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Anzeichen und Formen einer destruktiven Beziehung - Wenn die Partnerschaft die Psyche angreift

Kommentar schreiben Dienstag, 26. März 2019

In jeder Beziehung gibt es Hochs und Tiefs. Wer liebt, geht das Risiko ein, verletzt zu werden, das gehört dazu. Destruktiv wird es, wenn nicht nur die Beziehung, sondern ein oder beide Partner in Frage gestellt, verunsichert und heruntergeputzt werden. Machtspiele, emotionale Erpressung, Manipulation und Abwertung bestimmen den Beziehungsalltag. Seelische und/oder körperliche Gewalt gehören zur Tagesordnung. Was ist der Hintergrund destruktiver Beziehungen? Wieso fällt es so schwer, zu gehen? Welche Möglichkeiten zum Schutz und zur seelischen Stabilisierung gibt es? Welche Lösungen gibt es, um die Beziehung zu beenden?

 

Woran erkennt man eine destruktive Beziehung?

 

Die Partner können nicht mit und nicht ohne einander. Das Zusammensein ist anstrengend, verletzend und leidvoll. Es unterminiert das Selbstbewusstsein und schürt Ängste und Selbstzweifel. Es kommt keine Ruhe hinein. Man kann in dieser Beziehung nie ankommen und sich niederlassen können. Alles hängt in der Luft, wird in Frage gestellt, kann jeden Moment auseinanderbrechen. Die Persönlichkeit wird ausgehöhlt, der Boden unter den Füßen weggezogen, immer wenn man denkt, dass es im Moment doch ganz gut läuft. Einer Verletzung folgen keine Aussprache, Vergebung und Versöhnung, nur immer neue Verletzungen. Statt ein Hort der Geborgenheit und Sicherheit zu sein, gleicht die Beziehung einer Kampfarena. Die Frage ist nur, wer oben und unten ist, wer die Macht hat, wer abwertet und verachtet und wer sich auf der anderen Seite der Macht fügen muss. Gewalt kann körperlich, sexuell oder subtil verbal und seelisch zugefügt werden.

 

Was sind typische Machtspiele in einer destruktiven Beziehung?

 

Abwertung und Kritik


Der/die quälende, kontrollierende Gefühlstäter/in arbeitet mit Kritik, herablassenden, abwertenden Bemerkungen und braucht die absolute Kontrolle und Macht. Er kann sich total beherrschen, während er sein Opfer zur Weißglut bringt, bis es ausflippt oder in Tränen ausbricht. Dann lehnt er sich zurück, betrachtet von oben herab das Häufchen Elend, das er geschaffen hat. Wie kann man nur so schwach und emotional sein? Verletzungen werden zur Selbstverständlichkeit. Der andere hat sich damit abzufinden und zu sehen, wie er damit zurechtkommt. Friss oder Stirb!


Nähe und Distanz


Ein beliebtes Spiel ist der unberechenbare, schlagartige Wechsel von Nähe und Distanz. Kaum lässt das Opfer etwas los und entspannt sich, kommt der Schlag ins Gesicht – körperlich oder seelisch. Folge: Der Unterlegene befindet sich in ständiger Hab-acht-Stellung. Hoffentlich sagt oder macht er nichts Falsches. Leider ist es so, dass er oder sie machen und sich anstrengen und sein letztes Hemd geben kann, wie er will: Der Schlag wird kommen. So oder so. Der Gefühlstäter wird den anderen wieder und wieder abstrafen. Sei es, weil er nicht pariert, sei es weil er nicht genug erahnen kann, was der andere will (gesagt wird nichts). Oder sei es, weil es ihm gerade so beliebt.
 

Man kann es nur falsch machen


Alles ist falsch. Alles ist schlecht. Wenn sie seine Hemden mitbügelt, mischt sie sich in seine Sachen ein. Wenn sie das nächste Mal seine Hemden links liegen lässt, ist sie zu faul, seine Sachen auch zu bügeln. Wie man es macht, ist es falsch.
 

