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Dekubitus: Wenn durch Wundliegen Durckgeschwüre entstehen

Kommentar schreiben Freitag, 27. Oktober 2017

Wenn sich Wunden bilden: Viele pflegebedürftige und bettlägerige Personen leiden unter Druckgeschwüren am Körper. Bei Dekubitus wird die Haut durch den Druck des eigenen Körpers geschädigt und nachhaltig verletzt. Die Therapie ist oft langwierig, die Geschwüre schmerzhaft. Eine gute Pflege ist die beste Prävention des Wundliegens. Erfahren Sie hier mehr über Dekubitus.  Der Dekubitus ist in Deutschland weit verbreitet: Jedes Jahr treten etwa 400.000 neue Fälle auf, die ärztlich behandelt werden müssen. Vor allem bettlägerige Krankenhaus-, Pflege- oder Komapatienten und Rollstuhlfahrer leiden unter den Druckgeschwüren. Der Dekubitus gehört – wie auch der Diabetische Fuß – zum Krankheitsbild der chronischen Wunden.

Dekubitus: Zu viel Druck auf dem Gewebe

Das Wundliegen entsteht, wenn zu viel Druck auf einer bestimmten Hautstelle lastet. Häufig sind Körperstellen betroffen, an denen der Knochen nicht durch Fettreserven oder Gewebe geschützt ist. Durch den Druck des eigenen Körpers kommt es zu einer Schädigung der kleinen Blutgefäße. Das umliegende Gewebe wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Außerdem funktioniert der venöse Abtransport des Kohlenstoffdioxids nicht mehr richtig – Stoffwechselendprodukte lagern sich in das Gewebe ein und es stirbt ab (Nekrose). Bei gesunden Menschen setzt bei zu großem Druck auf das Gewebe ein Bewegungsreflex ein. Liegen wir etwa im Schlaf zu lange auf einer Stelle und bleibt dadurch die Durchblutung aus, bewegen wir uns unwillkürlich. Bei älteren Patienten kann dieser Reflex ausbleiben oder stark abgeschwächt sein. Einige Medikamente, Koma, Lähmung oder eine verminderte Empfindung können so zu einem Druckgeschwür beitragen.

Druckgeschwüre können überall entstehen

Die Druckgeschwüre können an jeder Körperstelle vorkommen. Bei bettlägerigen Patienten sind meist Rücken, Schulterblätter, Steißbein, Hüften oder Fersen betroffen. Bei Rollstuhlfahrern kommt es häufig zu offenen Wunden in den Kniekehlen, an den Fußsohlen und am Gesäß. Bei längeren Operationen in Bauchlage können die Druckgeschwüre auch auf der Körperfront auftreten. Durch ein herabgesetztes Schmerzempfinden der Patienten kann es passieren, dass der Betroffen nichts von dem Absterben des Gewebes bemerkt. Die typischen Symptome wie Schmerzen, Juckreiz und Pochen bleiben bei älteren Personen auch einmal aus. Auch gelähmte Menschen spüren nichts von der einsetzenden Nekrose.

Risikofaktor: Geschädigte Haut, Reibung, Empfindungsstörung

Als Risikofaktor für ein Druckgeschwür zählt vor allem das natürlich Nachlassen der Hautelastizität. Im Alter wird die Epidermis weniger widerstandsfähig und verliert an Spannkraft. So kommt es bei Scherkräften (etwa wenn der Rollstuhlfahrer im Stuhl nach unten rutscht) leicht zu einer Verletzung der Haut. Ältere Menschen haben weniger Durst und trocknen leicht aus. Auch das ist ein Faktor, der Schäden an der Haut begünstigt. Häufig sind bettlägerige Patienten unterernährt – sowohl die fehlenden Nährstoffe als auch die fehlenden Fettdepots begünstigen die Entstehung von Druckgeschwüren. Starkes Schwitzen und Inkontinenz sind ein weiterer Risikofaktor. Denn: Ist die Haut permanent feucht, entstehen leichter Wunden, die sich zudem infizieren können. Personen, die an einer Grunderkrankung leiden sind häufig anfälliger für die Bildung eines Dekubitus. Diabetiker leiden meist unter einer verminderten Empfindung in den Extremitäten und spüren daher die schmerzenden Hautareale nicht unbedingt.

