Der lange Weg zur Diagnose
Roemheld-Syndrom Mittwoch, 05. August 2015

Der lange Weg zur Diagnose „Roemheld-Syndrom“ |apomio Mein Gesundheits-blog © Jürgen Fälchle – fotolia.com

Das Roemheld-Syndrom, welches durch den deutschen Internisten Ludwig von Roemheld Anfang des 20. Jahrhunderts beschrieben worden ist, ist bisher nicht allzu bekannt. Oft bleibt es unentdeckt und ist mit langen Warten bis zur Diagnose verbunden. In der heutigen Gesellschaft tritt es jedoch zunehmend in Erscheinung: Blähende Lebensmittel oder übermäßige Nahrungsaufnahme rufen Gasansammlungen hervor, welche wiederum den Symptomen eines Herzinfarkts ähnlich sein können. Alles über das Roemheld-Syndrom im folgenden Artikel.

Was ist das Roemheld-Syndrom?

In der Medizin bezeichnet man als Roemheld-Syndrom refklektorische Herzbeschwerden, die durch Gasansammlungen im Darm und Magen ausgelöst werden. Durch die Gasansammlung im Magen-Darm-Trakt, zum Beispiel durch blähende Lebensmitteln, nimmt der Druck auf das Zwerchfell zu; das Zwerchfell wird nach oben gedrückt, wodurch direkter oder indirekter Druck auf das Herz ausgeübt wird – Herzbeschwerden, die unter anderem einer Brustenge (Angina pectoris) ähneln, entstehen, indem die Herzkranzgefäße durch den Druck verkrampfen und das Herz schlechter durchblutet wird.

Ursachen für das Roemheld-Syndrom

Verschiedene Faktoren können zu einer übermäßigen Gasentwicklung führen, den Regelprozess der Verdauung stören und diese verlangsamen. Unter anderem sind blähende Lebensmittel sowie Getränke dafür verantwortlich. Zu ihnen gehören

  • Zwiebeln
  • Hülsenfrüchte
  • Kohl
  • Tiefkühlfrost
  • Nüsse
  • einige Obstsorten wie Pflaumen
  • Stärke, zum Beispiel in Kartoffeln
  • Kohlensäure
  • Lactose, zum Beispiel in Milch

Auch der Genuss von Alkohol und Nikotin sowie vor allem das Verschlucken von Luft während des Essens, durch hastiges „Hinunterschlingen“ oder Reden beim Essen, können als Auslöser für zu viel Gas im Magen-Darm-Trakt in Frage kommen und das Roemheld-Syndrom entstehen lassen. Die Störungen im Magen-Darm-Trakt werden zudem durch psychischen und physischen Stress, Hektik, Ärger, Depressionen, Frust, Kummer und Schlafmangeln begünstigt.

Typische Beschwerden können auch durch einen Zwerchfellbruch, medizinisch Hiatushernie, auftreten. Hierbei rutscht der Magen in der Brustkorb hoch und einen unangenehmen Druck in dieser Region erzeugen.

Symptome beim Roemheld-Syndrom

Patienten, die an einem Roemheld-Syndrom leiden, haben folgende Symptome

  • Kurzatmigkeit
  • Beeinträchtigung des Atemprozesses
  • beklemmendes Engegefühl in der Brust (Angina pectoris)
  • Herzrhythmusstörungen
  • Todesangst
  • Kreislaufstörungen
  • Schwindel bis hin zur Ohnmacht
  • Hitzewallungen
  • erhöhte Schweißsekretion
  • Schlafstörungen (Patienten wachen morgens unausgeruht auf)

Diagnose: Roemheld-Syndrom

In einer klinischen Untersuchung ermittelt der behandelnde Arzt zunächst in einer Anamnese die bestehenden Beschwerden des Patienten, dessen Lebensgewohnheiten, Vorerkrankungen sowie die einzunehmende Medikamente und führt eine klinische Untersuchung mittels Abtasten (Palpation), Auskultation (Abhören) des aufgetriebenen Magen-Darm-Bereichs durch. Mit Hilfe eines Ultraschallgerätes (Sonographie) können die überblähten Regionen dargestellt werden oder ein Zwerchfellhochstand festgestellt werden. Die Laboruntersuchungen (Bluttests) sind in der Regel unauffällig.

Behandlungsmaßnahmen und Vorbeugung

Das Roemheld-Syndrom kann insofern therapiert werden, indem die Entstehung der Gasansammlung im Magen-Darm-Trakt verhindert werden kann, sodass keinerlei Druck auf Zwerchfell und infolge dessen auf den Herzmuskel ausgeübt werden kann. Gesetzt den Fall, dass die Ursache in einer falschen Ernährung liegt, empfiehlt es sich auf rohe und blähende Lebensmittel zu verzichten und über den Tag verteilt kleine Mahlzeiten einzunehmen. Auch sollte der Verzehr von Alkohol und Nikotin eingedämmt werden und ausreichend tägliche Bewegung erfolgen. Zu den Abendzeiten sollte keine schwere Kost gespeist werden, denn dadurch wird der Organismus unnötig belastet, was sich in Einschlaf- bzw. Durchschlafproblemen äußert. Medikamentös lassen sich auch übermäßige Schaum-und Gasansammlungen kurzfristig behandeln. Aus der Naturheilkunde gibt es Substanzen, die das Roemheld-Syndrom vorbeugen oder reduzieren können: Pfefferminze und Melisse haben eine krampflösende Wirkung, Baldrian, Wacholder, Fenchel und Kümmel helfen gegen Blähungen. Und ganz wichtig: Bei jeder Mahlzeit gründlich kauen! Meistens hilft bereits die konservative Therapie, damit das Roemheld-Syndrom gar nicht erst in Erscheinung treten kann.

