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Der lange Weg zur Diagnose Roemheld-Syndrom

11 Kommentare Mittwoch, 05. August 2015

Das Roemheld-Syndrom, welches durch den deutschen Internisten Ludwig von Roemheld Anfang des 20. Jahrhunderts beschrieben worden ist, ist bisher nicht allzu bekannt. Trotz allem tritt das Leiden in der heutigen Gesellschaft zunehmend in Erscheinung: Blähende Lebensmittel oder übermäßige Nahrungsaufnahme rufen Gasansammlungen hervor, welche wiederum den Symptomen eines Herzinfarkts ähnlich sein können. Wissenswertes über das Roemheld-Syndrom im folgenden Artikel.

 

Inhaltsverzeichnis:

 

Was ist das Roemheld-Syndrom? 

 

In der Medizin bezeichnet man als Roemheld-Syndrom refklektorische Herzbeschwerden, die durch Gasansammlungen im Darm und Magen ausgelöst werden.1 Durch die Gasansammlung im Magen-Darm-Trakt, zum Beispiel durch blähende Lebensmitteln, nimmt der Druck auf das Zwerchfell zu; das Zwerchfell wird nach oben gedrückt, wodurch direkter oder indirekter Druck auf das Herz ausgeübt wird – Herzbeschwerden, die unter anderem einer Brustenge (Angina pectoris) ähneln, entstehen, indem die Herzkranzgefäße durch den Druck verkrampfen und das Herz schlechter durchblutet wird.2

 

Was sind mögliche Ursachen für das Roemheld-Syndrom? 

 

Verschiedene Faktoren können zu einer übermäßigen Gasentwicklung führen, den Regelprozess der Verdauung stören und diese verlangsamen. Unter anderem sind blähende Lebensmittel sowie Getränke dafür verantwortlich.3 Zu ihnen gehören

  • Zwiebeln
  • Hülsenfrüchte
  • Kohl
  • Tiefkühlkost
  • Nüsse
  • einige Obstsorten wie Pflaumen
  • Stärke, zum Beispiel in Kartoffeln
  • Kohlensäure
  • Lactose, zum Beispiel in Milch4

 

Auch der Genuss von Alkohol und Nikotin sowie vor allem das Verschlucken von Luft während des Essens, durch hastiges „Hinunterschlingen“ oder Reden beim Essen, können als Auslöser für zu viel Gas im Magen-Darm-Trakt in Frage kommen und das Roemheld-Syndrom entstehen lassen. Die Störungen im Magen-Darm-Trakt werden zudem durch psychischen und physischen Stress, Hektik, Ärger, Depressionen, Frust, Kummer und Schlafmangeln begünstigt.5

Typische Beschwerden können auch durch einen Zwerchfellbruch, medizinisch Hiatushernie, auftreten. Hierbei rutscht der Magen in den Brustkorb hoch und ein unangenehmer Druck in dieser Region wird erzeugt.6

 

Was sind mögliche Symptome beim Roemheld-Syndrom? 

 

Patienten, die an einem Roemheld-Syndrom leiden, haben folgende Symptome

  • Kurzatmigkeit
  • Beeinträchtigung des Atemprozesses
  • beklemmendes Engegefühl in der Brust (Angina pectoris)
  • Herzrhythmusstörungen
  • Todesangst
  • Kreislaufstörungen
  • Schwindel bis hin zur Ohnmacht
  • Hitzewallungen
  • erhöhte Schweißsekretion
  • Schlafstörungen (Patienten wachen morgens unausgeruht auf)7

 

Wie wird das Roemheld-Syndrom diagnostiziert? 

