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Nachgefragt bei Frau Helm: Wütend? Machen Sie etwas draus!

Kommentar schreiben Montag, 29. Juni 2020

Beate Helm hat als Heilpraktikerin jahrelange Berufserfahrung in den Bereichen Naturheilkunde und Psychotherapie. Heute leitet sie ihr eigenes Ausbildungsinstitut und ist zudem als Autorin tätig. In ihrer apomio-Kolumne „Nachgefragt bei Frau Helm“ berichtet sie regelmäßig und ganz persönlich über eigene Erfahrungen, Meinungen und Wissenswertem zu den Themen Gesundheit, Prävention, natürliches Heilen und Persönlichkeitsentwicklung.

 

Wut ist eine ungeheure Kraft. Wieviel Energie habe ich schon mit meinen Wutanfällen verpulvert! Endlose Mengen, die ich zischend ins Leere verschossen habe und die meine Magenschleimhaut malträtierten. Ich weiß es eigentlich besser! Statt vor mich hin zu kochen, kann ich mit meiner Wut Berge versetzen. Also los geht’s!
 

Inhaltsverzeichnis:

 

 

Was liegt an?

 

Was ist die größte Herausforderung, die im Moment vor mir liegt? Da fallen mir gleich drei ein: Ich möchte meine Wohnung von Grund auf aussortieren, verspäteten Frühjahrsputz machen und meinen Körper auf Vordermann bringen: 7 Kilo abnehmen, ihn straffen, Beweglichkeit verbessern und entgiften. Insbesondere für das Abnehmen brauche ich viel Power. Also hoffentlich werde ich bald wieder so richtig wütend!

 

Abreaktion vorbereiten

 

Am besten steht sofort ein Ventil für den nächsten Wutanfall bereit. Wie soll er kanalisiert werden? Eine Liste hilft, sofort umzuschwenken vom brodelnden Zorn zur sinnvollen Aktion. Also Liste schreiben! Ganz oben hin kommt: körperliche Bewegung. Zur Auswahl stehen: Joggen oder auf den noch zu besorgenden Heimtrainer setzen und losradeln. Beides ist bei mir sofort möglich, da ich zu Hause arbeite. Wer außerhalb einen Job hat, geduldet sich mit der sinnvollen Abreaktion bis nach der  Arbeit. Kein Problem! Das geht mir manchmal auch so, wenn ich dringend erst noch eine Arbeit abschließen muss. Die Liste setzt sich fort: Küche tiefenreinigen, Keller aus- und aufräumen, Kacheln im Bad abwaschen, Fenster putzen. Dafür braucht es schon viel Wut! Ohne diesen zusätzlichen Impuls bin ich nur mäßig motiviert. Die Liste geht weiter für die kleinere Wut: Yoga-Übungen machen, Kühlschrank auswaschen, die Schubladen vom Kleiderschrank aussortieren. Eine tolle sinnvolle Abreaktion der kleinen Wut ist für mich auch die Trockenmassage. Ich massiere intensiv den ganzen Körper oder zumindest Bauch und Beine. Das kostet Kraft, wenn ich festen Druck auf die Bürste ausübe. Hinterher geht es mir richtig gut und die Haut ist schön glatt und weich geworden.

 

Wut sinnvoll umsetzen

 

Es macht riesigen Spaß, die Liste abzuarbeiten. Voll das Erfolgserlebnis jedes Mal! Natürlich will das Ego sich lieber aufregen, hineinsteigern und Recht haben. Aber das habe ich schon so oft gemacht: Stunden verbracht mit Hassgefühlen, inneren und lauten Dialogen, zischenden Worten. Und was hatte ich davon? Nichts! Ich nehme meine Gefühle ernst. Auch meine Wut. Die Frage ist nur, was ich damit mache, wie ich damit umgehe. Wut sinnvoll umsetzen mit der Liste ist top für mich. Auch für die Gesundheit von Herz, Kreislauf und Magen.

 

Selbstreflexion nachschalten

 

Danach kommt die Analyse. Ich werde nicht umsonst wütend. Deshalb muss nach der sinnvollen Abreaktion die Frage nach der Ursache geklärt werden, warum bin ich wütend gewesen? Was war der Auslöser? Welche Knöpfe wurden bei mir gedrückt? Was hat mich provoziert? Letztendlich ist jede Wut eine Wut auf mich selbst. Weil ich mich zu sehr anpasse, zu nett bin, mir an manchen Stellen zu viel gefallen lasse, manchmal eine Veränderung zu lange hinausschiebe. Akute Wut zeigt mir, wo Handlungsbedarf besteht. Und auch dafür kann die Wut dann eingesetzt werden. Also warum bin ich wütend auf mich? Was muss verändert werden?

 

Aus Wut mach‘ Mut

 

Aggression kommt aus dem Lateinischen und heißt nach vorne gehen, wagen, in Angriff nehmen. Wenn die erste Wut sinnvoll und, ohne sich und anderen zu schaden, verraucht ist, muss ich herausfinden, wo ich etwas in meinem Verhalten ändern muss. Ich muss aggressiv im besten Sinne sein, indem ich nach vorne gehe und etwas in Angriff nehme, wozu mir bisher der Mumm gefehlt hat. In Phasen, in denen ich häufig wütend bin, lohnt sich auch hier eine Liste: Was mache ich das nächste Mal anders? Was sage ich? Wie verhalte ich mich? Wovon muss ich mich verabschieden? Was bringe ich Neues in mein Leben?

