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Leberkarzinom: Eine meist unbemerkte Krebsart

Kommentar schreiben Donnerstag, 21. Dezember 2017

Leberkrebs ist eine bösartige Tumorerkrankung der Leber, die in Deutschland zwar relativ selten auftritt, aber allgemein aufgrund der schlechten Prognose allerdings zu den zehn häufigsten Krebstodesursachen zählt. Wie häufig ist Leberkrebs? Welche Symptome treten auf? Welche Leberkrebsarten gibt es? Ist Leberkrebs Folge einer Leberzirrhose? Gibt es Behandlungsmöglichkeiten? Mehr zum Thema Leberkrebs im folgenden Beitrag.

 

Inhaltsverzeichnis:

 

Leberkrebs 

Bei Leberkrebs - weitere Synonyme sind Leberkarzinom, Leberzellkrebs, Leberzellkarzinom, Hepatozelluläres Karzinom, HCC – handelt es sich um eine bösartige Erkrankung der Zellen in der Leber. Man spricht in diesem Fall auch von „primärem“ Leberkrebs, da der Ursprung in der Leber ist und nicht „sekundär“ durch Tochtergeschwülste, Metastasen, von bösartigen Tumoren anderer Organe, beispielsweise durch Magen- oder Darmkrebs entsteht. Zudem unterscheiden sich sekundäre Lebertumoren in ihrem Verlauf und in ihrer Behandlung von den primären Lebertumoren. Im folgenden Artikel wird der primäre Leberkrebs näher erläutert.

Häufigkeit 

Bisher war Leberkrebs eine relativ seltene Tumorerkrankung in Deutschland. Neu an dieser Krebsart erkranken etwa 9080 Menschen pro Jahr, davon 6370 Männer und 2710 Frauen. Das durchschnittliche Alter an dieser Krebsart zu erkranken liegt beim männlichen Geschlecht bei 71 Jahren und bei Frauen bei etwa 74 Jahren. Die Zahl der Neuerkrankungen habe in Deutschland, anderen Ländern Europas sowie der USA zugenommen und in den letzten 35 Jahren sowohl bei Männern als auch bei Frauen verdoppelt. Die Zunahme der Neuerkrankungen wird folgendermaßen begründet:

  • zunehmende Zahl von Leberzirrhose-Patienten
  • hohe Rate von Hepatitis C-Neuinfektionen in den 1960er, 1970er und 1980er Jahren
  • zunehmend häufigere Fettleibigkeit
  • Typ2-Diabetes mellitus

 

Merke: Männer erkranken zwei- bis dreimal häufiger an Leberkrebs als Frauen

Leberkrebsarten 

Neben den eigentlichen Leberzellen gibt es in der Leber zusätzlich auch Gewebearten, wie die Zellen der Gallengänge und der Blutgefäße. Die Entstehung von Krebs ist aus jedem dieser Gewebstypen möglich, weshalb man auch verschiedene Leberkrebsarten unterscheidet, abhängig aus welchen Zellen der Tumor entstanden ist. In 80 Prozent der Fälle handelt es sich um ein hepatozelluläres Karzinom, abgekürzt HCC, sprich der Tumorentstehung aus den Leberzellen, den Hepatozyten. Ein cholangiozelluläres Karzinom (CCC) liegt vor, wenn die entarteten Zellen aus den Zellen der Gallengänge abstammen. Von einem Angiosarkom der Leber spricht man, wenn die Blutgefäße der Leber den Ursprung für den Leberkrebs darstellen.

Symptome 

In der Leber befinden sich keine Nervenzellen, weswegen Symptome für Erkrankungen der Leber sehr spät in Erscheinung treten und schwer zu erkennen sind. Das Organ, das durch fettes Essen, Alkohol, Medikamente viel zugemutet wird, arbeitet wie eine Entgiftungsstation und leidet still. Zu Beginn des Wachstums bereitet Leberkrebs kaum Symptome. Der Erkrankte bemerkt zunächst nichts. Und manchmal werden Lebertumore bei Routineuntersuchungen durch Zufall erst entdeckt. Es gibt aber allgemeine Warnsignale bezugnehmend auf eine Lebererkrankung, auf die zu achten sind:

  • Müdigkeit und Leistungsabfall als erstes Anzeichen
  • Kopfschmerzen
  • eine tastbare Schwellung unter dem rechten Rippenbogen
  • Appetitlosigkeit
  • Gewichtsveränderungen
  • Nachtschweiß

 

Weitere Symptome treten erst später in Erscheinung und sind häufig bereits die Folge des vermehrten Wachstums des Lebertumors. Zu diesen zählen unter anderem:

  • Gelbsucht (Ikterus): Gelbfärbung der Augen, später auch der Haut
  • Juckreiz
  • Druckschmerz im rechten Oberbauch (Kapselspannungsschmerz der Leber)
  • Bauchwasser (Ascites): Störung im Eiweißhaushalt führt zu einer übermäßigen Flüssigkeitsansammlung in der freien Bauchhöhle und dadurch zu einer Umfangszunahme
  • Tastbarer Tumor im rechten Oberbauch als Zeichen einer fortgeschrittenen Erkrankung
  • dunkler Urin
  • heller, entfärbter Stuhl

 

