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Warum Männer immer eher an Sex denken und Frauen nicht

Kommentar schreiben Dienstag, 21. Januar 2020

In Punkto Sex haben immer noch Klischees die Oberhand: Die zärtliche Frau und der begierige Mann. Männer denken häufiger an Sex. Sie wollen ständig ihre Männlichkeit beweisen und die Konkurrenz ausstechen. Frauen sind brav, wollen lieber schmusen und verbinden Sex gleich mit Liebe und fester Beziehung. Frauen brauchen Gefühle beim Sex und einen Versorger. Männer sind Haudegen und wollen nur Bestätigung. Ist das so? Oder werden wir so gemacht? Wie haben sich die Rollen seit Adam und Eva gewandelt? Welche (kleinen) Unterschiede gibt es wirklich? Und wo können die Geschlechter über ihren Schatten springen und den Spieß umdrehen?

 

Ein paar Fakten zum Sex von Mann und Frau

 

Fantasien beim Sex: 29 % der befragten Frauen träumen von Sadomaso, 28 % von Sex mit mehreren Männern. Beim Mann nimmt Sex mit mehreren Frauen den ersten Platz ein.

57 % der befragten Männer können sich gut einen Seitensprung vorstellen, 47 % der Frauen ebenso.

61 % der befragten Männer schauen gerne alleine Pornos, bei Frauen sind es nur 29 %, allerdings haben 33 % Pornos mit ihren Partnern zusammen angeschaut.

Gut 30 % der Männer über 80 haben ein aktives Sexualleben und 25 % der Frauen mit 80 plus auch.1 Also richtig groß sind die Unterschiede nicht. Wenn man von den Pornos absieht. Vielleicht genügt der Frau in dem Fall ihre blühende Fantasie.

 

In „Die versteckte Lust der Frauen“ des amerikanischen Autors Daniel Bergners ist die Frau noch weniger für Monogamie geschaffen als der Mann. Ihre Lust ist aus seiner Sicht größer und sie kann genauso sexuelle Begierde nach einem Mann haben, ohne in ihn verliebt zu sein und ihn gleich heiraten zu wollen, wie der Mann auch. Das Klischee der sich zierenden, emotionalen Frau versus Rambo, der immer will und kann, entspricht nicht der Wirklichkeit. Die Frau kann und will mehr. Sie muss sich nur von den gesellschaftlichen Vorstellungen frei machen.

 

Welche Unterschiede machen Hormone im Sexualleben von Mann und Frau aus?

 

Hormone haben Einfluss auf die Stimmung, ob Mann oder Frau geneigt sind, Sex zu haben. Man kann aber nicht die grundlegende Haltung gegenüber Sex nur auf die Hormone zurückführen. Das Lusthormon ist Testosteron. Es wird von den Eierstöcken und der Nebenniere bei der Frau und von Hoden und Nebennieren des Mannes gebildet. Frauen haben weniger Testosteron, reagieren aber empfindlicher darauf, so dass es keinen Unterschied auf die Lust macht. In den Wechseljahren des Mannes nimmt das Testosteron ab und seine Lust auf Sex auch.

 

Bei Frauen spielt neben dem Testosteron der Zyklus eine Rolle. In den ersten 14 Tagen ist der Östrogenpegel hoch, die Laune gut und die Lust auf ihrem Höhepunkt. Im zweiten Teil wird der Trieb etwas ausgebremst. In den Wechseljahren nehmen Östrogen und Testosteron ab.2 Da die Frau sich aber frei fühlt, nicht mehr mit einer Mutterschaft rechnen muss und eine große Menge Kreativität und Lebenslust freisetzt, kann sie sexuell neu durchstarten. Viele Frauen haben mit 50 plus besseren Sex als in der Zeit davor, was auf den libidogedämpften Mann überfordernd bis beängstigend wirken kann.

 

Vom Tagesverlauf her ist der Mann morgens mit 30 % mehr Testosteron als sonst am Tag am meisten in Stimmung. Frauen tendieren eher zum abendlichen Sex, nach dem Motto erst die Arbeit, dann das Vergnügen, wenn sie viel um die Ohren hat.2

Frühlingsgefühle sind hormonell betrachtet eher Frauensache, da im Frühjahr der Östrogenpegel ansteigt. Die Herren der Schöpfung kommen im Sommer so richtig in Schwung.2

Und nach dem Sex: Der Mann muss sich erholen und dreht sich um. Die Frau quillt über an dem Schmusehormon Oxytocin. Sie will umarmt und gehalten werden, während er Pause für Regeneration braucht.3

In einer Studie fand man heraus, dass sich Männer dank desm Glückshormosn Serotonin grundsätzlich sexuell attraktiv finden – ganz unabhängig davon, wie es in Wirklichkeit um ihr Aussehen steht. Bei Frauen scheint dieses Hormon weniger durchzuschlagen, da sie häufig etwas an sich auszusetzen haben.3

 

Neben den Hormonen: Sind Mann und Frau nun unterschiedlich oder werden wir so gemacht?

