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Schokolade – nur süß oder auch gesund?

Kommentar schreiben Freitag, 10. Januar 2020

Schokolade – wer kann da schon widerstehen? Sie verlockt in den verschiedensten Formen, als Tafel, Keks, Riegel oder feinste Praline. Nervennahrung, Belohnung, Genuss und Geschenk, für alles eignet sie sich und kaum einer kann nein sagen. Doch der Zucker macht dick und schädigt die Zähne. Schokolade ist lecker, aber leider ungesund. Stimmt das? Nur bedingt! Es hängt von der Art der Schokolade ab. Denn dunkle Schokolade enthält wenig Zucker und viel Kakao und deshalb hat sie Erstaunliches für die Gesundheit zu bieten. Wie wird Schokolade hergestellt und welche Arten gibt es? Welche Inhaltsstoffe stecken drin? Wie fördert dunkle Schokolade die Gesundheit? Macht Schokolade glücklich? Worauf sollte man achten beim Kauf von Schokolade?   

 

Wo hat Schokolade ihre Wurzeln? 

 

Schon vor 3500 Jahren wurde von den Völkern Mittelamerikas aus gerösteten und gemahlenen Kakaobohnen ein Getränk mit dem Namen Xocoatl hergestellt. Kakao war für sie ein Geschenk Gottes.1 Die Maya nutzen Schokolade sogar als Medizin.2 Auch heute noch wenden indigene Frauen in Ecuador Kakao z.B. bei Blutungen an.3 Nach der Eroberung Amerikas hielt die Kakaobohne auch in Europa Einzug. Mit Milch und Zucker gemischt wurde Kakao zum beliebten Getränk der gehobenen Gesellschaft. Ab dem 19. Jahrhundert ermöglichte die Maschinenproduktion, dass auch die einfachen Leute in den Genuss von Kakao kamen. 1848 eroberte die erste feste Schokolade den Markt.1

 

Wie wird Schokolade hergestellt und was macht die Qualität von Schokolade aus?  

 

Die Früchte des Kakaobaums werden gleich nach dem Ernten geöffnet und das Fruchtfleisch und die Bohnen von Hand herausgenommen. Das Fruchtfleisch wird grob von den Kakaobohnen entfernt und die Bohnen mit dem Restfruchtfleisch 4-10 Tage zum Fermentieren unter großen Blättern liegen gelassen. Während dieses Gärungsprozesses entsteht Alkohol, der das Keimen der Samen stoppt.4

 

Dann werden die Bohnen ein bis zwei Wochen zum Trocknen in die Sonne gelegt. Im nächsten Schritt werden die Bohnen geröstet, gereinigt, gemahlen und erhitzt. Dabei schmilzt die Kakaobutter und es entsteht eine cremige Kakaomasse, der weitere Kakaobutter und Zucker zugegeben werden. Die Masse wird dünn ausgewalzt, erwärmt und bis zu mehreren Stunden gerührt. Je länger die Masse gerührt (conchiert) wird, je besser die Kakaobohne als Ausgangsprodukt, umso höher die Qualität der Schokolade.1 Der Gehalt an Nähr- und Vitalstoffen ist bei Bio-Produkten deutlich höher als bei konventionell hergestellten Produkten.5

 

Wie unterscheiden sich Vollmilch-, weiße und dunkle Schokolade?

 

Je höher der Kakaoanteil, umso dunkler und bitterer die Schokolade. Dunkler Schokolade wird meist wenig Zucker und keine Milch hinzugefügt. Für Milchschokolade wird Milch- oder Sahnepulver und deutlich mehr Zucker hinzugefügt. Weiße Schokolade besteht nur aus Kakaobutter.1

 

Was steckt drin an gesunden Inhaltsstoffen in der Schokolade?  

 

Kakao soll über 500 wertvolle Inhaltsstoffe enthalten. An vorderster Front steht sein hoher Gehalt an Antioxidantien. Sie schützen Zellen und Erbgut vor der schädigenden Wirkung freier Radikale und stärken das Immunsystem. 100 Gramm Kakaopulver decken den Tagesbedarf an Magnesium! So viel Schokolade werden wir jedoch nicht essen. Aber dunkle Schokolade, auch Trinkschokolade mit wenig Zucker und viel Kakao, tragen mit zur Versorgung mit dem Anti-Stress-Mineral bei. Magnesium entspannt die Muskulatur, auch die der Blutgefäße, aktiviert über 300 Enzyme und fördert die Knochengesundheit. In Kakao und so auch Schokolade mit hohem Kakaogehalt sind zudem Calcium und Phosphor für Knochen und Zähne, Eisen für die Blutbildung, Kupfer als Antioxidans, zur Energiegewinnung wie auch zur Blutbildung sowie Theobromin, Theophyllin, Serotonin und Dopamin als anregende Leistungs- und Glücksbringer, während Arginin u.a. die sexuelle Lust verstärken kann.5 

 

Dunkle Schokolade als Cholesterinsenker?

 

In einer Studie6 mit Diabetes-Typ-2-Erkrankten erhielt ein Teil der Teilnehmer 45 g Schokolade mit einem hohen Anteil an sekundären Pflanzenstoffen (Polyphenolen) und der andere Teil die gleiche Menge Schokolade mit einer geringen Menge Polyphenolen. Bei der Gruppe mit dem hohen Anteil der Polyphenole stieg das „gute“ HDL-Cholesterin an und der Gesamtcholesterinspiegel sank ab. Zwei weitere Studien5 bestätigten, dass ein kurzfristig erhöhter Kakao-Konsum das „schlechte“ LDL Cholesterin senkt, ohne die Werte des guten Cholesterins zu verändern, bzw. der Verzehr von 50 g dunkler Schokolade mit 70 % Kakao-Anteil die HDL-Werte erhöht und die LDL-Werte senkt im Vergleich zur Kontrollgruppe, die nur weiße Schokolade verzehrte. Zudem wiesen die Teilnehmer mit der dunklen Schokolade niedrigere Blutzuckerwerte auf.

