© © Piercing (Ari Bakker/Flickr, CC BY 2.0)

Frische Piercings – wichtige Aspekte einer optimalen Wundversorgung

Kommentar schreiben Sonntag, 12. April 2015

Die medizinische Nachsorge ist bei Körperschmuck von ganz entscheidender Bedeutung für den Genesungsprozess. Leider werden korrekte Verhaltensregeln oft sträflich vernachlässigt, was im schlimmsten Fall zu gefährlichen Lokal- oder Allgemeininfektionen führen kann.

Bei jedem Piercing handelt es sich im Grunde genommen um einen echten chirurgischen Eingriff. Erstes Augenmerk der Piercing-Freunde sollte deshalb dem jeweiligen Studio gelten. Werden dort grundlegende Regeln der Körperhygiene, Asepsis und Desinfektion vernachlässigt, dann kann der schönste Tunnel schnell zum medizinischen Problem werden. Piercingstudios müssen zwar gewisse behördliche Voraussetzungen erfüllen, Kontrollen ergeben aber immer wieder fatale Missstände, unter denen letztendlich der Kunde zu leiden hat.

Es ist erforderlich, für Plugs einen Stichkanal zu setzen, in den der gewünschte Körperschmuck dann eingesetzt werden kann. Je größer der Kanal, umso höher die Gefahr einer Infektion, ganz unabhängig von der gepiercten Körperstelle. Auch die Hinweise zur richtigen Nachsorge, Wundheilung und Hygiene fallen seitens vieler Studios eher spärlich aus.

Da eine Haftung für ein unsteriles oder fehlerhaftes Arbeiten von den meisten Studiobetreibern abgelehnt wird, muss der Gepiercte selbst in vollem Umfang die Verantwortung für eine möglichst rasche und komplikationslose Wundheilung übernehmen. Beim Beachten grundsätzlicher Aspekte dürfte dies auch kein Problem sein.

Professionelle Hygiene bei frisch gestochenen Piercings 

Nach einem Eingriff muss das entsprechende Körperareal penibel sauber gehalten werden, denn nur eine saubere Wunde kann folgenlos abheilen. Schweiß und Reibung sind die Feinde einer beschleunigten Wundheilung. Eher von Infektionen betroffen sind Körperstellen, die den Körperschmuck mit Kleidung bedecken, also beispielsweise der Intimbereich, der Bauchnabel oder die Brustwarzen. Hier kann es zu Reibungseffekten und unbemerkter Schweißbildung durch die Kleidung kommen. Generell ist es von großer Wichtigkeit, den Schmuck in der ersten Zeit nach dem Eingriff so selten wie möglich zu berühren, um das umliegende Körpergewebe nicht zusätzlich zu irritieren.

Vor jedem Kontakt sind die Hände sorgfältig gemäß den Richtlinien der hygienischen Händedesinfektion zu reinigen und mit einem zugelassenen Hautdesinfektionsmittel bis zur sogenannten Trockene einzureiben. Das mindert beim Anfassen die Gefahr von Infektionen bereits beträchtlich. Versteht sich von selbst, dass auch keine andere Person ohne Grund den Körperschmuck und das angrenzende Wundareal berühren sollte.

Der gepiercte Bereich sollte zweimal täglich, am besten morgens und abends, mit einer antibakteriellen Seife gründlich aber dennoch vorsichtig gereinigt werden. Wer sich bei der Wahl einer geeigneten Seifenzubereitung unsicher ist, sollte den Hausarzt befragen. Grundsätzlich ist beim Waschen äußerste Vorsicht angebracht, denn jede mechanische Einwirkung kann sich negativ auf den Heilungsprozess auswirken.

Sorgfältige Reinigung der Wunde

Eine physiologische und sterile Salzlösung ist zur Spülung des Wundareals bestens geeignet. Vom Schmuck und von der behandelten Körperzone sollten sämtliche Krusten und Rückstände sanft und hygienisch entfernt werden. Ebenso sind die Seifenreste gründlich zu entfernen.