Schweregrad der Geschwüre bestimmen

Bei regelmäßigen Kontrollen der Haut der Patienten muss auf mögliche Veränderungen geachtet werden. So kann ein Geschwür im Anfangsstadium entdeckt und leichter behandelt werden. Dekubitus Grad 1: Die betroffene Hautstelle ist leicht rot und gereizt. Nach einer Entlastung des Gewebes geht die rote Stelle nicht zurück; bei Druck auf die Stelle färbt sich die Haut nicht (wie gewöhnlich) hell. Dekubitus Grad 2: Es kommt durch die Schädigung der Haut zur Bildung von Blasen und Schürfwunden auf der Oberfläche. Dekubitus Grad 3: Es ist eine offene Wunde sichtbar. Die Schädigung reicht von der obersten Hautschicht bis zum Muskel- und Fettgewebe. Dekubitus Grad 4: Das Geschwür reicht bis auf den Knochen; dieser kann entzündet sein. Das Gewebe ist nekrotisch (abgestorben) und die bläuliche Wunde kann übel riechen. Bereits eine leichte Veränderung der Haut an den kritischen Stellen sollte dem Pflegepersonal, den Angehörigen oder dem behandelnden Arzt bei den täglichen Untersuchungen auffallen. Die Diagnose Dekubitus kann der Arzt bei der Betrachtung der betroffenen Stelle äußern. Bei den Stadien drei und vier können Röntgenaufnahmen Klarheit über die Beteiligung von Knochen bringen.

Infektion der Wunde möglich

Eine offene Wunde stellt immer ein Gesundheitsrisiko  dar. Vor allem bei angeschlagenen Patienten kann es zu einer Blutvergiftung (Sepsis), einer bakteriellen Infektion der Wunde oder einer Knochen(haut)entzündung kommen. Deshalb ist eine ärztliche Behandlung von Druckgeschwüren immer notwendig. Offene Wunden müssen mit einem sterilen, feuchten Verband abgedeckt werden, damit sie heilen können und nicht mit dem Verband verkleben. Die Verbände müssen mehrmals täglich erneuert werden. Wundauflagen, die Zusatzstoffe wie desinfizierende Mittel, Öle oder Duftstoffe enthalten, können die Haut zusätzlich reizen und zu allergischen Reaktionen führen und das Leiden verschlimmern. Die psychische Belastung einer permanent offenen Wunde darf bei der Behandlung des Druckgeschwürs nicht außer Acht gelassen werden: Viele Patienten leiden unter der langwierigen Wunde und können eine Depression entwickeln. Auch soziale Isolation oder verminderter Appetit können durch die Belastung entstehen.

Behandlung des Dekubitus: Entfernen des abgestorbenen Gewebes

Wird ein Druckgeschwür entdeckt, wird der Patient sofort umgelagert, sodass die betroffene Hautstelle nicht weiter belastet wird. Das abgestorbene Gewebe muss umgehend entfernt werden. Das geschieht meist während eines operativen Eingriffs. Auch mittels Enzymen oder Fliegerlarven können Mediziner die Wunde behandeln. Ist eine große Fläche betroffen, kann ein plastischer Chirurg eine Hauttransplantation vornehmen, um die Oberfläche zu schließen. Nach dem Eingriff wird die Wunde regelmäßig gereinigt und neu verbunden, damit eine Infektion der ausbleibt. Auch hier können feuchte Verbände oder eine Vakuumversiegelung zum Einsatz kommen.

Verhindern eines Druckgeschwürs: Umlagerung der Patienten

Damit es nicht so weit kommt ist es wichtig, gefährdete Körperstellen bei bettlägerigen Patienten regelmäßig zu entlasten. Geschultes Krankenhaus- und Pflegepersonal wird den Betroffenen mehrmals in der Stunde umlagern. Er wird von der Rücklage etwa auf die Seite gedreht und die Position mit Decken und eingerollten Handtüchern so unterstützt, dass sie gehalten werden kann. Zusammengerollte Handtücher unter den Waden können etwa Druckstellen an den Fersen vermeiden. Vor allem bei Komapatienten und querschnittsgelähmten Personen können spezielle Dekubitus-Matratzen Abhilfe leisten. Sie bestehen aus mehreren Kammern, die sich abwechselnd mit Luft füllen und so verschiedene Körperstellen entlasten. Diese Unterlagen sind allerdings kein Ersatz für eine fachgerechte und regelmäßige Umlagerung! Eine eiweißreiche Ernährung, Hautpflege und Bewegungsübungen helfen bettlägerigen Patienten zudem dabei Druckgeschwüre zu vermeiden. Durch die gesunde und ausgewogene Ernährung wird die Haut gestärkt und weniger anfällig für Verletzungen. Physiotherapie regt die Durchblutung an, mobilisiert zudem die körperlichen Strukturen und trägt dazu bei das Wundliegen zu verhindern.

Lisa Vogel
Autor: Lisa Vogel

Von Juli 2014 bis März 2018 arbeitete Lisa Vogel als Werkstudentin in der Redaktion bei apomio.de und unterstützt das Team nun als freie Autorin. Sie hat ein Studium im Fach Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften und Medizin an der Hochschule Ansbach mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen. Hier erlangte sie sowohl journalistische als auch medizinische Kenntnisse. Derzeit vertieft sie ihre medialen Kenntnisse im Master Studium Multimediale Information und Kommunikation.

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