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Das Reiter-Syndrom (reaktive Arthritis)

Kommentar schreiben Dienstag, 31. Juli 2018

Infektion mit Folgen: Nach einer Magen-Darm-Infektion oder einem Harnröhreninfekt kommt es bei einem Bruchteil der Patienten zu einer reaktiven Arthritis – auch Morbus Reiter oder Reiter-Syndrom genannt. Gelenke, Augen und Harnwege entzünden sich durch eine Immunreaktion des Körpers. 

 

Eine Magen-Darm-Infektion oder ein Harnwegsinfekt sind unangenehm und die Patienten sind froh, wenn sie die Erkrankung überwunden haben. Doch bei zwei bis vier Prozent der Betroffenen treten nach wenigen Wochen Symptome einer Arthritis auf. Hier kann es sich um Morbus Reiter (auch Reiter-Krankheit oder Reiter-Syndrom genannt) handeln. Die Krankheit kann in jedem Alter auftreten, statistisch gesehen sind vermehrt weiße Männer betroffen.

Morbus Reiter: Immunsystem kämpft gegen Bakterienreste

Eine reaktive Arthritis ist eine entzündliche Erkrankung der Gelenke, die nach einer bakteriellen Infektion auftritt. Vor allem Infektionen mit Erregern wie

stehen in Verdacht das Reiter-Syndrom verursachen zu können. Zwei bis vier Wochen nach der ausgestandenen Infektion treten die ersten Anzeichen für Morbus Reiter auf.

 

Bei der Reiter-Krankheit sind neben den Gelenken auch die Augen (Bindehaut, Regenbogenhaut) und die Harnwege betroffen.

 

Warum sich bei einigen Betroffenen nach einigen Wochen eine reaktive Arthritis einstellt, ist nicht ganz klar. Ärzte vermuten, dass sich das Immunsystem dieser Personen gegen Bakterienreste richtete, die noch in den Gelenken zurückgeblieben sind. Es entstehen Entzündungsherde und eine Arthritis entwickelt sich. Außerdem richtet sich das Immunsystem wohl fälschlicherweise gegen körpereigene Strukturen, die den Bakterien in Aussehen und Struktur ähnlich sind (molekulare Mimikry). Das Reiter-Syndrom tritt somit immer nach einer überstandenen bakteriellen Infektion auf.

Genetische Vorbelastung?

Bei etwa 80 Prozent der Patienten des Reiter-Syndroms kann eine genetische Vorbelastung ausgemacht werden. Ihre Zellen besitzen ein bestimmtes Merkmal – die Antigen-Variante HLA-B27 (human leukocyte Antigene B 27). Diese Substanz spielt bei der immunologischen Individualität eines Menschen eine Rolle und könnte ein Ausschlaggeber für die fehgeleitetet Reaktion des Immunsystems sein. Die Zusammenhänge sind allerdings bis heute noch nicht komplett erforscht, es handelt sich nur um eine Vermutung der Wissenschaftler.

Symptome des Reiter-Syndroms

Durch die Entzündung der Gelenke kommt es zu Schmerzen bei Bewegungen und einem Anschwellen der betroffenen Strukturen. Betroffen sind meist

  • Hüftgelenk,
  • Knie,
  • Sprunggelenk,
  • Gelenke der Zehen,
  • Schultergelenk
  • oder die Ellenbogen.
     

Es kommt zu einer spürbaren Hitze im Gelenk als Folge der Entzündung. Neben den Gelenken können sich auch angrenzende Strukturen wie Sehnen entzünden und Beschwerden bereiten. Außerdem können allgemeine Krankheitssymptome wie Fieber, Abgeschlagenheit und Appetitlosigkeit auftreten.

 

Beim Reiter-Syndrom sind neben den Gelenken auch die Augen betroffen: Meist entzünden sich die Bindehäute einseitig oder beider Augen. Auch die Regenbogenhaut kann betroffen sein.

 

Eine Entzündung der Harnwege macht das Reiter-Trias komplett: Es kommt zu Schmerzen beim Wasserlassen mit Ausfluss. In einigen Fällen tritt Eiter aus der Harnröhre aus. Bei Frauen können sich zusätzlich die Eileiter und der Uterus entzünden, bei Männern können Symptome einer Balanitis (Eichelentzündung) vorkommen.

 

Neben den klassischen Symptomen kann bei der Reiter-Krankheit eine Veränderung der Haut an Handflächen und Fußsohlen vorkommen. Es bilden sich erhabene Blasen, die auch Reiter-Dermatose genannt werden. Kommen alle vier Symptom-Komplexe vor, sprechen Mediziner von einer Reiter-Tetrade.

