©

Über Wut und Aggression

1 Kommentar Aktualisiert am 16. März 2017
Zertrümmerte Teller, kaputte Türen, klirrende Gläser. Wut und Aggression ist Bestandteil im Leben vieler Menschen. Manch Einer gerät sehr leicht in Rage und scheint kaum zu bändigen zu sein. Andere hingegen können ihre Wut gut kontrollieren. Was hat es mit der Wut auf sich, stimmt es, dass Wut die „männliche“ Emotion ist und wie können wir lernen sie zu kontrollieren?

Die Definition von Wut und Aggression:

Wut ist eine der grundlegenden Emotionen des Menschen. Neben Trauer, Freude, Angst, Ekel, Verachtung und Überraschung zählt sie zu den Basisemotionen, die jeder Mensch, überall auf der Welt, gleich versteht und interpretiert. Die Ursachen für Wut sind meist negative Gefühle, wie Trauer, Enttäuschung, Eifersucht, Hass oder Frustration. Steigt die Wut immer weiter an kann dies zu aggressivem Verhalten führen. Aggression ist eine Verhaltensweise, die meist die Schädigung oder Verletzung einer anderen Person zum Ziel hat, oder zur Erreichung eines bestimmten Zieles eingesetzt wird. Bei aggressivem Verhalten ist vor allem die zugrunde liegende Motivation ausschlaggeben. Möchte eine Person mit Absicht einem anderen Schaden zufügen, kann man von aggressivem Verhalten sprechen. Nicht ausschlaggebend sind laut Psychologen die Konsequenzen, die das Verhalten mit sich bringt, also wie stark beispielsweise die Verletzungen sind.

Welche Arten von Aggression gibt es?

Aggression kann verschiedene Formen annehmen: sie kann sowohl physisch, also körperlich, als auch verbal sein, direkt oder indirekt ausgedrückt werden und aktiv oder passiver Natur sein. Außerdem unterscheiden Psychologen zwischen instrumenteller und feindseliger Aggression. Bei der instrumentellen Aggression möchte die Person ein bestimmtes Ziel erreichen, die sogenannte Schädigungsabsicht ist hier zweitrangig. Bei der feindseligen Aggression möchte die Person Wut oder feindselige Gefühle zum Ausdruck bringen. Ihr oberstes Ziel ist die Schädigung einer anderen Person.

Woher kommt aggressives Verhalten?

Nicht jeder Mensch reagiert auf Frustration oder Eifersucht mit Aggression. Es gibt verschiedene psychologische Theorien, die versuchen zu erklären, wie sich Menschen aggressives Verhalten aneignen. Besonders häufig zeigen Menschen aggressives Verhalten, wenn sie in ihrer Kindheit gelernt haben, dass sie mit Gewalt ein Ziel erreichen können. Diesen Lernvorgang nennen Psychologen das Prinzip der Verstärkung. Außerdem lernen Kinder sehr viel durch Vorbilder. Beim sogenannten Modelllernen werden Aggressionen durch Beobachtung gelernt. Wenn Kinder andere Vorbilder beobachten, die sich aggressiv verhalten und mit ihrem Verhalten Erfolg haben, imitieren sie dieses Verhalten höchstwahrscheinlich. Auch Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl verspüren häufiger unter Wut und Aggression, da sie sich schneller gekränkt und verletzt fühlen. Menschen, die an psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Persönlichkeitsstörungen leiden, sind ebenfalls anfälliger für Wut und Aggression. Außerdem gibt es eine gewisse genetische Vererbbarkeit für aggressive Verhaltensweisen. Menschen die also genetisch verwandt sind, verhalten sich hinsichtlich ihrer aggressiven Tendenzen ähnlich. Durch die Erziehung und bestimmte Umweltfaktoren (z.B. Vorbildfunktion, Aktivität) können diese Tendenzen aber auch gehemmt werden.

 Wann sind Menschen besonders zu Aggression geneigt?

Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen vor allem in den heißen Sommermonaten zu Aggression neigen. Dies besagt die sogenannte Hitzehypothese. Außerdem neigen Menschen bei schlechten Klimabedingungen (z.B. Luftverschmutzungen) und unkontrollierbarem Lärm zu aggressivem Verhalten.

Männer werden häufiger wütend als Frauen? Mythen über die Geschlechterverteilung

Wut und Aggression als männliche Emotion – wahr oder falsch? Das Nibelungenlied, eines der ältesten literarischen deutschen Werke, beschäftigt sich mit der Frage was das Gefährlichste sei, das einem im Leben begegnen könnte – und findet folgende Antwort:
„Es ist nicht der Drache, der Feuer speit, oder der blonde Krieger, der den Drachen erschlägt - Es ist die Frau, die wirklich wütend ist.“
Und in der Tat wird die Frau in dieser Hinsicht unterschätzt, wie die Zeitschrift "Psychologie Heute" berichtet:
  • Mythos 1: Frauen empfinden weniger Wut als Männer
Das ist falsch. Wenn es um das Empfinden von Wut geht, können Wissenschaftler keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen finden. Eher im Gegenteil, in bestimmten Situationen werden Frauen sogar wütender als Männer, zum Beispiel beim Versuch das Rauchen aufzuhören.
  • Mythos 2: Frauen unterdrücken ihre Wut – Männer lassen sie raus
Auch hier ist das Ergebnisse vieler Studien verblüffend, denn das Gegenteil trifft zu: Es sind eher die Männer, die ihre Wut unterdrücken. Männer sind generell schlechter darin, ihre Emotionen zu artikulieren. Experten vermuten darin übrigens auch die Ursache, dass Ärzte bei Frauen etwa doppelt so häufig eine Depression diagnostizieren als bei Männern.
  • Mythos 3: Wütende Männer schlagen ihre Frauen, aber nicht umgekehrt.
81,8 % der Personen, die durch ihren Partner verletzt wurden und deshalb eine Notaufnahme aufsuchen, sind weiblich. Diese Zahlen scheinen den Mythos zu untermauern. Gleichzeitig gibt es aber auch Studien, die Paare zu gewalttätigen Zwischenfällen in der Beziehung befragt haben. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Gewalt innerhalb der Ehe geht etwa zu gleichen Teilen von Männer wie von Frauen aus. Unterschiede gibt es hinsichtlich der Form von Gewalt: Männliche Gewalt ist häufiger motiviert durch Kontrolle und Macht und ist im Durchschnitt auch wesentlich gefährlicher.
  • Mythos 4: Krieg und Terror – reine Männersache?
Männer sind die geborenen Krieger – Frauen tun das eher nicht. Werfen wir einen Blick in die Nachrichten sehen wir schnell, es gibt durchaus auch Ausnahmen. Die Autorin Eileen MacDonald hat sich mit Terror-Aktivistinnen auseinandergesetzt und dafür Experten von Anti-Terror-Einheiten interviewt. Das Ergebnis ist für manchen vielleicht überraschend: „Shoot the women first“ lautet wohl der Grundsatz vieler Anti-Terror-Einsätze. Den Experten nach haben weibliche Terroristen mehr Durchsetzungskraft, einen stärkeren Charakter und scheinen weniger zu zögern im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen, wenn es um das Abdrücken des Abzugs geht. Christian Lochte, damaliger Leiter des Hamburger Verfassungsschutzes kommentierte das Phänomen so: „Für jeden, dem sein Leben lieb ist, ist es eine ausgesprochen gute Idee, sich die Frauen zuerst vorzunehmen.“ Es scheint also zu stimmen, Frauen werden genauso oft wütend wie Männer, ihren Partnern gegenüber wenden sie häufiger Gewalt an, als wir glauben und letztendlich scheinen sie sogar die "besseren" Terroristen zu sein.

