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Was Kinder stark macht – Selbstwertgefühl von Kindern stärken

Kommentar schreiben Dienstag, 10. Dezember 2019

Das Selbstwertgefühl des Kindes stärken, sodass es sein Leben mit Leichtigkeit meistert, das ist der Wunsch der meisten Eltern. Tatsächlich gehört ein gesunder Selbstwert zu den wichtigsten Dingen, die man seinem Kind mit auf den Weg geben kann. Wie das gelingt? Mit Liebe, Empathie und einer Leine, die ruhig auch einmal ein wenig länger sein darf!

 

Im Folgenden möchten wir uns ausführlich damit befassen, wie man Kinder für das Leben rüstet. In diesem Zusammenhang kommen der Stärkung des kindlichen Selbstwertes sowie der Entwicklung von Resilienz Bedeutung zu. Was ist Selbstwertgefühl eigentlich genau und in welchem Zusammenhang steht es mit Resilienz? Worauf gilt es zu achten, wenn man den Selbstwert seines Kindes stärken möchte? Natürlich dürfen abschließend auch entsprechende Tipps für den Alltag nicht fehlen.

 

Was ist Selbstwertgefühl eigentlich?

 

Der Begriff Selbstwertgefühl wird häufig synonym mit Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein oder Selbstsicherheit verwendet. Psychologisch betrachtet, versteht man darunter die Beurteilung des eigenen Werts. Selbstwert ist also gewissermaßen eine subjektive Einschätzung der Wertigkeit, die man sich selbst zuschreibt. Er ist uns nicht von Natur aus gegeben, sondern entwickelt und wandelt sich im Laufe des Lebens.1

 

Kurz gefasst geht es darum, sich mit all seinen Stärken und Schwächen selbst zu akzeptieren. Maß man dem Selbstwertgefühl zu früheren Zeiten wenig Bedeutung bei, hat sich das mittlerweile gewandelt. Ein gesunder Selbstwert ist von großer Wichtigkeit für das gesamte Leben. Er macht uns stark und spielt eine wesentliche Rolle in sämtlichen sozialen Beziehungen sowie im Berufsleben. Immerhin zeigt sich unser Selbstwert in unserem Verhalten, anhand dessen, wie wir mit uns selbst, mit anderen, mit Schwierigkeiten oder Konflikten umgehen. Nicht zuletzt schützt uns ein starker Selbstwert auch vor Krankheiten, allen voran vor solchen psychischer Natur. Wie er denn nun genau entsteht, unser Selbstwert, das ist nicht zur Gänze geklärt. Ansätze liefert hier allerdings die Bindungstheorie. Eine stetig wertschätzende und liebevolle Beziehung zu den Bezugspersonen stärkt das Selbstwertgefühl eines Kindes nachhaltig. Umso wichtiger ist es also, Kinder dabei zu unterstützen, ihren Selbstwert bestmöglich zu entwickeln.2

 

Ein Kind, das in seinem Selbstwert bestärkt wird, lernt, sich selbst – mitsamt aller Stärken und Schwächen – zu schätzen und auch einzuschätzen. Es wird Vertrauen in sich gewinnen, sich wertvoll und geliebt fühlen – und zwar so, wie es ist! 3

 

Wie hängen Selbstwert und Resilienz zusammen?

 

Gerade in jüngerer Zeit und Forschung ist Resilienz ein Begriff, der häufig in Zusammenhang mit Selbstwert auftritt. Tatsächlich ist beides miteinander verwoben. Resilienz – was sich mit Elastizität übersetzen lässt – meint unsere innere Widerstandsfähigkeit, gewissermaßen unsere psychische Gesundheit oder – wie es auch gerne formuliert wird – das Immunsystem unserer Seele. Wie wir mit den Widrigkeiten des Lebens umgehen, ist unter anderem von genau dieser Widerstandsfähigkeit abhängig. Ebenso wie der Selbstwert ist Resilienz nicht angeboren, sondern muss entwickelt werden. Auch Selbstwirksamkeit (etwas bewirken können), Selbstvertrauen (Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten), Selbständigkeit, Durchhaltevermögen sowie Problemlösungskompetenz fallen in die innere Widerstandsfähigkeit hinein.4

 

Darüber hinaus spielen auch Selbstwahrnehmung und Empathie eine Rolle. Wenngleich Resilienz das ganze Leben hindurch entwickelt werden kann, kommt ihr wichtige Bedeutung schon in der frühen Kindheit zu. Kein Wunder also, dass ein bindungsorientierter Erziehungsstil auf Augenhöhe von großer Wichtigkeit ist, damit ein Kind ausreichend Selbstwertgefühl und Resilienz entwickeln kann. 

 

Selbstwertgefühl von Kindern stärken – Darauf kommt es an

 

Eltern möchten ihre Kinder zu glücklichen und starken Menschen erziehen, die sich von den Widrigkeiten und Herausforderungen des Lebens nicht unterkriegen lassen, sondern Krisen meistern und daraus lernen.

