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Muskelrheuma (Weichteilrheuma) - Wenn die Muskeln schmerzen

4 Kommentare Freitag, 14. September 2018

Muskelrheumatismus beschreibt schmerzhafte und funktionsbeeinträchtigende rheumatische Zustände der Muskulatur. Man spricht auch „Weichteilrheuma“, weil der Begriff Rheuma im eigentlichen Sinne als eine entzündliche Erkrankung der Gelenke verstanden wird. Welche Symptome hat man bei Muskelrheuma? Wie kann man diese behandeln? Mehr zu dem Thema im folgenden Beitrag.

 

Inhaltsverzeichnis:

 

 

Muskelrheuma: Was ist das? 

 

Die weitläufige Meinung ist, dass Rheuma eine entzündliche Gelenkerkrankung von älteren Menschen ist. Dies trifft natürlich nur bedingt zu. Denn nicht nur ältere Menschen, sondern auch junge Menschen und sogar Kleinkinder können an Rheuma leiden. Darüber hinaus betrifft Rheuma nicht immer nur die Gelenke bzw. knöcherne Strukturen, sondern können auch Sehnen, Bänder, Muskeln sowie das Unterhautfettgewebe durch entzündliches oder nicht-entzündliches Rheuma in Mitleidenschaft gezogen werden.

 

Der Begriff „Weichteilrheuma“ kommt hier zum Tragen. Die am häufigsten diagnostizierte Form des Weichteilrheumas ist die Fibrommyalgie. Weitere Formen sind Rheuma in der Unterhaut (Pannikulitis) und Muskelrheuma (Polymyalgia rheumatica), das im weiteren Verlauf des Beitrags näher erläutert wird:

 

Polymyalgia rheumatica bedeutet aus dem Lateinischen/griechischen Sprachgebrauch „Vielmuskelschmerz“ - viele Muskeln sind schmerzhaft entzündet; plötzliche Beschwerden können rasch innerhalb weniger Tage eintreten. Die Erkrankung setzt in der Regel nach dem 50. Lebensjahr ein und nimmt mit steigendem Alter zu.

 

Die Muskeln tun ständig weh und man glaubt, sich nicht mehr richtig bewegen zu können. Deutliche Knoten, die von Medizinern als „Hartspann“ bezeichnet werden, sind zu tasten und schmerzen bei Druckberührung. Hier liegt ein typisches Zeichen für eine Muskelentzündung vor. Eine entzündliche Myositis kann einzelne Muskelgruppen, aber auch die gesamte Skelettmuskulatur betreffen. Häufig betroffen ist die Muskulatur im Schulterbereich sowie im Becken. Demzufolge sind Tätigkeiten, wie das Tragen von schweren Lasten oder das Treppensteigen nur schmerzbedingt möglich. Im schlimmsten Fall kann sich die Erkrankung zu einer Muskelschwäche entwickeln, welche von Dauer ist und sogar in eine ausgeprägte Lähmung führen kann.

 

Beachte Sie: Damit diese Folgen nicht eintreten ist es von großer Wichtigkeit einen erfahrenen Rheumatologen zu konsultieren und noch wichtiger in Bewegung zu bleiben.

 

Ursachen Muskelerkrankung 

 

Man unterscheidet zwei Formen von Muskelrheuma:

 

  1. Immunogene Form, durch das eigene Immunsystem als Überreaktion hervorgerufen
  2. Muskelrheuma, welches durch Bakterien, Viren, Parasiten oder Protozoen hervorgerufen wird

 

Beide Formen können einen akuten sowie chronischen Krankheitsverlauf annehmen. Auch wird vermutet, dass genetische Faktoren sowie Umwelteinflüsse eine Rolle bei der Entstehung von Muskelrheuma haben.

Spezifische Tests Muskelrheuma eindeutig zu diagnostizieren, fehlen bisher, denn Muskelrheuma kann beispielsweise röntgenmäßig nicht nachgewiesen werden. Das macht es schwierig, eine Diagnose stellen zu können. Der Hausarzt kann bei den im Folgenden genannten Symptomen auf einen Internisten oder Rheumatologen verweisen. Eine letztendlich gestellte Diagnose erfolgt auf der Grundlage des Ausschlusses anderer Krankheitsbilder.

