichkeit von Kosmetikprodukten
  • Probleme bei der Arbeit am Bildschirm
  • paradoxerweise Augentränen

 

Trockene Augen sollten behandelt und nicht verharmlost werden. Denn neben den anhaltenden und zum Teil auch sehr belastenden Beschwerden kann eine Nichtbehandlung zu einer Verstärkung der vermehrten Trockenheit der Augen führen und folglich auch dauerhafte Schäden am Auge, wie beispielsweise eine Hornhautschädigung bis hin zum Visusverlust (Sehverlust) (5) bedeuten.   Die Tränendrüse sondert die Tränenflüssigkeit zur Befeuchtung des Auges ab und trägt zur Verhütung der Austrocknung sowie zur Ausschwemmung störender Stoffe und zum Schutz gegen Infektionen bei. Diesbezüglich ist ein tränendes Auge weitaus ungefährdeter als ein trockenes Auge.

 

Welche Faktoren und Krankheiten können trockene Augen verursachen?

 

Die Ursachen für trockene Augen können sehr unterschiedlich sein.

Mögliche Einflussfaktoren/Risikofaktoren, die Benetzungsstörungen auftreten lassen, sind unter anderem:

 

  • Umweltfaktoren, die zu einer vermehrten Verdunstung des Tränenfilms führen: Rauch, Trockenheit, Ozon, Klimaanlagen, Bildschirmarbeit (eine vermehrte Verdunstung des Tränenfilms kann auch durch eine verminderte Frequenz des Lidschlags, zum Beispiel durch Lesen oder Bildschirmarbeit, zustande kommen)
  • Erkrankungen des Auges: Hornhautoperationen, MeibomDrüsen-Dysfunktion (häufigste Ursache)
  • Hormonstörungen, die zu einer gestörten Regulation der Tränenfilmproduktion führen: Schilddrüsenerkrankungen, Östrogentherapie, Androgenmangel
  • Immunologische und Autoimmunerkrankungen: Rheumatologische Erkrankungen, SjörgenSyndrom
  • Dermatologische Erkrankungen
  • Diabetes mellitus
  • Medikamente: „Medikamente, die über längere Zeit eingenommen werden, greifen in den subtilen Vorgang der Tränenproduktion ein, wie etwa Psychopharmaka, Schlafmittel, BetaBlocker, Hormone oder Medikamente gegen Allergien  (6)
  • VitaminA-Mangel (Xerophtalmie: In Deutschland selten, aber in Entwicklungsländern noch vorkommend)

 

Bei der Meibom-Drüsen-Dysfunktion als häufigste Ursache für eine Reduktion der Lipidphase im Tränenfilm, liegt eine eingeschränkte oder fehlende Funktion der Meibom-Drüsen vor. Die Meibom-Drüsen, die am Rand der Augenlider frei münden und für die Aufrechterhaltung des Tränenfilms verantwortlich sind, produzieren als Talgdrüsen einen Lipidfilms, der die vorschnelle Verdunstung und Austrocknung verhindert. Bei einer Funktionsstörung, in den meisten Fällen eine Hyposekretion, eine verminderte Sekretion, kommt es zu sekundären Störungen des Tränenfilms, Fremdkörpergefühl und Entzündung assoziiert mit einer Blepharitis (Lidrandentzündung).  (7)

 

Wie sieht die Untersuchung bei trockenen Augen aus?

 

Wegweisend für die Diagnosestellung ist zunächst die Schilderung der Beschwerden des Patienten in einem ausführlichen Anamnesegespräch.

Im Anschluss daran erfolgt die Inspektion der Haut von Gesicht und den Augenlidern, die Inspektion der tarsalen Bindehaut durch Umstülpung des Oberlides (Fachbegriff: Ektroponieren) sowie die Beurteilung der Augenoberfläche, Lidkante, Ausführungsgänge und Sekret der Meibom-Drüsen sowie Horn- und Bindehaut mittels Schaltlampenuntersuchung. (8)

 

Bei der Schaltlampenuntersuchung, die zur Routineuntersuchung in der Augenheilkunde zählt, können mit dem sogenannten Schaltlampen-Mikroskop Bereiche vergrößert betrachtet werden.

Mit dem sogenannten Schirmer-I-Test wird die Flüssigkeitsmenge beurteilt: Ein Lackmusstreifen wird in den Bindehautsack eingehängt und der wässrige Anteil des Tränenfilms bewertet. Ein nach fünf Minuten weniger als fünf Millimeter benetzter Streifen beweist die Trockenheit der Augen. (9)

 

Durch eine Fluoreszein-Anfärbung können punktförmige Epithelläsionen der Hornhaut, die ebenfalls zu einem Fremdkörpergefühl und Sehstörungen führen, angefärbt und mittels Schaltlampenuntersuchung detektiert werden. (10)

Mit einem Spezialgerät, einem Tearscope, kann die Beurteilung des Ölanteils des Tränenfilms erfolgen. (11)

 

Wie sieht die Therapie nach der Diagnose aus?

 

Die Diagnosestellung erfolgt immer durch den behandelnden Augenarzt und die Wahl der Therapie richtet sich nach dem Auslöser.

