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Teebaumöl: Vorreiter zu Penicillin & überraschendes Allheilmittel für die Gesundheit

Kommentar schreiben Aktualisiert am 13. September 2018

Aus vielen Hausapotheken ist es ebenso wenig wegzudenken wie Pflaster, Aspirin und Alka-Seltzer. Ob als kleines Fläschchen mit reinem Öl oder als Inhaltsstoff von Cremes, Zahnpasta und Shampoo – Teebaumöl ist für seine Anhänger fast ein Allheilmittel, zumindest aber ein sanftes, natürliches Hausmittel gegen vielerlei Beschwerden. Vor allem soll Teebaumöl gegen Bakterien, Viren und Pilzen hervorragend helfen. Was die tatsächliche medizinische Wirksamkeit in vielen Anwendungsgebieten angeht, so fehlen bisher noch die eindeutigen wissenschaftlichen Beweise. Überzeugte Nutzer bleiben ihrem „Wunderöl“ dennoch treu. Was ist drin, was ist dran am Teebaumöl?

 

 

 

 

Wie wird Teebaumöl hergestellt und woran erkenne ich "echtes" Teebaumöl?

 

Teebaumöl wird mithilfe von Wasserdampf zumeist aus den Blättern und Zweigen des Australischen Teebaums (botanisch Melaleuca alternifolia) gewonnen. Unter der Bezeichnung „Teebaumöl“ werden aber gelegentlich auch ätherische Öle aus verwandten Gewächsen, zum Beispiel das Cajeput- und das Niauli-Öl, verkauft. Will man das „echte“ Teebaumöl traditionellen Ursprungs haben, sollte man ausschließlich Produkte mit der Bezeichnung „Australisches Teebaumöl“ kaufen und darauf achten, dass die Herkunft belegt ist.

 

Für zehn Liter Teebaumöl wird rund eine Tonne Pflanzenmaterial benötigt. Nach zwei bis drei Stunden Destillation hat man frisch duftendes, reines Öl gewonnen. Wegen der aufwändigen Herstellung ist dieses Naturprodukt nicht billig zu haben. Doch sparen sollte man hier nicht, denn für weniger Geld erhält man in der Regel minderwertige Ware. Aber nur ein hochwertiges Teebaumöl kann gut wirken. Am besten, man kauft ein Produkt, dessen einwandfreie Herkunft und ökologische Produktionsweise belegt ist. In Apotheken erhält man solche empfehlenswerte Produkte und kann sich vom Apotheker zudem auch noch hinsichtlich Anwendung und Dosierung beraten lassen.

 

Gutes Teebaumöl ist klar bis leicht gelblich gefärbt; sein würziger Geruch ist für empfindlichere Nasen gewöhnungsbedürftig bis unangenehm, andere wieder lieben gerade das unverwechselbare Aroma, das dem Öl entströmt. Den Geruch und die heilende Wirkung verdankt Teebaumöl vor allem seinen wichtigsten Inhaltsstoffen, nämlich Terpinen, Cineol und Pinen. Terpinen ist ein farbloser Alkohol, der dem Öl auch seinen charakteristischen Duft verleiht. Es ist vor allem bekannt als starkes Mittel gegen Bakterien, Viren und Pilze und hat sich deshalb schon vielfach bei Ekzemen, Warzen und Hautentzündungen bewährt. Mindestens 30 % Terpinen sollte Teebaumöl enthalten, wenn man es als medizinisches Hausmittel nutzen will. Bei dem Naturstoff Cineol ist dagegen weniger mehr: qualitativ hochwertiges Teebaumöl sollte höchstens vier Prozent davon enthalten. Cineol verströmt einen frischen, blumig-würzigen Duft und hat vor allem entzündungshemmende und schleimlösende Effekte. Pinen gilt vor allem in Verbindung mit anderen Stoffen als hochwirksam, wenn es darum geht, die Wirkstoffe möglichst gut durch die Haut aufzunehmen. 