 

Symptome von Muskelrheuma 

 

Verschiedene Symptome können sich bei Muskelrheuma äußern:

 

  • 50% der Patienten leiden an Morgensteifigkeit
  • 39% der Patienten leiden an Ermüdungserscheinungen
  • 30 – 35% der Patienten leiden unter Schmerzen in den Schultern, den Oberarmen, im Nacken, den Hüften und Muskeln
  • 24 % der Patienten leiden unter Appetitlosigkeit und folglichem Gewichtsverlust
  • 16% der Patienten leiden an Stimmungsschwankungen bis hin zu ausgeprägten Depressionen
  • 12% der Patienten haben Fieber
  • 5% der Patienten weisen eine erhöhte Herzfrequenz auf

 

Auch ein allgemeines Krankheitsgefühl und Nachtschweiß können bei Muskelrheuma auftreten.

Die Laborwerte wie CRP, C-reaktives Protein, und BSG, Blutsenkungsgeschwindigkeit, sind zudem deutlich erhöht. Da diese Laborwerte allerdings eher unspezifisch sind, sprich auch bei anderen Erkrankungen, welche mit Entzündungen einhergehen, erhöht sind, lässt sich nicht auf Muskelrheuma schließen.

 

Behandlung einer rheumatischen Muskulatur 

 

Verschiedene MedikamenteZur Behandlung von Muskelrheuma wird das Medikament Prednison, das zu den Kortikosteroiden zählt und eine entzündungshemmende sowie abwehrunterdrückende Wirkung aufweist, Mittel der Wahl. Die Therapie kann mit 15 mg pro Tag begonnen werden. Sobald die Symptome nachlassen und die Blutsenkungsgeschwindigkeits-Tests bessere Ergebnisse bringen, erfolgt eine Dosisreduktion wöchentlich.

Mit einem Blutsenkungsgeschwindigkeits-Test wird gemessen, wie schnell die roten Blutkörperchen, die Erythrozyten, im Blut absinken; sofern diese sogenannte Sedimentationsrate schneller als der Norm entspricht, ist der Hinweis auf eine Entzündung im Körper gegeben.

 

Wenn durch die Dosisreduktion erneut Symptome beobachtet werden, wird die Prednison-Gabe auf das Niveau erhöht, bei welchem keine Beschwerden eingetreten sind. Die Behandlung kann eine Dauer von ein bis drei Jahre haben. Eine Erhaltungsdosis mit Prednison wird nicht angestrebt, vielmehr möchte man eine möglichst niedrige Dosis erreichen.

Da man nach wie vor Nebenwirkungen durch eine Kortisontherapie befürchtet, schrecken viele Patienten zunächst von dieser Behandlung zurück und sind zögerlich.

Nach dem genannten Schema sind allerdings wenig Nebenwirkungen zu beobachten.

 

Trotz allem sollten Blutdruck und Blutzucker kontrolliert werden und auch der Augendruck und die Knochendichte gemessen werden. Als eine mögliche Nebenwirkung ist auch der gesteigerte Appetit und die mögliche Gewichtszunahme zu erwähnen. Da man allerdings darauf achtet, eine möglichst niedrige Prednison-Therapie anzustreben, werden die Nebenwirkungen meist in Grenzen gehalten. Damit keine Osteoporose durch eine längerdauernden Kortisontherapie entstehen kann, ist eine ausreichende Vitamin D3 Zufuhr und Calcium u empfehlen.

Um Kortison zu sparen stellt ein weiterer Therapieansatz die Medikamenteneinnahme mit zum Beispiel Chloroquin oder Methotrexat. Bei dieser Therapie ist es wichtig, dass die Einnahme konsequent mindestens ein Jahr lang erfolgt. Unter Umständen ist auch eine längere Behandlungsdauer nötig, damit Entzündungsprozesse endgültig eingedämmt werden können.

 

Als medikamentöse Therapie können bei Muskelrheuma auch NSAID-Präparate oder entzündungshemmende Schmerzmittel mit schneller Wirkung eingesetzt werden und manchmal ausreichen.

Eine Physiotherapie wird darüber hinaus ebenfalls empfohlen, damit die Steifigkeit und die Bewegungseinschränkungen minimiert werden. Regelmäßiges Training ist nämlich auch bei Muskelrheuma wichtig. Das Trainingsprogramm wird an die individuelle Krankheitssituation angepasst; so können Übungen bei sehr schmerzgeplagten Patienten im warmen Wasser ausgeübt werden. Auch wenn es anfangs noch schmerzhaft ist, kann Bewegung helfen, die Symptome nicht verschlimmern zu lassen. Leichte Übungen, die einfach zu Hause durchgeführt werden können und zur Stärkung des Muskelgewebes beitragen, sind hierbei optimal. So können sportlich aktive Rheumapatienten von einer besseren Lebensqualität profitieren und ihr psychisches Wohlbefinden steigern.

