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Präsentismus – Wenn Menschen krank zur Arbeit gehen

Kommentar schreiben Montag, 14. September 2020

In unserer westlichen Leistungsgesellschaft ist es leider keine Seltenheit, dass Arbeitnehmer krank am Arbeitsplatz erscheinen. Dieses Phänomen hat sogar einen eigenen Namen – Präsentismus. Gründe für Präsentismus sind ganz verschieden. Sie reichen von Angst vor Arbeitsplatzverlust bis hin zu überhöhtem Pflichtgefühl. Dabei ist niemandem geholfen, wenn Mitarbeiter krank arbeiten gehen. Sowohl die Gesundheit der Arbeitnehmer, als auch die Produktivität der Firmen, nimmt durch Präsentismus nämlich langfristig Schaden.

Im folgenden Artikel beschäftigen wir uns eingehend mit dem Phänomen Präsentismus. Was versteht man darunter konkret? Weshalb erscheinen Arbeitnehmer krank am Arbeitsplatz und was sind langfristige Folgen für Mitarbeiter und Unternehmen? Abschließend möchten wir den Fokus darauf lenken, wie Präsentismus durch Mitarbeiterzufriedenheit und betriebliche Gesundheitsförderung entgegengewirkt werden kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Präsentismus?

Als Präsentismus bezeichnet man ein Phänomen, das in unserer optimierten Leistungsgesellschaft leider längst keine Seltenheit mehr ist. Es leitet sich vom Begriff Präsenz für Anwesenheit ab. Vor allem in Bereichen wie der Arbeitspsychologie oder Arbeitsmedizin gelangt Präsentismus immer stärker in den Fokus. Grundsätzlich bezeichnet man damit den Umstand, dass Arbeitnehmer krank am Arbeitsplatz erscheinen. Gründe hiEine Frau und ein Mann schlagen sich die Hände vor ihr Gesicht wegen des wirtschaftlichen Lage.erfür können vielfältig sein und reichen von Sorgen um den Job bis hin zu überhöhtem Pflichtgefühl.Bei Präsentismus spielen stets auch Leistungsfähigkeit sowie Produktivitätsverluste eine Rolle. Aus Sicht des Unternehmens ergibt sich dadurch eine spezielle Definition von Präsentismus. Hierbei wird das Phänomen unter dem Aspekt von Produktivitätsverlusten anwesender Mitarbeiter aufgrund diverser Gesundheitsprobleme beleuchtet. Als Vergleichsgrundlage dient stets die individuelle Normalleistung, die derselbe Mitarbeiter bei vollständiger Gesundheit liefert.2 

Studien zum Thema gestalten sich manchmal etwas schwierig. Nicht nur müssen (arbeitsrechtliche) Unterschiede zwischen einzelnen Ländern berücksichtigt werden, auch sind Ergebnisse maßgeblich von der Selbsteinschätzung der Arbeitnehmer abhängig. Nach aktueller Studienlage darf man aber davon ausgehen, dass europaweit eine nicht unerhebliche Anzahl von Arbeitnehmern zumindest tageweise krank arbeiten geht. Parallel dazu nehmen Krankenstandzahlen vielerorts kontinuierlich ab beziehungsweise zeigen sich gleichbleibend niedrig.3

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Warum geht man krank arbeiten?

Arbeitnehmer erscheinen aus vielerlei Gründen krank am Arbeitsplatz. So sind es etwa konkrete Ängste vor Konsequenzen – bis hin zum Verlust des Arbeitsplatzes – die dazu führen, dass sich manche Mitarbeiter krank zur Arbeit schleppen. Vor allem bei niedrig qualifizierten Kräften ist das ein wachsendes Problem. Auch beruflicher Stress, Zeitdruck, Schwierigkeiten mit Vorgesetzten oder Kollegen sowie überhöhtes Pflichtgefühl begünstigen Präsentismus.

In vielen Fällen ist auch schlicht keine Vertretung vorhanden, die anfallende Aufgaben erledigen könnte.4

 

Zudem kann man beobachten, dass der Irrglaube, am Arbeitsplatz unersetzlich zu sein, in wirtschaftlichen schwierigen Zeiten besonders stark vorherrschend ist. Auch die Unternehmenskultur selbst (Zusammenhalt zwischen Kollegen, Führungsqualitäten) wirkt sich hier aus.Deutlich ist überdies, dass das Phänomen Präsentismus besonders häufig in Berufssparten auftritt, in denen eine hohe soziale Verantwortung gegeben ist. Vor allem im Gesundheits-, Bildungs- und Sozialbereich spielt hier auch der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften eine Rolle.

Wenn der Personalschlüssel niedrig ist, fällt es Mitarbeitern ungleich schwerer, im Falle von Erkrankungen das Bett zu hüten. Zu sehr nagt dann das schlechte Gewissen, die Kollegen im Stich gelassen zu haben. Auch in Führungsebenen ist Präsentismus nicht unbekannt. Hier sind vor allem Konkurrenzdruck und Ängste vor Konsequenzen in Bezug auf Karrierechancen ausschlaggebend. Nicht zuletzt ist die Wahrscheinlichkeit, krank arbeiten zu gehen, dann erhöht, wenn man nur über einen befristeten Vertrag verfügt beziehungsweise zu den Berufsanfängern zählt.6

Gründe für Präsentismus im Überblick:

