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Umgang mit der Menopause – wenn man merkt, dass alles anders wird

Kommentar schreiben Mittwoch, 02. März 2016

Für viele Frauen ist es ein einschneidendes Ereignis: Das Aussetzen der Regelblutung. Dann wird man (besser: frau) klar, dass ein ganz neuer Lebensabschnitt bevorsteht. Die Reaktionen darauf fallen sehr unterschiedlich aus, aber zunehmend positiv. Es sind eher Medien und Pharma-Industrie, die darauf beharren, dass es sich um einen behandlungsbedürftigen Zustand handele. Es kann Beschwerden geben, wenn der Hormonspiegel sinkt, aber die Menopause, die letzte Monatsblutung der Frau, ist keine Krankheit. Es ist auch nichts, wobei sich die Frau ernsthaft Gedanken über ihre weitere Existenz und ihre Attraktivität machen muss. Der sinkende Hormonpegel kann durch Ernährung und Heilpflanzen ausgeglichen werden - sie wirken gleichzeitig als Vorbeugung vor Osteoporose und Herzerkrankungen. Die Menopause ist der Beginn eines mehrjährigen Prozesses, der die Frau in eine neue Lebensphase begleitet.

Was passiert bei der Menopause und wann tritt sie ein?

Zum Zeitpunkt der letzten Regelblutung ist der Pool an Eizellen in den Eierstöcken aufgebraucht. Es findet kein weiterer Eisprung mehr statt. Das hormonproduzierende Gewebe im Eierstock baut sich langsam ab. Die Hormonausschüttung versiegt innerhalb der nächsten Jahre endgültig. Der Zeitpunkt der Menopause liegt bei uns im Alter von 50 +/-2 Jahren. Die äußeren Eckpunkte liegen bei 45 und 55 Jahren. Bei sehr mageren Frauen, Unterernährung und Raucherinnen kann sie sich der Zeitpunkt ca. 1 Jahr vorverlegen. Da Alkohol den Östrogenpegel hebt, kann sich die Menopause bei regelmäßigem, hohem Konsum verzögern. Die Menopause kann erst nachträglich als solche definiert werden, wenn danach 12 Monate lang keine Blutung mehr auftritt.

Welche Funktionen haben Östrogen und Progesteron?

Die beiden wichtigsten Sexualhormone der Frau wirken nicht nur auf die Geschlechtsorgane. Östrogen aktiviert die knochenbildenden Zellen und den Einbau von Calcium und Phosphat in den Knochen. Es fördert die Wassereinlagerung in die Haut und das Gewebe. Folge ist eine glatte Haut und genügend Flüssigkeitssekretion der Schleimhaut (Scheide). Das Hormon erweitert die Blutgefäße, senkt den Blutdruck und schützt das Herz. Östrogen sorgt für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen „gutem“ (HDL) und „schlechtem“ (LDL) Cholesterin und wirkt sich günstig auf den Blutzuckerspiegel aus. Es regt die Darmmotorik und damit die Verdauung an und verbessert die Lungenfunktion. Durch die Bildung von Endorphinen hebt es die Stimmung. Progesteron (Gestagen) hat eine beruhigende, angstlösende Wirkung und verhilft zu gutem Schlaf. Es fördert die Atemtiefe und Atemfrequenz. Es vermindert die Durchblutung der Haut, senkt ihre Temperatur und hält die Wärme im Körper. Progesteron wirkt schützend und regenerierend auf die Zellen des zentralen Nervensystems.

Was können die Folgen des Hormonmangels sein?

Bei Betrachtung der vielen Funktionen werden mögliche Beschwerden beim Wegfall der Hormone verständlich:

  • Hitzewallungen, Schweißausbrüche
  • Starkes Herzklopfen bis Herzrasen
  • Reizbarkeit, Unruhe, Schlafstörungen,
  • Angstgefühle, depressive Verstimmungen, Konzentrationsschwäche
  • Osteoporose
  • Hautatrophie (Gewebeschwund), Haarausfall
  • Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte
  • Blasenschwäche, Harnwegsinfektionen
  • Muskel- und Gelenkbeschwerden

Auch wenn diese Beschwerden kaum oder gar nicht vorliegen, muss auf jeden Fall etwas zur Vorbeugung von Osteoporose und zum Schutz von Herz und Kreislauf getan werden.

Was kann frau zum Ausgleich des Hormonmangels tun?

