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Leberzirrhose: Das Gewebe geht zugrunde

2 Kommentare Dienstag, 18. Oktober 2016

Auf 100.000 Einwohner erkranken rund 250 Personen an einer Leberzirrhose. Damit ist es in den Industrieländern Europas und Amerika eine der häufigsten Lebererkrankungen. Die Ursachen sind vielfältig, etwa 50 Prozent aller Leberzirrhosen gehen allerdings auf Alkoholmissbrauch und –sucht zurück. Wir erklären, was bei einer Leberzirrhose im Körper vor sich geht und wie man sich am besten vor der Erkrankung schützen kann. 

Bei einer Leberzirrhose verendet das gesunde Lebergewebe und die Funktionalität des Organs lässt nach. Die Zellen verwandeln sich nach und nach von wichtigen Entgiftungs- und Stoffwechsel-Bestandteilen zu unbrauchbarem Bindegewebe. Dieser Prozess geschieht schleichend. Die ersten Symptome sind sehr unspezifisch. Daher wird die Diagnose Leberzirrhose meist erst spät gestellt.

Das geschädigte Lebergewebe kann nicht wieder hergestellt werden. Sind die Zellen vernarbt, ist ihre Funktion verloren. Deshalb beschränkt sich die Therapie der Leberzirrhose auf das Aufhalten der Zelldegeneration und das Behandeln der ursächlichen Erkrankung. Unbehandelt führt eine Leberzirrhose zum Tod des Patienten.

Ursachen einer Leberzirrhose: Häufig Alkohol

Die Leberzirrhose ist die Spätfolge verschiedener Erkrankungen. Dabei ist der Missbrauch von Alkohol die häufigste Ursache für die Degenration des Lebergewebes. Man spricht dann von einer äthyltoxischen Leberzirrhose. Durch den regelmäßig zugeführten Alkohol sammeln sich vermehrt Giftstoffe in der Leber an. Eine gesunde Leber baut normale Mengen an Alkohol ab. Nimmt ein erwachsener Mann allerdings täglich mehr als 24 Gramm reinen Alkohol zu sich (das entspricht etwa 0,75 Liter Bier) und eine Frau mehr als 17 Gramm (etwa 0,4 Liter Bier) lagern sich die Gifte an und der Körper speichert vermehrt Fett in der Leber.

In diesem Stadium der Erkrankung spricht man von einer Fettleber. Diese Entwicklung ist teilweise noch umkehrbar. Werden allerdings weiter übermäßig viele Giftstoffe eingelagert, gehen die fettüberladenen Leberzellen zugrunde und Narbengewebe bildet sich. Dieses Stadium nennt sich Leberfibrose und ist unumkehrbar.

Hepatitis Viren und Stoffwechselkrankheiten verursachen Leberzirrhose

Eine chronische Leberentzündung (Hepatitis) kann eine andere Ursache für die Erkrankung sein. Durch die Entzündung sterben die Leberzellen ab und das Gewebe vernarbt. Wie auch bei der durch Alkohol verursachten Zirrhose ist das beschädigte Gewebe nicht mehr zu retten.

Die chronische übermäßige Speicherung von Eisen in der Leber (Hämochromatose) kann ebenfalls zu einer Schädigung der Leberzellen führen. Das überschüssige Eisen kann nicht abgebaut werden, lagert sich ein und zerstört das Gewebe. Auch andere Stoffwechselkrankheiten wie Morbus Wilson und Mukoviszidose können eine Leberzirrhose verursachen.

Sogar Herzkrankheiten wie eine Rechtsherzinssufizienz oder die falsche Anwendung von leberbelastenden Medikamenten kann zur Leberzirrhose führen. In zehn bis 15 Prozent der Fälle ist die Ursache für die Erkrankung nicht bekannt.

Erste Symptome der Organveränderung

Am Anfang zeigt sich eine Leberzirrhose lediglich durch unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Abgeschlagenheit, Gewichtsabnahme, Übelkeit und Völlegefühl im Oberbauch. Zu diesen Symptomen kommen die Krankheitsanzeichen der Grunderkrankung hinzu. Diese Anzeichen können je nach Patient und Erkrankung variieren.

Im weiteren Verlauf der Leberzirrhose kommt es durch die Veränderung der Blutzusammensetzung zu einer Gelbfärbung der Haut (Gelbsucht) und der Lederhaut der Augen (Ikterus). Die Handballen und Fußsohlen färben sich rot und Adern im Gesicht und Dekoltée werden sichtbar (Gefäßsspinnen). Außerdem kann es zu einem Juckreiz auf der Haut kommen.

Männer können zudem die Behaarung am Bauch verlieren (Bauchglatze) und vergrößerte Brustdrüsen entwickeln. Die Hoden können schrumpfen und die sexuelle Lust geht zurück. Frauen leiden unter Menstruationsunregelmäßigkeiten.

