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Walken, Schwimmen, Yoga – diese Sportarten sind nach einem Bandscheibenvorfall geeignet

10 Kommentare Dienstag, 10. Februar 2015

Etwa 80 Prozent der Deutschen sind mindestens einmal in ihrem Leben wegen Rückenbeschwerden in ärztlicher Behandlung. Häufig kann ein Bandscheibenvorfall die Ursache für die Schmerzen sein. Über Definition, Häufigkeit und verschiedenen Therapieformen informieren wir im Folgenden. Darüber hinaus wird der Frage nachgegangen, ob Sport bei einem Bandscheibenvorfall erlaubt ist.

Definition Bandscheibe und dessen Funktion

Eine Bandscheibe (lateinisch Discus intervetrebralis), ist eine sogenannte Zwischenwirbelscheibe und die Bezeichnung für die knorpelige Verbindung zwischen zwei Wirbelkörpern.

Bandscheiben verbinden die Wirbelkörper flexibel miteinander und tragen zu ihrer Beweglichkeit bei. Darüber hinaus übernehmen Bandscheiben die Funktion eines elastischen Puffers.

Eine Bandscheibe besteht aus einem bindegewebigen und knorpeligem äußeren Ring (Anulus fibrosus) und einem inneren Gallertkern (Nucleus pulposus).

Definition Bandscheibenvorfall

Abnutzung und Altersvorgänge an der Wirbelsäule können sich in vielfältigen Erscheinungsformen äußern: akuter Rückenschmerz (Hexenschuss), chronischer Rückenschmerz und Bandscheibenvorfall.

Unter einem Bandscheibenvorfall versteht man die plötzlich oder langsam auftretende Verlagerung des gallertartigen Kerngewebes der Bandscheibe durch Risse in deren Faserring. Diese Verlagerung kann dazu führen, dass Druck auf das Rückenmark (Spinalkanaleinengung) oder auf die austretenden Nerven des Rückenmarks (Spinalnerven) ausgeübt wird und Schmerzen verursacht werden.

Manchmal ist ein Bandscheibenvorfall so gering ausgeprägt, dass dieser über Jahre unbemerkt und stumm bleibt, weshalb eine Vielzahl von Menschen beschwerdefrei leben kann.

Bandscheibenvorfall: Alter und Häufigkeit

Ein Bandscheibenvorfall ist am häufigsten im Bereich der Lendenwirbelsäule (90%) lokalisiert und kommt zwischen dem 30. Und 50. Lebensjahr besonders oft vor. Deutlich seltener tritt ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule, zwischen dem 40. und 60. Lebensalter, auf (9,8 %) und in noch weniger Fällen in der Brustwirbelsäule.

Ursachen eines Bandscheibenvorfalls

Ein Bandscheibenvorfall wird durch viele Faktoren begünstigt: Bewegungsarmut einerseits und dauernde Fehlhaltungen andererseits fördern die Abnutzungserscheinungen der Bandscheiben. Lang andauernde Zwangshaltung am Arbeitsplatz, zum Beispiel an Bildschirmarbeitsplätzen und bei Berufskraftfahrern oder häufiges schweres Heben, führen zu einer Fehl- oder Überbelastung der Wirbelsäule. Sobald der Faserring der Bandscheibe den dauerhaften Belastungen nicht mehr stand hält, reißt dieser ein und der Gallertkern (Nucleus pulposus) drängt hindurch.

Risikofaktoren – Wer ist am häufigsten gefährdet?

Besonders anfällig für einen Bandscheibenvorfall sind übergewichtige Menschen und Personen, die hauptsächlich sitzende Tätigkeiten ausüben. Eine weitere Risikogruppe sind Schwangere. Auch sind häufig Menschen mit einer nicht trainierten Rückenmuskulatur betroffen.

Symptome eines Bandscheibenvorfalls

Der Grad der auftretenden Symptome wird in der Regel durch die Größe und Lokalisation der Bandscheibenverlagerung bestimmt: Ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule geht typischerweise mit blitzartigen Kreuzschmerzen (auch Lumbago genannt) einher, welche vor allem nach schwerem Heben oder abrupter Bewegung zustande kommen können. Diese Schmerzen können sich durch Husten, Niesen oder Pressen verschlimmern. Der sogenannte Ischiasschmerz ist ein akuter, vom Rücken über das Gesäß bis zum Fuß ausstrahlender Schmerz, der sich beim Anheben des gestreckten Beines aus der Rückenlage verstärken kann. Man spricht vom Laségueschem Zeichen. Zusätzlich können Gefühlsstörungen (Taubheitsgefühl, Kribben, Ameisenlaufen) und Reflexausfälle nachgewiesen werden. Bei sehr starkem Druck auf die Nervenwurzeln sind auch Lähmungserscheinungen im Versorgungsgebiet der betroffenen Nerven möglich; in diesem Fall kann zum Beispiel der Fuß nicht mehr aktiv angehoben werden. Selten kann auch eine Lähmung der Blase auftreten, bei der die Harnentleerung gestört ist.

