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Diagnose COPD - Wenn der Raucherlunge die Luft weg bleibt!

Kommentar schreiben Donnerstag, 11. April 2019

Die chronisch obstructive Lungenerkrankung (englisch chronic obstruktive pulmonary disease), abgekürzt COPD, ist die dritthäufigste Todesursache weltweit. Während fast alle Lungenerkrankungen in den vergangenen zehn Jahren an Zunahme gewonnen haben, ist besonders bei der Entwicklung der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung eine drastische Zunahme zu beobachten. Wie viele Menschen in Deutschland leiden unter einer COPD? Welche Auslöser führen zu der Erkrankung? Welche Komplikationen ergeben sich?

Mehr zu dem Thema im folgenden Beitrag.

 

Wie macht sich die COPD Erkrankung bemerkbar?

 

Die chronisch obstructive Lungenerkrankung (englisch chronic obstruktive pulmonary disease), abgekürzt COPD, ist eine „verhinderbare Erkrankung mit extrapulmonalen Auswirkungen, die den Schweregrad maßgeblich mit beeinflussen können“.1

Bei der Erkrankung kommt es zunächst zu einer Entzündung der kleinen Atemwege (Bronchiolen), vorwiegend ausgelöst durch das Einatmen von Substanzen, wie dem Rauchen.2

 

Ausgehend von der Entzündung der kleinen Atemwege kommt es zu Umbauprozessen der Atemwege und einer sogenannten Mukushypersekretion, die zu einer strukturellen und funktionellen Obstruktion führen: Einer Verengung der Bronchien, die einen fortschreitenden Verlauf annimmt und nicht mehr umkehrbar ist. Es kommt zu einer Überblähung/Erweiterung der Lungenbläschen – folglich führt es zu einem Verlust der Lungenaustauschfläche, die für eine optimale Sauerstoffauf- und Kohlenstoffdioxidabgabe nötig ist.  Eine Atemflussbehinderung liegt vor.3

Die Atemflussbehinderung nimmt meist einen fortschreitenden Verlauf an und geht mit einer chronischen Entzündungsreaktion der Lunge auf schädliche Gase oder Partikel einher.4

 

Die Folgen der schlechten Sauerstoffaufnahme und Kohlenstoffdioxidabgabe sind Sauerstoffmangel (Hypoxie), erschwerte Atmung, die den Einsatz von Atemhilfsmuskulatur erforderlich machen, sowie im späten Krankheitsstadion ein erhöhter Gehalt von Kohlenstoffdioxid im Blut (Hyperkapnie).5

Leitsymptome eines Patienten mit COPD sind Luftnot und produktiver Husten, das heißt Husten mit Auswurf.

 

Zum Vergleich: von einer chronischen Bronchitis spricht man, wenn bei einem Patienten in zwei aufeinanderfolgenden Jahren während mindestens drei aufeinander folgenden Monaten pro Jahr Husten und Auswurf bestanden.6

 

COPD eine weltweit verbreitete Krankheit - 8 - 12 % in Deutschland betroffen!

 

COPD ist weltweit die dritthäufigste Todesursache.

Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO haben ergeben, dass weltweit 600 Millionen Menschen unter einer COPD leiden; in Deutschland sind ungefähr 8-12 % der Gesamtbevölkerung von einer COPD betroffen, in diesem Zusammenhang befürchtet man allerdings auch eine sehr hohe Dunkelziffer, die nicht bekannt ist.7

 

Erschreckenderweise ist die COPD damit die häufigste Erkrankung der Atmungsorgane und häufiger als Asthma bronchiale, Lungenentzündung und Lungenkrebs zusammen.8

Derzeit sind Männer häufiger als Frauen betroffen, was vermutlich damit zu begründen ist, dass in der Vergangenheit ein höherer Zigarettenkonsum bei Männern als bei Frauen zu beobachten war.9 Allerdings hebt sich dieser Unterschied derweilen zunehmend auf, da der Frauenanteil im Hinblick auf das Rauchen steigt.

 

Die Krankheitshäufigkeit steigt mit zunehmendem Alter und wird am häufigsten bei Patienten mit einem Lebensalter von über 70 Jahren festgestellt.10 Da derweilen viele Jugendlichen sehr viel früher als in der Vergangenheit mit dem Zigarettenkonsum beginnen, ist zu befürchten, dass die COPD-Fälle in Zukunft auch früher und in jüngeren Jahren auftreten.11

Um auf die Vorhersage an einer COPD erkranken zu können, aufmerksam zu machen, hier ein Zitat aus der im Anhang angegeben Quelle: „Bei Rauchern, die ca. 20 Jahre rauchen, bildet sich in ca. 15-20% eine COPD“.12

 

Der Einfluss von Genen und Umweltfaktoren auf COPD!