 

In einer klinischen Untersuchung ermittelt der behandelnde Arzt zunächst in einer Anamnese die bestehenden Beschwerden des Patienten, dessen Lebensgewohnheiten, Vorerkrankungen sowie die einzunehmenden Medikamente und führt eine klinische Untersuchung mittels Abtasten (Palpation), Auskultation (Abhören) des aufgetriebenen Magen-Darm-Bereichs durch.8 Mit Hilfe eines Ultraschallgerätes (Sonographie) können die überblähten Regionen dargestellt werden oder ein Zwerchfellhochstand festgestellt werden. Die Laboruntersuchungen (Bluttests) sind in der Regel unauffällig.9

 

Was sind Behandlungsmaßnahmen und wie wird dem Roemheld-Syndrom vorgebeugt? 

 

Person hält Hände auf BauchDas Roemheld-Syndrom kann insofern therapiert werden, indem die Entstehung der Gasansammlung im Magen-Darm-Trakt verhindert werden kann, sodass keinerlei Druck auf Zwerchfell und infolge dessen auf den Herzmuskel ausgeübt werden kann.10 Gesetzt den Fall, dass die Ursache in einer falschen Ernährung liegt, empfiehlt es sich auf rohe und blähende Lebensmittel zu verzichten und über den Tag verteilt kleine Mahlzeiten einzunehmen.11 Auch sollte der Verzehr von Alkohol und Nikotin eingedämmt werden und ausreichend tägliche Bewegung erfolgen.11 Zu den Abendzeiten sollte keine schwere Kost gespeist werden, denn dadurch wird der Organismus unnötig belastet, was sich in Einschlaf- bzw. Durchschlafproblemen äußert. 12 Medikamentös lassen sich auch übermäßige Schaum-und Gasansammlungen kurzfristig behandeln.13 Aus der Naturheilkunde gibt es Substanzen, die das Roemheld-Syndrom vorbeugen oder reduzieren können: Pfefferminze und Melisse haben eine krampflösende Wirkung, Baldrian, Wacholder, Fenchel und Kümmel helfen gegen Blähungen.14 Und ganz wichtig: Bei jeder Mahlzeit gründlich kauen! Meistens hilft bereits die konservative Therapie, damit das Roemheld-Syndrom gar nicht erst in Erscheinung treten kann.

Sofern eine Zwerchfellhernie vorliegt, sollte diese langfristig gesehen, operativ behandelt werden, damit Organe, wie unter anderem der Magen nicht aus dem Bauchraum durch die Lücke des Zwerchfells in den Brustraum gleiten kann oder im schlimmsten Fall sogar eingeklemmt werden kann.15 Die häufigste OP-Methode, eine Zwerchfellhernie zu beheben, ist die sogenannte Fundoplicatio inklusive Hiatoplastik. Hierbei wird die krankhafte Erweiterung bzw. Öffnung im Zwerchfell mit Nähten verschlossen und ein Teil des Magens (Fundus) wie eine Manschette (Fundusmanschette) um den abdominellen Anteil der Speiseröhre genäht, um einen Rückfluss (Reflux) von Mageninhalt zu verhindern.16  

 

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Wie wird die Osteopathie beim Roemheld-Syndrom eingesetzt? 

 

Auch die Osteopathie, eine manuell-therapeutische Methode, eignet sich unter anderem als eine Therapiemaßnahme beim Roemheld-Syndrom.17 Das Buch „Osteopathie. Sanftes Heilen mit den Händern“ von TRIAS-Verlag bietet einen Überblick bei welchen Beschwerden Osteopathie hilft und widmet sich in einem Kapitel dem Roemheld-Syndrom.18

Mit Osteopathie könne man durch gezielte Berührungen die Selbstheilungskräfte freisetzen.19 

 

Fazit: Das Roemheld-Syndrom. Noch nahezu unbekannt. Trotz allem sollte diesem Syndrom Beachtung geschenkt werden, damit bei sicherer Diagnosestellung auch effektiv therapiert werden könne.

