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Maden, Knabberfische und Schweine-Peitschenwürmer – Was die Tierchen für Ihre Gesundheit tun können

Kommentar schreiben Freitag, 18. Oktober 2019

Auch wenn man es sich nicht vorstellen mag: Maden von Schmeißfliegen können die letzte Rettung bei absterbendem Gewebe sein. Lucilia serica, wie sie mit wissenschaftlichem Namen heißen, können Wunden säubern und ihre Heilung beschleunigen. Entdeckt hat man die Heilwirkung in Kriegszeiten, als Feldärzte bei Verletzten mit Madenbefall saubere, schnell heilende Wunden beobachteten. Heute setzt man diese Biochirurgen, wie man die Maden neben Blutegeln und Knabberfischen nennt, bei offenen Beinen, diabetischem Fuß und Resistenzen gegen Antibiotika erfolgreich ein. Knabberfische bearbeiten Haut mit Schuppenflechte und Neurodermitis und Eier von Schweine-Peitschenwürmern lenken das Immunsystem ab, so dass Autoimmunerkrankungen gelindert werden können. Lesen Sie hier, wie die kleinen Tierchen die Gesundheit fördern können. 

 

Wie funktioniert eine Madentherapie?

 

Die Maden geben mit ihrem Speichel Verdauungsenzyme ab, die abgestorbenes Gewebe auflösen. Gesundes Gewebe bleibt davon unberührt. Auf diese Weise arbeiten sie exakt, lösen nur tote Zellen auf und verspeisen die flüssige Masse, die daraus entsteht. Außerdem geben sie antibiotische Gase ab, die krankmachende Bakterien in der Wunde abtöten.1 Die Substanzen im Speichel und die Ganzkörperausdünstung tragen auch dazu bei, Ödeme zu reduzieren und die Durchblutung in den feinsten Gefäßen zu verbessern.1

 

Wie werden die Maden gezüchtet?  

 

Die Fliegen werden in großen Käfigen gehalten. Nach der ersten Lebenswoche legen die Weibchen 10- bis 25-mal pro Woche etwa 100 Eier auf bereitgestellte Leberstücke. Die Eier werden aufgesammelt und desinfiziert. Dann bringt man sie auf Blutagar, auf dem schon nach einem Tag die Larven schlüpfen. Auch sie werden desinfiziert und auf einer Nährlösung gehalten. Nach bakteriologischen Kontrollen können die Larven in sterilen Gefäßen verpackt und versendet werden.2

 

Wie läuft eine Madentherapie ab?

 

Die sterilen Maden werden aus dem Gefäß auf ein Kunststoffgewebe gespült und damit über die Wunde gestülpt. Alternativ können sie ohne direkten Kontakt, aber mit demselben Effekt in einer Bio-Bag aus Kunststoff verpackt auf die Wunde gegeben werden. Die Wunde wird mit einer Hydrokolloidpaste am Rande abgedeckt, um die gesunde Umgebung zu schützen und das Entweichen der Larven zu verhindern. Fixiert wird mit einem Fixierfließ. Mehrere Lagen Mull stellen sicher, dass die Absonderungen aus der Wunde aufgenommen werden. Nach 4 Tagen Behandlung werden die Larven mit dem Verbandsmaterial entfernt und in einem verschließbaren Behälter entsorgt.

 

Tut Madentherapie weh?

 

Neben leichtem Kribbelgefühl und Jucken kann es in seltenen Fällen zu Schmerzen kommen, die mit Opiaten gelindert werden.

 

Wann wird die Madentherapie angewendet? 

 

Schlecht heilende Wunde wie ein offenes Bein oder eine diabetische Gangrän am Fuß sind ebenso Anwendungsbereiche wie die Infektion mit multiresistenten Keimen, gegen die Antibiotika nichts mehr ausrichten können, Knochenhautentzündungen und Wundliegen (Dekubitus). Gerade ältere Patienten ziehen ein biologisches Verfahren einer Operation vor.2

 

Zahlt die Krankenkasse für eine Therapie mit Fliegenmaden?  

 

Maden zum therapeutischen Einsatz gelten als rezeptpflichtige Arzneimittel. Sie werden vom Arzt verschrieben und die Kosten von der Krankenkasse erstattet.1

 

Was sind die Vorteile gegenüber konventioneller Wundbehandlung?   