 

 

Wissenswertes über den Teebaum und seine Nutzung

 

Der Australische Teebaum gehört zu den Myrtengewächsen und ist an der Ostküste von „Down under“ beheimatet. Der immergrüne Strauch oder Baum, der bis zu sieben Meter hoch wachsen kann, hat nadelförmige Blätter und kleine weiße, in Ähren angeordnete Blüten

 

Den Namen „Teebaum“ und seine Bekanntheit in Europa hat das Gewächs wohl dem britischen Weltumsegler und Entdecker James Cook zu verdanken, der es gegen Ende des 18. Jahrhunderts entdeckt haben soll. Er bemerkte, dass sich aus den Blättern der ihm unbekannten Pflanze ein warmes Getränk mit belebender Wirkung zubereiten ließ – angeblich nannte er sie deshalb „Teebaum“. Gemeinsam mit seinem Expeditionsbegleiter, dem Botaniker Dr. Joseph Banks, beobachtete Cook auch, wie die australischen Ureinwohner, die Aborigines, aus den Blättern der Pflanze einen Sud zubereiteten und diesen auf erkrankter Haut und Wunden anwendeten. Zudem inhalierten sie den Dampf von in Wasser gekochten Teebaumblättern und tranken den Sud, um Erkrankungen wie Grippe, Husten, Verstopfung und Fieber zu heilen.

 

Von James Cooks Entdeckungen bis zur erstmaligen Destillation zu wissenschaftlichen Zwecken sollte dann allerdings noch viel Zeit vergehen, nämlich gut 150 Jahre, bis zum Jahr 1925. Schon bald nachdem das Öl destilliert und analysiert worden war, beschrieb man seine umfassenden bakterizide (Bakterien abtötende) und fungizide (Pilze abtötende) Wirkung. Teebaumöl wurde zum Standard-Desinfektionsmittel, vor allem bei Operationen. Während des Zweiten Weltkriegs fehlte das Öl in keiner Erste-Hilfe-Ausrüstung der australischen Truppen, die in den Tropen stationiert waren und sich häufig mit Krankheitserregern infizierten. Erst nach der Entdeckung von Penicillin und anderen Antibiotika verlor Teebaumöl seine große Bedeutung, wurde dann aber ab den 1970er-Jahren als Naturheilmittel wiederentdeckt. Mit dem zunehmenden Interesse der Westeuropäer an naturheilkundlichen Präparaten wuchs die Teebaumölproduktion in den vergangenen Jahrzehnten sprunghaft an: wurden 1987 noch 80 Tonnen im Jahr produziert, waren es 1992 schon 750 Tonnen!

 

 

Wie wirksam ist Teebaumöl?

 

Wie so oft bei Naturheilmittel betont die Wissenschaft und Schulmedizin, dass es für eine nachweisliche medizinische Wirkung bisher kaum Belege gibt. Fakt ist, dass Labortests einige positive Effekte belegen konnten und es für andere zumindest deutliche Hinweise gibt. Demnach ist Teebaumöl in der Lage, das Wachstum von Bakterien zu hemmen, unter anderen die Bakterien, die für Akne, Schuppenflechte und Neurodermitis verantwortlich sind. Weitere experimentelle Untersuchungen zeigten, dass die Inhaltsstoffe des Teebaumöls auch Viren, darunter Herpes-simplex-Viren, sowie verschiedene Hautpilze wirksam bekämpfen können.

 

Somit verwundert es nicht, dass Teebaumöl in der Alternativmedizin verbreitet zur Therapie – oder zumindest zur unterstützenden Therapie – von Akne, Neurodermitis, Schuppenflechte, Haut- und Fußpilz, gegen Läuse, Zecken und Flöhe sowie bei Krätze und Warzen und anderen Hauterkrankungen angewendet wird. Daneben werden dem Teebaumöl aber auch noch viele andere, jedoch eben noch nicht belegte Effekte zugeschrieben. So soll es helfen, überschießende Immunreaktionen z.B. nach Insektenstichen in den Griff zu bekommen. Empfohlen wird es von Naturheilkundlern auch bei Rheuma, Bronchialerkrankungen, Muskelschmerzen und zur Durchblutungsförderung bei Krampfadern. Sogar auf die Psyche soll Teebaumöl stark positiv wirken. Hierfür werden die Dämpfe der enthaltenen Alkohole verantwortlich gemacht, die gegen Ängste wirken und das Selbstvertrauen stärken sollen. Zusätzlich sollen die enthaltenen Monoterpene bei Unsicherheit und in Krisensituationen Kraft und Entschlossenheit verleihen und Gefühle und Gedanken klären.


Auch in der äußerlichen Behandlung von Tieren und in kosmetischen Produkten kommt Teebaumöl häufig zur Anwendung, vor allem bei Kosmetika, die einen reinigenden und desinfizierenden Effekt haben sollen: u.a. in Cremes (besonders in Produkten gegen unreine Haut und Akne), Mundwassern, Shampoos, Deodorants, Badezusätzen, Seifen, Zahnpasta u.v.m.