Diagnose Morbus Reiter: Diese Untersuchungen nimmt der Arzt vor

Wer die oben beschriebenen Symptome an sich feststellt, sollte umgehend einen Arzt aufsuchen. Der Hausarzt ist der geeignete Ansprechpartner und kann den Patienten bei Bedarf an einen Spezialisten überweisen. Er wird den Patienten zunächst genau nach den Symptomen befragen und auch Fragen zu vorangegangenen Erkrankungen stellen. Im Anschluss folgt eine körperliche Untersuchung. Mit Hilfe von Blut-, Urin und Stuhlproben kann der Mediziner Morbus Reiter meist identifizieren.

 

Gegebenenfalls kann eine Untersuchung durch den Augenarzt notwendig werden, wenn die Entzündung der Bindehaut beziehungsweise der Regenbogenhaut Komplikationen verursacht. Durch die Beschwerden kann die Entstehung eines grauen Stars (Katarakt) begünstigt werden und der Patient kann im schlimmsten Fall erblinden.

 

Bei einer Beteiligung der Harnwege kann ein Urologe beziehungsweise der behandelnde Gynäkologe hinzugezogen werden. Wird die Infektion der Harnwege nicht richtig behandelt, kann Unfruchtbarkeit die Folge sein.

Verlauf und Behandlung der Reiter-Krankheit

In den meisten Fällen gehen die Beschwerden nach sechs bis neun Monaten zurück und die Krankheit ist überstanden. Lediglich in wenigen Fällen entwickelt sich eine chronische Arthritis. Um die Symptome zu behandeln stehen dem behandelnden Arzt vor allem Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika zur Verfügung. Die Wirkstoffe Diclofenac und Ibuprofen sind bei arthritischen Gelenkentzündungen geeignet. Gegen die Gelenkschmerzen können zudem Krankengymnastik zur Mobilisierung und Kältetherapie zum Einsatz kommen. Dadurch soll die Gelenkfunktion erhalten werden und die Schmerzen sowie der Entzündungsmechanismus bekämpft werden. Sind Strukturen außerhalb der Gelenke betroffen, kommen Glukokortikoide zum Einsatz, sie haben eine stärke entzündungshemmende Wirkung, müssen allerdings über einen längeren Zeitraum angewendet werden, bis sie ihre Wirkung entfalten.

 

Die Entzündung der Augen wird mit einer Augensalbe oder –tropfen behandelt. Liegt eine bakterielle Infektion vor, können Antibiotika zum Einsatz kommen.

 

War ursprünglich eine bakterielle Infektion mit Chlamydien oder eine Gonorrhoe die Ursache für das Reiter-Syndrom, sollte der Partner immer mit behandelt werden. Sonst kann es unter Umständen immer wieder zu einer Ansteckung kommen und der sogenannte Ping-Pong-Effekt tritt in.

Reaktiver Arthritis vorbeugen: Hygiene und Verhütung sind das A und O

Morbus Reiter lässt sich nur durch allgemeine Maßnahmen vorbeugen. Man sollte verhindern, sich mit einem Magen-Darm-Infekt anzustecken. Dazu gilt: Hygienestandards müssen eingehalten werden. Nach dem Gang auf die Toilette sollte Händewaschen Pflicht sein. Ebenso ist es wichtig, die Hände vor der Zubereitung einer Mahlzeit zu Reinigen und so möglicherweise vorkommende Keime zu eliminieren. Auch die Lebensmittel an sich sollten mit Vorsicht behandelt werden: Rohes Fleisch sollte gewaschen und mit einem extra Messer und Küchenbrett bearbeitet werden, damit gegebenenfalls vorkommende Bakterien nicht auf andere Nahrungsmittel gelangen.

 

Obst und Gemüse sollte vor dem Verzehr gründlich abgewaschen werden, um bakterielle Infektionen zu vermeiden.

 

Da Morbus Reiter auch von Erregern ausgelöst werden kann, die Geschlechtskrankheiten verursachen, ist es wichtig, sich beim Verkehr zu schützen. Vor allem Personen mit wechselnden Geschlechtspartnern sollten immer auf die Verhütung mittels Kondom achten. Dadurch wird die Gefahr einer Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten verringert. Zwar bieten auch Kondome keinen hundertprozentigen Schutz, doch das Risiko wird um ein Vielfaches verringert.

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Lisa Vogel
Autor: Lisa Vogel

Von Juli 2014 bis März 2018 arbeitete Lisa Vogel als Werkstudentin in der Redaktion bei apomio.de und unterstützt das Team nun als freie Autorin. Sie hat ein Studium im Fach Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften und Medizin an der Hochschule Ansbach mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen. Hier erlangte sie sowohl journalistische als auch medizinische Kenntnisse. Derzeit vertieft sie ihre medialen Kenntnisse im Master Studium Multimediale Information und Kommunikation.

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