Der arme Junge / das arme Mädchen

 

Wenn alle Stricke reißen, wird die Mitleidsplatte aufgelegt: Ich Ärmster, schwierige Kindheit, keine Liebe bekommen, anstrengender Job usw. und dann noch Stress in der Beziehung. Ich Ärmster. Und das nachdem er ihr gerade voll ins Gesicht oder in die Seele geschlagen hat.

 

Wie kommt es zu einer destruktiven Partnerschaft?

 

Beide Beteiligten bringen ähnliche Wunden mit. Der Gefühlstäter lebt die Rolle des Mächtigen, Kontrolleurs, Gebieters, Quälers, wie er es zuhause bei einem Elternteil gesehen oder am eigenen Leib erlebt hat. Der unterlegene, ohnmächtige Partner spielt die andere Rolle. Hintergrund sind oft seelische oder körperliche Grausamkeiten, die in der Kindheit selbst erlebt oder im Umgang der Eltern miteinander miterlebt wurden. Schwäche, Minderwertigkeitsgefühle, Ängste, Selbstzweifel und Selbsthass werden kompensatorisch als Täter oder als Wiederholung des Traumas als Opfer gelebt.

 

Welche Möglichkeiten hat man in der Opferrolle, an der Beziehung etwas zu ändern?

 

Eigentlich keine. Man kann sich schützen oder gehen. Der Gefühlstäter wird nie die Verantwortung für sein Handeln übernehmen. Schuld ist der andere. Selbst in einer Paartherapie, zu der er sich nur schwerlich aufraffen wird, wird er es so hinbiegen, dass er das Opfer ist und wegen des Verhaltens des anderen leider so handeln muss. Ändern muss sich aus seiner Sicht der andere. Als Schutz dienen: Rückzug, eigenes Geld, eigene Wohnung, eigene Freunde, eigene Unternehmungen, eigener Urlaub, sich selbst nähren, z.B. durch Sport, Freunde, Ausstellungen, Konzerte, Meditation. Auf nichts mehr warten, seine Energie zu sich zurücknehmen und etwas Sinnvolles damit anfangen. Keine Debatten, keine Erklärungen, keine Rechtfertigungen. Sich selbst stabilisieren und heilen, auch schon in der Zeit, in der man noch in der Beziehung ist.

 

Mit welchen Selbstlügen hält man die Beziehung aufrecht?

 

Man redet sich aufgrund der wenigen netten Krümel, die man ab und zu gnädigerweise zugeworfen bekommt, die Beziehung und den Partner schön: Er liebt mich doch. Ich liebe ihn doch. Ich habe alles unter Kontrolle. Es funktioniert doch im Grunde ganz prima. Dass eine funktionierende Beziehung zwar auch Krisen hat, aber ganz anders, nämlich gleichberechtigt, in Wertschätzung und Achtung vor dem anderen und seiner Autonomie damit umgeht, wird nicht unterschieden.

 

Wie kann man sich aus einer destruktiven Beziehung lösen?

 

Der wichtigste Schritt ist, sich einzugestehen, dass man eine hat. Sie sich nicht länger schön zu reden. Und dann zu wissen, dass er merken wird, dass er die Kontrolle verlieren könnte. Dass er dann wieder seine Schokoladenseite zeigen wird, wie zu Anfang der Beziehung, als man sich unsterblich in ihn verliebt hat. Nicht darauf reinfallen! Seine dunkle Seite folgt auf den Fuß. Da die Hintergründe im Familienkonstrukt zu vermuten sind, empfiehlt sich eine systemische Kurzzeittherapie. Alleine ist die Ablösung von dieser so „charmanten, sensiblen, bescheidenen und hilfsbereiten Person“ (Bild bei den Außenstehenden) nur schwerlich schaffen. Außerdem kann nur eine Therapie verhindern, dass sich die nächste Beziehung wieder genauso gestaltet.  

 

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Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

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