Allgemeine Maßnahmen, die zur Linderung der Beschwerden führen können, sind unter anderem:

 

  • Vermeidung von auslösenden Faktoren/Umweltfaktoren (Beispiel: auf Raumklima mit ausreichend Luftfeuchtigkeit achten, Gebläse in PKWs meiden, Rauch vermeiden, bewusstes Blinzeln beim Lesen und bei der Bildschirmarbeit etc.)
  • Augen regelmäßig frischer Luft aussetzen
  • Wärmeapplikation und Massage
  • physikalischer Schutz vor Austrocknung (Brille mit Seitenschutz)
  • Kontaktlinsen regelmäßig mit unkonservierten Tränenersatzprodukten nachbenetzen
  • reizarme Kosmetikprodukte wählen
  • Lidrandpflege/reinigung (Abschminken)
  • ausreichend Flüssigkeit trinken
  • ausreichend viel Schlaf

 

Als medikamentöser Therapieansatz ist die Gabe von konservierungsfreien Tränenersatzmittel das Mittel der 1. Wahl.

Verschiedene Präparate von Tränenersatzmittel sind erhältlich, die in sechs verschiedene Stoffklassen unterteilt werden: (12)

 

  • Polyvinylalkohole (Indikation: bei leichter Trockenheit)
  • Polyvidone (Indikation: bei leichter Trockenheit)
  • CelluloseDerivate (Indikation: bei leichter Trockenheit)
  • Carbomere (Indikation: mittelschwere Trockenheit)
  • Hyaluronsäure (Indikation: mittelschwere Trockenheit)
  • Dexpanthenol  

 

Darüber hinaus gehende Therapieansätze sind bei massiven Beschwerden Glucocorticoid-Augentropfen, bei Superinfektionen antientzündliche Antibiotika-Augentropfen und bei bestehender Persistenz trotz Tränenersatzmittel Cyclosporin-A haltige Augentropfen.

Dies sind nur einige Möglichkeiten einer Therapie bei Trockenheit der Augen. Eine Vielzahl weiterer Informationen zur Ergänzungsmaßnahmen können beim Augenarzt eingeholt werden. (13)

Für den Therapieerfolg ist Geduld gefragt, denn nicht selten tritt eine Wirksamkeit erst nach Wochen oder Monaten ein. Aus diesem Grund sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt zu empfehlen, damit langfristige und ernsthafte Veränderungen und Schäden der Augen nicht unbeachtet bleiben.

 

 

 

Quellen:

(1) vgl. Nachschlagewerk für Ärzte und Ärztinnen und Studierende: https://www.amboss.com/de

(2) vgl. https://www.uksh.de/augenklinik-luebeck/Informationen+für+Patienten/Augenerkrankungen/Das+Trockene+Auge.html

(3) vgl. Nachschlagewerk für Ärzte und Ärztinnen und Studierende: https://www.amboss.com/de

(4) vgl. https://www.uksh.de/augenklinik-luebeck/Informationen+für+Patienten/Augenerkrankungen/Das+Trockene+Auge.html

(5)  Keratoconjunctivitis sicca: https://de.wikipedia.org/wiki/Keratoconjunctivitis_sicca, vgl. Nachschlagewerk für Ärzte und Ärztinnen und Studierende: https://www.amboss.com/de

(6) vgl. https://www.uksh.de/augenklinik-luebeck/Informationen+für+Patienten/Augenerkrankungen/Das+Trockene+Auge.html

(7) vgl. Meibom-Drüse: https://de.wikipedia.org/wiki/Meibom-Drüse, vgl. Nachschlagewerk für Ärzte und Ärztinnen und Studierende: https://www.amboss.com/de

(8)  vgl. Nachschlagewerk für Ärzte und Ärztinnen und Studierende: https://www.amboss.com/de

 (9) vgl. https://www.uksh.de/augenklinik-luebeck/Informationen+für+Patienten/Augenerkrankungen/Das+Trockene+Auge.html

(10) vgl. https://www.uksh.de/augenklinik-luebeck/Informationen+für+Patienten/Augenerkrankungen/Das+Trockene+Auge.html

(11) vgl. https://www.uksh.de/augenklinik-luebeck/Informationen+für+Patienten/Augenerkrankungen/Das+Trockene+Auge.html

(12)vgl. Das trockene Auge: https://www.ukbonn.de/42256BC8002AF3E7/direct/das-trockene-auge#Wie%20kann%20der%20Arzt%20ein%20Trockenes%20Auge%20diagnostizieren?

(13) vgl. https://www.uksh.de/augenklinik-luebeck/Informationen+für+Patienten/Augenerkrankungen/Das+Trockene+Auge.html

 

 

 

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J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Die ausgebildete Operations-Technische Assistentin hat nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine Weiterbildung zur Chirurgisch-Technischen Assistentin in der Allgemein- und Visceralchirurgie in Köln absolviert. Inzwischen blickt sie auf eine mehrjährige Erfahrung in der OP-Assistenz in diesem Fachgebiet zurück. Neben ihrer Tätigkeit im OP studiert Frau Ehresmann Humanmedizin in einem Modellstudiengang in Aachen.

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