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Ölziehen für eine gesunde Mundhygiene und Entgiftung

Kommentar schreiben Mittwoch, 09. Mai 2018

Das Morgenritual aus dem Ayurveda hilft, Zähne, Zahnfleisch und Mundflora gesund zu erhalten. Zahnbeläge und Entzündungen werden reduziert, das Zahnfleisch gestrafft und Mundgeruch bekämpft. Dazu nimmt man vor dem Frühstück 1 Esslöffel Öl in den Mund und bewegt es ziehend und saugend hin und her. Studien beweisen, dass tägliches Ölziehen Kariesbakterien reduzieren und Zahnfleischentzündungen verringern. Wenn Ölziehen wirken soll, muss es mindestens 20 Minuten durchgeführt werden. Das lässt sich gut in die morgendliche Routine mit Duschen, Körperpflege, Kaffee kochen und Frühstück machen einbauen. Zu Anfang noch gewöhnungsbedürftig, will man die tiefgehende Reinigungsaktion als Start in den Tag bald nicht mehr missen. Erfahren Sie hier alles über die Wirkungen und Durchführung des Ölziehens.

Wie wirkt Ölziehen in der Mundhöhle?

Ölziehen reduziert schädliche Bakterien auf den Zähnen, dem Zahnfleisch und in der gesamten Mundhöhle. Die ständige Bewegung befördert das Öl bis in die hintersten Winkel von Zahnfleisch und Zahnfleischtaschen, wo es langsam einsickert und seine antibakterielle Wirkung ausübt. Das Öl emulgiert und verseift im Mund, was zu seiner desinfizierenden, reinigenden Wirkung beiträgt. Der Speichelfluss wird stark angeregt. Speichel enthält Eiweiße, z.B. Lysozym, die antibiotisch wirken, und Abwehrzellen, die als Antikörper Krankheitserreger unschädlich machen. Die Verringerung der Bakterien vermindert auch den Mundgeruch, sofern er Folge mangelnder Zahnhygiene ist. Das intensive Kauen und Saugen des Öls massiert das Zahnfleisch und fördert seine Durchblutung. Giftstoffe werden herausgezogen, die Selbstheilungskräfte aktiviert. Ölziehen entsäuert die Mundhöhle und stellt eine abwehrkräftige Mundflora wieder her. Bakterien und Pilzen wird der Nährboden entzogen. Der stabile pH-Wert ist eine Vorbeugung gegen Zahnbelag. Zahnärzte empfehlen Ölziehen zur Vorbeugung und begleitenden Behandlung von Paradontitis. Ölziehen soll außerdem bei langfristiger Anwendung die Zähne weißer machen.

Welche Studien belegen die Wirksamkeit des Ölziehens für Zähne und Zahnfleisch?

In einer Studie von 2007 wird nach 45 Tagen Ölziehen eine deutliche Reduktion der Zahnbeläge und signifikante Verbesserung der Zahnfleischentzündungen festgestellt. In einer Studie ein Jahr später haben sich die Karies verursachenden Bakterien nach 40 Tagen Ölziehen um bis zu 30 Prozent verringert. Eine weitere Studie zeigte eine deutliche Reduktion des Kariesbakteriums Streptococcus mutans schon nach einer Woche Ölziehen, und zwar in ähnlichem Maße wie in der Kontrollgruppe, die den chemischen Wirkstoff Chlorhexidin angewendet hat. Chemische Wirkstoffe haben jedoch Nebenwirkungen, z.B. ein gestörtes Geschmacksempfinden oder die Bildung von Geschwüren. Sie können Resistenzen bei Bakterien hervorrufen.

Wie soll Ölziehen bei der Entgiftung helfen?

Ölziehen regt die Durchblutung und Sekretion der Speicheldrüsen an. So gelangen Schad- und Giftstoffe aus dem Körper in die Mundhöhle. Deshalb soll die Öl-Speichel-Kombination beim Ölziehen nie geschluckt werden! Die entgiftende Wirkung soll auch durch die Stimulierung der Zungenreflexzonen stattfinden. Das Ölziehen bringt den Lymphfluss in Schwung. So kann die Lymphe wieder verstärkt Schlacken entsorgen und Krankheitserreger zur Vernichtung Richtung Lymphknoten transportieren. Dort wird die Bildung von Abwehrzellen auslöst, die sich im ganzen Körper ausbreiten.

Bei welchen Erkrankungen wird Ölziehen noch empfohlen?

