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Östrogenmangel in den Wechseljahren natürlich ausgleichen!

Kommentar schreiben Freitag, 24. Mai 2019

Früher galten die Wechseljahre als Anfang vom Ende. Heute drehen Frauen mit 50 noch einmal richtig auf: selbstbewusst, kreativ, eigenwillig. Trotzdem kann die hormonelle Umstellung mit Hitzewallungen, Gewichtszunahme, Haarausfall, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen gehörig die gute Laune verderben. Nachdem nur noch in schweren Fällen zu einer Hormonersatztherapie geraten wird, bietet der Markt eine Reihe natürlicher Mittel und Methoden, um auf sanfte, nebenwirkungsarme Weise dem Hormonwechsel leichter zu überstehen. Was sind die Wechseljahre? Welche Funktionen hat Östrogen und wie zeigt sich der Östrogenmangel? Hormonersatztherapie oder Phytoöstrogene? Welche natürlichen Methoden gibt es noch bei Östrogenmangel?

 

Was sind Wechseljahre?

 

Wechseljahre beschreiben die Zeit der hormonellen Umstellung der Frau. Sie beginnen mit der Prämenopause, der Phase vor der letzten Blutung. Es findet nicht mehr jeden Monat ein Eisprung statt. Durch den Rückgang des Progesterons wird der Zyklus kürzer oder unregelmäßig. Der Östrogenlevel ist noch normal. Deshalb herrscht im Vergleich zu vorher ein Östrogenüberschuss. Man spricht von einer Östrogendominanz mit Symptomen wie angeschwollene Brüste, Aufgeschwemmtsein, schwere Beine, Kopfschmerzen, starke Blutungen, Schmier- und Zwischenblutungen und Depressionen.1


Die Perimenopause ist die Kernzeit der Wechseljahre, etwa 1-2 Jahre vor und nach der letzten Blutung. Sie ist gekennzeichnet durch den weiteren Rückgang der Eisprünge und die Abnahme der Östrogenproduktion. Blutungen werden seltener und schwächer. Die Menopause bezeichnet die letzte Monatsblutung. Sie wird auf diesen Zeitpunkt festgelegt, wenn 12 Monate danach keine weitere Blutung aufgetreten ist. In der darauf folgenden Postmenopause von mehreren Jahren nimmt die Östrogenproduktion im Eierstock weiterhin ab, bis sie endgültig eingestellt wird.

 

Weshalb sind Wechseljahre keine Krankheit? 

 

Zum Zeitpunkt der Geburt ist schon das ganze Kontingent an Eizellen in den Eierstöcken angelegt. Die meisten bilden sich zurück oder verlieren den Konkurrenzkampf mit der größten Eizelle im Monat, die sich auf den Weg zur Gebärmutter macht. Im Gegensatz zu den Spermien beim Mann, werden keine neuen Eizellen mehr gebildet. Geht das Reservoir der Eizellen zur Neige, geht auch die Hormonproduktion zurück. Die körperliche Fruchtbarkeit geht zu Ende. Eine neue Phase an Fruchtbarkeit auf mentaler und seelischer Ebene, durch neue Lebensinhalte und kreative Aktionen, durch mehr Zeit und Energie, um sich neu zu finden, beginnt.

 

Welche Funktionen hat Östrogen?

 

Östrogen ist der Überbegriff für weibliche Geschlechtshormone wie Östradiol, Östron und Östriol.2 Östrogen wird in erster Linie im Eierstock während der Eisprungphase und in der Plazenta während der Schwangerschaft gebildet.

 

Wenn weniger Eier reifen, reduziert sich auch die Bildung des Östrogens. Östrogen bewirkt die Ausbildung der weiblichen Geschlechtsmerkmale, das Heranreifen der Eizellen sowie das Wachstum des Brustgewebes und der Gebärmutterschleimhaut. Es macht den Schleim im Gebärmutterhals durchlässig für die Spermien, fördert die Knochenbildung, erhöht die Konzentration des guten HDL-Cholesterins und gefäßerweiternder Faktoren. Östrogen hebt die Stimmung und verstärkt die sexuelle Lust. 

 

Was sind die Symptome von Östrogenmangel in den Wechseljahren?

 

Häufige Symptome sind Hitzewallungen, nächtliche Schweißausbrüche und Schlafstörungen, Gewichtszunahme, Trockenwerden der Schleimhäute von Augen, Mund und Scheide mit Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sowie Scheiden- und Blaseninfektionen, Blasenschwäche und Haarausfall. Die Scheidenwand wird dünner, Schleimhäute von Blase und Harnröhre bilden sich zurück, die sexuelle Lust und gute Laune können nachlassen. Möglich sind Gereiztheit, Nervosität, depressive Verstimmungen, Konzentrations- und Gedächtnisschwäche sowie Muskel- und Gelenkbeschwerden. Da der Testosteronpegel bei sinkender Östrogenkonzentration bestehen bleibt, können sich auch Zeichen einer Vermännlichung zeigen. Langfristige Folgen können Arteriosklerose und Osteoporose sein. 1,3

 

Was spricht gegen eine Behandlung mit einer Hormonersatztherapie?

