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Alternativen zur Pille - Neue Generation Verhütung!

Kommentar schreiben Donnerstag, 27. Juni 2019

Die Pille ist Verhütungsmittel Nr. 1 in Deutschland. Sie ist sicher, einfach einzunehmen und kann unabhängig vom Zeitpunkt der Sexualität angewendet werden. Eine bequeme Lösung! Dennoch gibt es unzählige Studien zu den Nebenwirkungen der Pille und anderer hormoneller Verhütungsmethoden. Zu den schwerwiegenden zählt das erhöhte Risiko für Thrombosen und Brustkrebs. Während früher die Selbstbestimmung der Frau mithilfe der Pille erkämpft werden musste, sind heute Gesundheit und natürliche Methoden mindestens ebenso wichtig. Erfahren Sie hier, wie hormonelle und alternative Verhütungsmethoden funktionieren, welche Vor- und Nachteile sie haben und wie sicher sie sind.

 

Wie funktioniert die Pille?

 

Die Pille enthält eine Kombination aus Östrogenen und Gestagen. Die Hormone bewirken, dass keine Eizelle heranreift und kein Eisprung stattfindet. Die Gebärmutterschleimhaut baut sich weniger auf, so dass sich selbst bei einer unwahrscheinlichen Befruchtung das Ei nicht einnisten kann. Der Schleim im Gebärmutterhals wird zähflüssig, so dass die Spermien nicht in die Gebärmutter gelangen können. Genauso wirken der Vaginalring und das Hormonpflaster. Für Frauen, die kein Östrogen vertragen oder sicherheitshalber nicht nehmen sollten, gibt es Präparate, die nur Gestagen enthalten, wie die Minipille, Hormonspirale, Drei-Monats-Spritze und Hormonimplantate. Die Pille danach kann noch 72-120 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eine Schwangerschaft verhüten.1,2,3,4,5,6

 

Was spricht gegen die Pille?

 

Die Pille und andere hormonelle Verhütungsmittel greifen in den Hormonhaushalt ein: Die Blutung wird meist schwächer und kürzer. Es kann zu Zwischenblutungen kommen. Als Nebenwirkungen können Übelkeit, Schwindel, Kopf- und Bauchschmerzen und Brustspannen auftreten. Depressive Stimmungen sind möglich und die Lust auf Sex kann nachlassen. Manche Frauen nehmen 2-5 Kilo zu. Zu den seltenen Nebenwirkungen zählen Thrombosen mit dem Risiko einer Lungenembolie, eines Schlaganfalls und Herzinfarkts und das Risiko für Brustkrebs ist etwas erhöht.1,7

 

Verhütung mit Kupfer: Kupferspirale, Kupferkette und Kupferperlen-Ball

 

Kupfer schränkt die Beweglichkeit der Spermien ein und stört den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Die gängigen Kupferspiralen können 5 Jahre in der Gebärmutter verbleiben. Dieselbe Wirkung haben die Kupferkette aus 4-6 Kupferzylindern, die auf einem Nylonfaden aufgezogen sind, und der Kupferperlen-Ball. Vorteile aller Produkte sind, dass langfristig für die Verhütung gesorgt ist und nicht in den Hormonhaushalt eingegriffen wird. Nachteile sind eine meist verstärkte und verlängerte Blutung, die schmerzhafter sein kann als normal, eventuelle Zwischenblutungen und die seltene Möglichkeit einer Infektion, die sofort behandelt werden muss, um eine spätere Unfruchtbarkeit zu vermeiden.8,9,10

 

Barrieremethoden: Diaphragma und Portiokappe

 

Ein Diaphragma ist eine weiche, halbrunde Kappe aus Silikon, in die am Rand eine Metall- oder Kunststofffeder eingearbeitet ist. Das Diaphragma wird bis zu 2 Stunden vor dem Geschlechtsverkehr nach dem Auftragen von Verhütungsgel in die Scheide eingeführt und verbleibt dort 8 Stunden nach dem Verkehr. Es liegt vor dem Gebärmuttermund und verhindert in Kombination mit dem Verhütungsgel das Eindringen der Spermien in die Gebärmutter. Findet mehrmals Sex statt, muss jedes Mal vorher mit einem Applikator eine weitere Portion Verhütungsgel eingeführt werden. Das Diaphragma sollte von einer Fachkraft (Frauenarzt, pro familia-Mitarbeiterin) größenmäßig angepasst bzw. bei einer Einheitsgröße auf ihren Sitz überprüft werden.

