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Lippen-Herpes: Die ganze Wahrheit über Lippen-Herpes

Kommentar schreiben Sonntag, 11. Januar 2015

Der Ausbruch von Herpes an der Lippe, auch Herpes labialis oder im Volksmund Fieberblasen genannt, zählt zur häufigsten Infektionskrankheit der Haut und ist die bekannteste Form von Herpes – ausgelöst durch bestimmte Herpesviren. Zu den typischen Symptomen gehören entzündete und schmerzhafte Bläschen im Bereich der Lippen. Für den Ausbruch ist häufig ein geschwächtes Immunsystem verantwortlich. Hier das lästige Leiden im Überblick.

Der Begriff Herpes umfasst viele Erkrankungen

Neben dem Begriff Herpes labialis für Lippenherpes finden sich noch weitere Herpeserkrankungen, die umgangssprachlich häufig als Herpes bezeichnet werden: Herpes genitalis ist der Herpes im Genitalbereich und Herpes zoster ist der Fachbegriff für Gürtelrose. Für die Entstehung dieser Herpeserkrankungen sind unterschiedliche Herpesviren verantwortlich; zu dem Vertreter dieser Herpesviren zählt das Herpes-simplex-Virus (HSV), auch als humanes Herpesvirus, von welchem acht Typen bekannt sind. Lippenherpes entsteht überwiegend durch das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1), nur zu einem geringen Anteil kann Lippenherpes auch durch Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2) entstehen.

Häufigkeit von Herpes-simplex-Viren

Die Infektion mit Herpes-simplex-Viren, die unter anderem für Lippenherpes verantwortlich sind, ist eine mit größter Häufigkeit auftretende Infektionskrankheit der Haut und weltweit verbreitet. 85 Prozent der Weltbevölkerung tragen Antikörper gegen HSV-1 im Blut und sind somit bereits mit Herpes-simplex-Virus Typ 1 infiziert worden. Die Übertragbarkeit von diesem Herpesvirus erfolgt meist unbemerkt und schon im Kindesalter, bereits vor dem sechsten Lebensjahr durch engen körperlichen Kontakt, beispielsweise zwischen Mutter und Kind oder zwischen Geschwistern sowie Freunden. Der Ausbruch des Lippenherpes findet in drei bis zehn Fällen regelmäßig statt, sodass für 20 bis 30 Prozent der Infizierten lästige Lippenbläschen für wiederkehrenden Ärger sorgen. Es gibt jedoch auch Virusträger, die ihr gesamtes Leben lang von Lippenherpes befreit sind.

Ursachen für die Entstehung des Lippenherpes

Nachdem das Virus von der oberen Hautschicht entlang der Nervenfasern zu den inneren Nervenzellen wandert und sich dort einnistet, kann es in einer Form des Ruhe-Modus über viele Jahre verweilen, bis es letztendlich zu einem Ausbruch kommt und zur Hervorrufung der Lippenbläschen führt. Für die Reaktivierung des Virus ist in der Regel ein geschwächtes Immunsystem des Betroffenen verantwortlich. Folgende Ursachen sind ebenfalls möglich:

- Hautreizungen, Sonnenbrand - Stress - Hormonelle Umstellungen (zum Beispiel durch Menstruation, Wechseljahre) - Fieber - Tumorrerkrankungen

Wie ist die Ansteckungsgefahr bei Lippenherpes?

Lippenherpes ist ansteckend und kann über Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen), Schmierinfektion (zum Beispiel durch gemeinsame Benutzung von Besteck, Gläsern) und direkte Hautkontakte (Küssen, Berührung der Bläschen) übertragen werden. Zu beachten ist hierbei, dass ein Ansteckungsrisiko nicht nur bei Menschen mit sichtbaren Lippenbläschen besteht, sondern auch eine Ansteckung bei Menschen ohne erkennbaren Symptomen für Herpes an der Lippe möglich ist, da die Viren auch über die Schleimhaut ausgeschieden werden. Das Virus von den Lippen kann auch andere Körperregionen befallen und weitere Herpeserkrankungen verursachen: Herpes der Mundschleimhaut (Stomatitis herpetica), Herpes im Gesicht/an den Wangen (Herpes simplex facialis/buccalis), Herpes im Nasenbereich (Herpes nasalis) und Herpes der Augenbindehaut (Keratoconjunctivitis herpetica) sind ausgehend vom Herpes an den Lippen möglich – aus diesem Grund sollten die mit Flüssigkeit gefüllten entstandenen Bläschen niemals aufgekratzt werden, damit sich diese nicht ausbreiten können.

Welche Symptome treten bei Herpes auf?

In der Regel sind schon die ersten Symptome eines Lippenherpes, welche einige Stunden oder einen ganzen Tag anhalten können, spürbar, noch bevor diese zu sehen sind: die betroffene Hautpartie reagiert mit Spannungsgefühl, leichtem Kribbeln, Brennen und unangenehmen Juckreiz. Daraufhin entstehen die sichtbaren Lippenbläschen, die sich mit Flüssigkeit füllen, schmerzhaft sind und eitrige sowie verkrustete Beläge an den Schleimhäuten im Lippenbereich aufweisen können. In einigen Fällen kommt es auch zu einer Lympfknotenschwellung. Nach wenigen Tagen platzen die Bläschen auf und hinterlassen eine empfindliche Wunde, die nach etwa acht bis vierzehn Tagen von selbst abheilt.

Welche Therapie bei Lippenherpes?

