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Neurodermitis erkennen und behandeln

Kommentar schreiben Freitag, 16. März 2018
Juckende Hautstellen, Ekzeme und extrem trockene Haut: Neurodermitis ist die häufigste chronische, entzündliche Hautkrankheit und kommt häufig bei Babys und Kleinkindern vor. Doch auch Erwachsene leiden unter der unangenehmen Hautveränderung. Die Ursache für Neurodermitis ist bis heute nicht ganz klar – genetische Veranlagung in Kombination mit Umwelteinflüssen gilt als wahrscheinlich. Erfahren Sie mehr über Symptome, Verlauf und Behandlung von Neurodermitis. 

Neurodermitis: Eine Krankheit mit vielen Gesichtern. Die Bezeichnung geht bereits auf das 19. Jahrhundert zurück. „Neuro“ steht für Nerven, „Derma“ bedeutet Haut und die Endung „–itis“ deutet auf einen entzündlichen Prozess hin. Man ging damals davon aus, dass es sich um eine Erkrankung der Nerven handelt. Heute weiß man es besser – zumindest etwas. „Atopisches Ekzem“ oder „atopische Dermatitis“ ist heute die korrekte Bezeichnung für das Krankheitsbild. Dennoch sprechen viele Mediziner von Neurodermitis. Neurodermitis ist eine chronische entzündliche Hautkrankheit. Die Erkrankung verläuft in Schüben. Das bedeutet, das Auftreten von Symptomen wechselt sich mit einer beschwerdefreien Zeit ab. Wie viel Zeit zwischen zwei Schüben liegt ist sehr verschieden. Viele Patienten leiden in der frühen Kindheit und Jugend an Neurodermitis, im Erwachsenenalter verschwinden die Symptome mitunter. Bei anderen treten die Beschwerden erst später auf und die Erkrankung kann einen schweren Verlauf nehmen.

Was ist die Ursache für Neurodermitis?

Bis heute ist die Ursache für eine Neurodermitis nicht ganz klar. Mediziner vermuten einen Zusammenhang zwischen der genetischen Veranlagung und bestimmten Umwelteinflüssen. Neurodermitis tritt familiär gehäuft auf. Ist ein Elternteil betroffen, ist das Risiko zu erkranken für das Kind erhöht; sind beide Elternteile erkrankt steigt der Wert nochmals an. Neurodermitis wird ebenso wie Heuschnupfen oder allergisches Asthma zu den atopischen Erkrankungen gezählt – das Immunsystem reagiert übertrieben auf Reize aus der Umwelt. Durch eine Störung der Hautbarriere können Reize aus der Umgebung schnell zu einer Entzündung führen. Die Haut von Patienten ist besonders trocken und bietet dadurch Bakterien, Giftstoffen, Pilzen und Viren eine Eintrittspforte in den Organismus. Das Immunsystem reagiert auf diese Eindringlinge und auf der Haut wird ein Entzündungsprozess verursacht.

Symptome einer Neurodermitis: Wie erkenne ich die Hautkrankheit?

Die Hauterkrankung äußert sich in den verschiedenen Lebensabschnitten unterschiedlich. Bei Babys kommt es zu roten Stellen an den Wangen und auf dem behaarten Kopf. Die Beschwerden zeigen sich etwa ab dem zweiten Lebensmonat. Außerdem kann es zu

  • Schuppen am Kopf (Milchschorf)
  • Starkem Juckreiz
  • Vermehrtem Weinen
  • Nässende Ekzeme an den Knien (vor allem bei Krabbelkindern)

kommen. Treten Ekzeme auf, muss ein Arzt die Ursache abklären. Auch andere Hautkrankheiten können zu der Hautveränderung führen. Bei Kleinkindern kommen die Hautveränderungen an anderen Stellen vor. Die Haut ist eher trocken und rau. Ekzeme kommen vor allem an

  • Ellenbogen
  • Handgelenken
  • Knien
  • Nacken
  • Gesicht (Augenlider)
  • Oberschenkel
  • Fußrücken
  • Händen
  • Fingern

vor. Neurodermitis tritt häufig bei Kindern auf. Bei Jugendlichen sind noch einmal andere Hautpartien von Neurodermitis betroffen. Vor allem Hautfalten weisen die typischen Veränderungen auf.

  • Stirn
  • Augen
  • Mund
  • Kniekehlen
  • Ellenbeugen
  • Leisten und Handrücken

sind in den meisten Fällen betroffen. Auch auf der behaarten Kopfhaut kann es zu roten, juckenden Ekzemen kommen. Die Kopfhaut schuppt sich und die Haare können ausfallen.

Symptome einer Neurodermitis

Das typische Symptom der Erkrankung ist das nahezu unerträgliche Jucken der betroffenen Hautareale. Die Haut ist gerötet und sehr empfindlich, das Kratzen verstärkt die Problematik zunehmend. Allgemein haben Betroffene eine sehr trockene Haut. An den gereizten Stellen kann sich die Haut nach und nach verdicken und gröber werden. Der Juckreiz kann das Leben des Betroffenen so stark beeinträchtigen, dass es nachts zu Schlafstörungen kommen kann. Auch tagsüber leiden Patienten unter der Neurodermitis: Die Konzentrationsfähigkeit ist häufig beeinträchtigt und Betroffene sind häufig müde und unausgeglichen. Treten die beschriebenen Symptome an den typischen Stellen auf, sollte umgehend ein Kinderarzt oder Dermatologe aufgesucht werden (je nach Alter). Denn Neurodermitis verschwindet nicht von alleine. Die Erkrankung ist nicht heilbar. Wird eine Hautveränderung bemerkt, muss die genaue Ursache geklärt werden, um eine geeignete Therapie zu beginnen. Dazu wird der Dermatologe die gesamte Haut genau untersuchen und gegebenenfalls einen Allergietest (Prick-Test) durchführen.

