© 83561497_S© psdesign1 - Fotolia.com.jpg

Muskelrheuma (Weichteilrheuma) - Wenn die Muskeln schmerzen

Kommentar schreiben Freitag, 14. September 2018

Muskelrheumatismus beschreibt schmerzhafte und funktionsbeeinträchtigende rheumatische Zustände der Muskulatur. Man spricht auch „Weichteilrheuma“, weil der Begriff Rheuma im eigentlichen Sinne als eine entzündliche Erkrankung der Gelenke verstanden wird. Welche Symptome hat man bei Muskelrheuma? Wie kann man diese behandeln? Mehr zu dem Thema im folgenden Beitrag.

 

Muskelrheumatismus: Was ist das?

 

Die weitläufige Meinung ist, dass Rheuma eine entzündliche Gelenkerkrankung von älteren Menschen ist. Dies trifft natürlich nur bedingt zu. Denn nicht nur ältere Menschen, sondern auch junge Menschen und sogar Kleinkinder können an Rheuma leiden. Darüber hinaus betrifft Rheuma nicht immer nur die Gelenke bzw. knöcherne Strukturen, sondern können auch Sehnen, Bänder, Muskeln sowie das Unterhautfettgewebe durch entzündliches oder nicht-entzündliches Rheuma in Mitleidenschaft gezogen werden.

Der Begriff „Weichteilrheuma“ kommt hier zum Tragen. Die am häufigsten diagnostizierte Form des Weichteilrheumas ist die Fibrommyalgie. Weitere Formen sind Rheuma in der Unterhaut (Pannikulitis) und Muskelrheuma (Polymyalgia rheumatica), das im weiteren Verlauf des Beitrags näher erläutert wird:

 

Polymyalgia rheumatica bedeutet aus dem Lateinischen/griechischen Sprachgebrauch „Vielmuskelschmerz“ - viele Muskeln sind schmerzhaft entzündet; plötzliche Beschwerden können rasch innerhalb weniger Tage eintreten. Die Erkrankung setzt in der Regel nach dem 50. Lebensjahr ein und nimmt mit steigendem Alter zu.

Die Muskeln tun ständig weh und man glaubt, sich nicht mehr richtig bewegen zu können. Deutliche Knoten, die von Medizinern als „Hartspann“ bezeichnet werden, sind zu tasten und schmerzen bei Druckberührung. Hier liegt ein typisches Zeichen für eine Muskelentzündung vor. Eine entzündliche Myositis kann einzelne Muskelgruppen, aber auch die gesamte Skelettmuskulatur betreffen. Häufig betroffen ist die Muskulatur im Schulterbereich sowie im Becken. Demzufolge sind Tätigkeiten, wie das Tragen von schweren Lasten oder das Treppensteigen nur schmerzbedingt möglich. Im schlimmsten Fall kann sich die Erkrankung zu einer Muskelschwäche entwickeln, welche von Dauer ist und sogar in eine ausgeprägte Lähmung führen kann. Damit diese Folgen nicht eintreten ist es von großer Wichtigkeit einen erfahrenen Rheumatologen zu konsultieren und noch wichtiger in Bewegung zu bleiben.

 

Ursachen Muskelerkrankung

 

Man unterscheidet zwei Formen von Muskelrheuma:

  1. Immunogene Form, durch das eigene Immunsystem als Überreaktion hervorgerufen
  2. Muskelrheuma, welches durch Bakterien, Viren, Parasiten oder Protozoen hervorgerufen wird

Beide Formen können einen akuten sowie chronischen Krankheitsverlauf annehmen. Auch wird vermutet, dass genetische Faktoren sowie Umwelteinflüsse eine Rolle bei der Entstehung von Muskelrheuma haben.

Spezifische Tests Muskelrheuma eindeutig zu diagnostizieren, fehlen bisher, denn Muskelrheuma kann beispielsweise röntgenmäßig nicht nachgewiesen werden. Das macht es schwierig, eine Diagnose stellen zu können. Der Hausarzt kann bei den im Folgenden genannten Symptomen auf einen Internisten oder Rheumatologen verweisen. Eine letztendlich gestellte Diagnose erfolgt auf der Grundlage des Ausschlusses anderer Krankheitsbilder.

 

Symptome von Muskelrheuma

 

Verschiedene Symptome können sich bei Muskelrheuma äußern:

  • 50% der Patienten leiden an Morgensteifigkeit
  • 39% der Patienten leiden an Ermüdungserscheinungen
  • 30 – 35% der Patienten leiden unter Schmerzen in den Schultern, den Oberarmen, im Nacken, den Hüften und Muskeln
  • 24 % der Patienten leiden unter Appetitlosigkeit und folglichem Gewichtsverlust
  • 16% der Patienten leiden an Stimmungsschwankungen bis hin zu ausgeprägten Depressionen
  • 12% der Patienten haben Fieber
  • 5% der Patienten weisen eine erhöhte Herzfrequenz auf

Auch ein allgemeines Krankheitsgefühl und Nachtschweiß können bei Muskelrheuma auftreten.

