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Was ist eigentlich Idealismus?

Kommentar schreiben Donnerstag, 03. Januar 2019

Idealismus heißt, sein Denken und Handeln an Idealen auszurichten. Nur das Ideal und seine Umsetzung sind maßgeblich. Die persönlichen Gefühle und Wünsche werden hinten angestellt. Idealismus verleiht Flügel und ist Motor für die persönliche und gemeinschaftliche Weiterentwicklung. Man kann aber auch die Bodenhaftung verlieren, ausbrennen oder fanatisch werden. Idealismus ist auch eine Richtung in der Philosophie: Die Welt wird im Gegensatz zum Realismus und Materialismus allein vom Geist bestimmt. Erfahren Sie mehr zu Idealismus, was er bedeutet, wer dazu neigt, welche Vorteile und Risiken er hat. Idealismus passt gut zum Jahresanfang. So kann man sich fragen: Welche Ideale sollen im nächsten Jahr im Mittelpunkt stehen? Welche machen krank, welche geben Kraft?

 

Was bedeutet Idealismus in der Philosophie?

 

Idealismus kommt aus dem Griechischen „idea“: die Idee, das Urbild. Man geht davon aus, dass die Wirklichkeit, die Materie und die Welt allein vom Geist geschaffen werden. Sie sind nicht real, sondern Abbild dessen, was wir denken und erfahren haben. Die Welt ist die Idee, die wir von ihr haben. Erweitert sich unsere Erkenntniskraft, verändert sich auch das Leben, da es nun anders wahrgenommen wird. Dem griechischen Philosophen Platon geht es bei der Idee auch um das Wesen aller Dinge, das wir vor unserer Geburt in einer idealen Welt gesehen haben. Aus seiner Sicht erinnern wir uns daran, an das Wahre, Gute, Schöne und haben eine Sehnsucht danach.

 

Was ist Idealismus im heutigen Sprachgebrauch?

 

Idealismus ist auch heute noch der Gegenpol zu Materialismus und Realismus. Er erhebt positive Eigenschaften und überpersönliche Ziele zu Idealen, denen nachgestrebt wird. Dazu zählen Harmonie, Selbstlosigkeit, Nächstenliebe, Gerechtigkeit, Hilfsbereitschaft und Mitgefühl. Die angestrebten Gefühle, Verhaltensweisen und Ziele beinhalten, dass die eigenen Bedürfnisse untergeordnet werden. Idealismus ist losgelöst von Egoismus, Vernunft und dem, was bisher als möglich erachtet wurde. Es gibt mehr. Idealismus greift nach den Sternen, um sie in dieser Welt, wie sie ist, zu installieren. Sein Anliegen ist, sich selbst und die Welt besser zu machen.

 

Woher kommen Ideale? 

 

Platon nach kennen wir den idealen Zustand noch aus vorgeburtlicher Zeit. Heute kann man davon ausgehen, dass die Familie unser erstes Bild davon prägt, was ideal und erstrebenswert ist. In der Position des Kindes haben diese Ideale eher einen einschränkenden, moralisch geprägten Eindruck. Dasselbe gilt für kulturelle, religiöse und gesellschaftliche Vorgaben einer Welt, in der Selbstlosigkeit und Mitgefühl mit allen Geschöpfen als Idealzustände gelten. Vielleicht ist man vom Kopf her damit einverstanden und möchte „besser“ werden. Aber eben nur vom Kopf her. Weil es sich gehört, weil man gut da stehen will und weil es das Gewissen beruhigt.
Auch Wissen, z.B. über die Zusammenhänge von unserer Lebensweise und ihrer schädigenden Wirkung auf die Umwelt, kann Anstoß für die Entwicklung von Idealen und entsprechenden Denk- und Handlungsweisen sein. Soziale Ungerechtigkeit kann Basis idealistischer Zielsetzungen in der Politik und in Teilen der Gesellschaft sein.
Ideale können aus dem Kopf („du solltest“) oder aus dem Herzen („es ist mir ein echtes Anliegen“) kommen. Aus dem Herzen sind sie authentischer und können eine große Kraft freisetzen.

 

Welche Gefühle verstärken Idealismus? 