Vom guten Umgang mit Wut

Emotionen wollen gelebt werden. Denn unterdrückte Wut ist grundsätzlich gesundheitsschädlich, sie fördert das Risiko für Herzinfarkt und Depressionen. Außerdem stumpfen Menschen, die ihre Wut immer unterdrücken, mit der Zeit ab, sodass sie gegebenenfalls auch keine positiven Gefühle mehr empfinden können. Doch wie kommt man gegen die Wut an? Damit sie die nächste nervenaufreibende Situation erfolgreich meistern, ohne Ihre Wut unterdrücken zu müssen oder zu einem unkontrollierbaren Choleriker zu werden, haben wir für Sie einige Tipps:
  • Nehmen Sie sich Zeit. Wut verfliegt meistens nach einiger Zeit von selbst.
  • Verlassen Sie die Situation und bringen Sie sich auf andere Gedanken.
  • Kontrollieren Sie Ihre Atmung. Atmen Sie tief und bewusst ein, und wieder aus.
  • Versetzten Sie sich in den anderen hinein. Ergründen Sie seine Beweggründe und versuchen Sie seine Verhaltensweisen nachzuvollziehen.
  • Schreiben Sie ihre wütenden Gedanken auf. Das hilft Ihnen beim Runterkommen und außerdem setzten Sie sich dadurch gleich sinnvoll mit Ihrem Problem auseinander und können neue Lösungswege finden.
  • Durch Aktivität kann die Wut in Energie verwandelt werden. Nach einer kleinen Sporteinheit sieht die Welt meist schon wieder viel entspannter aus.
  • Eine weitere Technik ist das Singen der negativen Gedanken. Alternativ können Sie die wutauslösenden Gedanken auch mit einer piepsigen Stimme nachsprechen, beides bringt Sie zum Lachen und lässt die Wut verschwinden. Auch wenn Sie nur so tun, also würden sie lachen, durch die entsprechende Muskelanspannung im Gesicht werden im Körper Glückshormone ausgeschüttet.
Das ärgerlichste am Ärger ist, dass man sich selbst schadet, ohne etwas an dem zu ändern, worüber man sich ärgert. Wut und Aggression können viel zerstören. Durch den richtigen Umgang vermeiden wir nicht nur Verletzungen anderer und Streit, wir sorgen dadurch auch für uns selbst. Ist die Wut und Aggression jedoch so stark ausgeprägt, dass sie nicht mehr zu kontrollieren scheint und Menschen verletzt werden, sollte auf jeden Fall über ein Anti-Aggressionstraining oder eine Aggressionsbewältigungs-Therapie nachgedacht werden.

Beiträge die Sie auch interessieren könnten

Johanna Holzberger
Autor: Johanna Holzberger

Die Psychologiestudentin Johanna Holzberger unterstützt die Redaktion von apomio.de. Durch ihr Studium mit Schwerpunkt Gesundheitspsychologie verfügt sie über vielfältige Kenntnisse rund um die Psyche und das Gesundheitsverhalten des Menschen. In ihrer Freizeit bloggt sie über Wohnraumgestaltung und Do it yourself Ideen.

1 Kommentare

Johannes V. – Montag, 08. April 2019
Ich bin erstaunt darüber, dass hier nahezu ausschließlich Methoden vorgeschlagen werden, wie Wut "weggemacht" werden kann. Meiner Meinung nach ist es viel viel wichtiger einen Umgang mit ihr zu erlernen, sich die Wut anzusehen, ihr Raum zu geben (was bedeutet auch mal zu sagen: Es ärgert mich, dass..., oder mal auf den Tisch zu hauen und zu sagen: Es reicht!), mit dem eigenen inneren Kind zu arbeiten (welches oft Verletzungen, Ungerechtigkeit, Erniedrigungen etc. erlebt hat), seine Grenzen zu wahren und so weiter. Nur durch solche Auseinandersetzung und eben nicht durch das Unterdrücken, kann ein gesunder Umgang mit dieser starken Emotion erlernt werden und die Selbstakzeptanz gesteigert werden. PS: Ich möchte nicht mit meinem Nachnamen genannt werden. Danke.

Schreib einen Kommentar

help
help
help

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Zu unseren Datenschutzbestimmungen.