 

Mit dunkler Schokolade Herz und Kreislauf schützen?

 

Laut einer Studie an der Penn State University in den USA kann dunkle Schokolade nicht nur das „schlechte“ Cholesterin, sondern auch dessen Oxidationsrate senken. Das hat einen positiven Effekt auf die Blutgefäße, die durch oxidiertes Cholesterin besonders geschädigt werden können. Weniger oxidiertes Cholesterin bedeutet weniger entzündliche Prozesse und Ablagerungen im Inneren der Blutgefäße. Das Risiko für Arteriosklerose und hohen Blutdruck sinkt. Maßgeblich dafür sind die antioxidativ wirkenden Flavanole. Sie verringern die Oxidation von Cholesterin als Basis der Arterienverkalkung und schützen die Zellen der Gefäße und des Herzens vor der Schädigung durch aggressive Sauerstoffverbindungen. Die Blutgefäße können durch regelmäßigen Konsum dunkler Schokolade beweglich und offen gehalten werden.


Anteile des Kakaos dienen den guten Darmbakterien als Nahrung und unterstützen ihre Vermehrung. Die guten Bakterien stärken das Immunsystem und verringern entzündliche Prozesse. Daher fördern dunkle Schokolade und Trinkschokolade mit Pulver mit hohem Kakaoanteil auch auf diese Weise die Blutgefäße und ein gesundes Herz-Kreislauf-System und helfen, Folgeerkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt vorzubeugen.5

 

Dunkle Schokolade gegen Übergewicht und Diabetes-Typ-2?

 

Tatsächlich! Eine Studie7 aus den USA zeigte im Tierversuch, dass die antioxidativen Substanzen von Kakao (Flavanole) die Zunahme von Gewicht bei Mäusen hemmte, obwohl sie fettreiches Futter zu fressen bekamen. Außerdem erhöhten sie die Glukosetoleranz – eine Vorbeugung gegen die Entwicklung eines Diabetes Typ 2. So gesehen, ist es potenziell möglich, dass auch der Mensch mit dunkler Schokolade (70 % Kakaoanteil und höher) sowie Trinkschokolade mit wenig Zucker und einem hohen Anteil an Kakao Übergewicht und Diabetes 2 entgegenwirken können.5

 

Schokolade als unterstützende Vorbeugung gegen Präeklampsie in der Schwangerschaft?

 

Präeklampsie oder Schwangerschaftsvergiftung geht mit zu hohem Blutdruck, Ödemen und der verstärkten Ausscheidung von Eiweiß durch den Urin einher. Sie hängt oft mit Fehl- und Totgeburten zusammen. Studien8 zufolge haben Schwangere, die regelmäßig dunkle Schokolade essen, nur ein halb so großes Risiko haben, an einer Präeklampsie zu erkranken.5

 

Macht Schokolade glücklich? 

 

Zumindest hat sie durch den Kakao anregende, stimmungsaufhellende Substanzen wie Theobromin, Serotonin und Dopamin. Arginin fördert die Durchblutung und auch die der Geschlechtsorgane, was zu verstärkter sexueller Lust bei Mann und Frau führen kann. Schon die Ureinwohner Mittel- und Südamerikas sollten von den Muntermacher-Eigenschaften der Kakaobohne gewusst und sie als Aphrodisiakum eingesetzt haben.5

 

Dunkle Schokolade für mehr geistige Leistungskraft und gegen Demenz?

 

Die Kakao-Anteile der dunklen Schokolade wirken sich nicht nur förderlich für gesunde Blutgefäße aus. Sie verbessern auch die Durchblutung des Gehirns, den Blutfluss und das Erinnerungs- und Denkvermögen. Bei den Studien tranken die Teilnehmer, die im Schnitt 73 Jahre alt waren, 30 Tage lang jeden Tag zwei Tassen heiße Schokolade und nahmen ansonsten keine Schokolade zu sich. Die Flavanole des Kakaos verbessern die Durchblutung in bestimmten Arealen des Gehirns und das Gedächtnis. Sie schützen die Nervenzellen im Gehirn vor Schädigungen durch freie Radikale und sollen sogar der Entwicklung von Demenz entgegenwirken.5

 

Worauf achten beim Kauf von Schokolade?  

 

Die gesundheitlich relevanten Wirkungen treten erst ab mindestens 70 % Kakao-Anteil ein. Wer einen nachhaltigen Anbau, bei dem die Kakaobauern angemessen bezahlt werden, unterstützen will, kauft Schokolade und Kakao mit einem Siegel von Fairtrade, Naturland Fair, Utz oder Rapunzel Naturkost Hand in Hand. Rainforest Alliance klingt auch gut, dokumentiert aber „nur“ den nachhaltigen Anbau, die Bezahlung des Kakaobauers ist nicht ihr Ziel.9


Genauso wichtiges Auswahlkriterium ist der Bio-Anbau. Denn werden Kakaobäume konventionell, d.h. in Monokulturen angebaut, sind sie besonders anfällig und werden intensiv mit Pestiziden gespritzt. Bio-Kakaobäume werden in Mischwäldern gepflanzt und forsten auf natürliche Weise zusammen mit anderen Baumgattungen den Wald wieder auf. Das stärkt die Pflanzen, macht sie widerstandsfähig und erhöht ihren Nährstoffgehalt.5  

 

Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

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