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Kältesauna - Eiszeit anstatt kuschelige Wärme

Kommentar schreiben Dienstag, 03. Dezember 2019

Wer Sauna mit kuscheliger Wärme und wohltuenden Düften verbindet, muss sich bei der Kältesauna tüchtig umstellen. Der Kälteschock von drei Minuten mit intensiven Effekten für Haut, Wohlbefinden und Gesundheit findet stehend in einer Kabine statt. Er beamt Sie in die Eiszeit mit etwa Minus 160 Grad Celsius zurück! Immerhin schaut der Kopf oben heraus. Der Körper wittert bei dem plötzlichen Temperatursturz Gefahr und zieht alle Register: Blut zentral in den Organen sammeln, hauseigene Schmerzmittel freisetzen, Entzündungen und Juckreiz hemmen, braune Fettzellen zur Wärmebildung durch Vertilgen des weißen Fettes aktivieren.

 

Hat man die drei Minuten überstanden, gehen die körperlichen Reaktionen für 2 – 6 Stunden erst richtig los, mit Vorteilen für Haut und Bindegewebe, zur Regeneration nach dem Sport und Sportverletzungen, als Hilfe beim Abnehmen und als medizinische Anwendung. Schön und gesund nach wenigen Minuten? Was bringt die Kältesauna? Wie läuft ein Kältesaunagang ab, wo kann man sich kurz „schockgefrieren“ lassen und was kostet der Spaß?

 

Woher kommt die Kältesauna?

 

Die Kältesauna ist eine Form der Kryotherapie. Kryo heißt Kälte. Schon 400 v.Chr. empfiehlt Hippokrates mit Kälte gegen Krankheiten vorzugehen. Im 19. Jahrhundert behandelte Kneipp mit seiner Kaltwassertherapie seine Patienten. Kaltwasser-Anwendungen, ob nun als Güsse, Wickel, Kompressen oder Ganzkörper-Kältetherapie werden in Kur- und Rehazentren oder Physiotherapie-Praxen auch heute noch angewendet. Gerade bei chronischen Erkrankungen wie Rheuma findet Ganzkörper-Körper-Kältetherapie in einer Kältekammer statt. Die Kältesauna ist die modernste Technologie der Kryotherapie – sei es für Beauty und Wellness, zur Stärkung des Immunsystems und der Selbsthilfekräfte oder gezielt als medizinische Behandlung.1

 

Welche Wirkung hat die Kältesauna kurzfristig?

 

Der Aufenthalt in der Kältekabine ist nicht so unangenehm wie ein Sprung ins Eiswasser, da es eine trockene Kälte durch flüssigen Stickstoff handelt. Die schlagartige Kälte bewirkt, dass sich die Haut auf unter 5 Grad abgekühlt. Die feinen Gefäße im Äußeren des Körpers ziehen sich zusammen, so dass möglichst wenig Wärme über die Haut verloren geht. Das Blut fließt vermehrt ins Körperinnere zu den Organen, um ihre Durchblutung und das Aufrechterhalten der Körpertemperatur sicherzustellen. Die Organe werden intensiv mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.


Der Kältereiz wirkt auf Thermosensoren der Haut. Sie geben die Wahrnehmung großer Kälte über Nervenfasern im Rückenmark zum Gehirn weiter. Dort wird die Kälte als Schmerz wahrgenommen. Schmerzreize durch Entzündungen und Arthrosen und Juckreiz z.B. bei Neurodermitis werden auf denselben Nervenbahnen zum Gehirn geleitet, nur langsamer. Durch die große Menge an Kältereizen, die in der Kältekabine gesetzt werden, sind die Nervenbahnen für Stunden besetzt und für den Schmerz und Juckreiz des Patienten blockiert. Der Schmerz wird in dieser Zeit gelindert oder ganz ausgeschaltet. Dazu tragen auch körpereigene Schmerzmittel (Endorphine) bei.


Kälte senkt die Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen, so dass Entzündungen gehemmt werden. Der Kältereiz reduziert den Spannungszustand der Muskulatur. Die Muskeln werden weicher und entspannen sich. Außer dem angenehmen Empfinden reduziert die Entspannung auch den Schmerz. Die Kälte bewirkt eine allgemeine Anregung des Stoffwechsels, der Durchblutung und der Selbstheilungskräfte. Entgiftungsprozesse werden in Gang gesetzt und auch die Seele kann entspannen. Eine Gang Kältesauna verbraucht 700 bis 1500 Kalorien – eine schnelle Hilfe beim Abnehmen!2

 

Welche medizinischen Anwendungsbereiche hat die Kältesauna?