 

Die Gefühle heilen

 

Hinter Wut steckt oft Traurigkeit, Frustration, unerfüllte Sehnsucht, Verletztheit. Auch diese Gefühle müssen in Angriff genommen werden. Das fällt nicht immer leicht. Wer weint schon gerne? Da sieht ein Wutanfall doch gleich viel stärker aus! Aber die Gefühle hinter der Wut müssen ehrlich wahrgenommen und sich eingestanden werden. Sonst geht es nicht weiter im sinnvollen Umgang mit der Wut. Wenn die Gefühle zu intensiv sind, kann man sich professionelle Hilfe nehmen. Wenn nicht, gibt es ein paar einfache und effektive Möglichkeiten als Erste Hilfe. Als Lösungssatz bei seelischen Verletzungen z.B.: „Es hat mir weh getan und ich lasse es bei dir.“ Dadurch wird die negative Energie an die verletzende Person zurückgegeben. Bei Traurigkeit geht kein Weg daran vorbei, zu weinen, loszulassen und so innere Blockaden zu lösen und sich wieder frei zu fühlen.


Frustration, Enttäuschung und unerfüllte Sehnsucht: Man hat sich etwas vorgemacht und kommt auf den Boden der Tatsachen zurück. Dafür ist man, so hart es klingt, immer selbst verantwortlich. Natürlich sind leere Versprechungen oder nicht umgesetzte gemeinsame Visionen nicht okay. Aber es muss eine Offenheit bei dem „Opfer“ dafür da gewesen sein, sonst hätte es nicht funktioniert. Was habe ich schon umsonst gewartet, gehofft, gebangt und stand wieder vor dem Nichts. Zumindest schon einige Male. Für mich heißt das Augen auf! Realistisch sein! Die Zeichen erkennen und erwachsen reagieren. Wenn ich ehrlich bin, habe ich immer schon früh gemerkt, dass mein Gegenüber etwas nicht will, was mir wichtig ist. Ich wollte es nur nicht wahrhaben. In Zukunft heißt es für mich: Es mir eingestehen und gleich die Konsequenzen ziehen. Warten werde ich nicht mehr!

 

Wut wegen Abwertung und zu wenig Achtung

 

Das Umfeld bringt uns so viel Achtung entgegen, wie wir uns selbst achten. Wut wegen mangelnder Achtung kann genau sinnvoll umgesetzt werden, wie ich es oben mit der Liste gehandhabt habe. Heilung der Gefühle heißt hier, zu lernen, mehr Selbstachtung zu entwickeln. Was hat bisher sicher das Selbstbewusstsein aufgebaut? Davon mehr tun! Was schwächt und macht einen klein? Das aus dem Leben verbannen! Sitzt der Stachel tief, muss man sich auch hier einen Profi (Coach, Psychotherapeut) zu Hilfe nehmen.

 

Wut durch ungesunde Ernährung?

 

Gestern habe ich eine spannende Doku auf Arte gesehen: „Unser Hirn ist, was es isst“. Die Art der Ernährung wirkt sich nicht nur auf Gewicht und Gesundheit aus. Sie beeinflusst maßgeblich unser Empfinden und Verhalten. Kinder, die bevorzugt Junkfood zu essen bekommen und deren Mütter sich während der Schwangerschaft schon nährstoffarm, aber fett- und zuckerreich ernährt haben, sind aggressiver und ängstlicher. Versuche mit Mäusen, die keine Omega-3-Fettsäuren in ihrem Futter erhielten, waren zurückgezogener und zeigten kein normales Verhalten. Ohne Omega-3-Fettsäuren kann sich das Gehirn nicht normal entwickeln und entsprechend nicht funktionieren. In einer Studie mit Gefängnisinsassen mit der Frage, ob sich Ernährung auf das Aggressionsverhalten bei Erwachsenen auswirkt, erhielten die Probanden drei Monate lang Omega-3-Fettsäuren, Mineralstoffe und Vitamine als Nahrungsergänzungsmittel. Bei ihnen kam es im Gegensatz zur Vergleichsgruppe ein Drittel weniger zu aggressionsbedingten Zwischenfällen. Auch andere ähnliche Studien zeigten, dass dieselbe Nahrungsergänzung das gewaltbereite Verhalten der Probanden reduzierten.

 

Wut hat viele Gründe und Auslöser. Wird sie unterdrückt, richten wir die negative Energie gegen uns selbst und machen uns krank. Greifen wir den Auslöser der Wut an, schädigen wir ihn. Lösung ist aus meiner Sicht die sinnvolle Umsetzung durch Frühjahrsputz, Sport, mutige Aktionen & Co. Danach kommen die Selbstreflexion und Analyse, die Heilung der Gefühle, evtl. mit professioneller Hilfe, und der Aufbau von mehr Selbstbewusstsein, damit uns nicht jedes falsche Wort sofort in Wallung bringt. Und zuletzt ist auch die Ernährung ein Mosaikstein in der Entstehung von Wut und Unausgeglichenheit. Eines ist sicher. Wir sind dem Gefühl nicht ausgeliefert. Es ist gibt viele Möglichkeiten, diese Urkraft für unsere Ziele und unsere innere Selbstheilung einzusetzen. Seien wir dankbar und nutzen wir die immense Kraft für Gutes! Viel Erfolg!

Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

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