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Traditionelle chinesische Medizin - Wirkung und Behandlungen

Kommentar schreiben Donnerstag, 08. November 2018

Die Traditionelle Chinesische Medizin, unter der Abkürzung TCM bekannt, ist eine Heilkunst aus dem Bereich der Alternativmedizin, dessen Ursprung in China zu finden ist. Bei der TCM sollen nicht nur die Symptome des Patienten behandelt werden, sondern der Energiefluss im Körper geheilt werden. Welche Behandlungsformen gibt es? Welche Krankheiten sprechen auf die Traditionelle Chinesische Medizin an? Mehr dazu im folgenden Beitrag.

 

Natürliche Heilwege

 

Obwohl die sogenannte Schulmedizin auf der Grundlage neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und vor allem modernster technisch-apperativer Entwicklungen einen sehr hohen Stand erreicht hat, bekommen gerade in unserer Zeit natürliche Heilverfahren eine rasch wachsende Bedeutung. Es ist demnach nicht selten, dass immer mehr Ärzte diese Verfahren in ihr Behandlungsrepertoire aufnehmen und sie mit Erfolg anwenden. Einen besonderen Stellenwert hat die Traditionelle Chinesische Medizin/ TCM angenommen, eine Heilkunst, welche sich vor über 200 Jahren in China herausbildetet und Therapieformen wie Akupunktur, Kräuterheilkunde, chinesische Ernährung beinhaltet, mit dem Ziel, den „freien Fluss der Energie“ des Menschen, Qi, wiederherzustellen, ihn in seine Mitte zurück zu bringen und einen Einklang mit Natur und Umwelt zu schaffen. Die Vielzahl der therapeutischen Verfahren werden auch als die „Säulen“ der Traditionellen Chinesischen Medizin bezeichnet. Ob ein Ungleichgewicht beim Patienten vorliegt, wird durch den Therapeuten anhand der ausführlichen Diagnostik erkannt. Ein ausführliches Anamnesegespräch, das das Gesamtbefinden des Patienten liefert, eine Zungendiagnose und die Pulsdiagnose bieten zur Diagnosestellung Hilfeleistung.

 

Was steckt hinter Akupunktur?

 

Vielen Menschen ist der Begriff der Traditionellen Chinesischen Medizin insbesondere durch die Behandlungsform der Akupunktur bekannt. Die Akupunktur wurzelt in der fernöstlichen Philosophie und spielt mit ihren verschiedenen Formen eine wichtige Rolle in der Traditionellen Chinesischen Medizin. Sie findet in einer modifizierten Form aber auch immer mehr Eingang in die westliche Medizin. Zudem besteht die Möglichkeit, die westlichen und östlichen Verfahren zu kombinieren. Alle Formen der Akupunktur wirken durch Reizung (Stich, Berührung) der Körperoberfläche auf die inneren Organe. Körperäußeres und Körperinneres stehen in einem engen Zusammenhang, der auf reflektorischen, über das Nervensystem vermittelten Beziehungen beruht. So können über einen äußeren Reflex innere Vorgänge beeinflusst werden. Üblich ist eine Behandlungsdauer von zwanzig bis dreißig Minuten pro Sitzung. Akute Krankheiten können sogar täglich punktiert werden, chronische meist ein- bis zweimal pro Woche. Eine Behandlungsserie erstreckt sich normalerweise über zehn bis fünfzehn Sitzungen. Der Patient sollte liegen, um einen Kreislaufkollaps vorzubeugen. Die Einstiche erfolgen mit sterilen Nadeln an ganz bestimmten Punkten und so tief, bis der Patient die sogenannte De-Qui-Sensation verspürt, ein dumpfes, drückendes oder kribbelndes Gefühl. Die Akupunktur wird bei einer ganzen Reihe verschiedener Krankheiten empfohlen, unter anderem bei

 

  • Lähmungen
  • Allergien
  • vegetativen und psychosomatischen Störungen
  • Hauterkrankungen
  • Frauenleiden
  • Neuralgien
  • akute Schmerzzustände des Bewegungsapparates (Prellungen, Zerrungen, Verstauchungen)

 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) listet mehr als vierzig Erkrankungen auf, bei denen die Akupunktur zumindest als Begleitmaßnahme empfohlen wird und gilt somit als allgemein anerkannt. Durch die Akupunktur die Fähigkeit zur Selbstheilung verstärkt. Zu beachten ist aber auch, dass die Akupunktur nicht als Monotherapie zu verstehen ist, sondern wird üblicherweise mit anderen Heilverfahren kombiniert. Eine Kontraindikation besteht bei unklarer Diagnose, da die Akupunktur das Krankheitsbild „verschleiert“. Ebenso sollte unbedingt auf diese Methode verzichtet werden, wenn die Reserven des Körpers zur Selbstheilung erschöpft sind, zum Beispiel bei schweren psychischen und neurologischen Erkrankungen.