 

Bildnachweis:

©Mizianitka, pixabay.com

 

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J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Die ausgebildete Operations-Technische Assistentin hat nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine Weiterbildung zur Chirurgisch-Technischen Assistentin in der Allgemein- und Visceralchirurgie in Köln absolviert. Inzwischen blickt sie auf eine mehrjährige Erfahrung in der OP-Assistenz in diesem Fachgebiet zurück. Neben ihrer Tätigkeit im OP studiert Frau Ehresmann Humanmedizin in einem Modellstudiengang in Aachen.

4 Kommentare

Hans Meier – Sonntag, 22. Dezember 2019
Hallo Herr Klapperich sie sind nicht der einzige. Selbe Symptome bei mir, auch nach einer Miniskusop. Seit dem unzählige ambulante Untersuchungen mit entsprechenden Wartezeiten auf Termine um dem Entzündungsherd auf die Spur zu kommen. Alle ohne Befund. Mein Rat: Lassen sie sich in einem Krankenhaus mit Fachbereich Autoimmunerkrankungen stationär untersuchen, die haben auch einen Rheumatologen.. Dort können alle Untersuchungen innerhalb einer Woche durchgeführt werden. Diesen Tip bekam ich (leider jetzt nach 8 Monaten) bei meiner letzten Untersuchung die ich in einem Krankenhaus durchführen ließ.
Lothar Dünckel – Donnerstag, 19. Dezember 2019
Liebe Frau Fassoth, habe ähnliche Probleme seit 6 Jahren. Kann nur bis 50 m ohne Schmerzen laufen-ansonsten nur mit Gehhilfe. Bei mir sind es Kalkeinlagerungen in der Muskulatur im Bereich der Endoprothese. Wurden 2016 entfernt, aber bildeten sich neu. Lassen Sie event. in dieser Richtung Untersuchungen machen. Kenne es von mehreren Patienten nach Hüft-OP in mehr oder weniger starker Form. Ich hoffe es nicht für Sie. Gute Besserung.
Klaus Klapperich – Sonntag, 27. Oktober 2019
Hallo Habe seit einem halben Jahr schmerzen in den Muskeln des Oberarmes und des Oberschenkels . Hatte im Frühjahr eine OP im Sport am Miniskus , ich meine seit dem sind die schmerzen aufgetreten . Habe eine erhöhte Blutsenkung , Gewichtszunahme , erhöhten Blutdruck. Der Hausarzt hat mir zum schluß Kortison verschrieben damit habe ich es einigermaßen im griff. Er sagte mir ich hätte eine Entzündung im Körper ,die könnten so etwas hervorrufen .Kann man nicht die Entzündung lokalisieren. Der Hausarzt wuste am Anfang auch nicht weiter .er wollte mich schon in die Klinik einweisen.
Sonja fassoth – Sonntag, 17. Februar 2019
Hallo an das Team,ich habe jetzt acht monate eine neue Hüfte und immer noch probleme.das schlimmste ist beim aufstehen,egal vom liegen oder das schlimmste vom Sitzen.es wird nach einer gewissen Zeit besser,aber ich bin nie schmerzfrei.kann das noch im grünen Bereich sein,oder was könnte da noch untersucht werden.ich mache Reha Sport und einmal in der Woche faszientherapie im Krankenhaus.ich freue mich über einen Rat von ihnen.gruss Sonja
Antwort von J. Ehresmann

Liebe Frau Fassoth, 

 

die Gewöhnungsphase an das Implantat kann durchaus mehr als ein Jahr in Anspruch nehmen. Nach Beendigung der Reha-Behandlung ist meist eine Wiedervorstellung in der Klinik, in welcher Sie operiert worden sind, zur Kontrolluntersuchung vorgesehen und zu empfehlen, um sicherzugehen, dass alles gut verlaufen ist. Vielleicht können Ihre Schmerzen auch muskulär bedingt sein, da die hüftumgebende Muskulatur sowie die gesamte Bein- und Rückenmuskulatur lange Zeit durch die Hüftgelenksarthrose vor der Operation verändert gewesen ist und sich durch eine Schonhaltung ein verändertes Zusammenspiel der Muskeln entwickelt hat. Nun muss der muskuläre Zustand nach Implantation des künstlichen Gelenkersatzes wieder normalisiert werden, was Rehabilitation und Eigentraining  und sicherlich viel Zeit und Geduld erfordert. Da ich keine Ärztin bin und es sich bei meinen Artikeln ausschließlich um allgemeine Gesundheitsinformationen handelt, empfehle ich Ihnen bei Beschwerden einen Arzt zu konsultieren. Ich wünsche Ihnen alles Gute und schnelle Genesung. 

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