Einmal mit dem Herpesvirus infiziert, kann dieser ein Leben lang im Körper verweilen und jederzeit zu einem Ausbruch führen. Bisher gibt es keine Heilung, nur die Symptome können derzeit behandelt werden. Sobald die Erkrankung spürbar oder die Lippenbläschen schon hervorgetreten sind, kann der Heilungssprozess mit bestimmten Mitteln eventuell beschleunigt werden. Als Hausmittel schwört man zum Beispiel darauf, im Anfangsstadium des Ausbruches Eiswürfel auf die brennende und juckende Hautpartie zu legen, damit eine Bläschenbildung gar nicht erst entstehen kann; die Kälte wirkt präventiv und erschwert es, dass sich die Viren vermehren können.

 

Darüber hinaus sollen Teebaumöl, Heilerde oder Melissenextrakt Abhilfe schaffen und die Lippenbläschen austrocknen lassen. Als bekanntes und erfolgsbringendes Hausmittel gehört auch schwarzer Tee, welcher in Form eines Teebeutels auf die zu behandelnde Hautoberfläche gedrückt wird; die hohe Konzentration an Tannin wirkt antiviral und desinfizierend, sodass eine Ausbreitung verhindert wird. Das Gerücht, das Zahnpasta gegen Lippenherpes hilfreich ist, ist ebenfalls weit verbreitet, doch mittlerweile hat sich diese Meinung stark geändert: Zahnpasta deckt den Hautbereich zwar luftdicht ab und lässt diesen austrocknen, medizinisch betrachtet ist jedoch keine Wirkung festzustellen; manchmal kann Zahnpasta sogar den Ausbruch verschlimmern.

 

In der Apotheke erhältlich sind Cremes mit Zinksulfat und sogenannte Herpespflaster mit desinfizierenden Zusätzen, die die austrockende Wirkung der Lippenbläschen und damit die Abheilung fördern. Je nach Schweregrad wird auch ein antivirales Mittel in Form von Saft, Tablette oder Kurzinfusion verabreicht, um die Gefahr einer weiteren Ausbreitung zu minimieren.

 

Verschiedene Präparate um die Heilung von (Lippen-)Herpes zu unterstützen finden Sie im apomio Apotheken-Preisvergleich. Derzeit setzen Forscher auch vermehrt den Fokus auf Laserbehandlungen. Eine Literaturübersicht von Juli 2014 fasst folgende Erkenntnisse zusammen: In klinischen Protokollen sind die Auswirkungen auf die Heilungszeit, die Schmerzlinderung, die Virusausscheidung, die Virusinaktivierung und das Rezidiv-Intervall schriftlich festgehalten und ergaben, dass keine Laserbehandlung in der Lage war, das Herpesvirus und die Wiederkehr vollständig zu eliminieren.

 

Trotz allem sind positive Effekte festzustellen: Die Behandlung von Herpesviren mittels Laser-Phototherapie reduziert die Schmerzbildung und kann die Abstände bis zum nächsten Auftreten der Beschwerden verlängern. Darüber hinaus ist diese Behandlung von großem Vorteil, da keine Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten festzustellen ist, was besonders hilfreich für immungeschwächte und ältere Patienten ist. Bisher sind klinische Studien und Fallberichte nur im begrenzten Umfang vorhanden - Ziel ist es, die Forschung im Hinblick auf die Laserbehandlung in Verbindung mit wiederkehrendem Lippenherpes zukünftig zu intensivieren.

Vorbeugende Maßnahmen bei Lippenherpes

Eingenistete Herpesviren lassen sich aus dem Körper nicht ausrotten. Auch gibt es keine Schutzimpfung, die uns davor bewahren kann, an einer Herpesinfektion zu erkranken. Trotz allem gibt es vorbeugende Maßnahmen, die das Risiko verringern können. Vermeiden Sie es, sich mit akut Erkrankten dieselben Handtücher, Servietten, Lippenstifte, Gläser oder Besteck zu teilen; auch sollten entsprechende Sportarten, die einen engen Hautkontakt mit sich bringen (wie zum Beispiel Judo), gemieden werden.

 

Bei Lippenherpes sollte auf Küsse und oralen Geschlechtsverkehr verzichtet werden, da auf diesem Weg auch eine virale Übertragung auf die Genitalien möglich ist. Da die eigenen Finger gefährliche Viren-Überträger sind, sollte bei Lippenherpes zunehmend auf intensive Händereinigung geachtet werden. Vermeiden Sie es, sich die Augen zu reiben oder Kontaktlinsen mit Speichel in die Augen setzen, das es im schlimmsten Fall zu einer Schädigung der Hornhaut und Herpes im Augenbereich führen kann.

 

Ein intaktes Immunsystem ist ebenfalls von Vorteil, um den lästigen wiederkehrenden Lippenbläschen den Kampf anzusagen. Ausgewogene Ernährung, ausreichender Schlaf und viel Bewegung sowie die Vermeidung von unnötigem Stress können einen weiteren Ausbruch von Herpes an der Lippe weitgehend verhindern.

J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Die ausgebildete Operations-Technische Assistentin hat nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine Weiterbildung zur Chirurgisch-Technischen Assistentin in der Allgemein- und Visceralchirurgie in Köln absolviert. Inzwischen blickt sie auf eine mehrjährige Erfahrung in der OP-Assistenz in diesem Fachgebiet zurück. Neben ihrer Tätigkeit im OP studiert Frau Ehresmann Humanmedizin in einem Modellstudiengang in Aachen.

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