Sofern eine Zwerchfellhernie vorliegt, sollte diese langfristig gesehen, operativ behandelt werden, damit Organe, wie unter anderem der Magen nicht aus dem Bauchraum durch die Lücke des Zwerchfells in den Brustraum gleiten kann oder im schlimmsten Fall sogar eingeklemmt werden. Die häufigste OP-Methode, eine Zwerchfellhernie zu beheben, ist die sogenannte Fundoplicatio inklusive Hiatoplastik. Hierbei wird die krankhafte Erweiterung bzw. Öffnung im Zwerchfell mit Nähten verschlossen und ein Teil des Magens (Fundus) wie eine Manschette (Fundusmanschette) um den abdominellen Anteil der Speiseröhre genäht, um einen Rückfluss (Reflux) von Mageninhalt zu verhindern.

Das Roemheld-Syndrom. Noch nahezu unbekannt, wenn der Begriff in den Raum geworfen wird. Trotz allem sollte dieses Syndrom nicht auf die leichte Schulter genommen und die „Warnzeichen“ ernst genommen werden.

Autor: Judith Schega

Judith Schega ist als gelernte Operationstechnische und Chirurgischtechnische Assistentin in einem Krankenhaus beschäftigt. Das Schreiben hat sich immer mehr als Gegengewicht zu ihrem Vollzeitberuf im Gesundheitswesen entwickelt. Vor allem auch als Ausdruck ihres medizinischen Interesses, mit dem Wunsch, dieses auf ihre Mitmenschen zu übertragen. Frau Schega schreibt unter anderem für den Thieme Verlag und ist seit November 2014 auch als Autorin für apomio.de tätig.

5 Antworten auf Der lange Weg zur Diagnose
Roemheld-Syndrom

Saevidicus Montag, 10. April 2017

Ich habe diese Symptome seit meiner Schilddrüsen-OP im Jahre 2000. Vor zwei Jahren habe ich erst erfahren das ich eine einseitige Zwerchfelllähmung links habe, da der Nerv verletzt wurde. Welches meine Atemnot erklären würde. Auch wenn ich kein Roemheld-Syndrom habe, erklärt es doch weshalb ich diese Symptome habe und mein Arzt hat dies , dank diesem Bericht auch so angenommen und sucht für mich nach geeigneten Therapiemaßnahmen. Vielen Dank für den Bericht! :)

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Malig Montag, 05. September 2016

Guten Abend, ich leider seit einem Jahr an Atemnot. Jetzt habe ich Ihren Artikel gelesen. Ein zwei Monate vorm Beginn der Bescwerden wurde wegen Magenschmerzen und Sodbrenn beim mir eine Magenspiegelung durchgeführt. Diagnose: Gastritis und Heliobactus. Dann habe ich die übliche7-Tage-Kur mit den zwei Antibiotika verschrieben bekommen. Zu welchem Arzt muss ich, so dass bei mir überprüft wird, ob nicht dieses Roemheld Syndrom der Grund für die Atemnot und für die Brustenge bei mir ist. Ich danke Ihnen für Ihre Antwort ganz herzlich.

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Judith Schega Freitag, 09. September 2016

Hallo Mariana,
da der Text nicht zur Selbstdiagnose dient und auch keine ärztliche Diagnose ersetzen kann, sollte in einem ausführlichen Anamnesegespräch mit dem Arzt geklärt werden in welchem Zusammenhang Ihre Beschwerden auftreten:
Tritt die Kurzatmigkeit sowie Brustenge nach der Nahrungsaufnahme auf? Besteht evtl. Sodbrennen?
Die Vorstellung bei einem Facharzt für Gastroenterologie wäre zu empfehlen, auch für den Ausschluss einer Hiatushernie (Bruch des Zwerchfells), in der sich der Magen in den Thoraxraum nach dem Essen drückt und lebenswichtige Funktionen wie die Atmung einschränken kann. Eine Röntgenuntersuchung mit Breischluck und/oder ein MRT könnte zum Beispiel die Diagnose komplettieren.
Darüber hinaus können auch Lebensmittelunverträglichkeiten, wie Laktoseintoleranz oder stark blähende Speisen ursächlich sein.
Für eine sichere Diagnosestellung wünsche ich Ihnen alles Gute!

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Adonis Montag, 28. März 2016

Wo kann diese Operatin durchgeführt werden. Kann Nächte lang nicht schlafen, haben Herzbeschwerden und der Magen stülpt sich jede Nacht hoch.

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Judith Schega Donnerstag, 15. September 2016

Die Operation wird durch einen Allgemein- und Visceralchirurgen durchgeführt. Allerdings ist zunächst eine sichere Diagnosestellung seitens des behandelnden Arztes erforderlich. Ich wünsche Ihnen eine schnelle Genesung und alles Gute!

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