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Ohrfeigenkrankheit - Ringelröteln bei Kindern

Kommentar schreiben Mittwoch, 22. Januar 2020

Der Anblick des eigenen Kindes mit großflächigem Ausschlag im Gesicht, versetzt so manchen Elternteil in Angst und Schrecken. Zum Glück steckt dahinter aber häufig nur eine harmlose Virusinfektion – Ringelröteln.

Worum es sich bei Ringelröteln handelt und welche Symptome und Beschwerden auftreten können, damit befassen wir uns im vorliegenden Artikel. Ansteckung und Diagnose gelangen dabei ebenso in den Blick wie Therapiemöglichkeiten. Zudem gehen wir der Frage nach, ob Komplikationen zu befürchten sind und ob man Ringelröteln vorbeugen kann. 

 

Inhaltsverzeichnis

 

Was sind Ringelröteln? 

 

Bei Ringelröteln – in der Fachsprache Erythema infectiosum – handelt es sich um eine Virusinfektion, die vorrangig bei Kindern im Kindergarten- und Schulalter auftritt. Weit seltener sind Erwachsene betroffen. Häufig tritt die Erkrankung in regelrechten Epidemien auf, vor allem im Frühjahr und Winter. Auslöser ist das Parvovirus B 19. Hauptsymptom der Ringelröteln ist ein ganz typischer Ausschlag, der allerdings nicht zwingend auftreten muss. In vielen Fällen bleibt die Erkrankung sogar ganz symptomlos oder wird von diffusen Symptomen begleitet.1

 

Ringelröteln treten nur beim Menschen auf. Der Altersgipfel liegt zwischen fünf und 15 Jahren. Während die Durchseuchungsrate im Vorschulalter bei lediglich 10 % liegt, ist sie im Erwachsenenalter bereits auf 70 % angestiegen. Das heißt, dass der Großteil aller volljährigen deutschen Personen die Erkrankung bereits durchgemacht hat. Aktuell existiert keine Impfung gegen Ringelröteln. Einmal erkrankte Personen bleiben aber ihr Leben lang immun. Nach dem Infektionsschutzgesetz gibt es bei Ringelröteln zwar keine bundesweite Meldepflicht, erkrankt das eigene Kind, sollte man aber dennoch in der Betreuungseinrichtung Bescheid geben.2

 

Ringelröteln werden zu jenen fünf Kinderkrankheiten gezählt, die mit einem Hautausschlag einhergehen. Das sind außerdem Röteln, Scharlach, Windpocken sowie Masern. Mit Röteln haben Ringelröteln übrigens tatsächlich nur den Namen gemeinsam. Es handelt sich um zwei völlig verschiedene Krankheiten, die von unterschiedlichen Viren ausgelöst werden.3

 

Ringelröteln: Symptome und Beschwerden 

 

Üblich für Ringelröteln ist ein recht leichter Verlauf. In der Regel treten weder Fieber, noch eine deutliche Beeinträchtigung des Allgemeinzustandes auf. Gerade bei Kindern kann die Virusinfektion sogar völlig ohne Symptome und Beschwerden vorüberziehen. Manchmal treten erhöhte Temperatur und/oder leichte Erkältungssymptome auf. Für Ringelröteln charakteristisch ist der typische Hautausschlag, der ihnen im englischsprachigen Raum den Namen „slapped cheak disease“ eingebracht hat. Auch in unseren Breiten hat man den Begriff übernommen und bezeichnet Ringelröteln manchmal salopp als „Ohrfeigenkrankheit“.4

 

So er auftritt, nimmt der Ausschlag bei Ringelröteln einen ganz speziellen Verlauf. Zuerst tritt er schmetterlingsförmig an beiden Wangen auf, der Mund- und Nasenbereich sind ausgespart. Nach etwa ein bis zwei Tagen macht er sich rot und fleckenförmig an Schultern, Oberarmen, Beinen und Gesäß bemerkbar. Nach und nach verändert er die Form und breitet sich ringelförmig aus – daher auch der Name Ringelröteln. Nach etwa sieben bis zehn Tagen verblasst der Ausschlag wieder, wobei er bei Sonneneinstrahlung, Hitze, Anstrengung oder Stress in den Folgetagen erneut aufflammen kann.5

 

Ringelröteln: Symptome im Überblick 

 

  • kaum eingeschränktes Allgemeinbefinden
  • leichte Erkältungssymptome
  • eventuell erhöhte Temperatur
  • Exanthem (Ausschlag): zunächst im Gesichtsbereich unter Aussparung von Mund und Nase (Wangenexanthem), breitet sich dann ringel- oder girlandenförmig im Rumpfbereich sowie an Armen und Beinen aus
  • leichter Juckreiz6
  • Kältegefühl
  • Kopfschmerzen
  • Muskel- und Gelenksschmerzen7

 

Wie werden Ringelröteln übertragen? 