 

Für die Entstehung der Lungenerkrankung ist Risikofaktor Nummer 1 nach wie vor das Rauchen jeglicher Art (Zigarette, Pfeife, Wasserpfeife, Cannabiszubereitungen, Zigarre, Passivrauchen) und mit fast 90 Prozent die häufigste Ursache.13

 

Ein Hinweis auf das Rauchen von Wasserpfeife: Das Rauchen mit Wasserpfeife („Shisha“) sei lange Zeit von Medizin-Laien als unbedenklich oder „gesünder“ angenommen worden, doch dem ist nicht so, denn der Wasserpfeifenrauch ist vergleichbar schädlich.14

Im Hinblick auf das Rauchen mit E-Zigaretten bedarf es noch an ausreichenden Studien, um eine Aussage tätigen zu können.15

 

Bezugnehmend auf das Rauchen, gibt es auch immer öfter Patienten mit COPD, die nie geraucht haben, sodass auch weitere Umweltfaktoren für die Krankheitsentstehung eine entscheidende Rolle spielen.

 

Weitere äußere Ursachen für die Entstehung einer COPD sind unter anderem:

 

  • Luftverschmutzung (z.B. SO2, Staub): Industrie und Straßenverkehr
  • Bergbau: Feinstaub erhöht das Risiko, an COPD zu erkranken (Berufskrankheit)
  • In Drittweltländern: innerhäusliches Heizen und Kochen mit offenem Feuer
  • wiederkehrende bronchopulmonale Infekte 
  • Alle Faktoren, die die Lungenentwicklung in Schwangerschaft und Kindheit hemmen (Nikotinkonsum während der Schwangerschaft, niedriges Geburtsgewicht, chronische Infekte, usw.) können das Risiko einer späteren COPD erhöhen 16

 

Auch können innere Faktoren für die Entstehung der Lungenerkrankung vorliegen: So können unter anderem beispielsweise Antikörpermangelsyndrome (IgA-Mangel - die Unfähigkeit des Körpers auf einen Antigenreiz mit einer ausreichenden Bildung von Antikörper zu reagieren) und ein Alpha-1-Trypisinmangel auch eine COPD verursachen.17

Auch eine Frühgeburtlichkeit, kann ein Risiko für eine COPD-Entstehung hervorbringen: „Je niedriger das Geburtsgewicht, desto höher das Risiko eine COPD zu entwickeln.“ 18

 

COPD - Beginn einer chronischen Bronchitits

 

Der COPD geht meist eine chronische (nichtobstruktive) Bronchitis voraus, dessen Symptome chronischer Husten und Auswurf sind. Typisches Symptom ist zudem auch das morgendliche Abhusten von sogenanntem Sputum, einem schleimigen Sekret.19

Darüber hinaus besteht Atemnot (Dyspnoe), zunächst nur bei Belastung (Belastungsdyspnoe) und im Verlauf zunehmend und auch dauerhaft.20

Kardinalsymptome der COPD sind also Husten, Auswurf und Atemnot mit zunehmender Einschränkung körperlicher Leistungsfähigkeit.21

Weitere Symptome, die unter anderem in Erscheinung treten können sind:

 

  • Lippen- und Fingernagelzyanose durch Sauerstoffmangel (bläulich-violette Färbung von Lippen und Fingernägel)
  • Zeichen einer Rechtsherzkompensation: Ödeme (Geschwülste oder Schwellungen) in den Unterschenkeln, gestaute Halsvenen
  • Bei langjährigem Sauerstoffmangel: Uhrglasnägel und Trommelschlägelfinger
  • Bei langjähriger COPD (insbesondere im Emphysemstatdium): Fassthorax (die Rippen des Patienten sind fast horizontal aufgestellt und einem Fass ähneln; es liegt ein typischer Befund für die Überblähung der Lungen vor)

 

Die Lebenserwartung mit COPD - Ist eine Therapie möglich?

 

„Im Zeitraum zwischen 1960 und 1998 nahm die Sterblichkeit durch COPD bei Männern um 344% zu; bei Frauen im selben Zeitraum um 1000%“.22

 

Eine konsequente und langfristige Basistherapie der COPD sind allgemein:

 

  • Noxen ausschalten: Nikotinkarenz bzw. das Rauchen aufgeben als wichtigste Maßnahme sowie inhalative Belastung am Arbeitsplatz prüfen und nach Möglichkeit ausschalten
  • Impfungen: Aktive Immunisierung gegen Influenzaviren (jährlich) und Pneumokokken, um die Infektrate niedrig zu halten
  • Patientenschulung: Atemtraining (Beispiel: Atemtechnik der Lippenbremse)
  • Atemgymnastik: Training der Atemhilfsmuskulatur
  • Körperliches Training, das der individuellen kardiopulmonalen Leistung angepasst ist („Lungensport“)
  • Osteoporoseprophylaxe (Calcium und Vitamin D3), da bei COPD ein erhöhtes Osteoporoserisiko besteht 23

 

Auch ist eine medikamentöse Therapie vorgesehen, mit dem Hinweis, dass diese lediglich eine Linderung der Symptome erzielt, um das alltägliche Leben annähernd beschwerdefrei möglich zu machen.24 Es ist aber nicht nachgewiesen, dass eine medikamentöse Therapie den fortschreitenden Verlauf der Lungenerkrankung verzögert. 25

 

Nach aktuellen Empfehlungen gibt es bei der COPD eine sogenannte Stufentherapie.