Wie wird Neurodermitis behandelt?

Die Therapie bei einer Neurodermitis ist von Patient zu Patient verschieden. Dinge, die einem Betroffenen helfen die Symptome zu reduzieren können bei einem anderen völlig wirkungslos bleiben. Auch die Stelle und die Intensität der Hautveränderungen sind Faktoren, die beim Erstellen des Therapieplans Einfluss nehmen. Der behandelnde Arzt wird das Vorgehen genau mit dem Patienten absprechen und gegebenenfalls an gesammelte Erfahrungen anpassen. Alle Therapien zielen darauf ab, die beschwerdefreie Phase zu verlängern und die unangenehmen Symptome zu mildern. Vielen Patienten hilft eine Vermeidungsstrategie. Bei ihnen bricht die Neurodermitis nach einem bestimmten äußeren Reiz (Trigger) auf. Das können etwa

  • bestimmte Kleidungsstücke (z.B. aus Wolle)
  • Nahrungsmittel
  • Lebensmittelzusatzstoffe
  • chemische Inhaltsstoffe des Waschmittels
  • Infektionen (Erkältung, Grippe)
  • Extremes Schwitzen
  • Kälte
  • psychischer Stress
  • körperliche Belastung
  • Alkohol

sein. Diese Trigger sollten Betroffene möglichst meiden, um die Krankheit schlummern zu lassen. Kommt es zu einem erneuten Schub gilt es den Juckreiz zu lindern. Spezielle Cremes und Salben können dabei helfen die Haut zu beruhigen und ein Eindringen von Krankheitserregern zu vermeiden. Die Mittel verschreibt der behandelnde Arzt. Dabei ist es wichtig die Anwendung genau nach Anweisung durchzuführen. Einige Präparate enthalten Kortison – eine Anwendung über einen längeren Zeitraum kann zu Komplikationen führen. Betroffene sollten auf spezielle Duschgels und Körperlotionen umsteigen, die extra für Neurodermitis-Patienten geeignet sind. Produkte mit Duft-, Farb- oder Konservierungsstoffen können mitunter die Beschwerden verstärken. Produkte mit Harnstoff (Urea) wirken sich bei einigen Betroffenen positiv aus.

Immunsuppressiva gegen Neurodermitis?

Medikamente, die das Immunsystem hemmen, können gegen einen akuten Neurodermitis-Schub helfen. Dabei wird die Wirkung des Botenstoffs Histamin unterdrückt, sodass sich die unangenehmen Beschwerden nicht entwickeln. Medikamente gegen Neurodermitis können in schwerwiegenden Fällen auch als systemische Therapie verabreicht werden. Das bedeutet die Wirkstoffe werden nicht äußerlich als Creme oder Salbe verwendet, sondern als Tablette eingenommen. So erstreckt sich die Wirkung auf den gesamten Organismus. Treten Nebenwirkungen bei der Behandlung der Neurodermitis-Symptome auf, muss gemeinsam mit dem Hautarzt eine neue Therapieform gewählt werden.

Neurodermitis vorbeugen: Muttermilch soll helfen

Einer Neurodermitis kann man bislang nicht effektiv vorbeugen. Hohe Hygienestandards in den Industrieländern soll in den vergangenen Jahren die Zahl der Neuerkrankungen kontinuierlich gesteigert haben. Das Immunsystem ist quasi unterfordert und richtet sich gegen eigentlich harmlose Reize. Studien zeigen, dass das Trinken von Muttermilch in den ersten vier Lebensmonaten einen positiven Effekt haben soll: Stillen Mütter ihre Kinder vier Monate lang ohne das Zufüttern anderer Kost, soll das Risiko an Neurodermitis zu erkranken sinken. Eine vorbeugende „Auslass-Diät“ für Kinder ist nicht empfehlenswert. Einige Eltern streichen potenziell Allergie erregende Nahrungsmittel vom Speiseplan ihres Kindes, um eine Neurodermitis zu verhindern. So können allerdings Mangelzustände entstehen – obwohl unter Umständen keine Allergie vorliegt. Davon raten Ärzte ab. Bei Verdacht auf eine Intoleranz sollte immer ein Arzt zu Rate gezogen werden, er kann nötige Test veranlassen und Klarheit schaffen.

Lisa Vogel
Autor: Lisa Vogel

Von Juli 2014 bis März 2018 arbeitete Lisa Vogel als Werkstudentin in der Redaktion bei apomio.de und unterstützt das Team nun als freie Autorin. Sie hat ein Studium im Fach Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften und Medizin an der Hochschule Ansbach mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen. Hier erlangte sie sowohl journalistische als auch medizinische Kenntnisse. Derzeit vertieft sie ihre medialen Kenntnisse im Master Studium Multimediale Information und Kommunikation.

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