 

Chronische Schmerzen, z.B. bei Arthrose, Fibromyalgie, Multiple Sklerose und Morbus Crohn wie auch entzündlich-rheumatische Gelenkerkrankungen sowie stumpfe Gelenkverletzungen können durch Kältesauna gelindert werden. Neben der direkten Reduktion des Schmerzes nach der Anwendung wird bei wiederholten Behandlungen durch die regelmäßige Unterbrechung des Schmerzes auch das Schmerzgedächtnis eingedämmt und die Schmerzschwelle herabgesetzt. Gelenke und Muskulatur können wieder bewegt werden, Muskelschwund wird verhindert und der Gelenkknorpel besser mit Nährstoffen versorgt.


Kältesauna löst verkrampfte Muskulatur und muskuläre Dysbalancen bei entzündlichen Rückenschmerzen und Wirbelsäulenerkrankungen. Sie lindert die Beschwerden bei Sehnenscheidenentzündungen, Hexenschuss, Asthma bronchiale und Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Schuppenflechte und Akne. Gute Erfahrungen hat man auch bei Erschöpfung, Depressionen, Migräne, Tinnitus, Schlafstörungen, Burnout, Potenzstörungen und Restless legs gemacht.2

 

Wie kann man als Sportler von der Kältesauna profitieren?

 

Die Kältesauna ist im Leistungssport weit verbreitet. Ob Bundesliga, Tour de France, Boxkämpfe, Leichtathletik oder Olympiade: Drei Minuten in der Kältesauna vor und nach der sportlichen Leistung dienen der Regeneration und Leistungssteigerung. Die Muskeln reichern sich mit Sauerstoff an. Entzündungsstoffe werden schneller abtransportiert. Bei Verletzungen wie Prellungen, Quetschungen, Muskelfaserrissen, Verstauchungen und nach Operationen wird der Heilungsprozess beschleunigt und Schmerzen werden gelindert.2

 

Hilft Kältesauna beim Abnehmen?

 

Kältesauna zeigt zwei Effekte zur Unterstützung der Gewichtsreduktion: Als Direktwirkung gleicht der Körper die schlagartige Kälte durch kaum wahrnehmbares, feines Muskelzittern aus, das Wärme erzeugt. Um die Körpertemperatur aufrechtzuerhalten, wird so viel Energie wie bei einer Stunde Ausdauertraining verbraucht. Neben dieser Sofortwirkung wird bei wiederholter Anwendung das braune Fettgewebe aktiviert, um zusätzlich Wärme zu produzieren, die aus den Fettsäuren aus dem weißen Fettgewebe gewonnen wird. So trägt häufiges Kältesaunanieren auch zum Schmelzen der Fettvorräte bei.2 

 

Was tut Kältesauna für die Schönheit und das Wohlbefinden?

 

Die verbesserte Durchblutung kann das Hautbild verschönern und einen positiven Einfluss auf das Blutgefäßsystem bei Besenreißern und Krampfadern ausüben. Der aktivierte Stoffwechsel versorgt die Zellen schneller und besser mit Nährstoffen und Sauerstoff. Abbauprodukte werden rascher abtransportiert, Entgiftungsprozesse angekurbelt. Kältesauna gilt als Jungbrunnen für Haut, Körper und Seele. Das Immunsystem wird gestärkt. Cellulite wird entgegengewirkt. Der Körper wird entspannt, die Seele ausgeglichen und man wird geistig fit.2

 

Wie läuft ein Gang bei der Kältesauna ab?

 

Man legt die Kleidung bis auf Badehose oder Bikini ab und begibt sich in eine Ein-Personen-Kabine. Tür zu und los geht es. In drei Minuten ist die Temperatur auf bis zu -160 Grad abgesunken. Dann wird die Tür geöffnet und der Saunagang ist abgeschlossen.

 

Wer sollte nicht in die Kältesauna gehen?

 

In Kurheimen und Rehabilitationszentren wird der Patient vor dem Gang in die Kältesauna oder Kältekammer ärztlich untersucht. Das empfiehlt sich auch bei Erkrankungen, besonders im Herz-Kreislauf-Bereich. Schwangerschaft, Diabetes, Epilepsie, Asthma, Schlaganfall, Hirnblutung, Thrombosen und akute Infekte, z.B. der Atemwege oder des Harntrakts sind Ausschlusskriterien für den Besuch einer Kältesauna. Auch bei einer koronaren Herzkrankheit, Durchblutungsstörungen, Herz-Rhythmusstörungen, schweren Herzerkrankungen, unbehandeltem Bluthochdruck, nach Herzoperationen und mit einem Herzschrittmacher darf eine Kältesauna nicht besucht werden. Für den, der Probleme mit dem Heiß-Warm-Empfinden, Morbus Raynaud (Weißfingerkrankheit) oder leicht Platzangst hat, ist eine Kältesauna nicht geeignet.2

 

Wo kann man Kältesauna machen und was kostet es?

 

Außer in Kurzentren und Reha-Einrichtungen sind Kältesaunen inzwischen auch in größeren SPA- und Fitness-Einrichtungen zu finden. Drei Minuten Kälte pur kosten etwa 39 bis 49 Euro.

Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

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