 

 

J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Die ausgebildete Operations-Technische Assistentin hat nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine Weiterbildung zur Chirurgisch-Technischen Assistentin in der Allgemein- und Visceralchirurgie in Köln absolviert. Inzwischen blickt sie auf eine mehrjährige Erfahrung in der OP-Assistenz in diesem Fachgebiet zurück. Neben ihrer Tätigkeit im OP studiert Frau Ehresmann Humanmedizin in einem Modellstudiengang in Aachen.

11 Kommentare

Graven Katharina – Montag, 12. August 2019
Musste nach einer Magenspiegelung/Hiatushernie /die Gallenblase operieren...leider habe ich immer noch starkes Herzklopfen :immer wenn ich liege , Hitzewallungen und beklemmender Druck auf der Brust...ich habe mir die Diagnose selber gestellt , weil allesgenau zutrifft und ich schon 2mal vergebens beim Kardiologen war...möchte dass operieren lassen-habe 10 kg in 1Jahr verloren.../habe aber noch genug ????
Gerhard Raithel – Dienstag, 26. März 2019
Hallo liebe Gemeinde, kann mir jemand weiterhelfen seit Oktober 2018 konnte ich urplötzlich nicht mehr schwimmen bzw. durchatmen nach 25-40 m ist das Gefühl da, dass eine Boa den Brustkorb bearbeitet und es wurde von den Lungenärzten festgestellt Zwerchfellhochstand links. MRT Kopf und HWS und Magen Darm. und Blutwerte Borrelie usw. wurden abgeklärt und für idiopatisch unerkläbar eingestuft, was kann ich noch tun ?????Osteopathie und Atemtraining erfolglos, kennt jemand einen, bei dem der Nerv zurückgekommen ist?bzw. ist dies überhaupt möglich????? DieThoraxklinik möchte Zwerchfellraffung machen in 6 Monaten.Bitte helft mir in irgendeiner Form. Kann es sein das ich evtl. doch an Roemheld-Syndrom leide? Ganz lieben Dank
Pahl, Erika – Freitag, 08. März 2019
Seit ca. einem halben Jahr verstärkt Luftnot, zunehmend. Das veranlasste CT weist eine große Hiatushernie nach. Kann die Luftnot darauf zurück zu führen sein? Was sollte veranlasst werden?
Antwort von J. Ehresmann

Liebe Erika, 

prinzipiell können große Hiatushernien/Thoraxmagen zur Luftnot führen, allerdings sind auch viele andere Ursachen möglich, wie unter anderem Herz- und Lungenerkrankungen (Herzinsuffizienz, COPD, chronische Bronchitis, Lungenembolie etc.) 

Ich empfehle Ihnen, sich für das weitere Prozedere an Ihren behandelnden Arzt zu wenden. 

Der Artikel behandelt ein Gesundheitsthema und dient lediglich allgemeinen Informationen, er dient aber nicht zur Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. 

Nur eine individuelle Untersuchung durch einen Arzt kann zu einer richtigen Therapieentscheidung führen. 

Ich wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft. 