 

In den ersten 6 Wochen nach der Entbindung und bei der Neigung zu Blaseninfektionen wird diese Methode nicht empfohlen. Auch die Portiokappe (Femcap) wird über den Teil der Gebärmutter gestülpt, die in die Scheide hineinragt. Sie muss vom Arzt oder bei pro familia angepasst werden und funktioniert wie ein Diaphragma. Vorteile dieser Barrieremethoden sind, dass sie bis auf seltene allergische Reaktionen keine Nebenwirkungen haben, nicht in den Hormonhaushalt eingreifen und nur bei Bedarf angewendet werden müssen. Als Nachteil kann gesehen werden, dass der Umgang damit etwas geübt werden muss und die Verhütungskappe abrutschen kann. 11,12,13

 

Kondome für Mann und Frau

 

Das Kondom für den Mann ist ein hauchdünnes Gummi, das über den steifen Penis gezogen wird. Es ist das einzige ernstzunehmende Verhütungsmittel des Mannes. Koitus interruptus, das „Aufpassen“ ist auf jeden Fall keine! Kondome sind leicht erhältlich, kostengünstig und brauchen nur bei Bedarf angewendet zu werden. Außerdem bieten sie Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Nachteil kann in der Unterbrechung des Liebesspiels und in der Verringerung der Empfindungsstärke gesehen werden.


Das Frauenkondom (Femidom) hat zwei biegsame Ringe, von denen einer tief in der Scheide und der andere flach auf den Venuslippen außen platziert ist. Das Kondom kleidet die Scheide wie eine zweite Haut aus und ist die einzige Möglichkeit, mit der sich die Frau vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen kann. Nachteil ist die Notwendigkeit, das Kondom beim Einführen des Penis festhalten zu müssen. Es kann außerdem verrutschen und knistern beim Sex. 14,15

 

Natürliche Familienplanung: Die symptothermale Methode

 

Die natürliche Verhütung mithilfe der Fruchtbarkeitswahrnehmung besteht aus dem Messen der Morgentemperatur, die mit einem Kalenderblatt oder einer App (Temperaturcomputer) dokumentiert wird, dem Prüfen der Konsistenz des Gebärmutterhals-Schleims in der Scheide und dem Tasten des Muttermundes. Werden die Körpermerkmale kombiniert geprüft, spricht man von der symptothermalen Methode. Vorteile sind, dass die Frau keine Hormone, Chemie oder Silikonsperren braucht und die Methode gegen und für eine Schwangerschaft nutzen kann. Auch wenn die natürliche Familienplanung sehr sicher ist, kann es bei Stress, Erkrankungen und in den Wechseljahren zu Ungenauigkeiten kommen. Außerdem verlangt diese Verhütung längere Phasen des Verzichts oder es muss in der Fruchtbarkeit eine weitere Methoden angewendet werden. 16

 

Chemische Verhütung: Gels und Zäpfchen

 

Gels und Cremes zur Verhütung sind alleine zu unsicher und sollten nur zusammen mit einem Diaphragma oder einer Portiokappe verwendet werden. Am gängigsten sind heute Gels auf Milchsäurebasis. Sie erhöhen den Säuregrad in der Scheide und fördern so die natürliche Scheidenflora und ihre Abwehrkraft. Auf Spermien haben sie eine lähmende Wirkung. 17

 

Was sagt der Pearl-Index aus?

 

Mit dem Pearl-Index wird die Sicherheit eines Verhütungsmittels definiert: Am sichersten sind neben der Sterilisation die hormonellen Verhütungsmittel, danach kommen die Kupferspirale, die symptothermale Methode, Diaphragma und Kondome. 18

 

Und die Pille für den Mann?

 

Die lässt nach wie vor auf sich warten. Testosteron kann nicht in eine Pille gepackt, sondern nur gespritzt werden, aber auch dafür gibt es noch keine verwertbare Lösung. Die Nebenwirkungen waren bei den Studien zu gravierend. Vielversprechend, aber noch nicht ausgegoren sind derzeit drei Ansätze: Wirkstoffe aus der indonesischen Pflanze Genderossa, ein Vasalgel, das in die Samenleiter gespritzt wird, und ein Hemmstoff für Retinsäure, die für die Entwicklung der Spermien benötigt wird. Eine brauchbare Lösung ist frühestens in einigen Jahren zu erwarten. 19

 

 

 

Quellenangaben (Stand 05.06.2019):

1 https://www.profamilia.de/themen/verhuetung/pille.html

2 https://www.profamilia.de/themen/verhuetung/vaginalring.html

3 https://www.profamilia.de/themen/verhuetung/spirale.html

4 https://www.profamilia.de/themen/verhuetung/depot-spritze.html

5 https://www.profamilia.de/themen/verhuetung/hormonimplantat.html

6 https://www.profamilia.de/themen/verhuetung/pille-danach.html

7 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30540869

8 https://www.profamilia.de/themen/verhuetung/spirale.html

9 https://www.profamilia.de/themen/verhuetung/kupferkette.html

10https://www.kupferperlenball.de/

11 https://www.profamilia.de/themen/verhuetung/diaphragma.html

12 https://www.profamilia.de/bundeslaender.html

13 https://www.profamilia.de/themen/verhuetung/verhuetungskappen.html

14 https://www.profamilia.de/themen/verhuetung/kondom.html

15 https://www.profamilia.de/themen/verhuetung/frauenkondom.html

16 https://www.profamilia.de/themen/verhuetung/fruchtbarkeitswahrnehmung.html

17 https://www.profamilia.de/themen/verhuetung/verhuetungsgels.html

18 https://www.profamilia.de/themen/verhuetung/pearl-index.html

19 https://www.zavamed.com/de/pille-fuer-den-mann.html

Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

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