Zentralle Rolle in der Basis- und Bedarfstherapie spielen sogenannte Bronchidilatatoren, wie Beta-2-Sympathomimetika (Beispiel: Salbutamol, Formoterol, Indacterol, Salmeterol), zur inhalativen Verwendung. 26

 

Weitere Leitsubstanzen sind inhalative kurzwirksame und inhalativ langwirksame Muskarinrezeptor-Anatgonisten (Parasympatholytika: Anticholinergika): Ipratropiumbromid, Tiotropiumbromid, die bei COPD als gut wirksam eingestuft werden. Nebenwirkungen können unter anderem Mundtrockenheit, selten Harnverhaltung, Verschlechterung des Augeninnendrucks bei Glaukom u.a. sein.27

Auch sind inhalative Glukokortikoide (Beispiel Budesonid) und Phosphodiesterase-4-Hemmer (Roflumilast) Leitsubstanzen der COPD-Therapie.

 

Die Einzelheiten der Präparate sind den Informationen des behandelnden Arztes zu entnehmen. Darüber hinaus ist bezüglich der medikamentösen Therapie die Nennung der Medikamente nur als eine Übersicht/ein Überblick anzusehen, die keinesfalls vollständig ist bzw. sein muss. Es wird im Einzelfall entschieden, welche Medikamente der behandelnde Arzt dem Patienten mit einer COPD verabreicht, in Abhängigkeit von seinem aktuellen Gesundheitszustand, bestehenden möglichen weiteren Erkrankungen und dem aktuellen Krankheitsstand seiner COPD.

 

Eine COPD ist eine verhinderbare Erkrankung, wenn man Risikofaktor Nummer 1 mit über 90 Prozent als Ursache, meidet.

Patienten mit einer COPD und einem anhaltenden schädlichen Nikotinkonsum erleiden eine zunehmende und nicht mehr rückkehrbare Funktionseinschränkung der Lunge, die die Lebenserwartung stark einschränkt und dessen Endstadium ein körperlicher Verfall und sehr leidvollen Erstickungszuständen bedeuten kann.28

 

 

 

Quellen:

 

1 vgl. Herold, Gerd und Mitarbeiter: Innere Medizin 2014

2 vgl. https://www.amboss.com/de

3 vgl. https://www.amboss.com/de

4 vgl. Herold, Gerd und Mitarbeiter: Innere Medizin 2014

5 vgl. https://www.amboss.com/de

6 vgl. Herold, Gerd und Mitarbeiter: Innere Medizin 2014

7 vgl. Herold, Gerd und Mitarbeiter: Innere Medizin 2014, vgl.COPD: https://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/copd/haeufigkeit/

8 vgl. COPD: https://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/copd/haeufigkeit/

9 vgl. https://www.amboss.com/de

10 vgl. https://www.amboss.com/de

11 vgl. COPD: https://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/copd/haeufigkeit/

12 vgl. COPD: https://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/copd/haeufigkeit/

13 vgl. Herold, Gerd und Mitarbeiter: Innere Medizin 2014, vgl. https://www.amboss.com/de

14 vgl. https://www.amboss.com/de

15 vgl. https://www.amboss.com/de

16 vgl. Herold, Gerd und Mitarbeiter: Innere Medizin 2014

17 vgl. Herold, Gerd und Mitarbeiter: Innere Medizin 2014

18 vgl. https://www.amboss.com/de

19 vgl. Herold, Gerd und Mitarbeiter: Innere Medizin 2014, vgl. https://www.amboss.com/de

20 vgl. Herold, Gerd und Mitarbeiter: Innere Medizin 2014, vgl. https://www.amboss.com/de

21 vgl. Herold, Gerd und Mitarbeiter: Innere Medizin 2014

22 COPD: https://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/copd/haeufigkeit/

23 vgl. Herold, Gerd und Mitarbeiter: Innere Medizin 2014, vgl. https://www.amboss.com/de

24 vgl. https://www.amboss.com/de

25 vgl. https://www.amboss.com/de

26 vgl. Herold, Gerd und Mitarbeiter

27 vgl. Herold, Gerd und Mitarbeiter

28 vgl. https://www.amboss.com/de

 

 

 

 

J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Die ausgebildete Operations-Technische Assistentin hat nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine Weiterbildung zur Chirurgisch-Technischen Assistentin in der Allgemein- und Visceralchirurgie in Köln absolviert. Inzwischen blickt sie auf eine mehrjährige Erfahrung in der OP-Assistenz in diesem Fachgebiet zurück. Neben ihrer Tätigkeit im OP studiert Frau Ehresmann Humanmedizin in einem Modellstudiengang in Aachen.

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