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Probiotika: Helfer für Darmgesundheit?

Kommentar schreiben Dienstag, 03. Mai 2016

„Fördert die Verdauung“, „Unterstützt das Immunsystem“ oder „mindert einen Blähbauch“ – so oder so ähnlich werben die Hersteller probiotischer Milchprodukte für die gesundheitsfördernde Wirkung ihrer Ware. Dem Konsumenten soll es nach dem Verzehr besser gehen und das Verdauungssystem soll angeregt werden. Doch was bedeutet eigentlich probiotisch und was können Joghurts, Shakes und Co. mit zugesetzten Bakterien wirklich? 

Die Lebensmittelindustrie hat probiotische Milchprodukte nicht neu erfunden. In Milch, Joghurt, Kefir, Buttermilch und auch Müsli oder Wurstwaren sind natürlicherweise Milchsäurebakterien enthalten. Kommen diese Bakterien und Hefen im menschlichen Darm an, können sie die natürlichen Verdauungsprozesse unterstützen und unter Umständen auch den Körper vor krankhaften Keimen schützen. Probiotischen Lebensmitteln werden oft mehr der gutartigen Bakterien zugesetzt.

Probiotik – für das Leben

Das Wort Probiotik kommt ursprünglich aus dem Lateinischen und Griechischen und bedeutet so viel wie „für (pro) das Leben (bios)“. Unter den Begriff Probiotika fallen Lebensmittel, die spezielle lebendige Mikroorganismen enthalten. Die menschliche Darmflora besteht zu etwa 80 Prozent aus solchen gutartigen Keimen, lediglich 20 Prozent der dort vorkommenden Bakterien sin krankhaft (pathogen). Insgesamt bringen unsere Darmbakterien sogar bis zu 1,5 Kilogramm auf die Waage. Damit ist der Darm das wichtigste Element der Immunabwehr des Körpers und beeinflusst maßgeblich Wohlbefinden und Stimmung.

Kein Wunder also, dass die Lebensmittelindustrie sein Potenzial erkannt hat und Produkte für eine ausgewogene Darmflora herstellt. Jedes Produkt kann mehrere Bakterienstämme enthalten. Die Wirkung richtet sich nach der Art der Keime. Häufig erfinden die Konzerne neue Bezeichnungen für die Bakterien, da die Namen sperrig und für die Konsumenten „nicht sexy“ klingen. Wissenschaftliche Belege für die Auswirkung probiotischer Produkte gibt es bislang kaum. Studienergebnisse deuten an, dass ein regelmäßiger Verzehr positive Wirkungen haben kann, die Ursache dieser Ergebnisse ist allerdings noch nicht klar.

Milchsäurebakterien regulieren Darmflora

Fest steht, dass die Bakterien, wenn sie den Magen lebend passieren, die Dickdarmflora positiv beeinflussen können. Sie docken an die Darmwand an und verdrängen so schädlich Keime. Auf diese Weise können pathogene Organismen erschwert in den Körper eindringen. Durch das Andocken und die Vermehrung wird die Verdauung angeregt und die Nahrung wird schneller verwertet. Damit diese Effekte genutzt werden könne, müssen etwa 1 Million lebende Organismen pro Gramm Nahrungsmittel enthalten sein.

Einige probiotische Produkte enthalten zusätzlich zu den Bakterienkulturen sogenannte Präbiotika. Dabei handelt es sich um Kohlenhydrate, die der Mensch nicht verdauen kann. Diese Stoffe dienen den Bakterien im Darm als Nährstoff. So wird das Wachstum der gutartigen Keime gefördert.

Probiotika gegen Durchfall?

Die Bakterien produzieren bestimmte Enzyme, die die Verträglichkeit von Milchzucker (Laktose) verbessern. Personen mit einer Laktoseintoleranz können unter Umständen probiotische Joghurts oder Getränke vertragen. Durch die erhöhte Darmtätigkeit nach dem Verzehr von Probiotika treten tendenziell seltener Durchfallerkrankungen auf. Auch bereits bestehende Darmbeschwerden können mittels milchsäurehaltiger Produkte schneller zum Abklingen gebracht werden. Eindeutige wissenschaftliche Belege für die medizinische Wirkung gibt es allerdings nicht. Es kommt ganz auf die enthaltene Bakterienkultur an.

Eine Theorie besagt, dass Milchsäurebakterien das Immunsystem ankurbeln. Probiotische Produkte können Mechanismen der Immunabwehr beeinflussen und dadurch Einfluss auf die Immunreaktion nehmen. Ein wissenschaftlicher Nachweis ist allerdings schwierig.

Jede Wirkung probiotischer Produkte setzt voraus, dass die Bakterien regelmäßig eingenommen werden. Denn sie siedeln sich zwar im Darm an, bleiben dort aber nur einige Tage bestehen. Mit dem Stuhl werden abgestorbene Milchsäurebakterien ausgeschieden. Wer die positiven Auswirkungen probiotischer Produkte testen will, muss also nahezu täglich eine ausreichende Menge konsumieren.

Nachteile probiotischer Produkte

Viele probiotische Drinks oder Joghurts enthalten eine Menge Zucker, Süßstoff oder Geschmacksverstärker - gesund sind sie damit nicht. Wer seinem Körper mit den enthaltenen Bakterienkulturen etwas Gutes tun möchte, sollte die negativen Auswirkungen der süßen Produkte im Hinterkopf behalten. Außerdem lassen sich die Unternehmen die vermeintlichen Vorteile der Ware teuer bezahlen: Wer tatsächlich regelmäßig zu probiotischen Joghurts und Co. greift, muss tief in die Tasche greifen.

Mit der Zeit verringert sich die Anzahl der lebenden Bakterien im Produkt, sodass die Wirkung schwächer wird, je näher das Mindesthaltbarkeistdatum rückt. Eine Garantie für die gesundheitlichen Vorteile gibt es also nicht.

Alternative: normale Milchprodukte

Auch „normale“ Milchprodukte enthalten die wirksamen Bakterienkulturen. Hier ist die Anzahl nicht künstlich erhöht, trotzdem gelang ein Teil der guten Keime bis in den Darmtrakt. Milchprodukte wirken damit ganz natürlich probiotisch. Außerdem ist dem Naturjoghurt kein Zucker oder Süßstoff zugesetzt. Als Verbraucher sollte man lediglich darauf achten, dass Joghurt und Co. nicht erhitzt wurde – bei hohen Temperaturen sterben die Bakterien ab.

Auch andere Lebensmittel wie Sauerkraut oder Sauerteigbrot enthalten Milchsäurebakterien und haben damit einen probiotischen Effekt auf die Verdauung und das Immunsystem. Diese Produkte sind kostengünstig zu erwerben oder können gar selbst hergestellt werden. Auf diese Weise kann man sich über die Inhaltsstoffe klar sein und tut dem Körper etwas Gutes.

Lisa Vogel
Autor: Lisa Vogel

Von Juli 2014 bis März 2018 arbeitete Lisa Vogel als Werkstudentin in der Redaktion bei apomio.de und unterstützt das Team nun als freie Autorin. Sie hat ein Studium im Fach Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften und Medizin an der Hochschule Ansbach mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen. Hier erlangte sie sowohl journalistische als auch medizinische Kenntnisse. Derzeit vertieft sie ihre medialen Kenntnisse im Master Studium Multimediale Information und Kommunikation.

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