 

Vor allem in Kindergärten und Schulen treten Ringelröteln häufig epidemieartig auf. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion, Viren werden also beim Niesen, Husten oder Sprechen verbreitet. Seltener findet eine Infektion über die Hände oder Blutprodukte statt. Die Inkubationszeit liegt in der Regel bei ein bis zwei Wochen.8

 

Einige Tage bevor der Ausschlag sichtbar ist, ist die Ansteckungsgefahr am höchsten. Erkrankte Kinder stecken andere also dann an, wenn man noch gar nicht weiß, dass sie erkrankt sind. Das erklärt das gehäufte Auftreten der Krankheit. Sobald sich der Ausschlag zeigt, geht die Ansteckungsgefahr deutlich zurück, in der Regel sind Betroffene dann nicht mehr ansteckend. Auch bei symptomlosen Verläufen ist Ansteckungsgefahr gegeben.9

 

Wissenswertes zur Diagnose von Ringelröteln 

 

Ist ein Ausschlag vorhanden, kann der Kinderarzt die Diagnose meist zweifelsfrei klinisch stellen. Wenn notwendig, wird diese mittels Blutuntersuchung abgesichert.10

Von Ringelröteln abzugrenzen sind Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik wie Masern, Scharlach, Röteln, Dreitagefieber, allergische Reaktionen, ein grippaler Infekt oder rheumatische Erkrankungen.11

 

Ringelröteln: Therapie und Prognose 

 

Auch wenn Ringelröteln bei Kindern oftmals heftig aussehen, eine Therapie ist in der Regel nicht notwendig. Gerade bei jungen Patienten sind Komplikationen zudem sehr selten. In manchen Fällen (etwa 20 % aller Betroffenen) sind jedoch Gelenksbeschwerden oder -entzündungen möglich. Vor allem die Finger-, Hand-, Knie- oder Sprunggelenke können betroffen sein. Beschwerden klingen aber meist nach zwei bis vier Wochen wieder ab. Gegebenenfalls werden Ringelröteln symptomatisch behandelt (Paracetamol oder Ibuprofen bei Schmerzen).12 Aufgrund des Ausschlags benötigt die Haut des Kindes nach durchgemachter Erkrankung allerdings mehr Pflege als gewöhnlich, da sie sich rau und schuppig anfühlen kann. Hier sollte zu rückfettender Hautpflege gegriffen werden. Auch Ölbäder schaffen Abhilfe.13

 

Während gesunde Kinder Ringelröteln in der Regel gut wegstecken, stellen sie für Menschen mit Abwehrschwächen oder Erkrankungen des Blutsystems häufig ein Problem dar. Besonders gefährdet sind Schwangere, die gegen das Parvovirus B 19 nicht immun sind. Vor allem bis zur 20. Schwangerschaftswoche können die Viren nämlich leicht auf das Ungeborene übertragen werden und seine Blutbildung bedrohlich verändern. Das Risiko für Fehl- und Totgeburten steigt bei einer Neuinfektion in der Schwangerschaft erheblich an.14

 

Ringelröteln vorbeugen 

 

Ringelröteln treten in richtigen Epidemien auf und sind ansteckend, bevor sich erste Symptome zeigen. Außerdem ist  keine Impfung gegen das Virus vorhanden. All das trägt dazu bei, dass Ringelröteln nicht bis kaum vorgebeugt werden kann.15 Als Maßnahme zum Schutz gegen eine mögliche Ansteckung kann nur auf die allgemeinen Hygienemaßnahmen (etwa regelmäßiges Händewaschen) hingewiesen werden. Frauen, die beruflich mit Kindern zu tun haben, sollten zudem ihre Immunität vor einer geplanter Schwangerschaft testen lassen.17

Daniela Jarosz
Autor: Daniela Jarosz

Daniela Jarosz ist Sonder- und Heilpädagogin. Während des Studiums hat sie sich intensiv mit Inhalten aus Medizin und Psychologie auseinandergesetzt. Sie arbeitet seit vielen Jahren im psychosozialen Feld und fühlt sich außerdem in der freiberuflichen Tätigkeit als Autorin zuhause. Im redaktionellen Bereich hat sie sich auf die Fachrichtungen Medizin, Gesundheit, Nachhaltigkeit, Work-Life-Balance sowie Kinder und Familie spezialisiert.

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