 

Nicht zuletzt kann Teebaumöl genutzt werden, um kosmetische Produkte zu konservieren, also ihre Haltbarkeit zu verlängern; dazu werden wenige Tropfen des Öls einfach in das entsprechende Produkt geträufelt. Ebenso kann Teebaumöl als Haushaltsmittel bei der Wäsche und zur Reinigung von Flächen verwendet werden, indem man z.B. der Waschmittelkammer der Waschmaschine ca. 20 Tropfen Teebaumöl zugibt, um Windeln, Unterwäsche usw. hygienischer zu waschen.

 

 

Wie wird Teebaumöl richtig angewendet und gelagert?

 

Teebaumöl darf auf größeren Hautarealen und in größeren Mengen niemals unverdünnt angewendet werden, in dieser Form wird es sogar offiziell als gesundheitsschädliche Substanz eingestuft. Pures Teebaumöl kann nämlich Hautreizungen und allergische Reaktionen hervorrufen. Das liegt wohl an bestimmten Bestandteilen des Öls, die bei längerer Lagerung Zersetzungsprodukte bilden, besonders wenn das Ölfläschchen lange Zeit geöffnet stehen bleibt oder zu viel Licht ausgesetzt ist. Schon nach wenigen Tagen beginnt in Verbindung mit Licht und Luft (Sauerstoff) ein Oxidationsprozess, der den Gehalt an allergieauslösenden Stoffen im Öl erhöht, sodass es besonders auf vorerkrankter Haut zu Kontaktekzemen kommen kann. Um das zu vermeiden, sollte Teebaumöl immer lichtgeschützt und luftdicht verschlossen bei Temperaturen unter 25 °C aufbewahrt werden.

 

Aber auch bei der Anwendung von nicht oxidiertem, unverdünntem Teebaumöl besteht ein erhöhtes Risiko, eine Kontaktallergie zu entwickeln. Wer nicht 100-prozentig gesund ist, sollte deshalb sicherheitshalber vor der Anwendung von Teebaumöl mit seinem Arzt sprechen. Ansonsten empfiehlt es sich dringend, die Anweisungen in den Packungsbeilagen der Produkte zu befolgen oder den Apotheker bei Unklarheiten zu befragen.

 

Meist genügt ohnehin nur ein kleiner Anteil des Öls, um seine Wirksamkeit zu entfalten. So bereitet man bei Pilz- und Bakterienbefall der Haut (etwa bei Akne oder Fußpilz) Lösungen mit fünf bis zehn Prozent Teebaumöl zu. Oft genügt es auch, nur wenige Tropfen des Öls zu nutzen, etwa bei Anwendungen im Mundraum.

 

 

Welche Nebenwirkungen hat Teebaumöl?

 

In einigen Anwendungsbereichen und bei bestimmten Personengruppen ist Vorsicht bei der Anwendung von Teebaumöl geboten; in einigen Fällen wird von seiner Verwendung ganz abgeraten. So sollten ätherische Öle aus Pflanzen wie dem Teebaum keinesfalls bei Säuglingen und Kleinkindern im Bereich von Nase und Mund angewendet werden – das kann bei kleinen Kindern Atemnot auslösen. Auch für Asthmapatienten kommt das Inhalieren mit dem (ätherischen) Teebaumöl nicht in Frage, da dies einen heftigen Asthmaanfall zur Folge haben kann.

 

Wird Teebaumöl in größeren Mengen verschluckt, kann dies unter ungünstigen Bedingungen Lungenschäden auslösen.  

 

Aufsehen erregte im Jahr 2007 ein Bericht von amerikanischen Ärzte, wonach bei drei minderjährigen Jungen nach der äußerlichen Anwendung von Teebaum- und Lavendelöl-haltigen Kosmetika ein Wachstum der Brustdrüsen, also Brustwachstum, auftrat. Diese Erscheinung verschwand, nachdem die Produkte abgesetzt wurden. Der daraus entstandene Verdacht, Inhaltsstoffe aus Teebaumöl könnten derartige Nebenwirkungen auslösen, wurde bis heute nie ganz ausgeräumt – jedoch auch nie eindeutig bewiesen.