 

Kinder zu stärken, das bedeutet in erster Linie, sie emotional zu stärken. Der Stärkung des kindlichen Selbstwertes gestaltet sich vor allem in Anbetracht unseres gesellschaftlichen Leistungsdenkens (das Ergebnis zählt, nicht die individuellen Stärken) einerseits, einer zunehmenden Überbehütung (man traut Kindern zu wenig zu, fordert sie immer weniger heraus) andererseits, schwierig. Dabei wird die Basis für einen starken und gesunden Selbstwert vor allem in der Kindheit gelegt. Da gilt es natürlich, möglichst früh damit anzufangen, das Kind zu bestärken, um ihm das nötige Rüstzeug für sein gesamtes weiteres Leben mitzugeben. Was hierbei wichtig ist? In erster Linie geht es um Sicherheit und Bindung. Darum, dem Kind einen sicheren Hafen zu schaffen, in dem es angenommen und wertgeschätzt wird – mitsamt seinen Stärken und Schwächen. Dabei ist es wichtig, eine Balance zu finden, zwischen sinnvoller Grenzsetzung einerseits, Erkunden- und Ausprobierenlassen andererseits. Das Sprichwort, man müsse Kindern zwei Dinge mit auf den Weg geben, Wurzeln und Flügeln, trifft in Bezug auf die Entwicklung des kindlichen Selbstwertes den Nagel auf den Kopf.5

 

Das macht Kinder stark: Tipps für den Alltag

 

Doch wie gelingt es nun im Alltag, den kindlichen Selbstwert zu stärken und dem Sprössling jenes Rüstzeug mit auf den Weg zu geben, das ihn dazu befähigt, Widrigkeiten des Lebens selbstbewusst zu meistern? Einige Tipps haben wir diesbezüglich für Sie auf Lager:

 

Einen sicheren Hafen schaffen

 

Für die Entwicklung des Selbstwertes ist emotionale Zuwendung von großer Bedeutung. Es geht hier darum, dem Kind bedingungslose Liebe zu zeigen, die nicht an eine Leistung oder eine Verhaltensweise gebunden ist. Das Kind muss sich um seinetwillen geliebt und ernst genommen fühlen, sich als etwas Besonderes empfinden dürfen. Was so simpel klingt, ist wesentlich im Alltag: Zeigen Sie Interesse an Ihrem Kind! An jenen Dingen, die ihm wichtig sind, an seinen Gedanken und Sichtweisen. Das bewirkt, dass es sich unabhängig von anderen als einmalig und besonders erleben darf.6 Emotionale Zuwendung ist der Schlüssel, wenn es darum geht, den Selbstwert von Kindern zu stärken. Trost, Verständnis und Mitgefühl sollten Selbstverständlichkeiten im Erziehungsalltag sein.7

 

Lob und Anerkennung schenken

 

Besonders wichtig ist es hier, das kindliche Verhalten zu loben, nicht das schlussendliche Ergebnis. Auch wenn das Kind über sich hinauswachst, sich etwa traut, etwas Neues auszuprobieren, sollte durch Lob positiv verstärkt werden.8 Wesentlich ist es, die Leistung des Kindes für sich zu betrachten und nicht mit jener anderer zu vergleichen. Kindlicher Selbstwert bildet sich nicht durch Konkurrenz und Wettbewerb aus. Das Kind darf ruhig sein eigenes Tempo finden und das völlig unabhängig von anderen.9

 

Freiräume schaffen und Misserfolg in die Lebensrealität integrieren

 

Um den Selbstwert des Kindes zu stärken, darf die Leine ruhig einmal ein bisschen länger sein. Es geht darum, dem Kind etwas zuzutrauen, ihm zu ermöglichen, etwas zu schaffen. Dazu benötigt es zwingend Freiräume, in denen es sich entfalten kann. Das stärkt sein Selbstvertrauen und damit den Selbstwert. Lässt man Kinder machen und greift nicht zu rasch ein, schenkt man ihnen die Möglichkeit, auch mit Misserfolgen und Niederlagen umgehen zu lernen. Das ermöglicht Erfahrung und lässt den Nachwuchs über sich hinauswachsen.10

 

Apropos Niederlagen: Im Erziehungsalltag ist auch „Nein“ wichtig! Regeln und Grenzen helfen dem Kind dabei, mit Widerstand und Niederlagen umzugehen zu lernen.11 Darüber hinaus brauchen Kinder Motivation und Ermutigung. Überbehütung ist fehl am Platz. Es geht darum, bei Misserfolgen aufzustehen und es weiter zu probieren. Vor diesem Hintergrund dürfen Fehler ruhig als menschlich gesehen werden und sollten kein Anlass für unberechtigte Kritik sein. Im Gegenteil, Misserfolge gehören zur Lebensrealität und können durchaus motivierend wirken.12

 

Der eigenen Vorbildwirkung bewusst sein

 

Kinder orientieren sich an Erwachsenen, vor allem an ihren Bezugspersonen. Deshalb ist gerade im Hinblick auf die Entwicklung des Selbstwertes die Vorbildfunktion der Eltern wesentlich. Ein gesunder Selbstwert von Mama und Papa wirkt sich immer auch positiv auf jenen des Kindes aus. Dahingehend dürfen auch Eltern an sich arbeiten, denn Selbstwert entwickelt sich schließlich ein Leben lang.

Daniela Jarosz
Autor: Daniela Jarosz

Daniela Jarosz ist Sonder- und Heilpädagogin. Während des Studiums hat sie sich intensiv mit Inhalten aus Medizin und Psychologie auseinandergesetzt. Sie arbeitet seit vielen Jahren im psychosozialen Feld und fühlt sich außerdem in der freiberuflichen Tätigkeit als Autorin zuhause. Im redaktionellen Bereich hat sie sich auf die Fachrichtungen Medizin, Gesundheit, Nachhaltigkeit, Work-Life-Balance sowie Kinder und Familie spezialisiert.

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