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Norovirus - Ein Virus, viele Variationen

Kommentar schreiben Mittwoch, 26. August 2020

Während alle Aufmerksamkeit auf Corona gerichtet ist, sollte man die Gefahr anderer Viren nicht übersehen: Schlagartige Übelkeit, heftiges Erbrechen und starker Durchfall können auf die Infektion mit dem Norovirus hinweisen. Gefährlich kann der Verlust an Flüssigkeit und Elektrolyten (Salzen) besonders bei kleinen Kindern und älteren Menschen werden. Lesen Sie hier, was für ein Erreger der Norovirus ist, wie man sich anstecken kann, welche Symptome auftreten, wie er behandelt wird und Sie sich vor der Magen-Darm-Infektion schützen können.

 

Inhaltsverzeichnis

 

Was ist ein Norovirus?

   

Das Norovirus hat seinen Namen von der Stadt Norwalk in Ohio Dort kam er 1968 in einer Grundschule das erste Mal zum Ausbruch. 1972 wurde es dann erstmals mit einem Elektromikroskop nachgewiesen. Alle verwandten Spezies aus der Gattung wurden daraufhin als Norwalk-like-virus bezeichnet. 2002 kam die Umbenennung in Norovirus.

Noroviren mutieren stark und bilden Kombinationen untereinander zu neuen Noroviren. Das erklärt die vielen Variationen und die schwierige Bekämpfung des hoch ansteckenden Virus. Noroviren sind weltweit verbreitet.1

 

Wie steckt man sich an mit dem Norovirus?

 

Noroviren sind sehr robust und resistent gegenüber Umwelteinflüssen. Sie überleben Temperaturen zwischen -20 und +60 Grad.1 Sie existieren z.B. auf Lebensmitteln, Türklinken, Lichtschaltern, Toilettenbrillen, Wasserhähnen, Besteck, Tischplatten und natürlich auf den Händen. Es reicht ein einziger infizierter Mensch, um eine Endemie (lokale Epidemie) auszulösen.

 

Befinden sich nur kleinste, unsichtbare Reste an Stuhl oder Erbrochenem an einer Hand, die eine andere Hand schüttelt, und diese Hand fasst sich an Nase oder Mund, gelangen die Viren über die Schleimhaut in den Körper. Man spricht von einer fäkal-oralen Ansteckung. Infiziert man sich an verunreinigten Gegenständen, auf denen der Norovirus bis zu 12 Tagen überlebt, an Lebensmitteln oder Getränken, wie Wasser, Salate und Muscheln, dann findet die Übertragung durch eine Schmierinfektion statt. Ein weiterer Ansteckungsweg ist die Tröpfcheninfektion: Beim Erbrechen entstehen feinste Tröpfchen (Aerosole), die über die Luft einen anderen Menschen über Nase oder Mund infizieren können.2

 

Wann und wo ist die Ansteckungsgefahr mit dem Norovirus besonders hoch?

 

Wie auch bei anderen Viruserkrankungen ist die Zeit von Oktober bis März die Hochphase für eine Ansteckung. Aber auch im Rest des Jahres kann das Virus aus anderen Gegenden der Welt eingeschleppt und übertragen werden. Öffentliche Einrichtungen, wie Krankenhäuser, Altersheime, Kindergärten, Schulen, Kreuzfahrtschiffe, Hotels, Familienfeste oder andere Situationen mit vielen Menschen auf relativ engem Raum sind besonders gefährdet für den Ausbruch einer Norovirus-Endemie.1

 

Wie lange ist die Inkubationszeit?

 

Die Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten der Symptome, beträgt 5 bis 60 Stunden.2 Bei manchen Menschen zeigen sich schon nach wenigen Stunden die heftigen Symptome. Meist wird jedoch von einer Inkubationszeit von 1 bis 2 Tagen ausgegangen. Die akute Gastroenteritis (Brechdurchfall) hält dann ein bis drei Tage an.1

 

Welche Symptome treten auf bei einer Norovirus-Infektion?

 

Es kommt schlagartig zu Übelkeit, heftigem Erbrechen, wässrigem Durchfall und Bauchschmerzen. Manchmal verliert der Patient das Geschmacksempfinden. Weitere Begleitsymptome sind Kopf-, Muskel-, Gliederschmerzen, Husten, leichtes Fieber und ein allgemeines Schwächegefühl.1 Selten können Durchfall ohne Erbrechen oder Erbrechen ohne Durchfall oder gar keine Symptome auftreten. Nach dem Brechdurchfall kann der Patient sich noch ein paar Tage schlapp fühlen.3

 

Bei Kindern treten häufig nur Durchfall und etwas Fieber aus. Bei ihnen ist die Gefahr der Austrocknung durch den Flüssigkeitsverlust höher als bei Erwachsenen. Sie sollten möglichst im Krankenhaus überwacht werden.4

 

Wie lange ist man ansteckend?

 

Die Möglichkeit, das Norovirus zu übertragen, beginnt gleich, wenn man sich angesteckt hat. Am ansteckendsten ist die Krankheit während des Brechdurchfalls. Nach Abklingen der Symptome ist der Patient noch etwa zwei Tage ansteckend. Noroviren lassen sich noch bis zu 14 Tagen, in einzelnen Fällen sogar noch länger nachweisen. In dieser Zeit sind durchgehend die Hygienemaßnahmen einzuhalten, um die Ansteckung des Umfelds zu verhindern.3

 

Wie laufen die ärztliche Untersuchung und der Nachweis des Norovirus ab?