 

Bei der Anwendung von Teebaumöl an Tieren ist es ratsam, besonders vorsichtig zu sein und zuvor immer einen Tierarzt zu konsultieren. Denn einige der enthaltenen Inhaltsstoffe wirken sehr giftig auf Haustiere und können im schlimmsten Fall deren Tod verursachen; Katzen und Hunden fehlt die Fähigkeit, die Inhaltsstoffe abzubauen. Typische Symptome einer Vergiftung durch Teebaumöl sind Speicheln und Erbrechen, Unruhe, taumelnder Gang, Zittern und Schwäche im Zeitraum von zwei bis 12 Stunden nach dem Kontakt mit dem Öl. Werden diese Symptome beobachtet, sollte sofort ein Tierarzt aufgesucht werden: ggf. muss das Tier mit kreislaufstabilisierenden Infusionen und anderen Medikamenten behandelt werden.

 

 

Tipps zur richtigen Anwendung von Teebaumöl

 

  • Zur Behandlung von Insektenstichen, Pickeln und unreiner Haut: mehrmals täglich einen Tropfen Teebaumöl auf ein Wattestäbchen geben und auf die betroffenen Stellen auftupfen.
  • Zur Gesichtsreinigung bei unreiner Haut kann man auch einige wenige Tropfen auf ein feuchtes Watte-Pad geben und das Gesicht damit betupfen. Dabei unbedingt die Augen geschlossen halten!
  • Bei unreiner Haut am Körper ca. zehn Tropfen ins Badewasser träufeln.
  • Für eine entspannende Massage können wenige Tropfen Teebaumöl mit einem puren, hochwertigen Pflanzenöl wie Mandel- oder Olivenöl vermischt werden.
  • Bei juckender, schuppender und gereizter Kopfhaut einige Tropfen ins Shampoo geben und die Haare damit waschen.
  • Sind die Füße nach einem langen Tag müde, leidet man unter wunden Füßen oder Fußgeruch, empfiehlt es sich, ein paar Tropfen Teebaumöl in ein warmes Fußbad zu geben.
  • Bei Erkältungskrankheiten und Reizungen des Hals-Nasen-Raumes und des Zahnfleischs etwa drei bis fünf Tropfen in ein Wasserglas oder in die Munddusche geben und damit gurgeln bzw. den Mund gründlich ausspülen.
  • Zur besseren Entfernung von Zahnstein empfehlen viele Zahnärzte, vor dem Zähneputzen einen Tropfen Teebaumöl auf die Zahnpasta zu geben. Diese Maßnahme soll auch helfen, Karies vorzubeugen!

 

Sicher haben Sie, sofern Sie ein Teebaumöl-Profi sind, ihre eigenen Anwendungs-Tipps schon parat. Sollten Sie Teebaumöl noch nicht kennen, probieren Sie´s ruhig aus. Nicht wenige sind überzeugt: Teebaumöl kann kleine Wunder bewirken!

 

DIY: Anti-Pickel-Stift mit Teebaumöl

 

Sie benötigen:

  • 5-10 Tropfen hochwertiges Teebaumöl
  • 20 g Kokosöl
  • 1 Lippenstiftbehälter oder 1 kleines Gefäß mit Schraubverschluss

 

So geht's:

  • Zuerst die Behälter gründlich reinigen und trocknen.
  • Jetzt verflüssigen Sie das Kokosöl in der Sonne oder einem Wasserbad und geben anschließend die gewünschte Menge Teebaumöl hinzu. Alles gut miteinander verrühren!
  • Der fertige Mix wird jetzt in den Behälter gegeben und für 30 Minuten in den Kühlschrank gestellt.
  • Fertig ist der Anti-Pickel-Stift.

 

TIPP Bewahren Sie den Stift am besten im Kühlschrank auf, damit sich das Kokosöl nicht verflüssigt.

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Helga Boschitz
Autor: Helga Boschitz

Helga Boschitz, Jahrgang 1966, ist freie Journalistin und Texterin, lebt in Nürnberg und gehört seit Januar 2016 zum apomio.de-Team. Nach Studium und Ausbildung arbeitete sie seit Anfang der 1990er-Jahre als Magazinredakteurin und Moderatorin in Hörfunk- und Fernsehredaktionen u.a. beim Südwestrundfunk, Hessischen Rundfunk und Westdeutschen Rundfunk. Medizin- und Verbraucherthemen sind ihr aus ihrer Arbeit für das Magazin „Schrot und Korn“ sowie aus verschiedenen Tätigkeiten als Texterin vertraut.

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