Bei sehr starken Beschwerden kann mit einer Hormonersatztherapie gegengesteuert werden. Ihr Hauptrisiko Brustkrebs wird mit der Kombination von Östrogen und natürlichem Progesteron gesenkt. Das Anwenden von Pflastern ist gesünder als die innere Einnahme von Präparaten. Aus dem Heilpflanzenbereich haben sich die Produkte der Traubensilberkerze (Cimicifuga) bewährt. Es dauert ca. 6 Wochen, bis ihre Wirkung eintritt. Phyto-Östrogene enthalten außerdem Rotklee, Süßholz, Salbei (auch schweißhemmend), Hopfen und Ginseng. Progesteron-Wirkung hat an erster Stelle Walnussblätter-Tee. Darauf folgen Frauenmantel, chinesischer Yams, Mistel und Fenchel. Mönchspfeffer wirkt nur dann, wenn noch ein Zyklus stattfindet. Zur Stimmungsaufhellung und für innere Ruhe sorgt Johanniskraut. Bei Schlafstörungen helfen Baldrian, Hopfen, Melisse und Passionsblume. Phytohormone können bestens über die Nahrung zugeführt werden. Dabei rangieren Leinöl, Leinmehl und Leinsamen ganz oben mit ihrer östrogenartigen Wirkung. Leinöl enthält außerdem mehr herzschützende Omega-3-Fettsäuren als Fischöl! Empfehlenswert sind täglich 1 Esslöffel Leinöl und 1 Esslöffel Leinmehl. Weitere wertvolle Öle sind naturbelassenes Weizenkeim-, Walnuss-, Kürbiskern-, Oliven-, Schwarzkümmel- und Kokosöl. Sojaprodukte sind inzwischen umstritten. Nicht jede Frau kann sie vertragen, noch ihre Phyto-Östrogene verstoffwechseln.

Weitere Tipps

Aufgrund des Progesteronmangels nimmt frau ab der Menopause bei gleicher Kalorienzufuhr jährlich ca. 1 kg zu. Neben Walnussblätter-Tee geht an regelmäßigem Ausdauersport kein Weg vorbei. Er belebt, strafft, fördert die Durchblutung und hebt die Stimmung (Serotonin!). Zum Ausgleich bei Reizbarkeit und Schlafstörungen und zur geistig-seelischen Klärung für die neue Lebensphase sind Entspannungstechniken, Yoga, T'ai Chi, Qi Gong und Meditation die idealen Begleiter.

Auf zu neuen Ufern

Mit 50 plus ist ohnehin Zeit für eine Neuorientierung. Entweder freiwillig oder weil die Umstände es erfordern. Die Kinder werden flügge. Die Beziehung hält das aus oder es steht eine Trennung bevor. Der Beruf ist Routine und lässt Raum für Neues. Man braucht sich nicht mehr zu beweisen. Wenn Unzufriedenheit herrscht, wird auch hier noch einmal durchgestartet. Sie befinden sich in den besten Jahren, besitzen viel Lebenserfahrung und Reife, was eine ideale Ausgangslage für einen Neubeginn darstellt. Die Menopause ist nur ein weiteres Symbol für den Aufruf zum Wandel. Viele Frauen nehmen den ersten Aussetzer in ihrem Zyklus als reine Befreiung wahr. Sie haben das Gefühl, dass ihnen Flügel wachsen. Leichtigkeit pur. Je seltener der Zyklus wird, umso mehr haben sie den Eindruck, dass ihr Leben noch mehr ihnen gehört, wie eine neue Spielwiese. Gleichzeitig gehen sie überlegter damit um, wofür sie ihre Zeit und Energie einsetzen und mit wem.

"Ich mache nur noch, was mir gut tut," ist ein häufiger Satz. Es sind Stärke, Gelassenheit, sich um sich kümmern und klare, schützende Grenzen nach außen, die diese Phase prägen. Dabei ist gegenseitige Unterstützung hilfreich: Austausch zwischen Gleichaltrigen, die auch einen neuen Weg sondieren. Und: Von wegen weniger sexuelle Lust. Nachweislich genießen Frauen ihre Sexualität in diesem Alter und auch noch später mit einer ziemlichen Selbstverständlichkeit. Praktischerweise fällt jetzt auch noch die Verhütung weg. Wichtig ist die innere Haltung: Self fulfilling prophecy. Erwartet Frau nach der letzten Blutung ein Leid mit nass geschwitztem Bett und einer Welt grau in grau, wird sie sie auch bekommen. Bedeutet jedes Ende den Anfang einer neu zu gestaltenden Phase für sie, wird sich die Zeit auch so präsentieren.  

 

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Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

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