 

Ansprechpartner ist der Hausarzt. Die körperliche Untersuchung findet statt, um andere Erkrankungen mit denselben Symptomen auszuschließen. Die Probe mit Stuhl oder Erbrochenem wird in speziellen Labors untersucht. Hat sich der Verdacht auf Norovirus bestätigt, sollten sofort Hygienemaßnahmen ergriffen werden.3

 

Ist der Norovirus meldepflichtig?

 

Ja. Eine Erkrankung mit dem Norovirus muss mit dem Namen des Patienten dem zuständigen Gesundheitsamt gemeldet werden. Bei Patienten, die in Einrichtungen zur Gemeinschaftsverpflegung tätig sind oder anderweitig Umgang mit Lebensmitteln haben, ist schon der Verdacht auf eine Norovirus-Infektion zu melden.3

 

Wie wird eine Infektion mit dem Norovirus behandelt?

 

Schonen, möglichst Bettruhe und der Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolytverlusts sind die wichtigsten Faktoren, um die Symptome zu lindern und gesund zu werden. Empfohlen werden Wasser mit etwas Zucker und Salz, verdünnte Säfte und Gemüsebrühe. Auch wenn es schwerfällt: Der Patient sollte versuchen, etwas Nahrung zu sich zu nehmen, wie Knäckebrot, Zwieback und Butter- oder Haferkekse. Nach der Erkrankung bleibt es zunächst bei der leicht verdaulichen Kost. Cola und Salzstangen sind keine Lösung! Das Koffein im Cola ist harntreibend und der Körper verliert noch mehr Flüssigkeit. Salzstangen liefern immerhin Kochsalz. Das noch fehlende Kalium findet sich z.B. in Bananen, Knäckebrot und Haferflocken.

 

Wenn die Symptome stärker ausgeprägt sind, sollte der Ausgleich von Flüssigkeit und Salzen durch eine Rehydrationslösung mit Traubenzucker und Elektrolyten wie Natrium- und Kaliumchlorid sichergestellt werden. Sie ist als Pulver in der Apotheke erhältlich und wird in Flüssigkeit aufgelöst. Außerdem kann in Absprache mit dem Arzt ein Mittel gegen zu starkes Erbrechen eingenommen werden. Ansonsten machen Erbrechen und Durchfall Sinn, damit der Körper den Krankheitserreger schnellstmöglich und in großen Mengen loswerden kann.

 

Bei sehr starker und längerer Symptomatik muss der Patient ins Krankenhaus, um den hohen Flüssigkeits- und Elektrolytverlust mithilfe einer Infusion auszugleichen und gleichzeitig Nährstoffe zuzuführen. 

 

Wie ist die Prognose bei einer Infektion?

 

Die Erkrankung ist zwar heftig. Aber sie heilt im Normalfall vollständig aus. Bei Kindern, älteren Menschen und Patienten mit geschwächtem Immunsystem sind schwerere Verläufe möglich, die in einzelnen Fällen zum Tod führen können.1 Die größte Gefahr ist die Austrocknung mit Kreislaufproblemen, Krampfanfällen und Nierenversagen.3 

 

Gibt es eine Impfung?

 

An einem Impfstoff wird gearbeitet. Es ist jedoch schwierig, da es immer wieder neue Varianten des Virus gibt. Man geht davon aus, dass man mit einer Impfung die Infektion nicht verhindern, aber die Erkrankung abschwächen könnte.1

 

Wie kann man sich gegen eine Norovirus-Infektion schützen?

 

Da es keine Impfung gibt, bleiben als Schutz strenge Hygienemaßnahmen und Abstand zu der erkrankten Person. Besonders Gefährdete wie Kinder, ältere und immungeschwächte Menschen sollten von Erkrankten isoliert werden. Ansonsten heißt es, sich gründlich und regelmäßig die Hände zu waschen. Das gilt vor allem nach der Toilette und vor dem Essen. Die Hände können zusätzlich desinfiziert werden: Dazu eignet sich nur ein Desinfektionsmittel, das auch gegen Viren hilft. Es muss 30 Sekunden lang einwirken.

 

Die Hygienemaßnahmen sollten noch mindestens eine Woche lang nach Abklingen der Symptome beibehalten werden. Gegenstände, die ein Kranker im Haushalt angefasst hat, müssen mit einem Flächendesinfektionsmittel desinfiziert werden, wozu man am besten Handschuhe und einen Mundschutz trägt. Wäsche des Erkrankten muss mit 90 Grad gewaschen werden, da das Norovirus 60 Grad überleben kann. Dementsprechend sollte man die Kleidung auswählen. Der Betroffene sollte frühestens zwei Tage nach Abklingen der Symptome wieder in die Öffentlichkeit gehen.

 

Das Waschen und Desinfizieren der Hände sollten auch dann durchgeführt werden, wenn kein Erkrankter im Haushalt, aber das Norovirus gerade in der Region ist. Als natürliche Mittel könnten Fruchtextrakte von Orangen, Zitronen und Granatäpfeln helfen: Sie sollen Magen-Darm-Infekte lindern. Das Citrat der Zitronensäure bindet sich an die Viren und kann die Andockstelle zu den Körperzellen blockieren. Zudem soll es das Citrat dem Immunsystem erleichtern, das Norovirus anzugreifen.3

 

Ist man nach einer Norovirus-Infektion immun?

 

Nein. Die Immunität bezieht sich nur auf die Virusvariante, an der man erkrankt war.

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Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

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