 

Wie sieht die Ernährung bei TCM aus?

 

In der Traditionellen Chinesischen Medizin spielt auch die Ernährung eine sehr wichtige Rolle. Die Ernährung trägt dazu bei, dass die Harmonie zwischen Energie, Yang, und Materie, Yin, im Körper wiederhergestellt wird und erhalten bleibt. Nur wenn ein harmonisches Gleichgewicht zwischen den sich gegenseitig anziehenden Gegensätze besteht, ist es möglich, dass die Lebensenergie Qi ungestört fließen kann und Gesundheit, Wohlbefinden und seelische Ausgeglichenheit gefördert werden. Zentraler Bestandteil ist die sogenannte „Fünf-Elemente-Ernährung“ mit den Elementen Erde, Metall, Wasser, Holz und Feuer, die für die fünf Geschmacksrichtungen stehen sollen. Die Elemente nehmen Einfluss auf die Körperfunktionen und sind verschiedenen Organen zugeordnet. Folgende Elemente werden folgenden Lebensmitteln zugeordnet:

 

  • Holz: saure Nahrung wie Äpfel und Essig

  • Feuer: bittere und rote Lebensmittel wie Kaffee oder Rotwein

  • Erde: süße oder gelbe Nahrung wie Kartoffeln und Wurzelgemüse

  • Metall steht für weiß, grau und scharfe Lebensmittel wie Ingwer, Knoblauch und getrocknete Gewürze

  • Wasser verkörpert schwarz und salzig, Fisch und Algen gehören beispielsweise zum Wasserelement.

 

Was steckt hinter der Kräutertherapie?

 

Eine weitere wichtige Rolle in der Traditionellen Chinesischen Medizin spielt die Kräutertherapie, bei der mehr als 500 Arzneimittel zum Einsatz kommen und ausschließlich pflanzlichere, tierischer oder mineralischer Herkunft sind. Eine individuell erstellte Kräuterverordnung abgestimmt auf die Symptomatik der Patienten erfolgt dann. In China erhalten zwei Drittel aller Patienten individuell verordnete Kräutertherapeutika in Form von Tees oder als Pulver oder in Form von Kapseln/Tabletten. Wie auch in der westlichen Schulmedizin scheint auch in der Chinesischen Medizin gegen fast jede Erkrankung ein Kraut gewachsen zu sein. Ob die Kräutertherapie allerdings eine spürbare Besserung oder Heilung bewirken kann, hänge von der Schwere und Chronizität der Erkrankung ab. Erkrankungen, die besonders gut auf die chinesische Arzneimitteltherapie ansprechen, sind unter anderem:

 

  • Magen und Darmerkrankungen, wie Reizmagen, Reizdarm, Gastritis, Colitis, Morbus Chron
  • Atemwegserkrankungen, wie Sinusitis, Asthma bronchiale, Bronchitus
  • Hauterkrankungen, wie Neurodermitis und Akne
  • gynäkologische Erkrankungen, wie Menstruationsprobleme, Unfruchtbarkeit, Zysten, Myome, Schwangerschaftsprobleme, klimatische Beschwerden
  • Urogenitale Erkrankungen, wie Impotenz, Prostatitis
  • Kinderkrankheiten
  • Infektiöse Erkrankungen
  • Schlaflosigkeit
  • Migräne
  • stressbedingte Beschwerden
  • Depressionen
  • Rheuma

 

Chinesische Kräuter können in jedem Alter eingenommen werden; die Dosis wird dementsprechend an Alter, Körpergewicht und Lebensgewohnheiten des Patienten angepasst. In Abhängigkeit von Schwere und Dauer der Erkrankung kann die Einnahme der Kräuter von einer Woche bis hin zu mehreren Monaten variieren. In regelmäßigen Abständen wird der Patient untersucht, um sicherstellen zu können, dass die Rezeptur wirksam bleibt. Eine Selbstmedikation ist – wie in der westlichen Schulmedizin – auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin nicht zu empfehlen und dringend abzuraten. Zur Ausübung der chinesischen Arzneimitteltherapie ist ein umfassendes Studium und langjährige Erfahrung nötig.

J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Judith Ehresmann ist als gelernte Operationstechnische und Chirurgischtechnische Assistentin in einem Krankenhaus beschäftigt. Das Schreiben hat sich immer mehr als Gegengewicht zu ihrem Vollzeitberuf im Gesundheitswesen entwickelt. Vor allem auch als Ausdruck ihres medizinischen Interesses, mit dem Wunsch, dieses auf ihre Mitmenschen zu übertragen. Frau Ehresmann schreibt unter anderem für den Thieme Verlag und ist seit November 2014 auch als Autorin für apomio.de tätig.

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