Unter ungünstigen Umständen können bei einem Bandscheibenvorfall unter anderem Komplikationen auftreten, wodurch eine irreversible Druckschädigung von Nervenwurzeln (sogenannter Wurzeltod) zu einer Querschnittslähmung führen kann.

Einen Bandscheibenvorfall vorbeugen

Grundsätzlich gibt es kein wirksames Mittel, welches uns davor bewahren kann, einen Bandscheibenvorfall zu erleiden. Durch ein Training der Rücken, -sowie Bauchmuskulatur kann das Risiko jedoch gemindert werden. Ebenfalls ist eine richtige Haltung bei Tätigkeiten im Berufsleben sowie in der Freizeit von besonders großer Wichtigkeit. Schwere Gegenstände sollten zum Beispiel immer aus der Hocke mit gestrecktem Rücken angehoben werden, um den Rücken nicht unnötig zu belasten.

Behandlung eines Bandscheibenvorfalls

Bei einem Bandscheibenvorfall können verschiedene konservative Therapieformen zum Einsatz kommen. Zunächst ist Ruhigstellung und Bettruhe wichtig. Die Gabe von schmerzlindernden, entzündungshemmenden und muskelentspannenden Medikamenten kann Abhilfe schaffen, auch ist eine Injektion von örtlichen Betäubungsmitteln in der Nähe der Nervenwurzeln möglich. Darüber hinaus werden zur akuten Schmerzlinderung Entspannungs-und Atemübungen angewendet und schmerzfreie Lagerungen, wie der sogenannten Stufenbettlagerung (Lagerung mit angebeugten Hüft- und Kniegelenken), kombiniert mit Wärmeanwendungen durchgeführt. Als besonders wirksam hat sich auch die manuelle Wirbelsäulenbehandlung (Chirotherapie) erwiesen: Durch spezielle Handgriffe wird vom erfahrenen Therapeuten die Blockierung im Zwischenwirbelgelenk gelöst. Die konservative Therapie setzt eine aktive Mitwirkung des Patienten voraus: Dieser sollte nach der akuten Phase bestrebt sein, die Bauch-und Rückenmuskulatur zu stärken und in Rückenschulen zu lernen, sich rückenfreundlich im Alltag zu bewegen, um einen Rückfall ausschließen zu können.

Nur wenige Patienten mit einem Bandscheibenvorfall müssen operiert werden. Bei einer Muskel-oder Blasenlähmung ist allerdings eine sofortige Operation notwendig, um nicht mehr rückgängig machende Langzeitschäden zu verhindern. Dabei wird das auf die Nervenwurzeln drückende Bandscheibengewebe, welches die schmerzhafte Lähmung verursacht, entfernt. Auch kann die Nervenwurzel durch eine Punktion des Bandscheibeninneren, der sogenannten perkutanen Nukleotomie, entlastet werden.

Ist Sport erlaubt?

Bewegung ist bei der Therapie von Bandscheibenvorfällen ein wichtiger Bestandteil!

Die Betroffenen sollten sich bewegen, denn Bewegung hält im Allgemeinen die Wirbelsäule mobil, fördert die Versorgung der Bandscheiben und hält den Organismus fit. Aber Sport ist nicht gleich Sport. Sportarten, die Stoßbelastungen auf die Wirbelsäule hervorrufen, sollten zunächst gemieden werden: Laufen, Spielsportarten sowie Reiten gehören zu den Sportarten, die nach Möglichkeit nach einem Bandscheibenvorfall nicht ausgeübt werden sollten. Auch Sportarten, wie Tennis, Golf oder Skifahren, welche mit Belastungsspitzen und starken Rotationen in Kombination mit Seitneigungen einhergehen, sollten nur dann ausgeübt werden, wenn diese gut beherrscht werden – vom „Neulernen“ dieser Sportarten wird abgeraten.

Zu den Sportarten, die nach einem Bandscheibenvorfall geeignet sind, zählen: Pilates, Yoga, Nordic-Walking, Radfahren und Rückenschwimmen.

Ab wann wieder Sport?