Herzliche Grüße 

Martin Sch. – Montag, 14. Januar 2019
Sehr geehrte Frau Ehresmann, gibt es Spezialisten für das Roemheld-Syndrom? Zu welchem Arzt muss man gehen? Mein Kardiologe scheint sich nicht auszukennen, meine Gastroenterologin allerdings auch nicht. Wie findet man einen Arzt, der sich damit auskennt? Vielen Dank Martin
Judith Ehresmann – Mittwoch, 15. November 2017
Hallo E.S., der Beitrag zum Thema Roemheld-Syndrom enthält nur allgemeine Hinweise, weswegen sich die Beantwortung individueller Fragen leider schwierig gestaltet bzw. nicht möglich ist. Ich kann Ihnen daher leider keine Empfehlungen aussprechen. Prinzipiell ist auf einen Facharzt für Gastroenterologie hinzuweisen; ein Zentrum für das Roemheld-Syndrom ist mir leider nicht bekannt. Vielleicht kann diesbezüglich die Recherche im Internet hilfreich sein. Ich wünsche eine sichere Diagnosestellung und gute Genesung!
ES – Dienstag, 14. November 2017
Sehr geehrte Frau Ehresmann, sind Sie noch als Ärztin tätig? Und wenn ja, kann man bei Ihnen Termine vereinbaren? Ich soll im Auftrag von meinem Chef einen guten Arzt finden, der sich mit dem Roemheld-Syndrom auskennt bzw. es korrekt diagnostizieren kann. Können Sie mir weiterhelfen? Er hat schon eine Menge Ärzte besucht aber noch immer keine konkrete Diagnose bekommen. Langsam macht sich leider Verzweiflung breit.... Über Hilfe, egal in welcher Form, bin ich sehr dankbar!! Mit freundlichen Grüßen E.S.
Saevidicus – Montag, 10. April 2017
Ich habe diese Symptome seit meiner Schilddrüsen-OP im Jahre 2000. Vor zwei Jahren habe ich erst erfahren das ich eine einseitige Zwerchfelllähmung links habe, da der Nerv verletzt wurde. Welches meine Atemnot erklären würde. Auch wenn ich kein Roemheld-Syndrom habe, erklärt es doch weshalb ich diese Symptome habe und mein Arzt hat dies , dank diesem Bericht auch so angenommen und sucht für mich nach geeigneten Therapiemaßnahmen. Vielen Dank für den Bericht! :)
Judith Ehresmann – Donnerstag, 15. September 2016
Die Operation wird durch einen Allgemein- und Visceralchirurgen durchgeführt. Allerdings ist zunächst eine sichere Diagnosestellung seitens des behandelnden Arztes erforderlich. Ich wünsche Ihnen eine schnelle Genesung und alles Gute!
Judith Ehresmann – Freitag, 09. September 2016
Hallo Mariana, da der Text nicht zur Selbstdiagnose dient und auch keine ärztliche Diagnose ersetzen kann, sollte in einem ausführlichen Anamnesegespräch mit dem Arzt geklärt werden in welchem Zusammenhang Ihre Beschwerden auftreten: Tritt die Kurzatmigkeit sowie Brustenge nach der Nahrungsaufnahme auf? Besteht evtl. Sodbrennen? Die Vorstellung bei einem Facharzt für Gastroenterologie wäre zu empfehlen, auch für den Ausschluss einer Hiatushernie (Bruch des Zwerchfells), in der sich der Magen in den Thoraxraum nach dem Essen drückt und lebenswichtige Funktionen wie die Atmung einschränken kann. Eine Röntgenuntersuchung mit Breischluck und/oder ein MRT könnte zum Beispiel die Diagnose komplettieren. Darüber hinaus können auch Lebensmittelunverträglichkeiten, wie Laktoseintoleranz oder stark blähende Speisen ursächlich sein. Für eine sichere Diagnosestellung wünsche ich Ihnen alles Gute!
Malig – Montag, 05. September 2016
Guten Abend, ich leider seit einem Jahr an Atemnot. Jetzt habe ich Ihren Artikel gelesen. Ein zwei Monate vorm Beginn der Bescwerden wurde wegen Magenschmerzen und Sodbrenn beim mir eine Magenspiegelung durchgeführt. Diagnose: Gastritis und Heliobactus. Dann habe ich die übliche7-Tage-Kur mit den zwei Antibiotika verschrieben bekommen. Zu welchem Arzt muss ich, so dass bei mir überprüft wird, ob nicht dieses Roemheld Syndrom der Grund für die Atemnot und für die Brustenge bei mir ist. Ich danke Ihnen für Ihre Antwort ganz herzlich.
Adonis – Montag, 28. März 2016
Wo kann diese Operatin durchgeführt werden. Kann Nächte lang nicht schlafen, haben Herzbeschwerden und der Magen stülpt sich jede Nacht hoch.

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