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Schlechte Gewohnheit oder Sucht?

Kommentar schreiben Donnerstag, 07. September 2017

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Doch wer immer wieder auf sein Handy schaut oder ganz gerne mal wieder zur Tafel Schokolade greift, gilt ganz schnell als handysüchtig oder zuckerabhängig. Wann spricht man von Gewohnheit und wann von Sucht? Woran ist zu erkennen, dass man wirklich süchtig ist? Und welche Tipps gibt es, um von schlechten Angewohnheiten loszukommen? Mehr dazu im folgenden Beitrag.

Gewohnheiten schalten auf Autopilot

Gute Gewohnheiten ermöglichen schnelles und zügiges Arbeiten und schalten den Organismus sozusagen auf Autopilot: Indem vieles quasi wie von selbst abläuft, gewinnt unser Gehirn Zeit, sich größeren Fragen zu widmen. Eine gute Gewohnheit sei wie das Flugticket zum nächsten Zwischenziel. Schlechte Gewohnheiten werden dahingegen verteufelt und können sich in eine Sucht entwickeln. Nach Feierabend ein Gläschen Wein oder das nach dem anstrengenden Tag wohl verdiente Bier, der Schokoriegel bei Stress oder bei Frust eine Shopping-Tour können bald nicht mehr nur als Genuss betrachtet, sondern sich in eine Sucht manifestieren. Schätzungen zufolge haben 90 Prozent der Menschen etwas, worauf sie nicht verzichten können, was nicht zwangsläufig zu einer Sucht führen muss. Bei einer Suchtentwicklung spielt das Belohnungssystem im Gehirn eine entscheidende Rolle, so Experten. Durch Erfahrungen und gespeicherte immer wieder auftretende emotionale Befindlichkeiten im Erinnerungsprogramm kann das Suchtgedächtnis erlernt werden. Durch eine Fehlsteuerung des Belohnungssystem wird Suchtverhalten hervorgerufen. Auf das Belohnungssystem auswirken können sich auch Schokolade, Chips-Konsum, Glücksspiele, Shopping-Touren, Internetbesuche, dauerhaftes Handy-Checken – eine körperliche Abhängigkeit wie sie es bei Rauschmitteln wie Drogen und Alkohol beschrieben wird, ist nicht zwingend zu erwarten, aber das Verlangen nach mehr kann in gewisser Hinsicht auch als Sucht betrachtet werden. Das Surfen im Internet, die Schokolade in stressigen Zeiten oder der Besuch im Casino sind mit Sicherheit nicht schlecht, die Grenze dahin aber fließend. Sofern der Konsum dann drastisch ansteigt und nicht mehr kontrolliert werden kann, wird es gefährlich. Dann ist die Gewohnheit auch keine schlechte Gewohnheit mehr, sondern eine Sucht.

Tick, Marotte oder doch etwa Sucht?

Schlechte Gewohnheiten und eine Sucht können eng beieinanderliegen. Doch was unterscheidet die kleine Macke nun von der wirklichen Sucht?

Dem Wissenschaftsjournalisten Charles Duhigg zufolge: Nichts!

Jedenfalls aus Sicht unseres Gehirns nicht. Das Gehirn eines Spielsüchtigen, einer obsessiven Joggerin oder eines Nägel-kauenden-Teenagers sind alle darauf aus, persönlich belohnt zu werden, wenn der Tätigkeit nachgegangen wird. Selbst bei Süchten wie dem Rauchen kann das „Seelen-Bonbon“ sogar den Nikotinkick überspielen: Ein meditativer Moment wie der Beruhigungszigarette oder das entspannte Gespräch mit anderen Rauchern wird in den Vordergrund gestellt. Sobald man gefunden hat, was die gleiche Empfindung auslöst, kann man dem Teufelskreis entkommen und aus dem Hamsterrad aussteigen und die schlechte Gewohnheit erfolgreich bezwungen werden. Schlechte Gewohnheiten können nämlich umprogrammiert werden und schon nach einigen Wochen kann das neue Verhalten automatisiert und das „alte“ Verhalten ersetzt werden. Das schwierigste für das Gehirn ist es, schlechte Gewohnheiten abzulegen. Das Unerwünschte Verhalten zum erwünschen Verhalten machen, will gelernt sein. Es gibt Tipps, wie man motiviert bleiben kann, um von den schlechten Gewohnheiten loszukommen und neue Ziele umzusetzen:

  1. Finden Sie das Ziel und überprüfen Sie wie realistisch es ist, dieses Ziel zu erreichen - Ein Beispiel: Bei einem Menschen, der 2 Packungen Zigaretten am Tag geraucht hat, wird es realitätsfern sein, von heute auf morgen für immer damit aufzuhören.
  2. Bewahren Sie Ruhe und wählen Sie einen Augenblick, in welchem Sie nicht im Stress sind, um sich vorzunehmen Ihre schlechte Gewohnheit abzulegen
  3. Nutzen Sie den perfekten Moment: Ein Jobwechsel, ein Umzug können beispielsweise ein Reprogramming, ein Neustart für Alles darstellen und festgefahrene Momente überdenken
  4. Stellen Sie sicher, dass sie negative Emotionen mit ihren schlechten Gewohnheiten verbinden
  5. Verbinden Sie positive Assoziationen mit Ihrer neuen Gewohnheit und machen Sie sich diese bewusst
  6. Eliminieren Sie den Auslöser Ihrer alten Gewohnheit oder minimieren Sie diesen – Ein Beispiel: Stellen Sie sich eine Zeitgrenze: maximal 140 Minuten am Tag im Internet surfen, E-Mails nur zwei Mal am Tag checken, usw.
  7. Feiern Sie jeden Teilsieg: Jede Etappe, welche geschafft wurde, muss belohnt werden, freuen Sie sich über Ihren Erfolg und belohnen Sie sich mit etwas Außergewöhnlichem

Und zu guter Letzt: Wiederholung! Gewohnheiten zu verändern ist eine Gewohnheitssache.

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J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Die ausgebildete Operations-Technische Assistentin hat nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine Weiterbildung zur Chirurgisch-Technischen Assistentin in der Allgemein- und Visceralchirurgie in Köln absolviert. Inzwischen blickt sie auf eine mehrjährige Erfahrung in der OP-Assistenz in diesem Fachgebiet zurück. Neben ihrer Tätigkeit im OP studiert Frau Ehresmann Humanmedizin in einem Modellstudiengang in Aachen.

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