Die Laborwerte wie CRP, C-reaktives Protein, und BSG, Blutsenkungsgeschwindigkeit, sind zudem deutlich erhöht. Da diese Laborwerte allerdings eher unspezifisch sind, sprich auch bei anderen Erkrankungen, welche mit Entzündungen einhergehen, erhöht sind, lässt sich nicht auf Muskelrheuma schließen.

 

Behandlung einer rheumatischen Muskulatur

 

Zur Behandlung von Muskelrheuma wird das Medikament Predison, das zu den Kortikosteroiden zählt und eine entzündungshemmende sowie abwehrunterdrückende Wirkung aufweist, Mittel der Wahl. Die Therapie kann mit 15 mg pro Tag begonnen werden. Sobald die Symptome nachlassen und die Blutsenkungsgeschwindigkeits-Tests bessere Ergebnisse bringen, erfolgt eine Dosisreduktion wöchentlich.

Mit einem Blutsenkungsgeschwindigkeits-Test wird gemessen, wie schnell die roten Blutkörperchen, die Erythrozyten, im Blut absinken; sofern diese sogenannte Sedimentationsrate schneller als der Norm entspricht, ist der Hinweis auf eine Entzündung im Körper gegeben.

Wenn durch die Dosisreduktion erneut Symptome beobachtet werden, wird die Prednison-Gabe auf das Niveau erhöht, bei welchem keine Beschwerden eingetreten sind. Die Behandlung kann eine Dauer von ein bis drei Jahre haben. Eine Erhaltungsdosis mit Prednison wird nicht angestrebt, vielmehr möchte man eine möglichst niedrige Dosis erreichen.

Da man nach wie vor Nebenwirkungen durch eine Kortisontherapie befürchtet, schrecken viele Patienten zunächst von dieser Behandlung zurück und sind zögerlich.

Nach dem genannten Schema sind allerdings wenig Nebenwirkungen zu beobachten.

Trotz allem sollten Blutdruck und Blutzucker kontrolliert werden und auch der Augendruck und die Knochendichte gemessen werden. Als eine mögliche Nebenwirkung ist auch der gesteigerte Appetit und die mögliche Gewichtszunahme zu erwähnen. Da man allerdings darauf achtet, eine möglichst niedrige Prednison-Therapie anzustreben, werden die Nebenwirkungen meist in Grenzen gehalten. Damit keine Osteoporose durch eine längerdauernden Kortisontherapie entstehen kann, ist eine ausreichende Vitamin D3 Zufuhr und Calcium u empfehlen.

Um Kortison zu sparen stellt ein weiterer Therapieansatz die Medikamenteneinnahme mit zum Beispiel Chloroquin oder Methotrexat. Bei dieser Therapie ist es wichtig, dass die Einnahme konsequent mindestens ein Jahr lang erfolgt. Unter Umständen ist auch eine längere Behandlungsdauer nötig, damit Entzündungsprozesse endgültig eingedämmt werden können.

Als medikamentöse Therapie können auch NSAID-Präparate, entzündungshemmende Schmerzmittel mit schneller Wirkung, bei Muskelrheuma eingesetzt werden und manchmal ausreichen.

Eine Physiotherapie wird darüber hinaus ebenfalls empfohlen, damit die Steifigkeit und die Bewegungseinschränkungen minimiert werden. Regelmäßiges Training ist nämlich auch bei Muskelrheuma wichtig. Das Trainingsprogramm wird an die individuelle Krankheitssituation angepasst; so können Übungen bei sehr schmerzgeplagten Patienten im warmen Wasser ausgeübt werden. Auch wenn es anfangs noch schmerzhaft ist, kann Bewegung helfen, die Symptome nicht verschlimmern zu lassen. Leichte Übungen, die einfach zu Hause durchgeführt werden können und zur Stärkung des Muskelgewebes beitragen, sind hierbei optimal. So können sportlich aktive Rheumapatienten von einer besseren Lebensqualität profitieren und ihr psychisches Wohlbefinden steigern.

J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Judith Ehresmann ist als gelernte Operationstechnische und Chirurgischtechnische Assistentin in einem Krankenhaus beschäftigt. Das Schreiben hat sich immer mehr als Gegengewicht zu ihrem Vollzeitberuf im Gesundheitswesen entwickelt. Vor allem auch als Ausdruck ihres medizinischen Interesses, mit dem Wunsch, dieses auf ihre Mitmenschen zu übertragen. Frau Ehresmann schreibt unter anderem für den Thieme Verlag und ist seit November 2014 auch als Autorin für apomio.de tätig.

Schreib einen Kommentar

help
help
help

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Zu unseren Datenschutzbestimmungen.

Beiträge die Sie auch interessieren könnten