Komplikationen einer Leberzirrhose sind oft tödlich

Ohne ärztliche Behandlung kann es zu lebensgefährlichen Komplikationen im Verlauf einer Leberzirrhose kommen. Kommt es zu einer krankhaften Einlagerung von Flüssigkeit im Oberbauch (Aszites oder Bauchwassersucht genannt) wölbt sich der Oberbauch deutlich sichtbar und der Patient nimmt an Umfang zu. Durch den Druck der Flüssigkeit auf die inneren Organe kann es etwa zu Atemproblemen kommen.

Wenn die knotigen Veränderungen der Leber auf die Blutversorgung des Organs drücken, sucht sich das Blut eine andere Flussbahn. Es entstehen Krampfadern im Magen oder der Speiseröhre, die als alternativer Weg eingeschlagen werden. Diese Adern sind allerdings meist zu dünnwandig für den straken Blutfluss. Die Folge: Die Krampfadern können Platzen (Ösophagusvarizenblutung). Ohne die Behandlung durch einen Arzt, führt diese Komplikation häufig zum Tod des Patienten.

Krebs und Gehirnveränderungen als Spätfolge

Ist die Leberzirrhose sehr ausgeprägt und viel Gewebe knotig vernarbt können sich leicht Tumore in der Leber bilden. Leberzellkrebs ist daher keine Seltenheit bei einem Zirrhose Patienten.

Wenn vermehrt Giftstoffe über die Leber in die Blutbahn gelangen, kann es zu einer Einlagerung ebendieser Stoffe im Gehirn kommen. Diese Folge der Erkrankung wird hepatische Enzephalopathie genannt. Vor allem Ammoniak verursacht im Gehirn eine Schädigung des zentralen Nervensystems. Die Folge sind Stimmungsschwankungen, Konzentrationsschwäche und Störung der Aussprache (Stadium 1). Später kommen Schläfrigkeit, Zittrigkeit und Apathie hinzu (Stadium 2). Im dritten Stadium schläft der Patient übermäßig viel und es kann ein aggressives Verhalten auftreten. Schlimmstenfalls fällt der Patient in ein hepatisches Koma (Stadium 4).

Die Leberzirrhose behandeln

Die Behandlung der Leberzirrhose hängt von der ursächlichen Erkrankung ab. Es gibt bislang keine Möglichkeit das bereits verloren Gewebe wieder zu reparieren. Allerdings kann die Zerstörung weiterer Zellen aufgehalten werden. Der Patient muss leberschädigende Substanzen (Alkohol, Drogen, Medikamente) meiden und gegebenenfalls nach Absprache mit dem behandelnden Arzt seine Ernährung umstellen. Ein gesunder Lebensstil ist die beste Prävention und Therapie einer Leberzirrhose.

Regelmäßige Kontrollen der Blutwerte und Untersuchung mittels Ultraschall und Biopsie, verraten dem Experten den aktuellen Stand der Erkrankung. Krampfadern, Tumoren und Wassereinlagerung können durch engmaschige Untersuchungen vermieden werden. In schwerwiegenden Fällen kann nur eine Lebertransplantation helfen.

Prävention: Gesunder Lebensstil

Alkoholiker müssen auf ihr Suchtmittel verzichten und trocken werden. Selbsthilfegruppen und Entzugskliniken können bei der Enthaltsamkeit helfen. Eine eiweißarme Ernährung kann bei einer bereits bestehenden Leberzirrhose verhindern, dass zu viele Giftstoffe wie Ammoniak eingelagert werden. Übergewichtige Menschen sollte ihr Gewicht normalisieren. Alkohol sollte nur in Maßen getrunken werden.

Eine Hepatitis Impfung schütz vor der virusbedingten Erkrankung. Vor allem vor der Reise in tropische Länder sollte diese Impfung vorgenommen werden.

 

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Lisa Vogel
Autor: Lisa Vogel

Von Juli 2014 bis März 2018 arbeitete Lisa Vogel als Werkstudentin in der Redaktion bei apomio.de und unterstützt das Team nun als freie Autorin. Sie hat ein Studium im Fach Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften und Medizin an der Hochschule Ansbach mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen. Hier erlangte sie sowohl journalistische als auch medizinische Kenntnisse. Derzeit vertieft sie ihre medialen Kenntnisse im Master Studium Multimediale Information und Kommunikation.

2 Kommentare

Lisa Vogel – Montag, 24. Oktober 2016
Liebe Alexandra, so eine Diagnose ist immer ein großer Schock für den Betroffenen und die Angehörigen. Das Krankheitsbild der Leberzirrhose kann von Patient zu Patient variieren. Deshalb kann nur der behandelnde Arzt Tipps und Ratschläge für den Umgang mit der Krankheit geben. Er kann gegebenenfalls über eine geeignete Ernährungsweise oder alternativmedizinische Behandlungen zur Ergänzung aufklären. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Vater nur das Beste und viel Kraft für die kommende Zeit. Lisa Vogel
betobe – Donnerstag, 20. Oktober 2016
Guten Tag, mein Papa hat am vergangenen Montag die Diagnose tödliche Leberzirrhose erhalten. Was können wir für ihn tun, um in noch so lange wie möglich ein schönes Leben zu bereiten. Die Anzeichen sind Stufe 2. Vielen Dank für Ihre Antwort. Mit freundlichen Grüßen Alexandra

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