Sofern eine Operation bei einem Bandscheibenvorfall durchgeführt worden ist, ist die aller erste Sportart, die Sie aufnehmen können, das Gehen. Dabei müssen keine Einschränkungen gemacht werden; zügig mit mittellangen Schritten in festem Schuhwerk ist erlaubt. Auch mit dem Treppensteigen kann unmittelbar nach einer Operation begonnen werden. Gehen ist die beste Therapie. Als weitere Instanz sind die oben genannte Sportarten erlaubt: Ab der vierten Woche können Sie mit rückenfreundlichem Sport durchstarten.

 

Pilates und Yoga zählen zum Entspannungstraining und dienen darüber hinaus noch der aktiven Meditation. Besonders zur Vorbeugung als auch nach einem Bandscheibenvorfall sind diese Pilates- sowie Yogaübungen zu empfehlen, um die Muskulatur dauerhaft aufzubauen und den Abbau von psychischem Stress zu erzielen. Von ruckartigen Bewegungen wird hier abgesehen, die Übungen werden sanft durchgeführt, ohne sich dabei zu überfordern. Gerade bei einem Bandscheibenvorfall oder nach einer durchgeführten Bandscheibenoperation eignen sich diese Sportarten besonders gut, weil sie von weichen und fließenden Bewegungen geprägt sind.

 

Mit Nordic-Walking fällt der Einstieg leicht, wieder Sport auszuüben: Im Vergleich zu den gesundheitlichen Vorteilen und dem möglichen Verletzungsrisiko oder der Gefahr, die Gelenke zu belasten, schneidet Nordic-Walking besonders gut ab. Es gibt wohl kaum eine Sportart, die derart rückenfreundlich ist. Durch den Einsatz von 90 Prozent der Gesamtmuskulatur gilt die Sportart als ein wirksames und dazu sanftes Ganzkörpertraining. Die Nordic-Walking Technik sollte, um eine fehlerhafte Körperhaltung zu verhindern, beherrscht werden und kann in Kursen erlernt werden. Passendes Schuhwerk, eine geeignete Trainingsstrecke und der Einklang mit der Natur werden Ihnen Wohlbefinden bereiten und zudem die Rückenmuskulatur kräftigen.

 

Radfahren kann ab der sechsten Woche nach einer Bandscheibenoperation ausgeübt werden. Im Hinblick auf diese Sportart ist ebenerdiges Radfahren mit Sattel- und Lenkradfederung in aufrechter Haltung gemeint, da eine Sportausübung ohne Stöße auf den Bewegungsapparat erfolgt; das Radfahren über Stock und Stein ist nicht rückenfreundlich. Um Unebenheiten zu vermeiden, bietet sich auch das Inndoor-Radfahren auf einem Heimtrainer an.

 

Schwimmen leistet einen wichtigen Beitrag zum Erstrecken der Muskulatur und kann in der vierten Woche nach einer Operation ausgeübt werden. Sollten Sie kein sportlicher Schwimmer sein, gilt das Brustschwimmen allerdings anfänglich als nicht so günstig, da die Schwimmlage mit Hohlkreuzbildung eine Belastung für den Rücken darstellt. Von Kraulschwimmen sollte wegen der starken Körperdrehung und der daraus resultierenden Rückenbelastung ebenfalls zunächst abgesehen werden. Am besten eignet sich Rückenschwimmen mit dem Kraulbeinschlag (Paddeln).

 

Egal welche Sportart ausgeübt wird: Zu frühe Mobilisation und Aktivität ist nicht zu empfehlen, denn je größer die Aktivität, desto höher das Risiko der Narbenbildung und eines eventuellen erneuten Bandscheibenvorfall. In den ersten drei bis vier Wochen sollte das OP-Gebiet möglichst narbenarm abheilen können.

 

Prinzipiell gilt: Bei den Bewegungen sollten keine Schmerzen entstehen bzw. sollten keine vorhandenen Schmerzen verschlimmert werden. Und besonders wichtig: die Sportart sollte Spaß machen, damit diese regelmäßig ausgeübt wird. Ihre Wirbelsäule wird Ihnen danken!

J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Judith Ehresmann ist als gelernte Operationstechnische und Chirurgischtechnische Assistentin in einem Krankenhaus beschäftigt. Das Schreiben hat sich immer mehr als Gegengewicht zu ihrem Vollzeitberuf im Gesundheitswesen entwickelt. Vor allem auch als Ausdruck ihres medizinischen Interesses, mit dem Wunsch, dieses auf ihre Mitmenschen zu übertragen. Frau Ehresmann schreibt unter anderem für den Thieme Verlag und ist seit November 2014 auch als Autorin für apomio.de tätig.