 

Problem sind die Nebenwirkungen bei der Hormonersatztherapie (HET). 4 Die ersten Östrogen-Präparate erhöhten deutlich das Risiko für Gebärmutterhalskrebs. Als nächstes wurden Kombinationspräparate aus Östrogen und Progesteron entwickelt. Die Studie der Women’s-Health-Initiative mit 16000 Frauen zeigte 2002, dass diese Kombination das Risiko für Brustkrebs wie auch Thrombosen, Schlaganfall und Herzinfarkt erhöht. 5 Die Studie wurde abgebrochen, da sie nicht länger zu verantworten war. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen weitere Studien. 6,7,8,9

 

Außerdem soll eine Hormonersatztherapie das Risiko, an Alzheimer und Eierstockkrebs zu erkranken, erhöhen. 10,11

 

Positive Effekte hat sie bei Osteoporose. Kontraindikationen für eine HET sind Brust- und Gebärmutterkrebs, Thrombosen, Leberkrankheiten, starker Bluthochdruck, maligne Tumore von Gehirn und Rückenmark sowie Lupus erythematodes. 12

 

In welchen Pflanzen stecken Phytohormone?

  

Phytohormone zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen. 13 Bekannt zum Ausgleich von Östrogenmangel sind z.B. Soja, Rotklee, Traubensilberkerze, Mönchspfeffer und Frauenmantel. Sie sollten als Fertigpräparate eingenommen werden. Lebensmittel, die Phytohormone enthalten, sind z.B. Leinsamen, auch als Öl und Mehl, Sesam, Sonnenblumen- und Kürbiskerne, Kirschen, Pflaumen, Weintrauben, Bananen, Wassermelonen, Rhabarber, Granatapfel, Weißkohl und Hülsenfrüchte.14

 

Welche Heilpflanzen helfen noch in den Wechseljahren?

 

Johanniskraut ist ideal gegen Wechseljahresbeschwerden. Als Tee oder intensiver als hochdosierte Kapseln ist es Balsam gegen innere Unruhe und depressive Verstimmungen. Bei anhaltenden Depressionen muss jedoch ein Arzt aufgesucht werden. Baldrian ist eine bewährte Hilfe zum Ein- und Durchschlafen. Passionsfrucht entspannt, löst Ängste und fördert den Schlaf. Auch Melisse und Hopfen beruhigen, als Tee und Badezusatz. Ginseng hilft bei Müdigkeit und Erschöpfung, während Ginkgo biloba als Fertigpräparat die Durchblutung auch in den feinsten Gefäßen fördert und so die geistige Fitness stärken kann. Bedenken Sie, dass pflanzliche Mittel über längere Zeit eingenommen werden müssen.

 

Was können homöopathische Mittel im Klimakterium bewirken?

 

Zur Selbstmedikation eignen sich Komplexmittel mit der Kombination bewährter Einzelarzneimittel, wie Cimicifuga, Agnus castus, Sepia, Lachesis und Pulsatilla. Bei stärkeren Beschwerden empfiehlt sich eine individuelle Behandlung durch einen Homöopathen. Unter seiner Anleitung können auch Hormone in homöopathischer Aufbereitung eingenommen werden.

 

Welche Bach-Blüten unterstützen sanft in den Wechseljahren?

 

Wild Rose schenkt Lebensfreude, Centaury stärkt das Durchsetzungsvermögen bei schwachem Eigenwillen, Scleranthus und Wild Oat schaffen Klarheit bei innerem Hin- und Hergerissensein. Gentian, Gorse und Mustard können die Stimmung heben und Optimismus wecken. Larch stärkt das Selbstvertrauen, Olive weckt Kräfte bei starker Erschöpfung und mit Pine kann man sich selbst vergeben und Schuldgefühle loslassen. Nach zu langem Leistungsdruck eignet sich Oak, bei Verbitterung Willow und bei innerer Leere und Ausgepumptsein Sweet Chestnut. Ungeduld und Reizbarkeit werden durch Impatiens besänftigt und Unsicherheit während eines Neubeginns kann mit Walnut zu Mut und Klarheit gewandelt werden.

 

Welche natürlichen Methoden eignen sich noch während der Wechseljahre?

 

Vitalstoffreiche Ernährung und tägliche Bewegung sind ideale Begleiter in der Zeit des hormonellen Wechsels. Yoga, insbesondere Hormon-Yoga wirkt sich balsamisch auf Körper, Seele und Geist aus. Dasselbe gilt für Qi Gong, Tai Chi, Autogenes Training und Progressive Muskelentspannung nach Jacobson und Meditation.

 

 

 

 

Quellenangaben (Stand 17.05.2019):

 

1 https://in-menopause.de/symptome-oestrogenmangel-und-oestrogendominanz/

2 https://flexikon.doccheck.com/de/Östrogen

3 https://flexikon.doccheck.com/de/Klimakterium

4 Dr. med. Angela Krogmann, Birgit Frohn: Wechseljahre – ja natürlich, 3. Auflage 2016, S. 79

5 https://www.aerzteblatt.de/archiv/58823/Women-s-Health-initiative

6 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28093732

7 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30821641

8 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25754617

9https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode=s&wo=17&typ=1&nid=87016&s=Hormonersatztherapie

10https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode=s&wo=17&typ=1&nid=101486&s=Hormonersatztherapie

11 https://www.aerzteblatt.de/archiv/173287/Postmenopausale-Hormontherapie-Das-Risiko-fuer-Ovarialkarzinome-ist-signifikant-erhoeht

12 Dr. med. Angela Krogmann, Birgit Frohn: Wechseljahre – ja natürlich, 3. Auflage 2016, S. 81

13 https://wechseljahre.gesund.org/phytohormone/

14 Dr. med. Angela Krogmann, Birgit Frohn: Wechseljahre – ja natürlich, 3. Auflage 2016, S. 125, 144-148

Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

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