Ölziehen gehört im Ayurveda zu den Ölbehandlungen wie Massagen und Stirnguss. Auch in der russischen Volksheilkunde wird das Reinigungsritual durchgeführt. Richtig bekannt wurde Ölziehen im Westen durch den russischen Arzt Dr. Karach in den 1990er Jahren. Er hat sich selbst, als er unter einer chronischen Blutkrankheit und Arthritis litt, mit Ölziehen geheilt. Daraufhin machte er sich auf, über diese Methode und ihre gesundheitsfördernde Wirkung auf den ganzen Körper in Vorträgen zu informieren. Auch im Ayurveda werden über 30 Krankheiten benannt, die durch Ölziehen erfolgreich behandelbar sein sollen. Dazu zählen neben Zahnfleischentzündungen, Paradontitis, Zahnschmerzen, Mundgeruch und rissige Lippen auch Kopfschmerzen, Migräne, Bronchitis, Asthma, Diabetes sowie Erkrankungen von Herz, Blut, Magen, Darm, Nieren und Leber. Auch Hormonstörungen, z.B. der Frau, Schlaflosigkeit und Hautkrankheiten wie Akne und Neurodermitis sollen durch Ölziehen positiv beeinflusst werden.

Welche Öle eignen sich zum Ölziehen?

Es werden nur kalt gepresste, naturbelassene Öle in Bio-Qualität empfohlen. Die besten antibakteriellen Eigenschaften haben Sesam-, Sonnenblumen- und Kokosöl. Im Ayurveda wird Sesamöl verwendet. Es dringt von allen Ölen am tiefsten in das Gewebe ein. Sesamöl enthält die beiden Antioxidantien Sesamol und Sesamolin. Sie schützen Zelle und Erbgut vor Schäden durch freie Radikale. Sesamöl wirkt nicht nur antibakteriell, sondern auch entzündungshemmend. Es ist besonders bei Zahnfleischentzündungen und Paradontitis geeignet. Sonnenblumenöl wird in der russischen Heilkunde empfohlen. Es ist geschmacksneutral und reich an Vitaminen und Mineralstoffen, die über die Schleimhäute aufgenommen werden. Gleichzeitig werden die Bakterien bekämpft. Kokosöl ist heute das beliebteste Öl zum Ölziehen. Das hat es wohl seinem angenehmen Geschmack und seinen wertvollen Inhaltsstoffen wie Vitaminen und Aminosäuren zu verdanken. Kokosöl ist entzündungshemmend. Es hat einen hohen Gehalt an Laurinsäure, die den Stoffwechsel aktiviert und das Wachstum von Bakterien und Viren hemmt. Kokosöl braucht nicht gekühlt zu werden. Es löst sich sofort im Mund zu flüssigem Öl auf.

Welche Mundöle zum Ölziehen sind erhältlich?

Mundöle sind Fertiglösungen. Sie enthalten ein Basisöl wie Sonnenblumen- oder Sesamöl, das in seiner Wirkung durch Auszüge oder ätherische Öle von Kräutern mit antibakteriellen, wundheilenden und entgiftenden Eigenschaften ergänzt wird. Beispiele sind Salbei-, Anis-, Nelkenblüten-, Neem-, Zimtrinden- und Kardamonöl oder Auszüge aus Schafgarbe, Galant und Veilchen.

Wie wird das Ölziehen durchgeführt?

Nach ayurvedischer Tradition beginnt die morgendliche Mundhygiene mit der Entfernung des Zungenbelags. Dazu nimmt man einen Zungenreiniger und schabt die Zunge von hinten nach vorne ab. Zunge und Zungenreflexzonen werden von bakteriellem Belag gereinigt, Mundgeruch wird reduziert. Nehmen Sie gleich nach dem Aufstehen, ohne vorher etwas zu trinken oder zu essen, 1 Esslöffel Sesam-, Sonnenblumen- oder Kokosöl in den Mund. Bewegen Sie 20 Minuten lang das Öl nach vorne und hinten, nach rechts und links. Ziehen und schlürfen Sie es durch die Zähne ein. Zwischendurch können Sie auch kleine Pausen einlegen, in denen das Öl einwirken kann. Schlucken Sie es nicht! Es ist inzwischen mit Bakterien und Giftstoffen durchsetzt. Nach den 20 Minuten wird das Öl in ein Papiertuch gespuckt, um die Giftstoffe nicht in den Wasserkreislauf zu bringen, und weggeworfen. Danach wird der Mund mehrmals mit warmem Wasser ausgespült, das ausgespuckt wird. Dann werden die Zähne mit einer basischen, ayurvedischen oder Rebaschen Zahnpasta geputzt. Prothesenträger sollten ihren Zahnersatz vorm Ölziehen herausnehmen. Medikamente zur Einnahme auf nüchternen Magen werden erst nach Abschluss des Ölziehens, d.h. nach dem Zähneputzen eingenommen.

Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

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