Risikofaktoren 

Die genauen Ursachen von Leberkrebs sind bislang nicht eindeutig geklärt. Aber es existieren Risikofaktoren, die dazu beitragen, dass Leberkrebs entstehen kann. Zum wichtigsten Risikofaktor für die Entstehung von Leberkrebs zählt die Leberzirrhose, die sich in Deutschland durch starken Alkoholkonsum über mehrere Jahre bzw. eine chronische Infektion mit Hepatitis B- oder C-Viren entwickeln kann. Aus Studienergebnissen geht hervor, dass bei Frauen in Deutschland für 15 % und bei Männern für 35 % der Alkoholkonsum für eine Krebsneuerkrankung der Leber verantwortlich ist. Primärer Leberkrebs entsteht in etwa 80 Prozent der Fälle als Folge einer Leberzirrhose, auch als Schrumpfleber bezeichnet. Zudem kann das Leberkrebsrisiko bei nicht-alkoholbedingter Fettlebererkrankung erhöht sein. Außerdem kann auch der Verzehr von Gift durch Schimmelpilze, Aflatoxin B1, das Auftreten von Leberkrebs begünstigen. Rauchen und Übergewicht können ebenfalls zur Entstehung von Lebertumoren beitragen. Weitere Faktoren sind:

  • Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose)
  • Belastung mit chemischen Substanzen, wie sie in Lösungs- und Pflanzenschutzmitteln vorkommen
  • Einnahme von Sexualhormonen wie beispielsweise Anabolika

 

Behandlung 

Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist stets eine rechtzeitige Diagnose. In frühen Stadien ist eine Therapie möglich, indem der Leberkrebs entweder operativ entfernt werden kann oder durch eine Radiofrequenzablation „verkocht“ wird, sodass die Erkrankung als geheilt gilt. Die Therapie von Leberkrebs richtet sich nach Größe, Ausdehnung und Lage des Tumors. Auch spielt der Allgemeinzustand des Patienten eine entscheidende Rolle. In einer interdisziplinären Tumorkonferenz kann die Entscheidung über den Therapieansatz, welcher speziell auf den jeweiligen Patienten zugeschnitten ist, gefällt werden. Chirurgen, Gastroenterologen, Onkologen und Strahlentherapeuten besprechen gemeinsam den einzelnen Fall im kleinsten Detail und fällen im Anschluss daran unter Berücksichtigung aller Gesichtspunkte eine gemeinsame Entscheidung zur bestmöglichen, individuellen Therapie des Patienten. Leider ist bei vielen Betroffenen, aufgrund der spät auftretenden eher unspezifischen Symptome, die Krebserkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose schon so weit fortgeschritten, dass eine Heilung kaum noch möglich ist. Aber auch bei fortgeschrittenem Tumorleiden begünstigt eine rasche Diagnose, dass die Überlebenschance erhöht und die verbleibende Lebensspanne erträglich und lebenswert gestaltet werden kann. Wenn der Leberkrebs nicht operiert werden kann, ist seit 2007 das Medikament Sorafenib, welches primär bei fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom eingesetzt wird, zugelassen.

Prognose 

Die Prognose bei Leberkrebs ist abhängig vom Stadium der Krebserkrankung und dem Zustand des Lebergewebes. Etwa 11 Prozent der an Leberkrebs erkrankten Patienten überleben die ersten fünf Jahre nach Diagnosestellung. Zum Vergleich: Eine noch ungünstigere Prognose liegt bei bösartigen Tumoren der Bauchspeicheldrüse vor. Unter den Bedingungen, dass sich ausgehend vom Primärtumor auch noch Tochtergeschwülste gebildet haben, sind die Heilungschancen deutlich verschlechtert. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt dann mittels palliativer Therapie zwischen sechs und zwölf Monaten. Ohne eine solche Therapie fällt die Lebenserwartung niedriger aus.

Leberkrebs vorbeugen? 

Ein sicherer Schutz ist vor keiner Krebserkrankung gegeben. Allerdings ist es möglich, das Risiko für die Entstehung von Leberkrebs zu senken, indem man die Risikofaktoren für eine Leberzirrhose vorbeugt. Häufig entsteht eine Leberzirrhose durch eine Hepatitis B- oder Hepatitis C-Erkrankung. Wer an Hepatitis B oder C erkrankt ist, sollte sich frühzeitig behandeln lassen, damit eine chronische Entzündung der Leber verhindert werden kann. Auch übermäßiger Alkoholkonsum verursacht Erkrankungen der Leber. Wer zu viel Alkohol trinkt, erhöht sein Risiko für eine Leberzirrhose, aus welcher folglich Leberkrebs entstehen kann. Keinen oder nur wenig Alkohol zu trinken kann somit ein wirksames Schutzmittel sein.

 

Bildnachweis:

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J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Die ausgebildete Operations-Technische Assistentin hat nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine Weiterbildung zur Chirurgisch-Technischen Assistentin in der Allgemein- und Visceralchirurgie in Köln absolviert. Inzwischen blickt sie auf eine mehrjährige Erfahrung in der OP-Assistenz in diesem Fachgebiet zurück. Neben ihrer Tätigkeit im OP studiert Frau Ehresmann Humanmedizin in einem Modellstudiengang in Aachen.

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