Scheidenkrampf: Ursachen und Therapie von Vaginismus

Kommentar schreiben Mittwoch, 08. August 2018

Der Begriff Vaginismus, umgangssprachlich auch Scheidenkrampf bezeichnet, beschreibt eine unwillkürliche Verkrampfung oder Verspannung des Beckenbodens sowie des äußeren Drittels der Vaginalmuskulatur, welche in zwei Formen unterteilt werden kann. Warum kommt es zu diesem Scheidenkrampf? Gibt es eine Therapie? Mehr zum Thema Vaginismus im folgenden Beitrag.

 

Definition - Was ist Vaginismus?

 

Vaginismus, auch als sogenannter Scheidenkrampf bezeichnet, ist eine unwillkürliche, psychogene Verkrampfung oder Verspannung des Beckenbodens sowie der Vagina, die es nur schmerzbedingt bis sogar unmöglich macht, Geschlechtsverkehr auszuüben. Auch gynäkologische Untersuchungen sowie das Einführen von Tampons können dadurch erschwert, schmerzhaft oder in der schwersten Ausprägung von Vaginismus nicht durchzuführen sein. Der Scheideneingang scheint eng oder wie verschlossen zu sein und selbst der Gedanke daran, etwas in die Scheide einzuführen, kann bereits zum Vaginismus führen.

 

Vaginismus zählt zu den sexuellen Dysfunktionen bzw. nichtorganischen sexuellen Funktionsstörungen, genauer Schmerzstörungen, und wird eingeordnet nach dem ICD-10 Zahlencode (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) zu den psychischen Störungen. Vaginismus kann aber auch organisch mitbedingt sein, häufig ist dieser aber rein psychisch bedingt.

 

Die neuere Definition des Vaginismus nach R. Basson, S. Althof, S. Davis et al in „Summary of the Recommendations on Sexual Dysfunctions in Women“ stellt die Form der Verkrampfung in den Hintergrund, da diese bislang nicht nachzuweisen gewesen ist und beschreibt Vaginismus als „andauernde oder wiederkehrende Schwierigkeiten einer Frau, das Einführen eines Penis, Fingers oder eines anderen Objektes in ihre Vagina zuzulassen, trotz ihres eigenen, ausdrücklich geäußerten Wunsches, etwas einzuführen.“

 

Einteilung in unterschiedliche Formen von Vaginismus

Im Allgemeinen kann man zwei Formen von Vaginismus unterscheiden: Primärer Vaginismus und sekundärer Vaginismus.

 

Primärer Vaginismus

Der primäre Vaginismus besteht von Geburt an und liegt vor, wenn einer Frau niemals möglich gewesen ist, etwas schmerzfrei in die Scheide einzuführen. In diesem Fall handelt es sich meist um einen sogenannten totalen Vaginismus, welcher meist erst in der Pubertät bzw. bei heranwachsenden jungen Frauen in der Adoleszenz entdeckt wird, weil vorher der Versuch etwas in die Vagina einzuführen üblicherweise nicht unternommen wird.

 

Sekundärer Vaginismus

Beim sekundären Vaginismus ist es betroffenen Frauen zwar noch möglich, Tampons zu verwenden und sich gynäkologischen Untersuchungen zu unterziehen, aber ein bestimmtes Ereignis kann ausreichen, um den Vaginismus auszulösen. Defizite im Sexualleben, wie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr können in Erscheinung treten. Der sekundäre Vaginismus entwickelt sich im Laufe des Lebens und ist nicht von Geburt an vorhanden. Vaginismus kann häufig die Folge einer Angst vor schmerzhaftem Geschlechtsverkehr sein und entsteht demnach mit dem ersten Versuch eines Geschlechtsverkehrs.

 

Zu den bestimmten Ereignissen als Auslöser für den Vaginismus zählen unter anderem:

  • traumatische Erlebnisse wie eine Vergewaltigung
  • Geburtstrauma sowie Verletzungsangst nach Geburten
  • eher „harmlose“ Erfahrungen, wie beispielsweise eine unsanfte gynäkologische Untersuchung
  • wiederholte Schmerzerlebnisse beim Geschlechtsverkehr

 

Neben primärem und sekundärem Vaginismus lassen sich auch noch weitere Formen unterscheiden, die nach Crowley et al. aufgelistet werden:

  • „konsistenter Vaginismus“ setzt immer ein, wenn der Versuch des Einführens unternommen wird
  • „globaler Vaginismus“ hängt weder von den Umständen noch von den Sexualpartnern ab und erfolgt unabhängig
  • „situationsbedingter Vaginismus“ setzt in bestimmten Situationen bzw. bei bestimmten Partnern ein, beispielsweise nur bei gynäkologischen Untersuchungen während es beim Geschlechtsverkehr keine Defizite gibt, oder andersherum

 

Vaginismus kann sich darüber hinaus auch nach Stressperioden entwickeln und sich darin äußern, dass betroffene Frauen ein phobieartiges Vermeiden einer Penetration zeigen. 

