© contrastwerkstatt - Fotolia.com

Mit 50 bin ich noch lange nicht alt – über das neue weibliche Selbstbewusstsein

Kommentar schreiben Sonntag, 17. Januar 2016

Frauen mit 50 sehen heute nicht nur 10 Jahre jünger aus, sondern fühlen sich auch so. Bei einer Lebenserwartung von fast 83 Jahren gibt es auch keinen Grund, sich zur Ruhe zu setzen, nur weil ab 50 keine Eizelle mehr reift. Dafür reifen andere Dinge. Es werden neue Visionen für das letzte Lebensdrittel entwickelt. Gleichzeitig wird der Alltag in Beruf, Beziehung und sozialem Umfeld gestaltet.

 

Es geht dabei nicht um Aktionismus, um sich seine Fitness und erhaltene Jugend zu beweisen. Der Jugendwahn hat längst ausgedient. Es ist einfach selbstverständlich, dass das Leben nach der letzten Monatsblutung weitergeht, keine Oma-Dauerwelle gelegt wird, sondern das Glück in dem gesucht und gefunden wird, was da ist: Lebenserfahrung, Gelassenheit, Mut für Neues, für das bisher keine Zeit war, und eine tiefe Entspannung, weil Vieles abgearbeitet ist und das Leben mehr in Richtung Genuss und Spontaneität gehen kann. Pflicht und Kür sind zunehmend erfüllt. Jetzt kommt das Schaulaufen.

Demografische Entwicklung und Lebenserwartung

Da ein immer größerer Anteil an Menschen im letzten Lebensdrittel unterwegs ist, fühlt man sich mit 50 nicht alt. Man befindet sich eher in der oberen Mitte der Altersstruktur. Es gibt viele Beispiele im privaten Umfeld und in der Gesellschaft, die so leben, wie sie sich fühlen, völlig unabhängig vom Alter, und das auch noch mit 60, 70 und 80. Lebensinhalte und Lebensgestaltung sind immer weniger an das Alter gekoppelt.

 

Die Entwicklung der Lebenserwartung ist gewaltig. Wurden Frauen 1880 gerade mal 38 Jahre alt, waren es 1900 48, 1950 68 und 2000 gut 80 Jahre. Im Moment stehen sie bei fast 83, 2050 ist mit 88 Jahren zu rechnen. Durch die schnelle Zunahme der potentiellen Lebensjahre konnte noch kein neues Bild dieses 3. Lebensabschnitts fest in die Gehirne und Erwartungshaltungen des Menschen integriert werden. Es wird auch sehr bunt und abwechslungsreich aussehen, dieses Bild, und jeder geht seinen eigenen Weg. Frau definiert sich nicht mehr über ihre Fruchtbarkeit und "Brauchbarkeit", sondern schwingt sich darüber hinaus und gebärt auf allen Ebenen, was ihr in den Sinn kommt und wann. Sie ist frei in ihrer Form der Kreativität. Kinder gehören dazu, sind aber nicht mehr die alleinigen Taktgeber des Lebens.

Umgang mit Körper und Gesundheit

Im Vergleich zu früheren Generationen haben Frauen mit 50 heute viele Vorteile. Sie sind ohne Krieg und in materieller Sicherheit groß geworden. Der medizinische Fortschritt steht an ihrer Seite, wenn die ersten Zipperchen auftauchen sollten. Sie brauchen sich nicht mit Beschwerden der Wechseljahre herumzuschlagen, sondern können auf Medikamente und eine Hormonersatztherapie zurückgreifen.

 

Frauen achten auf ihre Gesundheit, gehen im Vergleich zu Männern regelmäßig und bei ersten Beschwerden zum Arzt, bemühen sich um eine gesunde Ernährung und halten sich mit Yoga und Pilates fit und beweglich. Optimale Körperpflege ist selbstverständlich. Hyaluronsäure in der Tagescreme und das Färben der grauen Haare kann gerne sein, muss aber nicht. Der richtige Kick kommt von innen. Frauen mit 50 reflektieren und verarbeiten ihr bisheriges Leben, nehmen sich professionelle Hilfe bei einem Therapeuten, um abgeschlossene Aufgaben wie Kindererziehung oder sich auflösende Beziehungen verabschieden zu können.

 

Das schafft Luft für einen Neubeginn. Dazu gehört, gut für sich zu sorgen, sich seelisch, geistig und körperlich mit dem zu nähren, was sie wirklich braucht. Sie kennt ihre Fähigkeiten und setzt sie für sinnvolle Dinge ein. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein und ist ein Grund von vielen, der ihr Glück ausmacht. Laut Studien sind Frauen zwischen 45 und 75 am glücklichsten, mehr als in jüngeren Jahren.