 

Menschen mit einem hohen Idealismus sind häufig sehr sensibel. Sie nehmen Leid und Schmerz intensiver wahr und entwickeln ein starkes Mitgefühl. Sie leiden mit, wenn ein Mensch krank und schwach ist, wenn er an den Rand der Gesellschaft gedrängt und ungerecht behandelt wird. Sie leiden mit, wenn sie Bilder von Massentierhaltung und Umweltverschmutzung sehen. Sie nehmen sich als Teil des Ganzen wahr. Leid, das anderen zugefügt wird, wird auch ihnen zugefügt. Sie können und wollen sich nicht abgrenzen. Sie wollen helfen und können erst glücklich und zufrieden sein, wenn keiner auf der Welt mehr Leid und Ungerechtigkeit erfährt. Aus diesem Empfinden entsteht Idealismus aus dem Herzen, der echt gemeint.
Altruismus, d.h. das Gefühl der Selbstlosigkeit ist Ursprung und Zeichen für Idealismus. Auch religiöses Empfinden durch Gebet und spirituelle Erfahrungen durch Meditation erwecken idealistische Gefühle und Verhaltensweisen.

 

Welche Berufsbilder stehen für ein hohes Maß an Idealismus?

 

Berufe in der Heilkunde, Kranken- und Altenpflege, Kindererziehung und im Hospiz haben eine idealistische, selbstlose und hingebungsvolle Komponente. Sie setzen echtes Mitgefühl und den tiefen Wunsch, die Welt der schwachen und hilfsbedürftigen Menschen besser zu machen, voraus. Auch ein Engagement in der Sozialarbeit, mit Flüchtlingen und anderen Randgruppen oder mit Insassen in Strafanstalten, haben einen idealistischen Charakter. Idealismus kann sich auch in der Arbeit in politischen Ämtern und Umweltschutzorganisationen niederschlagen.

 

Wie wird in der Freizeit Idealismus gelebt? 

 

Hier eröffnet sich ehrenamtlich oder nebenberuflich in Vereinen, Verbänden und Hilfsorganisationen die Möglichkeit, sich mit seinen idealistischen Zielen zu engagieren. Für die Entwicklung der Persönlichkeit eignen sich religiöse und spirituelle Einrichtungen. Jeder Lebensbereich, sei es die Beziehung, Familie, am Arbeitsplatz oder im Freundeskreis stellt eine Plattform dar, auf der das Gute gefördert, Mitgefühl gelebt, Gerechtigkeit hergestellt und andere Ideale definiert und verfolgt werden können.

 

Welche Vorteile hat Idealismus? 

 

Konstruktive Leitbilder geben Halt und Richtung. Das gilt für die eigene Entwicklung und für das Zusammensein mit dem Umfeld und der Gesellschaft. Idealismus relativiert die egoistische, selbstbezogene Seite in uns selbst und in der Gemeinschaft. Idealismus setzt Impulse zur Weiterentwicklung. Er bewegt Menschen, sich einzumischen und positive Veränderungen herbeizuführen. Er tut gut. Er schafft eine Verbindung mit Gleichgesinnten, was die positive Ausrichtung für die Sache noch verstärkt.

 

Welche Risiken hat Idealismus?

 

Idealismus kann fanatisch werden. Er kann zerstörerische Züge annehmen, wenn die eigenen Ideale als das einzig Wahre betrachtet werden, das anderen aufgezwungen wird, wenn keine freiwillige Einsicht besteht. Ideale können missionarisch und zwanghaft unter das Volk gebracht werden.
Idealismus kann auch für die eigene Person schädlich werden, wenn keine Balance durch Realitätssinn, Flexibilität und Toleranz hergestellt wird. Die eigenen Bedürfnisse werden zwar zurückgestellt. Sie sollten aber noch wahrgenommen werden. Sonst kann gerade in helfenden Berufen eine ständige Opferbereitschaft und Überforderung zum Burnout führen. Wichtig ist ein Gleichgewicht von Hingabe und Abgrenzung, Überzeugungskraft und Toleranz, Visionen und ihre realistische Umsetzung im Alltag.

 

Wie sieht es mit den eigenen Idealen aus? 

 

Vielleicht haben Sie Lust, selbst kurz Ihre Ideale bewusst zu betrachten und bei Bedarf zu aktualisieren: Welchen idealistischen Ansprüchen unterstellen Sie sich? Sind es Ihre eigenen oder sind sie übernommen? Passen sie noch? Tun Sie Ihnen gut?

Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

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