Für diesen so wichtigen Prozess der hygienischen Wundbehandlung ist kein Desinfektionsmittel erforderlich, denn dadurch wird eine frische Wunde unnötig stark gereizt. Es konnte vielfach belegt werden, dass Salzwasser statt alkoholischer Lösungen und Salben die bessere Alternative darstellt. Denn nach dem Piercen löst Salzwasser sämtliche Verkrustungen erstaunlich gut. Die Herstellung des Salzwassers sollte allerdings streng hygienisch erfolgen. Auch darf die Salzkonzentration des Waschwassers nicht zu hoch sein, ideal sind Salzkonzentrationen von etwa 0,9 Prozent. Dies entspricht der Konzentration einer sogenannten physiologischen Kochsalzlösung. Die fertige sterile Salzlösung in dieser Konzentration kann auch in Apotheken erworben werden. Ein ähnliches Mischungsverhältnis erhält man, indem ein Teelöffel Salz in vier Tassen Wasser gelöst wird.

Das verwendete Salz muss frei von sonstigen Zusätzen oder Trennmitteln sein, welche ansonsten die frische Wunde zusätzlich reizen würden. Scharfe Waschsubstanzen müssen unbedingt vermieden werden, da sie den Heilungsprozess blockieren. Außerdem trocknet dadurch die Haut aus, was wiederum den Nährboden für Infektionen bereitet. Darüber hinaus können aggressive Substanzen auch auf den Körperschmuck selbst negativ einwirken, indem beispielsweise Goldschmuck seine Farbe verändert.

Kein Schwimmen oder Wannenbäder während der Heilungszeit

Die Behandlungs- und Reinigungsdauer ist je nach Stichkanal individuell unterschiedlich, als Faustregel muss von einer Intensivreinigung von 3 bis zu 6 Wochen ausgegangen werden. In dieser Zeit sollte auf Alkoholkonsum verzichtet und keine blutverdünnenden Medikamente eingenommen werden.

Auch das Baden oder der Besuch von Sauna oder Solarium sind in der Rekonvaleszenzphase tabu. Bei Intim- oder Zungenpiercings gilt während dieser Zeit auch ein Verbot des Austauschs von Körperflüssigkeiten. Gerade im Bereich der Zunge muss geprüft werden, ob der Körperschmuck richtig sitzt. Ist dies nicht der Fall, könnten Zähne geschädigt oder der Schmuck versehentlich heruntergeschluckt werden. Bei Gesichtsschmuck kann der Kontakt mit Make-Up die Wundheilung unnötig verzögern. Falls man Haarspray verwenden möchte, sollte zuvor der Ohrbereich großzügig abgedeckt werden.

Weite Kleidung sorgt dafür, dass keine Reibungseffekte entstehen. Wer gerne Bodys oder Gürtel trägt, sollte in der Heilungsphase besser darauf verzichten und bemüht sein, nicht in Bauchlage zu schlafen.

Bei Körperschmuck an der Zunge oder den Lippen ist eine zusätzliche Nachsorge nach jeder Mahlzeit – auch nach jedem kleinen Imbiss – erforderlich. Dazu kann ein antibakterielles Mundwasser ohne Alkoholzusatz verwendet werden. Wer dadurch schlechten Mundgeruch oder einen weißlichen Zungenbelag entwickelt, leidet höchstwahrscheinlich an einer Störung der Mundflora. In diesem Fall sollte die Mundpflege zur schnellen Wundheilung nicht mit Mundwasser, sondern ebenfalls mit Salzlösung fortgesetzt werden.

Weitere Informationen zu dem Thema Pflege, Pflegeprodukte und zahlreiche Piercings finden Sie auf www.piercingline.com

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Steffen Paetz
Autor: Steffen Paetz

Steffen Paetz arbeitet seit 2010 als Piercer im Berliner Studio von Piercingline. Während seiner Berufspraxis hat er ca. 9000 eigene Piercings gestochen und sich eine feste Stammkundschaft aufgebaut. Neben der praktischen Ausführung steht er Interessierten vor allem in gesundheitlichen Fragen rund um das Thema Piercing und Wundheilung beratend zur Seite.

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