 

Diagnose Vaginismus - Und nun?

Vaginismus ist eine Verdachtsdiagnose, die gestellt wird, wenn die oben genannten Probleme bei einer Frau vorhanden sind und in einer klinischen Untersuchung keine körperlichen Gründe vorliegen, die beispielsweise das Eindringen beim Geschlechtsverkehr unmöglich machen. Körperliche Gründe können unter anderem Verwachsungen im Scheideneingang sein. Sofern derartige Gründe in einer gynäkologischen Untersuchung ausgeschlossen wurden, können seelische und partnerschaftliche Probleme angenommen werden, die zum sogenannten Scheidenkrampf führen. Da es sein kann, dass der Sexualpartner unbewusst auch daran beteiligt ist und den Vaginismus aufrecht erhält, ist es sinnvoll, den Partner in Diagnostik und Behandlung mit einzubeziehen. In behutsamen Gesprächen mit dem Arzt oder Psychologen können psychische Ursachen oder traumatische Erfahrungen erörtert werden.

 

Voraussetzung ist, dass sich die betroffene Frau dem vermeintlichen Tabuthema Vaginismus öffnet und sich ihrem Arzt anvertraut. Erst dann ist es möglich, den Teufelskreis zu durchbrechen und die Erwartungsangst, schmerzhafte Krämpfe und dauerhafte sexuelle Störungen sowie mögliche negative Auswirkungen auf die Partnerschaft zu vermeiden.

 

Zu den Komplikationen des Vaginismus gehören nämlich unter anderem, dass sich Frauen, die eine Partnerschaft führen, zusätzlich psychisch unter Druck setzen, zu „funktionieren“, wodurch sich der Vaginismus sogar noch verstärken kann und die eigenen sexuellen Bedürfnisse sowie die des Partners unbefriedigt bleiben – Unverständnis des Partners sowie Beziehungskonflikte können folgen. Nicht selten ziehen sich unter Vaginismus leidende Frauen auch unfreiwillig zurück und meiden deshalb Liebesbeziehungen. Das Selbstwertgefühl sinkt, Scham und Schuldgefühle sind vorhanden und starke Gefühle wie Einsamkeit und affektive Störungen wie Depressionen können entstehen. 

 

So kann Vaginismus therapiert werden

Unbehandelt ist eine spontane „Heilung“ bzw. Verbesserung des Vaginismus eher unwahrscheinlich, weshalb sexualtherapeutische Behandlungsmöglichkeiten in Betracht gezogen werden sollten. Denn der Vaginismus ist eine weibliche sexuelle Funktionsstörung, welche am wirkungsvollsten zu therapieren ist. Eine Verhaltens- oder Psychotherapie in Kombination mit Dehnübungen, wie das Training mit Vaginaldilatoren sowie Beckenbodentraining, können dazu beitragen, dass sich die Situation des Vaginismus verbessert.

 

Eine tägliche progressive Desensibilisierung ist zu empfehlen, bei der die Frau sich im Genitalbereich berührt und die Schamlippen mit den Fingern zu spreizen versucht. Das Verwenden von Vaginaldilatoren, glatte, konisch geformte Stäbe, kann die Vagina an das Einführen gewöhnen und das verspannte Gewebe desensibilisieren und lockern. Ziel der progressiven Desensibilisierung ist es, dass die Scheu und Angst vor Berührung verringert wird und eine körperliche Untersuchung von der Frau zukünftig toleriert werden kann. Wie bereits erwähnt, hat es sich als hilfreich erwiesen, den Beziehungs- und Sexualpartner in die Therapie mit einzubeziehen.

J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Judith Ehresmann ist als gelernte Operationstechnische und Chirurgischtechnische Assistentin in einem Krankenhaus beschäftigt. Das Schreiben hat sich immer mehr als Gegengewicht zu ihrem Vollzeitberuf im Gesundheitswesen entwickelt. Vor allem auch als Ausdruck ihres medizinischen Interesses, mit dem Wunsch, dieses auf ihre Mitmenschen zu übertragen. Frau Ehresmann schreibt unter anderem für den Thieme Verlag und ist seit November 2014 auch als Autorin für apomio.de tätig.

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