  • Angst vor beruflichen Konsequenzen

  • Angst vor Arbeitsplatzverlust

  • Niedrige berufliche Qualifizierung
  • Berufseinsteiger/befristeter Dienstvertrag
  • Beruflicher Stress, Zeitdruck, keine Vertretung
  • (falsches) Verantwortungsgefühl gegenüber Kollegen
  • Unternehmenskultur (Schwierigkeiten mit dem Vorgesetzten oder Kollegen)
  • Wirtschaftlich schwierige Zeiten
  • Niedriger Personalschlüssel
  • Konkurrenzdruck

Auswirkungen von Präsentismus auf Körper und Psyche

Dass es sich kurz- wie langfristig negativ auswirken muss, regelmäßig krank zur Arbeit zu erscheinen, ist nachvollziehbar. Durch Präsentismus wird Raubbau am eigenen Körper betrieben. Physische und Psychische Ressourcen schwinden, was die Krankheitsanfälligkeit nur wiedeFrau schlägt ihre Hände vor ihr Gesicht. Vier Zeigefinger zeigen vorwurfsvoll auf sie und dadurch wird sie zur Zielscheibe.r erhöht.Kurieren sich Arbeitnehmer nicht entsprechend aus, schlägt sich das auf den Gesundheitszustand nieder. Ernstzunehmende Konsequenzen sind dann nicht selten. So dauern Erkrankungen viel länger beziehungsweise sind im schlimmsten Fall auch Langzeitfolgen nicht auszuschließen. Ebenso kommt es vermehrt zu stärkeren Rückfällen, wenn Mitarbeiter noch nicht völlig genesen ihre Arbeit wieder aufnehmen. Grundsätzlich darf man auch nicht unterschätzen, wie stark sich selbst leichte Erkrankungen auf Konzentration und Effizienz auswirken.8  Dass das Verschleppen von Krankheiten vergleichsweise einfach möglich ist, liegt in unserem Immunsystem begründet.

So hat kontinuierlicher Stress, wie er etwa im Arbeitsprozess auftritt, immunsuppressive Wirkung. Die Immunreaktion wird im aktiven Tun also unterdrückt. Dabei ist die Erkrankung selbst aber natürlich weiterhin vorhanden, Krankheitserreger vermehren sich unbemerkt.

Nach Feierabend, wenn der Stress nachlässt, reagiert das Immunsystem dann mitunter deutlich. Verheerende Auswirkungen aufgrund verschleppter Erkrankungen sind gar nicht so selten – man denke etwa an Herzmuskelentzündungen.9

Präsentismus hat auch für Unternehmen Folgen

Unabhängig von körperlichen und psychischen Folgen für den Arbeitnehmer selbst, zeichnet sich Präsentismus auch dadurch aus, dass sich Konsequenzen für das Unternehmen ergeben. Hier stehen Produktivitäts- und Qualitätseinbußen um Fokus und damit ein Schaden für den Arbeitgeber.10

Erscheinen Mitarbeiter krank zur Arbeit, sinkt die Produktivität mitunter immens. Parallel dazu steigen Fehleranfälligkeit und Unfallgefahr. Auch ist das Risiko gegeben, dass Mitarbeiter, die trotz Erkrankung arbeiten, dauerhaft ausfallen. Nicht zuletzt ist natürlich die Wahrscheinlichkeit hoch, dass bisher gesunde Kollegen angesteckt werden.11

Zwar ist die Datenlage zu Präsentismus noch recht spärlich, doch je nach Quelle, kann man davon ausgehen, dass die Verluste durch Mitarbeiter, die krank zur Arbeit erscheinen, für eine Firma  zumindest ebenso hoch sind, wie durch Krankenstände selbst. In vielen Fällen sind Einbußen sogar höher.

Ein Mehrwert ergibt sich unterm Strich also für niemanden, wenn Mitarbeiter krank arbeiten gehen.12

 

Präsentismus: Bewusstsein schaffen ist wichtig

Um Präsentismus zu vermeiden, ist es unumgänglich, sich diesen bewusst zu machen. Hier lohnt es sich, genau hinzuschauen. Kommt es vor, dass Mitarbeiter krank zur Arbeit erscheinen? Wenn ja, was sind die Gründe dafür? Welche Bedingungen müssten Mitarbeiter vorfinden, um Erkrankungen ohne schlechtes Gewissen daheim auskurieren zu können?

Fakt ist, dass Unternehmen, in denen eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit herrscht, weniger von Krankenständen sowie Präsentismus betroffen sind. Mitarbeiterzufriedenheit ist etwas, das sich mit Hilfe anonymisierter Fragebögen gut abbilden lässt. Folgend können verschiedene Maßnahmen ergriffen werden, um die Mitarbeiterzufriedenheit noch zu steigern beziehungsweise zu optimieren (etwa Arbeitsplatzgestaltung, Fokussierung auf Work-Life-Balance, Feedback, Teambuilding,…).

In diesem Zusammenhang kommt auch der betrieblichen Gesundheitsförderung wachsende Bedeutung zu. Viele Unternehmen haben bereits verstanden, dass ihre Produktivität und Leistungsfähigkeit in besonderem Maße von zufriedenen, motivierten und gesunden Arbeitnehmern abhängig ist.

 

Daniela Jarosz
Autor: Daniela Jarosz

Daniela Jarosz ist Sonder- und Heilpädagogin. Während des Studiums hat sie sich intensiv mit Inhalten aus Medizin und Psychologie auseinandergesetzt. Sie arbeitet seit vielen Jahren im psychosozialen Feld und fühlt sich außerdem in der freiberuflichen Tätigkeit als Autorin zuhause. Im redaktionellen Bereich hat sie sich auf die Fachrichtungen Medizin, Gesundheit, Nachhaltigkeit, Work-Life-Balance sowie Kinder und Familie spezialisiert.

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