Beziehung und Sexualität

Ein weiteres Maß an Glück und Selbstbewusstsein steuern eine tragfähige Beziehung und erfüllende Sexualität bei. Frauen mit 50 haben die Auflage, einen ewig jungen Körper haben zu müssen, um begehrenswert zu sein, erfolgreich abgestreift. Sie entwickeln ihre eigenen Schönheitsideale und präsentieren sich selbstzufrieden, auch mit ein paar Pfunden mehr. Die sexuelle Lust ist ungebrochen. Auch einen jüngeren Mann für Sex und Partnerschaft zu haben, ist inzwischen gesellschaftsfähig geworden und kann bei Bedarf gelebt werden.

Beruf und neue Visionen

Frauen bekleiden relativ gleichberechtigt höhere Posten, die auch mit 50 und älter noch erlaubt sind und Zufriedenheit bescheren. Auch einfache Anstellungen geben Halt durch finanzielle Selbständigkeit. Damit die wertvolle Lebenszeit nicht so dahin plätschert, werden neue Visionen entwickelt, in Vergessenheit geratene Träume wieder ausgegraben und umgesetzt. Frauen verstehen es, ihre Ressourcen zu erkennen und einzusetzen, anstatt an ihren Schwächen zu verzweifeln. Es ist, was man denkt, das ist. Und so gestaltet sich auch das Leben. Das Besondere mit 50 ist, dass es kein Später mehr gibt wie mit 20 oder 30.

 

Man schiebt nichts mehr auf. Es ist zwar noch viel Zeit und Energie, Tatendrang und Ideenreichtum, aber auch die Klarheit, dass das Leben jetzt und nicht in einer undefinierten Zukunft stattfindet, und dass es jetzt auch nur gelebt werden kann. Großer Vorteil: Man sortiert noch genauer und ehrlicher aus, was schwächt und stagniert, und öffnet sich dem, was lebendig macht und ist. Kein Warten auf Godot, sondern das sehen und annehmen, was einem gerade geschenkt wird, und das initiieren, was man schon immer tun wollte. Jetzt!

Die Frau mit 50 in der Gesellschaft

Nachdem Jugend- und Schlankheitswahn abgedankt haben, wird von der Frau mit 50 selbst bestimmt, was Schönheit für sie ausmacht. Das ist ein Kaleidoskop aus Gelassenheit, Souveränität, integrierter Narben am Körper und in der Seele, die unverkennbar zu ihr gehören und sie ausmachen, und ihre Form von Lebensgestaltung. Auch die Industrie kommt an dieser neuen Stärke und ihrem Kaufpotential nicht mehr vorbei. Models dürfen wieder aus mehr als Haut und Knochen bestehen. Chanel präsentiert seine Mode auch mit Models jenseits der 50, L'Oreal wirbt mit Jane Fonda. Auch bei der Werbung für andere Pflegeprodukte sieht man immer häufiger Frauen im besten Alter. Sie gehören in ihrem neuen Selbstverständnis dazu und werden in den Reigen des Frauenbilds unserer Gesellschaft aufgenommen. Das ist keine Nische mit ein paar extrovertierten Stars wie Madonna mit ihren 57 Jahren. Jede geht ihren eigenen Weg und ermutigt schon jetzt die kommende Generation, es ihr gleichzutun.

Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

Schreib einen Kommentar

help
help
help

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Zu unseren Datenschutzbestimmungen.

Beiträge die Sie auch interessieren könnten

Schönheitswahn: Wenn der Körper zur Optimierungs-Baustelle wird
Schönheitswahn: Wenn der Körper zur Optimierungs-Baustelle wird

Pralle, feste Brüste, Wespentaille, knackiger Po, eine glänzende Haarpracht und natürlich völlig faltenfreie, seidenglatte Haut – so gut wie immer und überall sind wir halbnackten,  perfekten Körpern umgeben. Meist gehören sie weiblichen Models oder Hollywood-Stars, oft fällt der Blick aber auch auf männlich-markante, durchtrainierte Bodys mit breiten Schultern, definiertem Bizeps und sexy Sixpack-Bauch. Von Plakaten, bunten Magazinseiten und aus dem Fernsehen schei...

––– Weiter lesen
Älterwerden – ein Prozess mit vielen Chancen
Älterwerden – ein Prozess mit vielen Chancen

„Altwerden ist nichts für Feiglinge“ lautete der Buchtitel, mit dem der damals 83-jährige Joachim Fuchsberger Jüngere etwas verschreckte und viele Ältere zum bedeutungsvollen Kopfnicken brachte. „Nicht das Altern ist das Problem, sondern unsere Einstellung dazu“, sprach dagegen vor Tausenden von Jahren der weise Cicero. „Älter werde ich später“, schrieb mit damals 54 Jahren trotzig die scheinbar ewig junge und schöne Iris Berben. Ja, was denn nun? Mit dem Älterwerde...

––– Weiter lesen