 

Manche Beurteilungen lassen sich ganz schwer auflösen, z.B. dass ein Mann mit Affären ein toller Hecht ist, während eine Frau mit Lust auf einen Liebhaber als Hure abgestempelt wird. Da hat sich die Gesellschaft mit ihren Moralvorstellungen noch nicht weiterentwickelt. Das Schlimme ist, dass sich auch die Frau selbst und Frauen untereinander verurteilen, während bei Männern eher Neid aufkommt, wenn er sich Freiheiten gönnt.

 

Bei einer offenen Beziehung zeigt sich, dass sich Männer gerne auf eine Affäre mit der gebundenen Frau einlassen, während 8 von 10 Frauen Abstand nehmen, wenn der Mann aus der offenen Beziehung zugibt, dass er gebunden ist. Es fehlt die Perspektive. Der Traum einer gemeinsamen Zukunft platzt schon zu Beginn, was einen Mann offensichtlich weniger stört.4 Es ist schwierig, zu unterscheiden, ob es die gesellschaftliche Prägung ist, die diesen Unterschied macht, oder ein geschlechtsspezifisches Gen.

 

Vielleicht winken auch nur Frauen ab, die gerade alleine leben, und liierte Frauen sagen freudiger ja, als man denkt. Sie erzählen es nur nicht. Weil es sich nach wie vor nicht gehört. Genauso wie der Mann weiträumig sein Sperma verteilen will, um die Art zu erhalten, kann die Frau sagen, dass sie die beste Auswahl an Männern braucht, um sich optimal fortzupflanzen.3 Frauen sind nicht so treu, also verbinden Sex nicht immer mit Liebe und fester Bindung: Bei einer Blutgruppen-Untersuchung in den USA wurde eher zufällig entdeckt, dass 10 % der Babys nicht von den offiziellen Vätern stammen.3

 

Männer gelten als geradliniger. Sie gehen geradlinig auf ihr sexuelles Ziel zu und erreichen es auch geradlinig. Frauen träumen davon, dass er spontan ihre geheimen Wünsche erahnt, sie ohne Worte erfüllt, den längeren Weg zum Orgasmus mit ihr geht und dann still und auf ewig mit ihr verschmilzt. Sie sind geistig mehr vernetzt, nehmen mehr wahr und haben ein besseres Gedächtnis. Das betrifft auch sexuelle Erfahrungen. Sie werden anders abgespeichert.3

 

Ist die Frau nicht auch mal gierig und der Mann mal sanft?

 

Hat der Mann auch eine sanfte, weibliche Seite und traut sich nur nicht, sie sich selbst, der Frau und der Welt einzugestehen? Ist die Frau immer nur hingebungsvoll, oder brodelt in ihr ein Vulkan, der mehr ausbricht, wenn er darf, als ein Macho-Mann es sich in seinen kühnsten Träumen vorstellen kann? Neurowissenschaftler und Psychologen wie auch der große Hyde-Report zur Untersuchung der Geschlechterunterschiede, zeigen, dass der Unterschied nur gering ist.4 Das lässt vermuten, dass die jeweilige Spezialisierung auf Geradlinigkeit beim Mann und Emotionalität bei der Frau Ergebnis der sozialen Prägung ist und jederzeit von beiden Geschlechtern gesprengt werden kann. Das liegt in der Entscheidung des Einzelnen.

 

Eine alternative Sehnsucht des Mannes beim Sex stellt z.B. der Psychotherapeut Jed Diamond: Der Mann beweist sich und seine Männlichkeit zwar immer über Sex. Aber im Grunde seines Herzens möchte er genauso ankommen, sich sicher fühlen, gehalten und seelisch genährt werden, wenn er in die Frau eindringt, wie die Frau auch.5 Also doch! Es gibt sie, die weibliche Seite beim Mann. Diamond hält es für schwierig für die Frau, diese stille Sehnsucht des Mannes zu erfüllen. Falsch! Sie wartet nur darauf.   

 

Und früher – Wie waren da die Rollen verteilt?

 

Es war Eva, die Adam verführte. Es waren die Hexen im Mittelalter und sicher nicht nur sie, die voller Fleischeslust waren, wieder vom Teufel verführt, der nur die dunkle Seite in uns allen symbolisiert. Bis zur Aufklärung galten die Frauen als zügellos und lüstern. Erst mit der Aufklärung wurde die triebhafte Frau auf eine brave, vernunftgesteuerte, sexuell schwächelnde Person reduziert.6 Und der Mann als Sexheld nach und nach daneben aufgebaut. Als Kompensation für den einzigen wahren Unterschied zwischen Mann und Frau: Die Frau kann endlos sexuell sein, der Mann nicht. Er muss sich danach ausruhen.

Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

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