 

Die Therapie mit Maden bekämpft effektiv multiresistente Keime. Das Säubern der Wunde findet möglichst schonend statt, da nur absterbendes Gewebe „behandelt“ wird. Der Patient benötigt keine Narkose und erspart sich die Risiken einer Operation. Die Wundheilung ist meist schneller. Madentherapie kann möglicherweise eine Amputation verhindern.1

 

Wie bearbeiten Kangal Knabberfische die Haut bei Schuppenflechte und Neurodermitis?

 

Sie stoßen die verschuppte Haut weich, sondern ihren Schleim ab, geben eine Mikromassage und knabbern die Hautschüppchen ab. Insbesondere wenn das Nahrungsangebot knapp ist, stürzen sich die Doktorfische, wie sie auch heißen, auf das schuppenreiche Angebot. Das ist in den heißen Quellen von Kangal in der Türkei der Fall. Die kleinen Fische sind hungrig und freuen sich über die Kurgäste mit schuppiger Haut. Diese erfahren Linderung nach der Kur. Bei manchen Patienten besteht Beschwerdefreiheit bis zu einem Jahr.3

 

Wie sieht eine Therapie mit Kangal Knabberfischen aus?

 

Im türkischen Kangal werden Pauschalreisen von drei Wochen angeboten. Zweimal täglich badet der Patient zwei bis vier Stunden lang in den Becken des Thermalbads, in dem zwei Arten von Fischen in der Größe von drei bis 12 Zentimeter leben: Die Einen stoßen die befallenen Hautstellen weich und die Anderen säubern und putzen sie danach. Die Temperatur des Thermalwassers ähnelt der des Körpers. Das Wasser wirkt antiseptisch und kann die Übertragung von Krankheiten verhindern. Die Mineralstoffe im Thermalwasser unterstützen die Wundheilung. Mit zur Kur gehört das Trinken von drei bis fünf Gläsern des Thermalwassers, um auch Heilimpulse von innen zu setzen.4 Die Kur soll dazu beitragen, die Haut zu glätten und Hautverspannungen und Juckreiz zu verringern. 

 

Ist die Behandlung auch in Deutschland möglich? 

 

Fischtherapie bei Hauterkrankungen wie Schuppenflechte und Neurodermitis wird von Heilpraktikern, Hautärzten und Kliniken angeboten. Die Kasse zahlt nicht. Inzwischen bieten Kosmetikerinnen, Nagelstudios, Friseure und Fish-SPA-Institute Fischtherapie und Fischpediküre an, die schon aus rechtlichen Gründen keinen Anspruch erheben dürfen, zur Heilung von Krankheiten beizutragen. Da die Fische nur kitzeln und kribbeln, kann man bei sehr trockener Haut sicher einen Versuch mit der Fischpediküre für 15 bis 30 Euro starten. 

 

Was ist ein Schweine-Peitschenwurm?

 

Der Schweine-Peitschenwurm (Trichuris suis) ist ein Parasit, der ausschließlich den Dickdarm von Schweinen befällt und im Organismus des Menschen höchstens zwei Wochen überleben kann. Das heißt, die Aufnahme seiner Eier stellt keine Gefahr dar.

 

Was bewirken die Eier des Schweine-Peitschenwurm im Darm des Menschen?

 

Die Eier rufen das Immunsystem auf den Plan, das sich nicht länger „aus Langeweile“ mit dem Befeuern von Autoimmunerkrankungen wie Colitis ulcerosa, Morbus Crohn und Multipler Sklerose beschäftigen muss, sondern echte Feinde bekämpfen kann. Denn nach der Hygienetheorie steigt die Zahl der Allergie- und Autoimmunerkrankungen in Ländern an, in denen der Mensch und insbesondere die Kinder in einem übermäßig hygienischen Umfeld leben, in dem das Abwehrsystem nicht mehr gefordert wird. Also verschafft es sich selbst Arbeit und erklärt harmlose Pollen und körpereigene Substanzen als Feinde. Wird ihm mit den Wurm-Eiern eine reale, alternative Angriffsfläche geboten, stürzt es sich darauf und die Darmschleimhaut kann regenerieren. 80 % der behandelten Patienten sind symptomfrei. Die Methode kann auch als Ablenkungsmanöver bei Multipler Sklerose funktionieren und die Behandlung von Autismus unterstützen.5 Die immunstimulierende Wirkung ist durch Studien belegt.6 Für die Therapie erhält der Patient ein Mischgetränk aus Wasser und 2500 winzig kleinen Eiern verbreicht.

Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

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