10 Kommentare

Judith Schega – Montag, 24. Juli 2017
Hallo, es ist wirklich erfreulich, dass Sie Ihre Beschwerden nun auch ohne Schmerzmedikation in den Griff bekommen konnten. Die im Blog aufgeführten Sportarten erweisen sich als rückenschonend und sind daher optimal nach einem Bandscheibenvorfall geeignet. Leider kann ich Ihnen nicht mitteilen, wie sich Klettern und Bouldern auf Ihren Rücken auswirken. In dieser Hinsicht ist das Konsultieren eines Sportmediziners oder Orthopäden sicherlich ratsam. Viele Grüße
Judith Schega – Montag, 17. Juli 2017
Liebe Sarah, vielen Dank für Ihr Lob! Ich gebe Ihnen Recht, dass das Konsultieren eines Arztes immer oberste Priorität haben sollte und manchmal scheint es nötig, sich einer Operation zu unterziehen, um endlich schmerzfrei zu sein. Ich wünsche Ihrer Schwester weiterhin gute Genesung! Viele Grüße
Sarah – Donnerstag, 13. Juli 2017
Vielen Dank für den sehr informativen und gut geschriebenen Artikel. Ich selbst hatte bisher das Glück, meine Bandscheibenvorfälle immer selbst mit Krankengymnastik und Schmerztherapie therapieren zu können. Auch das Muskel-Wärmebad von Tetesept hat mir sehr geholfen, da die wärme dieses Badezusatzes bis tief in die Knochen dringt und bei mir für zusätzliche Entspannung gesorgt hat. Meine Schwester hatte leider nicht so viel Glück. Sie hat sich vor einem Monat nach langer Schmerz- und Leidensphase (fast 7 Monate) dazu entschieden, einen minimal-invasiven Eingriff durchführen zu lassen (***Link von der Redaktion entfernt***). Da ist man schon erstmal unsicher, schließlich ist so eine Wirbelsäulen-OP zwar inzwischen ärztliche Routine, aber dennoch ein operativer Eingriff. Es ist aber alles gut gegangen und meine Schwester war schon am Tag nach dem Eingriff schmerzfrei. Natürlich muss sie sich noch schonen und bekommt nun gezielte Krankengymnastik, aber es geht ihr deutlich besser. Wer also schon seit langer Zeit mit Bandscheibenproblemen kämpft, sollte vielleicht doch einmal mit einem Arzt über eine mögliche OP sprechen.
Judith Schega – Dienstag, 06. Juni 2017
Hallo Sahin Tepe, die Empfehlung oder das Abraten zum Fahrrad fahren kann ich Ihnen leider nicht erteilen. Ich empfehle, dass Sie sich in dieser Hinsicht bitte besser mit Ihrem behandelnden Arzt auseinander setzen sollten. Selbstdiagnosen und Therapieansätze per Internet sollten nicht präferiert werden. Ich wünsche Ihnen alles Gute und gute Genesung. Viele Grüße
Sahin Tepe – Dienstag, 30. Mai 2017
Ich habe einen Riss zwischen 5. und 6. HWS. Kann ich Fahrrad fahren
Juthie – Dienstag, 02. Mai 2017
Sehr hilfreich,vielen Dank
Judith Schega – Dienstag, 18. April 2017
Liebe Frau Rehrl, ich denke, ärztliche Ratschläge sollte man in der Regel nicht ignorieren oder missachten, auch wenn es in Ihrem Fall leider keine KK zu machen ist. Ich hoffe dennoch, dass Sie sich bald auf dem Weg der Besserung befinden und wünsche Ihnen alles Gute!
Doris Rehrl – Dienstag, 04. April 2017
vielen Dank für den Bericht. Habe 2016 zwei LWS OP hinter mir, Mai und August . Nun die Diagnose Osteoporose, Ostechdrose aktiv und starkerkes Narbengewebe , dass wieder die L4/L5 bedrängt. Mir ist nun aber jeglicher Sport sowie KK und KKG verboten geworden. Wie soll man da wieder auf die Füsse kommen, wenn man für den Muskelaufbau nichts macht. Bekomme jetzt Spritze -Infiltration doch die Schmerzen beleiben. ( habe wieder einen BSV LWS L4/5 lt. MRT) Ich versuche jetzt nun sehr viel zu gehen bis über die Schmerzgrenze , denn ich bemerkte langsam werde ich steiff. Kann es wirklich stimmen, dass man in meinem Fall meine KK machen soll. Bin übrigens 65 Jahre und habe bis vor einem Jahr allen Sport gemacht.
Lena – Donnerstag, 23. März 2017
Klar und verständlich erklärt vielen Dank dafür
Nadja Donauer – Samstag, 03. Dezember 2016
Habe jetzt nach mehreren Wochen Recherche keinen ähnlich informativen und gut geschriebenen Artikel gefunden. Vielen Dank dafür.

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